» »

Der ewige Kreis

D`enkVtZuVixel hat die Diskussion gestartet


Hallo liebes Forum,

vorneweg: Ich glaube, ich habe kaum konkrete Fragen, muss eher einiges loswerden, bin aber an Meinungen, Sichtweisen, etc. sehr interessiert.

Ich bin jetzt 30. Das ist neu, fühlte sich Ersteinmal gar nicht so schlecht an, nimmt mich dann aber natürlich trotzdem mit. Seit ich denke kann, denke ich zu viel. Kürzlich teilte mir mein Muttertier mit, dass sie sich damals, als ich Kindergarten war, immer wunderte, das ich, im Gegensatz zu allen Anderen, immer still herum saß und "sinierte". Ich weiß noch (die Erinnerungen an diese Zeit sind nicht mehr ganz taufrisch), dass ich a) schüchtern und b) das Bedürfnis hatte, Dinge zu verstehen. Das war eigentlich ganz gut so. Mit 7 oder 8 begann ich, mich selbst und alles andere, natürlich aus kindlicher Perspektive, in Frage zu stellen. Und das wurde dann langsam ein regelrechtes Hobby, spätestens mit Einsetzen der Pubertät, mit etwa 11, zum Alltag. Das ist es immer noch, und es ist nicht gesund. Ich hinterfrage an jeder Stelle mein Selbst, mein Handlen, mein Wollen, mein Können, Wissen, Wirken, Schaffen, etc. In den vergangen Jahren Mal mehr, Mal weniger, seit einigen Monaten wieder extrem viel. Wäre ja vielleicht gar nicht so schlimm, macht mich immerhin zu einem bedachtsamen, höflichen Menschen. Untergräbt aber auch jedes Glück, jede Freue und jedes Selbstvertrauen. Und da wird es dann langsam zum Kreis: Selbstkritik -> wenig Selbstvertrauen -> Problem der "Entscheidungsfindung" -> keine Entscheidung -> keine Handlung -> kein Erfolg -> Selbstkritik.

Nun stehe ich da, habe mich sehr lange mit meinem Depressionen durch's Studium gequält (die nahmen dabei sehr viel mehr Zeit in Anspruch als das Studium selbst), vegetiere in einem Halbtagsjob vor mich hin und traue mich nicht, mich auf andere Stellen zu bewerben, die Stadt, das Land zu verlassen, dass Leben zu beginnen. Nein, ich vegetiere. Und werfe es mir vor. Fühle mich unsagbar alt und kraftlos, habe Rückenschmerzen, Hörstürze, stresse mich wahnsinnig ohne ersichtlichen Grund, bin kurzum kreuzunglücklich und fühle mich nicht befähigt, etwas zu verändern. Befürchte, dass ich es nicht verdient habe. Will Millionen verdienen und berühmt sein, Zweifle an meiner Fähigkeit, mir eine Hose anzuziehen.

Frühere Gegenhandlungen: Nachdenken, Versuch der Eigenständigen Verhaltenstherapie, Therapie bei einem Psychologen von etwa 2,5 Jahren, Gespräche mit unsagbar vielen Menschen, ... Ergebniss? Keins. Suizid? Klingt manchmal gar nicht so verkehrt. Selbstmitleid? Oh ja, dass kann ich. Egoismus sowieso.

Danke für's zuhören.

Antworten
Leo%maxx


Ich kenne dieses Rad aus Selbstkritik und negativen Gedanken selber nur zu gut.

Mir hat damals der folgende Gedanke ein wenig geholfen: Wenn ein Fremder mich so beurteilt, wie ich mich selber beurteile, würde ich kein Wort mehr mit mir reden, und ich muss noch ziemlich lange mit mir auskommen. Ich will mich so betrachten, wie die meisten Menschen einen anderen betrachten: Mit Wohlwollen.

C$arama4la 3


Ich finde, du hast das gut reflektiert rüber gebracht. Mit dem heutigen Umfeld zurecht zu kommen, ist nicht so leicht, denn die innere Freude muss ja irgendwo herkommen. Unsere Welt hat aber zwei Seiten und man muss damit zurecht kommen. Und das macht jeder auf seine Art und Weise und manche sind auch extrem. Da gibt es z.B. die Optimisten, die überall immer nur das Positive sehen wollen und die Pessimisten, die dann überall den Mangel sehen. Für mich haben beide Seiten recht. Ich selbst sehe immer beides und ich bin nie himmelhochjauchzend, aber auch nicht zu Tode betrübt. Hinterfragen tue ich auch alles. Das Denken kann einen meiner Erfahrung nach nur dann runterziehen, wenn das innere Lebensgefühl mit den Gedanken kollidiert. Und dann die Frage warum kollidiert es? Meine Antwort darauf ist, dass uns noch einige Ressourcen/Antworten fehlen, damit das Denken und das Gefühl im Einklang sein können. Das wäre jetzt einerseits spirituell, andererseits sehe ich in keiner Religion/Tradition/oder Wissenschaft, hier eine stimmige Antwort, die allem gerecht werden kann, also den beiden Seiten auf der Welt, die ich, ehrlich gesagt, für nicht normal halte und tief in mir drinnen auch nicht für gewollt halte. Meiner Meinung nach fehlt eine weitere Konstante, also ein Lebensbereich, der noch nicht ganz erschlossen ist, um auf einen gescheiten Nenner zu kommen.

Aber an deiner Stelle würde ich erst einmal nicht so weit gehen, sondern erst einmal schauen, dass du eine Basis für dich findest, in der du dich wohlfühlen kannst.

Was interessiert dich wirklich? Ich zum Beispiel habe auch mehrere Berufe gelernt, die mir alle ein Stück weit weitergeholfen haben, aber erst heutzutage ist es mir möglich, etwas zu wählen, was es in meiner Lehrzeit noch nicht gegeben hat. Deshalb die Frage, wo liegen deine wirklichen Interessen und Bedürfnisse? Welchen Beruf hast du denn?

Und dann die Frage, wie sieht es mit einer Partnerin aus, die dich versteht? Ein geteiltes Leben mit einem Partner, der selbst auch eigenständig sein kann, damit meine ich noch nicht einmal das Finanzielle, obwohl das nicht unwichtig ist, aber jemand der nicht seine Bedürfnisse dir überstülpt, sondern jemand der, für sich selbst da sein kann, so dass man sich ergänzt und nicht noch zusätzlich Forderungen stellt.

Egoismus, wird immer gerne als fehlerhaft angesehen. Jemand, der aber nicht nach sich selbst schaut, der kann auch nicht für andere irgendetwas Sinnvolles tun, geschweige denn Verständnis für die Bedürfnisse anderer haben.

Für mich hört sich das auch nach Ängsten an. Und das wiederum kann man erforschen. Warum hat man sie? Hat man Ängste vor anderen Menschen und deren Verhalten oder weiß man einfach nicht, wie man überleben soll in dieser Welt. Macht das Leben überhaupt Freude? Und wenn nicht, warum nicht? Was fehlt? Das sind alles Fragen. Hast du darauf eine Antwort für dich?

DOenkQtMZuV&ixel


Vielen Dank für die Beiträge.

@ Lomax

So etwas denke ich auch manchmal und versuche es (immer erfolglos) zu verinnerlichen. Schlussendlich kehre ich nach Minuten, Tagen, spätestens Wochen zu meinem alten Muster zurück.

@ Caramala 3

Mir fehlen mit Sicherheit Antworten und zwar insbesondere auf deine Frage danach, was ich denn eigentlich will. Ganz ehrlich und völlig utopisch? Alles. Ich will quasi unsterblich sein (bis zu einem Punkt x, an dem ich selbst beschließe, dass es reicht), immer wieder neu anfangen können und neue Dinge studieren, probieren, erobern. Andere Leben führen. Dieser Wunsch entspringt dem zu vielen Grübeln darüber, was die perfekte Lösung ist. Die kann ich nicht kennen, daher will ich ausprobieren, bis ich sie habe. Zumindest etwas realistischer habe ich ein recht starkes Verlangen nach "Ruhm (gesellschaftliche Anerkennung, von "der weiß wie man's macht" bis hin zu Rockstar) und Reichtum (ja, auch monetär, aber vor allem Wissen, Bildung, Erfahrungen)." Was ich dafür tue? Quasi nichts. Denn auf der anderen Seite steht ja mein gefühltes Können, das verhindert, dass ich mein tatsächliches Können kenne, geschweige denn einsetze. Was mich interessiert... Menschen, IT, Musik, Geschichte, Politik, Reisen (wenn mein Selbstvertrauen es gerade zulässt), "das große Ganze", Sex, ... vieles Weitere und dann fast alles irgendwie ein bisschen. Beruflich mache ich eine Mischung aus IT und Eventmanagement, habe aber sehr wenig zu tun. Krebse außerdem am untersten Ende der Hierarchie herum, Vertrag ist befristet, keine Chance auf Verlängerung. Das ist auch definitiv nicht das, was ich auf Dauer machen will. Was ich beruflich will, weiß ich nicht. Promovieren, weil ich es dürfen will, den Lifestyle will, geil auf den Titel bin, es vermutlich nicht langweilig ist. Consulting weil ich dann viel Geld verdiene und "erfolgreich" bin. Musiker, weil ich dann nur noch Musik machen müsste. Irgendwas Selbstständiges, weil ich dann mein eigener Herr bin und vielleicht auch irgendwann reich, toll und supercool und so. </sarcasm> Etwas sozial wertvolles? Ja, bitte, unbedingt. Flüchtlingshilfe vielleicht. Ein wildes Durcheinander an Dingen. Vielleicht sollte ich auch noch Jura studieren.

Partnerin ist da. Sie ist fantastisch. Selbstständig... ja, irgendwie schon. Sie ist in keiner Weise abhängig von mir. Sie ist ganz anders als ich, denkt (absichtlich) manchmal zu wenig und lebt(!) einfach(!). Und lacht. Manchmal nimmt sie mich mit. Von meinen Problemen ahnt sie, ich habe es bislang vermieden, sie in konzentrierter Form von mir zu geben und habe auf Worte wie "Depression," "Krise" etc. verzichtet. Das mag nicht ins Idealbild einer Beziehung passen, allerdings habe ich bislang keine guten Erfahrungen damit gemacht, in diesem Punkt in einer Beziehung allzu viel Preis zu geben. Ich kann extrem gut argumentieren, wenn es darum geht, mich selbst klein zu machen und das hatte dann immer zur Konsequenz, das die jeweilige sie dieses Bild zumindest teilweise übernahm.

Ängste? Ja, bitte. Vor allem vor einem unkonkretem Versagen. Davor das Leute auf mich herab schauen, ich ein Verliere werde (oder schon bin?), ich meine Fehler bereuen werde, alle irgendwann verliere, irgendwann nicht mehr existiere, kein Geld mehr habe, wirklich einfach superunwichtig bin, ...

L*omax


Was ich beruflich will, weiß ich nicht. Promovieren, weil ich es dürfen will, den Lifestyle will, geil auf den Titel bin, es vermutlich nicht langweilig ist. Consulting weil ich dann viel Geld verdiene und "erfolgreich" bin. Musiker, weil ich dann nur noch Musik machen müsste. Irgendwas Selbstständiges, weil ich dann mein eigener Herr bin und vielleicht auch irgendwann reich, toll und supercool und so. </sarcasm> Etwas sozial wertvolles? Ja, bitte, unbedingt. Flüchtlingshilfe vielleicht. Ein wildes Durcheinander an Dingen. Vielleicht sollte ich auch noch Jura studieren.

Mir klingt das, als ob du bei deinem Berufswunsch nur daran denkst, wie erlange ich hiermit die Aufmerksamkeit und Achtung der anderen. Ich würde das tun, was mich persönlich befriedigt, und das würde ich versuchen so gut zu machen, wie ich kann, statt dass du, wenn du eine Sache anfängst, schon auf eine andere schielst.

DeenktPZuVxiel


Tja, nur diese persönliche Befriedigung...die finde ich leider nicht.

Lhommax


Bei mir war es mein Vater, der überkritisch mit mir umging. Ich habe ihn verschluckt, und machte mich herunter bei jeder Gelegenheit mit seiner Sicht der Dinge auf mich. Sein Lieblingsspruch war: "Wenn ich nichts sage, dann ist es gut!" Und er hatte viel zu sagen. Seine Meinung von mir war, dass ich nicht in der Lage wäre, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. ES hat lange gedauert, bis ich diesen Scheiß in mir erkannt habe und ihm etwas entgegensetzte.

DNenktZMuViel


Das kommt mir sehr bekannt vor. Meine Eltern haben da (unbeabsichtigt) einen recht ungesunden Cocktail aus 1. "das reicht nicht, du könntest die Welt erobern, wenn du dich mehr anstrengtest. Du bist wie ich, aber mit besseren Startvorraussetzungen" (Vater, leider früh verstorben was eine direkte Auseinandersetzung schwierig macht und sein Wirken auf eine Meta Ebene hebt. 2. "Wenn du nicht mehr für du tust schaffst du es gar nicht, ich habe Angst, dass du auf der Straße landest, etc." (Mutter. Herzensgute Frau, leider sehr unsicher). Insgesamt hatte ich immer das Gefühl, dass ich nicht "richtig" sei, in den Augen meiner Eltern, erst etwas Beweisen und leisten müsse etc.

Schlussendlich Stelle ich immer wieder fest, dass ich sehr gut weiß, warum ich so bin, wie ich bin. Aber es gefällt mir nicht und ich schaffe es nicht, mich zu ändern.

CIara1malax 3


Wenn ich das so lese, dann denke ich mir, du hast noch nicht das gefunden, was dir wirklich wichtig ist im Leben. Du konsumierst es im Moment, was auch wichtig ist, bis sich dann vielleicht etwas herauskristallisiert. Und Unsterblichkeit wollen ja viele. Es gibt da in der Forschung inzwischen einige Horrorvorstellungen, die man tatsächlich ernsthaft verfolgt. Frankenstein lässt grüßen.

Aber das ist ein Thema für sich.

Wie sieht es mit Umwelt / Ernährung aus? Da kann man doch einiges mit anfangen. Der IT-Bereich ist doch auch keine brotlose Kunst.

DvenktZ~uViel


Umwelt/Ernährung hinsichtlich meiner Berufswahl? Oder wie es bei mir darum steht?

IT ist keine brotlose Kunst, nein. Ich bin aber kein kein ausgebildeter ITler sondern eine eher Historiker, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler. Klingt erstmal ganz gut, lässt sich aber schwer verkaufen, da weder fisch noch Fleisch und nichts Halbes und nichts Ganzes.

LIomaxx


Wie alt bist du?

Hast du vielleicht schon geschrieben, schreib es noch einmal.

C!ara$malaH 3


Umwelt/Ernährung hinsichtlich meiner Berufswahl? Oder wie es bei mir darum steht?

Hinsichtlich deiner Berufswahl. In diesem Bereich kann man in einigen Bereichen arbeiten, die auch Sinnvolles hervorbringen können.

Andererseits hängt auch der Stoffwechsel und auch das Denken nicht unwesentlich von einer guten Vitamin- und Mineralstoffversorgung ab.

Hast du B12, Vit. D, Selen, Zink, Mangan, Folsäure, Ferretin einmal testen lassen? Eine Unterversorgung kann Depressionen auch begünstigen, weil die chemischen Prozesse im Körper nicht wirklich gut funktionieren können, bei entsprechenden Mängeln. Diese Werte sollten alle in einem guten mittleren Bereich liegen oder etwas darüber. Ein Zuviel oder Zuwenig ist nicht optimal.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH