» »

Trauma nach Verkehrsunfall?

Kqracxht hat die Diskussion gestartet


Guten Morgen!

Im August hatte ich einen schweren Autounfall, leider noch dazu mit einem eigenen und zwei weiteren Kindern mit im Auto. Das große Kind wie durch ein Wunder fast unversehrt und die zwei kleinen Kinder mit mehreren Verletzungen die inzwischen zum Glück wieder vollständig verheilt sind.

Aber ich komme nicht weg von den Bildern. Autofahren kann ich nicht mehr auch nicht als Beifahrer und ich habe zum Beispiel auch Angst wenn ich weiß, dass meine Frau gerade mit dem Auto unterwegs ist. Ich habe einfach Angst. Davor bin ich fast 15 Jahre unfallfrei gefahren und der Unfall war auch nicht meine Schuld, aber das Gefühl lässt mich nicht mehr los wie das in einer Sekunde passieren konnte und diese Wucht und Kräfte die frei wurden.

Ich warte auch auf einen Therapieplatz und hoffe sehr, dass ich dann alles verarbeiten kann. Aber in diesem Jahr wird es damit schwierig und ich suche Tipps wie ich besser damit umgehen kann.

Antworten
H|oney9'1_MiDt_Minwixs


Ich glaube das ist wie mit dem reiten: wenn man von Pferd fällt soll man schnell wieder aufsteigen sonst verfestigt sich die Angst immer mehr im Kopf.

Konfrontationstherapie wäre vielleicht ein Ansatz. :)*

Es gibt im übrigen einige freie Psychologen die haben häufig einen Platz frei. Muss man zwar selber bezahlen aber als Übergang wäre es vielleicht eine Unterstützung ":/ ":/

N&oTfy


Gib dir Zeit, wenn du nicht fahren kannst, lass es bleiben. Egal ob irgendwer behauptet du müsstest das Auto nutzen, mach es nur wenn du dich wohl fühlst. Das ist mein Tipp.

Ich selber habe, als Beifahrer, einen Unfall, mit abkommen von der Straße und überschlag des Autos und das Hochschwanger, bei 120 kmh hinter mir.

Autofahren, konnte und wollte ich nicht, brach damals, deswegen, die Fahrschule ab und weigerte mich bei irgendwem mit zu fahren. Mit der Zeit weigerte ich mich nur bei Fremden (Freund vom Freund) oder Bekannten, Menschen denen ich einen unvorsichtigen Fahrstil zu traute und inzwischen kann ich wieder normal als Beifahrer mitfahren, ich brauchte nur Zeit und ich denke dass es auch dir so gehen wird, alles gute.

S6uhnfslower?_73


Das "sich Zeit geben" ist leider der falsche Ansatz, weil sich das Vermeidungsverhalten immer mehr verfestigt und es umso schwieriger wird. Der richtige Ansatz wäre, sich der Angst zu stellen. Aber eben nicht zu erwarten, dass man angstfrei ist, sondern die Angst bewusst und akzeptierend in Kauf zu nehmen. Sie fühlt sich grausam an, aber sie lässt nach. Und genau so lange solltest Du immer und immer wieder (mit)fahren: Bis die Angst deutlich nachgelassen hat. Also nicht 10 Minuten durchhalten und dann fluchtartig aus dem Auto aussteigen. Und ibtte auch keine "Tricks" wie "nur mit Kaugummi" oder oder oder.

Allerdings kann es schwer sein, das alleine zu schaffen. Denn man muss auch die Gedanken angehen. Verändern. Ja, der Unfall war schrecklich und die Erinnerung wird bleiben. Aber: Es war ein SELTENES Ereignis. Wie oft ist Dir so etwas passiert? Wie hoch die rein statistische Wahrscheinlichkeit, dass es wieder passiert?

