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Neid auf andere Betroffene (Angst/Depressionen)

k;leiane_Da~ida


Natürlich hat arbeiten auch Vorteile (Struktur, Geld, mehr Möglichkeiten, keine Langeweile), aber es wird zumindest bei mir oder bei vielen Betroffenen eben auch durch einen permanenten starken Stress-Pegel und das Gefühl, keine Ruhe/Freizeit mehr zu haben aufgewogen. Ist es das wert? Seit ich arbeite, fühle ich mich wirklich immer scheiße, unter Druck, denke ständig daran. Also in manchen Hinsichten gebe ich den Arbeitslosen betroffenen schon auch recht. Wenn jemand körperlich krank ist, stellt man seine Arbeitsunfähigkeit ja auch nicht in Frage.

Das Problem sind auch nicht speziell diese Leute und dass ich will, dass die unbedingt auch arbeiten sollen, sondern meine ständige Unsicherheit, dass ich doch auch nicht wirklich arbeiten kann und mich quäle. Es entwickelt sich dadurch auch 0 bei mir weiter, eher bin ich durch den Stress noch eingeschüchterter.

Ich könnte Stunden wohl reduzieren, aber dann würde ich wirklich nur knapp über H4 bekommen und dann würde mir das Arbeiten, wenn ich mir nicht mal was dafür leisten könnte, noch sinnloser vorkommen.

Ich wollte nicht sagen, dass es mir am schlechtesten geht, es tut mir leid, wenn ich das so ausgedrückt habe. Ich wollte nur sagen, dass es mir auch nicht besser als anderen geht oder ich auch nicht belastbarer bin.

Mit einer anderen SHG ist schwierig, die nächste sich regelmäßig treffende wäre erst in Stuttgart, was ein ganzes Stück weit weg wäre.

MOilky_e377


Hättest du denn die Möglichkeit einer längeren Krankschreibung oder eine Rente vom Staat zu beziehen?

P@lüsc+hbiexst


Rente plus 450 Euro Job wäre wohl ideal für Betroffene. Leider ist das schwer zu erreichen.

mJait


Dreh den Gedanken um: Du bist nicht neidisch auf die, die nicht arbeiten, sondern stolz auf dich, dass du trotz aller Schwierigkeiten es ja schaffst!

Ich habe auch mit meiner Erkrankung fast immer gearbeitet bzw. studiert und bin darauf sehr stolz, auch wenn andere mich lieber in der Klo

inik gesehen hätten (also als Patient, nicht als Mitarbeiter ;-D ).

k^leCinNe_ai)dxa


Hey, danke für eure Antworten und auch für die aufbauenden Worte.

Das Problem ist noch, dass ich ein paar Beziehungen hatte und auch immer nur in diesen Kreisen (SHG, Internetgruppen) jemanden kennen gelernt habe und in den letzten 12 Jahren nur mit Männern zusammen war, die auch Ängste/Depressionen oder zusätzlich noch irgendwelche Zwänge hatten. Manche hatten gar keinen (Schul-)Abschluss oder waren arbeitslos, halt auch durch die Depressionen.

Also wenn man zufällig Partner hat, die mal besser oder schlechter dastehen und es sich so ergeben hat, ist das ja normal, aber ich hatte eigentlich durchgehend Partner, die keine Arbeit hatten, Ausbildung abgebrochen, im fortgeschrittenen Alter noch von Eltern abhängig usw., während ich studiert und dann gearbeitet habe. Das zieht mich auch ziemlich runter und gibt mir das Gefühl, dass alles, was ich trotz meiner Ängste schaffe, nicht viel wert ist. Also ich habe ja kein Problem, wenn ein Partner zufällig mal gerade keine Arbeit hat, aber bei mir ist das wie ein Muster, das sich durch mein Leben zieht und passt halt dazu, dass ich so wenig Selbstbewusstsein habe. Ich dachte immer, man muss halt tolerant sein und nicht auf sowas wie Beruf/Ausbildung schauen und in diesen Betroffenenkreisen wird halt auch immer sehr stark hervorgehoben, dass ganz egal sei, was jemand macht, wichtig sei nur Charakter/Herz. Und dass sich viele Leute nur über ihre Arbeit definieren würden.

MDilky_xe77


naja ist klar, dass in diesen Kreisen, wo niemand arbeitet, auf Arbeit dann keinen Wert gelegt wird bzw. die Arbeit der anderen nicht als wichtig empfunden wird.

MVilky_6e7x7


Es kommt eben immer drauf an, in welchen Kreisen man sich bewegt.

Wenn man lauter Akademiker als Freunde hat, dann steht bei denen Arbeit natürlich hoch im Kurs und da wird dem Beruflichen viel Interesse entgegengebracht.

Hast du Lebenskünstler oder Dauerarbeitslose als Freunde, dann wird von denen Arbeit eher abgewertet oder als unwichtig oder sogar störend empfunden.

Die haben halt entweder gar keinen Bezug dazu oder schlechte Erfahrungen gemacht, und wollen vielleicht nicht mehr arbeiten.

Es kommt halt - wie überall im Leben - auf die Umgebung an.

Fährst du an Meer, wird den Einheimischen dort Schifahren nicht wichtig sein ;-)

Fährst du ins Gebirge, wird das Thema bei vielen Anwohnern Schifahren und Wandern sein ;-)

N$ordiT8x4


in diesen Betroffenenkreisen wird halt auch immer sehr stark hervorgehoben, dass ganz egal sei, was jemand macht, wichtig sei nur Charakter/Herz. Und dass sich viele Leute nur über ihre Arbeit definieren würden.

Es ist in praktisch allen Bereichen und Schichten ne üble Angewohnheit sich selbst besser zu machen in dem man andere schlechter macht. In dem Fall sind halt die bösen "normalen" mit ihrem Geld und ihrem Statusdenken der Feind denn man selbst hat ja offenbar keinen Bock auf Arbeit und auf ein Leben im System, das ist viel zu mühsam. (denn das es trotz Depressionen und Ängsten gehen kann zeigst du ja selbst)

Ich bleibe dabei: Überlege ob solche Gruppen wirklich der richtige Umgang sind. Ja, wenn alles in den richtigen Bahnen läuft kann man sich austauschen und sich gegenseitig unterstützen, du beschreibst hier aber bloß Gruppen die sich in ihrem Selbstmitleid suhlen und garnichts verändern wollen.

k_leiZne_"axida


Ja, ihr habt recht. Der Einfluss solcher Gruppen ist nicht gerade positiv. Aber ich weiß halt nicht, wie ich sonst Kontakte knüpfen könnte. Wobei es bei den Gruppen teilweise auch Leute gibt, die arbeiten, aber die arbeiten dann auch oft in stressigen und/oder unzufriedenstellenden Jobs unter ihren Fähigkeiten, was dann wiederum die anderen darin bestätigt, besser erst gar nicht arbeiten zu gehen.

Am besten würden wohl Leute passen, die auch Angst/Depressionen haben, aber sich trotzdem durchbeißen und mit denen man sich auch über Arbeit austauschen kann.

In "normalen" Gruppen gehe ich noch mehr unter und bekomme gleich Panik, wenn Leute lachen oder sich gut verstehen, z.B. bei Kollegen. Und ich muss halt immer geheimhalten, dass ich Ängste und Depressionen habe und habe Angst, jemand merkt z.B., dass ich keine Freunde habe. Das alles erschwert das Kennenlernen von "normalen"/positiv gesinnten Menschen.

JUulixaT


Dreh den Gedanken um: Du bist nicht neidisch auf die, die nicht arbeiten, sondern stolz auf dich, dass du trotz aller Schwierigkeiten es ja schaffst!

Ich glaube sie ist nicht in erster Linie stolz, sondern einfach nur fertig mit den Nerven.

Der Neid hat vermutlich diese große Bedeutung, da Du spürst, dass es Dir eigentlich auch zustünde, in Deiner Situation selbst nicht arbeiten zu gehen. Und das ist finde ich auch sehr gerechtfertigt in Deiner Situation. Eine psychische Krankheit hat den gleichen Stellenwert wie eine körperliche Krankheit. Wie wäre es denn, wenn Du Dich erst mal krankschreiben ließest, Dich intensiv um Deine Ängste kümmerst und eventuell in eine stationäre Klinik gehst? So wie es jetzt ist, kann es ja nicht bis zur Rente weitergehen, ohne dass Du irgendwann komplett durchdrehen wirst. Deine Psyche sendet schon ständig Warnsignale aus. Wenn man das konsequent ignoriert, kann es auch irgendwann körperlich werden.

F)el she&ldin


Hey Aida,

ich kann dich total verstehen, da es mir genauso geht.

Ich habe mich selbst in den schlimmsten Zeiten immer zur Arbeit geschleppt, obwohl mir schwindelig war, schlecht oder ich permanent an der Heul-Grenze dran war. Zwischendurch war ich mal 7 Wochen Stationär in Therapie, habe mich da auch ständig schlecht gefühlt meiner Arbeit gegenüber und bin im Anschluss danach gleich wieder arbeiten gegangen. Mich hat und macht es zum Teil noch wütend, wenn ich mit welchen von da Kontakt habe, die es gar nicht versuchen oder aus "nichtigen" (bzw. eher für mich nicht nachvollziehebaren Gründen) alles hinschmeißen, dauerkrankgeschrieben oder arbeitslos sind.

Ich weiß z. T. dass es bei mir daher kommt, dass ich als Kind nie krank sein durfte...also es ging zur Schule bis es gar nicht mehr geht...bzw. krank ist man nur mit Fieber. Meine ELtern praktizieren das bei sich auch heute noch. Ich versuche mich davon etwas zu lösen und mir auch mal zugestehen, dass ich nicht immer funktionieren muss bis es gar nicht mehr geht. Ich denke, und vielleicht ist es bei dir auch so, dass die Wut und der Neid davon kommen, dass man eigentlich auf sich selbst wütend ist, dass man sich nicht eingestehen kann, dass man auch krank ist, wenn man nicht 40 Fieber hat.

Außerdem habe ich gemerkt, dass die anderen mich auch Beneiden um den "normalen" alltag. Ich glaube, dass es auch nicht gut tut, wenn ich zuhause die ganzen Gedanken nur um die Krankheit kreisen und ein Vermeidungsverhalten beginnt, was auch nicht gut ist.

Tuatjeana6x472


In "normalen" Gruppen gehe ich noch mehr unter und bekomme gleich Panik, wenn Leute lachen oder sich gut verstehen, z.B. bei Kollegen. Und ich muss halt immer geheimhalten, dass ich Ängste und Depressionen habe und habe Angst, jemand merkt z.B., dass ich keine Freunde habe. Das alles erschwert das Kennenlernen von "normalen"/positiv gesinnten Menschen.

Warum hast du das Gefühl dass du deine Ängste verstecken musst? Menschen, mit denen man näher in Kontakt kommt von seiner Erkrankung zu erzählen, kann auch sehr befreiend sein.

Natürlich geh ich auch nicht auf die Leute zu und stell mich vor als die Frau mit der Angsterkrankung, aber meine regelmäßigen Kontakte wissen das. Du würdest dich wundern wie viele Leute plötzlich mit ihren eigenen psychischen Beschwerden um die Ecke kommen, oder auch Verständnis haben. Da musst du dich nicht nur mit anderen Betroffenen umgeben.

Was ich übrigens auch als sehr kontraproduktiv empfinde.

Am Wochenende war ich mit einigen Leuten auf einer Veranstaltung. Irgendwann überkam mich die Platzangst, obwohl ich eigentlich ziemlich beschwerdefrei bin seit Jahren. ich entschuldigte mich "sorry meine Macke", ging mal kurz raus und jeder hat es verstanden. Nach 5 Minuten war ich wieder da und alles gut. Mich schaut da keiner blöde an, und manchmal machen wir auch Witze über meinen Sockenschuß. ;-)

Ich würde zum Beispiel nicht mit einem Mann verheiratet sein wollen der auch unter einer psychischen Erkrankung leidet. Mein Mann hat ein gewisses Maß an Verständnis, er hört mir zu, murmelt mir ein paar Phrasen ins Ohr wenn ich grade mal wieder durchhänge (schaffst das schon, bist eine starke Person), erwartet aber von mir dass ich mich nicht auf meiner Angststörung ausruhe. Das hat mich immer angetrieben.

Lange Rede kurzer Sinn: Versuch dich mit "normalen" Leuten zu umgeben. In diesen Gruppen, die auch sehr hilfreich zu Beginn sein können, schmort man doch oft im eigenen Saft und bedauert sich. Aber achte auf dich. Wenn du dich überfordert fühlst geh andere Wege, schone dich.

Ich finde trotzdem du kannst stolz auf dich sein. Leidest du auch unter sozialen Ängsten?

Z/wacnk44


Hallo, kleine_aida, Mangel an Selbstwertgefühl, Sozialphobie und Ängste sind offenbar Symptome Deiner Depression. Mich hat im Alter von 39 eine schwere Depression erwischt, die mich arbeitsunfähig machte. Gang zum Psychiater, 3 Monate stationäre medikamentöse Therapie, danach konnte ich wieder arbeiten, mit den beruflichen Erfolgen kam auch das Selbstwertgefühl zurück und nach einigen Wochen brauchte ich auch keine Antidepressiva mehr. Wenn Dir weder Deine SHG noch Deine Psychotherapie helfen, solltest Du vielleicht einmal an Medikamente denken. Oft helfen sie allein wie bei mir (habe mich nie einer Psychotherapie unterzogen) oder bringen Dich erst auf ein Niveau, das Dich für eine Psychotherapie ansprechbar macht. Ich wünsche Dir alles Gute!

k|laein8e_a)ida


Danke für eure Erfahrungen. Ich habe, ehrlich gesagt, Angst vor Medikamenten. Ich kenne durch SHG usw. ja einige Leute, die Medikamente nehmen oder genommen haben. Viele haben starke Gewichtsprobleme dadurch oder andere Nebenwirkungen (starkes Schwitzen, Benommenheit). Außerdem habe ich Angst, dass das Folgeschäden hat. Dass jemand dank Medikamente was geschafft hat, z.B. ohne Angst Freunde finden/treffen oder normal arbeiten habe ich noch von keinem mitbekommen. Wobei.. höchstens von einem, glaub ich. Der fühlt sich durch eine kleine Menge an Medikament etwas sicherer auf der Arbeit. Aber ich hab halt Angst. :( Wenn ich z.b. stark schwitzen oder zunehmen würde, würde mir etwas bessere Stimmung wenig helfen, weil mich so körperliche Beschwerden schon sehr belasten.

ich habe Angst, mich länger krankzuschreiben, also überhaupt zu einem Arzt zu gehen und wie die auf der Arbeit darauf reagieren..

Ich denke mir auch oft, solange ich ja noch nicht zusammenbreche oder ne extreme Panikattacke, "kann" ich ja anscheinend arbeiten. ??? ??? ???

Fvizzlyp&uzxzly


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