Traumatisierung ist es auf jeden Fall... Vielleicht helfen Dir diese beiden Bücher für den Moment weiter:

1. Was zum Thema Trauma:

[[https://www.hogrefe.de/shop/ratgeber-trauma-und-posttraumatische-belastungsstoerung-65540.html]]

2. Was zum Thema Angst/Panik/Vermeidung - da wirst Du gute Tipps bzgl. "sich der Angst stellen" finden:

[[https://www.hogrefe.de/shop/ratgeber-panikstoerung-und-agoraphobie-65718.html]]

SUunflobwer_7x3


Es gibt im übrigen einige freie Psychologen die haben häufig einen Platz frei. Muss man zwar selber bezahlen aber als Übergang wäre es vielleicht eine Unterstützung

Das bzgl. des Bezahlens ist nicht unbedingt korrekt. Ja, gerade in Ballungsgebieten/Großstädten gibt es auch Psychotherapeuten ohne sog. Kassenzulassung, die nicht direkt mit der Krankenkasse abrechnen können. Aber dann sollte man erstmal das sog. Kostenerstattungsverfahren, eine Einzelfallentscheidung, anstreben. Bitte mal "Kostenerstattung BPtK" googlen und das pdf-Dokument in Ruhe lesen.

Alternativ bleiben auch noch Ambulanzen von Ausbildungsinstituten. Da hat man zwar junge, aber flexible Therapeuten - die gerne solche Therapien auch außerhalb eines Praxisraumes begleiten. Für mehr Tipps müsste man aber grob die Wohnregion wissen...

N=ofy


Das "sich Zeit geben" ist leider der falsche Ansatz

Die Aussage halte ich für falsch, da Menschen unterschiedlich sind.

NPorAdlaSndwicThtexl1


Hallo,

ich hatte letztes Jahr einen Schweren VKU unverschuldet, mein Glück war das ich ein hohes Auto hatte :)z Ich hatte und habe heute noch Angst, jede Kurve die wie du Unfall Kurve ist, verursachte Panik in mir, es wurde immer besser je mehr ich fuhr, Beifahrer bin ich ein ganz schlechter geworden. Am Anfang konnte ich auch nur durch die Stadt fahren aber ich musste leider wieder schnell fahren da ich zur Arbeit musste. Ich fahre nun noch Vorsichtiger als vorher und bin noch achtsamer wie andere fahren.

Nehmt das Auto fahrt auf einen Verkehrsübungsplatz und fahre dort :)* Dir alles alles Gute

H$oneyg91_MiGt_Minxis


Sunflower von denen werden nur die aller wenigsten vom der KK übernommen. Hab es ja selber durch.

KPra@cht


@ Honey91

Ich glaube das ist wie mit dem reiten: wenn man von Pferd fällt soll man schnell wieder aufsteigen sonst verfestigt sich die Angst immer mehr im Kopf.

Das Problem ist, dass ich den Zeitpunkt irgendwie schon verpasst habe glaube ich. :-( :-( Der UNfall ist jetzt schon ein paar Monate her und das komische ist, dass ich kurze Zeit später, also etwa 2, 3 Wochen danach, sogar noch im Auto mitgefahren bin. Aber es war ganz schlimm für mich, auch als Beifahrer oder auf dem Rücksitz. Jedes entgegenkommende Auto ist für mich einfach die Hölle, denn bei dem Unfall ist ein Auto von der Gegenfahrbahn aus der Spur gekommen und hat mein Auto abgeschossen. Das Gefühl und diese Wucht werde ich einfach nicht los.

Mir ging es mit Autofahrten dann so schlecht, auch schon im Vorfeld wenn ich wusste eine Fahrt steht an, dass ich es einfach nicht mehr konnte.

@ Nofy

Bei dir ist es mit der Zeit einfach alleine wieder besser geworden? Selber zu fahren kann ich mir wirklich nicht mehr vorstellen, aber auf Dauer wäre es schon gut, in bestimmten Fällen mitfahren zu können. Die öffentliche Verkehrsanbindung ist zwar okay, aber auf Dauer schwierig und beruflich eignetlich nicht wirklich zu vereinen.

@ Sunflower73

Das "sich Zeit geben" ist leider der falsche Ansatz, weil sich das Vermeidungsverhalten immer mehr verfestigt und es umso schwieriger wird. Der richtige Ansatz wäre, sich der Angst zu stellen. Aber eben nicht zu erwarten, dass man angstfrei ist, sondern die Angst bewusst und akzeptierend in Kauf zu nehmen. Sie fühlt sich grausam an, aber sie lässt nach. Und genau so lange solltest Du immer und immer wieder (mit)fahren: Bis die Angst deutlich nachgelassen hat. Also nicht 10 Minuten durchhalten und dann fluchtartig aus dem Auto aussteigen. Und ibtte auch keine "Tricks" wie "nur mit Kaugummi" oder oder oder

Das raten mir alle und ich weiß auch selber, dass es immer schwieriger wird sich der Angst zu stellen je mehr Zeit verstreicht. :-( :-(

Es ist mittlerweile leider wirklich so, dass mich gar nicht mehr ins Auto setzen kann. Es ist nicht nur der Verkehr der mich während der Autofahrt in Panik versetzt, sondern auch im Auto selbst, die Enge und das niedrige Dach. Das kommt davon dass ich eingeklemmt war und mich nicht alleine aus dem Auto befreien konnte. Das war für mich eine ganz schlimme Situation auch weil es sehr chaotisch war und auch nicht ganz klar wohin zwei der drei Kinder gebracht worden sind und wie es ihnen geht.

Deswegen hilft mir Vernunft und Fakten im Moment auch nicht weiter und ich bin immer sehr nervös und unruhig wenn ich weiß, dass jemand aus meiner Familie gerade im Auto unterwegs ist. Auch wenn es unwahrscheinlich ist und nicht oft vorkommt, habe ich einfach Angst, dass etwas passiert.

Das bzgl. des Bezahlens ist nicht unbedingt korrekt. Ja, gerade in Ballungsgebieten/Großstädten gibt es auch Psychotherapeuten ohne sog. Kassenzulassung, die nicht direkt mit der Krankenkasse abrechnen können. Aber dann sollte man erstmal das sog. Kostenerstattungsverfahren, eine Einzelfallentscheidung, anstreben. Bitte mal "Kostenerstattung BPtK" googlen und das pdf-Dokument in Ruhe lesen.

Die Info habe ich schon von der Krankenkasse bekommen, aber in unserer Gegend ist es so eng, dass auch bei den wenigen Privatpraxen nur das Band läuft. Es hat auch schon Wochen gedauert bis ich überhaupt an einen Platz auf der Warteliste bekommen konnte obwohl ich im Umkreis von 30km gesucht habe.

Alternativ bleiben auch noch Ambulanzen von Ausbildungsinstituten. Da hat man zwar junge, aber flexible Therapeuten - die gerne solche Therapien auch außerhalb eines Praxisraumes begleiten. Für mehr Tipps müsste man aber grob die Wohnregion wissen...

Ich wüsste nicht, dass es das bei uns gibt, aber ich mache mich mal schlau. Wohnort möchte ich nicht posten, höchstens per PN.

S)unflOowe{r_x73


Wenn es schon im stehenden Auto problematisch ist, dann fange doch da an: Ruhige Ecke, wo es steht - und dann reinsetzen. So lange, bis das Gefühl besser wird. Kann locker 1-2 Stunden dauern; die Zeit solltest Du Dir geben. und das über TAGE immer und immer wieder. Und dann den nächstgrößeren Schritt (was auch immer das ist; da könntest du mal systematisch überlegen, wie sich der Schwierigkeitsgrad langsam steigern lässt).

Dass selbst die Privatpraxen so ausgebucht sind, ist wirklich übel. Da krankt das System - und in Deinem Fall muss man leider auch sagen, dass stationär oder Tagesklinik so viel nicht bringen würde. Du musst halt irgendwie wieder systematisch an das Thema Autofahren herangeführt werden. Das ist aber möglich - und Deine Angst angesichts Deiner Schilderungen (Gegenverkehr = selber keine Kontrolle; eingeklemmt = wieder ausgeliefert) ist mehr als nachvollziehbar.

Ich hatte "nur" einen Totalschaden mit Schleudertrauma, wo ich im Stadtverkehr in jemanden reingefahren bin, der falsch wendete und nicht auf den Verkehr achtete. Ich wusste im Vorfeld, dass das Spuren hinterlassen kann und was man tun kann - aber ich musste da durchaus ein wenig trainieren und bin wochenlang an der Stelle mit ein wenig Herzklopfen lang gefahren. Gib' Dir da Zeit - aber gehe es laaangsam an!

B<en8itaB.


Auch wenn Sunflower das nicht hören will oder mag, weil sie schon in der Vergangenheit dagegen etwas geschrieben hat.

Ich hatte mehrere Male in meinem Leben Konfrontationen mit Unfällen mit Leichenteilen, die rumflogen, Schwerstverletzten, ich habe sogar versucht einen bereits toten zu reanimieren, bis man mich da wegzog und und und, ich habe ein Kind mit Pony auf der Motorhaube gehabt, welche weggeflogen sind.... Kind lebt, Pony tot....

Grauenhafte Bilder, die sich ständig wiederholten.

Ich war jedes Mal ein, höchstens zwei Mal bei einem Therapeuten, den ich selbst immer selbst bezahlt habe. Der hat mit EMDR gearbeitet. Und die schrecklichen Bilder verflachten, wurden grau, die Gefühle dazu wurden umgewandelt.

Und diese Ängste waren weg. Ein normales Leben konnte weitergehen. Nach ca. 6 Unfällen immer wieder die gleiche Prozedur therapeutisch in kürzester Zeit wegtherapiert....

SGunflow0er_73


EMDR losgelöst von allem anderen als "quick fix" kann man machen. Kann funktionieren. Kann aber auch zu Problemen führen, die dann bei anderen Therapeuten landen. EMDR als Traumabehandlungsmethode ist super - aber eben nicht husch husch mit 1-2 Terminen. Wobei man sagen muss, wenn man x Mal zum selben Therapeuten geht, kennt der einen mit der Zeit dann doch und es reduziert gewisse Risiken.

KUr$a1cht


@ Sunflower-73

Wenn es schon im stehenden Auto problematisch ist, dann fange doch da an: Ruhige Ecke, wo es steht - und dann reinsetzen. So lange, bis das Gefühl besser wird. Kann locker 1-2 Stunden dauern; die Zeit solltest Du Dir geben. und das über TAGE immer und immer wieder. Und dann den nächstgrößeren Schritt (was auch immer das ist; da könntest du mal systematisch überlegen, wie sich der Schwierigkeitsgrad langsam steigern lässt).

Das habe ich probiert aber nie ausgehalten. Daran scheitert es leider, dabei habe ich sonst einen starken Willen. :-( Deswegen ist auch meine Hoffnung es mit therapeutischer Hilfe schaffen zu können. Aber bis dahin... Also einfach immer wieder versuchen und hoffen, dass ich es immer länger und problemloser durchhalten kann?

@ BenitaB

Ich war jedes Mal ein, höchstens zwei Mal bei einem Therapeuten, den ich selbst immer selbst bezahlt habe. Der hat mit EMDR gearbeitet. Und die schrecklichen Bilder verflachten, wurden grau, die Gefühle dazu wurden umgewandelt.

Und diese Ängste waren weg. Ein normales Leben konnte weitergehen. Nach ca. 6 Unfällen immer wieder die gleiche Prozedur therapeutisch in kürzester Zeit wegtherapiert..

Das sagt mir gar nichts aber klingt gut. Danke für den Tipp!

K:racxht


Habe jetzt über EMDR nachgelesen. Es klingt sehr interessant aber auch schwer vorzustellen, dass das wirklich helfen kann?! @Benita: dir ging es danach wirklich besser??

Und übrigens: ich bin eine Frau. Die Moderation hat das in Frage gestellt und gesagt es kommt nicht eindeutig rüber, aber die Farbe stimmt schon

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH