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Ocd meiner Tochter macht mich wahnsinnig

s}h.errSy>mauxs hat die Diskussion gestartet


Hallo und guten Abend,

ich brauche allmählich wirklich jemanden, mit dem ich über das Problem sprechen kann, denn ich stehe der OCD Erkrankung meiner Tochter (29) ratlos gegenüber. Sie ist seit ca. 6 Wochen exzessiv. Ekel vor Seife und vor ihrem eigenen Körper. Es ist eine Materialschlacht an Klopapier, Einweghandschuhen, Desinfektionsmittel. Es geht schon so weit, dass sie ihr Zimmer schrubbt, desinfiziert und dann ein 1 stündiges Ritual machen muss, um selbst sauber zu werden. Danach kommt sie in ihr Zimmer zurück und OCD sagt ihr, das wäre nicht sauber genug. Dann fängt sie wieder von vorne an. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Im Supermarkt, mit Einweghandschuhen, geht sie zusammengezogen durch die Gänge aus Angst vor den Lenorflaschen. Es ist eine Qual anzusehen, wie sie sich quält.

Ich bin sicherlich nicht unschuldig an der Situation. Sie ist Künstlerin mit einem schweren Erbe väterlicherseits. Mein Mann hatte eine starke Form von Syästhesie, war alkohol- und drogenabhängig. Er war Künstler. Auch sie tut Zeit ihres Lebens nichts anderes als Bilder zu produzieren. Und lebt inzwischen auch sehr gut davon. Deshalb habe ich immer alles von ihr ferngehalten, damit sie ihre Kunst machen kann. Sie war vielleicht zu behütet. Und ich bin zu dominant.

Freunde hat sie nur im Internet. Sie interessiert sich nicht für die üblichen Dinge: Schuhe, Klamotten, Party, Alkohol, Männer. Sie ist nur glücklich mit ihrer Kunst.

Und die opfert sie momentan auf dem OCD-Altar.

Ich versuche ihr zu helfen. War mit ihr beim Hausarzt. Der hat Fluvixamin-neuraspharm verschrieben, was sie nicht genommen hat. Sie nimmt momentan Johanniskraut, 2000 mg, was ihr eine gewisse Gelassenheit gibt, aber von Hilfe kann man hier nicht sprechen.

Sie hat einen Termin Ende Januar bei der Psychologin und einen in der Tagesklinik. Aber bis Ende Januar ist noch lange hin, wenn man sich jeden Tag so quält.

Wie gehe ich nur damit um? Es ist so unlogisch, was sie von sich gibt. Ich werde manchmal unglaublich wütend, aber wenn wir uns anschreien ist niemandem geholfen.

Wie kommen wir nur aus dieser Mühle wieder raus?

Antworten
mqusicusx_65


Nur kurz als Erläuterung: OCD = obsessive-compulsive disorder = Zwangserkrankung

KPletternpflCanxze80


Wie kommen wir nur aus dieser Mühle wieder raus?

Nun basierend auf deiner Erzählung gehe ich davon aus, dass die Frage vor allem ein wie kommt sie aus der Mühle wieder raus heißen sollte. Also klar du wirst deine Anteile daran haben, aber zuallererst ist sie die mit dem psychischen Problem und selbst ein Ausziehen und alleine wohnen wäre eine Handlung von ihr. Und so wie das klingt helfen da nur Fachleute. Wichtig ist, dass sie sich helfen lässt bzw. auch Hilfe will. Wenn sie auf dem Stanhdpunkt steht ist doch alles super oder ich will aber nix ändern wird das nichts. Also es klingt ja auch so, als würde sich deine Tochter nur für die Kunst interessieren und wäre sonst nicht besonders motiviert.

Und ein Monat ist nix wenn es darum geht auf psychische Hilfe zu warten, leider.

mynxef


. Und ich bin zu dominant.

Inwiefern? Überbehüten und Dominanz sind nicht zwangsläufig dasselbe.

Freunde hat sie nur im Internet. Sie interessiert sich nicht für die üblichen Dinge: Schuhe, Klamotten, Party, Alkohol, Männer. Sie ist nur glücklich mit ihrer Kunst.

Ich würde das jetzt nicht als die üblichen Dinge aufzählen. Es ist üblich da voll drauf abzufahren, so ganz girly girl mäßig, es ist aber auch genauso üblich sich nichts aus Klamotten, Saufen und Typen aufreißen zu machen. Ich würde ihr das nicht als "Du bist anders als normale Frauen in deinem Alter" auslegen; auch nicht, wenn es nicht böse gemeint ist.

Ich versuche ihr zu helfen. War mit ihr beim Hausarzt. Der hat Fluvixamin-neuraspharm verschrieben, was sie nicht genommen hat. Sie nimmt momentan Johanniskraut, 2000 mg, was ihr eine gewisse Gelassenheit gibt, aber von Hilfe kann man hier nicht sprechen.

In diesem extremen Ausmaß wird es das auch nicht. Du kannst weder Arzt noch Therapeut ersetzen und Johanniskraut ist - schreibst du ja selbst - allenfalls ein leichtes Hilfsmittel. Deine Tochter braucht eine Therapie, und zwar keine rein medikamentöse.

Wenn es dramatisch schlechter wird, ist ein Klinikaufenthalt akut auch schon früher möglich.

Wenn es jetzt erstmal stagniert, versucht die letzten 6 Wochen nochmal so durchzustehen.

Deine eigenen Anteile am Problem zu erkennen, abzustellen und das euch als "wir" zu sehen ist gut; Selbstkasteiung und überzogenes Mitleiden bringt aber nicht wirklich etwas. Vielleicht solltest du dir auch Hilfe suchen, unabhängig von der Therapie deiner Tochter.

LFucfi32


Wäre sie bereit zeitnah in der Klinik zu gehen, oder wäre ihr das zu dreckig, gefährlich und so unmöglich? Sie muss irgendwie akzeptieren, dass sie die Medikamente nehmen muss. Ich weiss, wie schwierig das ist, zu Hause durchzusetzen. Ob Johanneskraut wirklich optimal ist? Wenn sie Psychopharmaka nimmt, darf sie auf gar keinen Fall Johanneskraut weiter nehmen. Es kann zu Vergiftungen führen.

Das Problem mit diese Körperritualen ist, dass öfters die Haut stark beschädigt wird. Zwangsgestörte haben öfters Verletzungen am Körper. Es ist oft den Fall, dass sie schrubben und schrubben bis die Haut aufgeht. Oder können sehr heisses Wasser benutzen. Ein Sauberheitszwang ist eine von der schlimmeren Formen.

Wie begründet sie ihre Angst vor Seife? Hat sie das dir erzählt? Wenn ihr zusammenwohnt, dann lass die Seife nicht am Waschbecken stehen. Richtige Konfrontation wird in der Therapie unter kontrollierte Bedingungen und Begleitung durchgeführt.

Zwangsstörungen haben nichts mit behütet sein zu tun. Es ist eine chemische Störung im Gehirn - wie Schizophrenie oder ADHS.

m5nef


Zwangsstörungen haben nichts mit behütet sein zu tun. Es ist eine chemische Störung im Gehirn - wie Schizophrenie oder ADHS.

Bist du nicht Ärztin oder zumindest Psychologin? Dann solltest du doch wissen, dass Zwangsstörungen auch eine psychische/psychosoziale Komponente haben/haben können.

LIucix32


Natürlich. Aber 100% Umwelt ist es nicht. Es gibt immer eine genetische Komponent. Es ist auch daher zum Teil angeboren. Es braucht aber einen Trigger. Alle psychische Störungen brauchen eins. Aber die Neigung ist schon vorhanden. Behütet sein ist eher nicht ein Komponent.

Es besteht psychisch ein Kontrollzwang, durch irgendeine Trigger, wobei ein Kontrollverlust entsteht. Eine dominante Mutter kann jedoch mit ein Trigger sein. Der Vater auch.

Bei eine Zwangsstörung kann die Umwelt nicht kontrolliert werden. Es wird versucht eine Ordnung einzubringen. Nur auf falschen Art und Weise.

sthQeRrrymraxus


Danke für eure Antworten.

Sie hatte immer OCD in einer leichten Form, die sie kontrollieren konnte. Diese Art von Reinlichkeit ist allerdings nie aufgefallen, höchstens, dass sie in der Öffentlichkeit immer Handschuhe trug.

Schlimm ist es erst durch die Diskussionen über die Lage in Deutschland geworden, die bei ihr Zukunftsängste verursacht haben. Sie meint es wäre die Kombination aus Ängsten und Depressionen, die ihr OCD so ausufern lassen. Also war meine logische Schlussfolgerung (kann man so etwas überhaupt noch logisch betrachten?), dass sie ihre Grundsituation verbessern muss. Also raus aus der Bude, spazieren gehen, Kino und versuchen, Stimmungsaufheller wie Johanniskraut und jeden Sonnenstrahl einzufangen. Weihnachten mit seiner - entschuldigt das Wort - beschissenen Dramatik und den Erwartungshaltungen auf Friede, Freude, Eierkuchen - ist natürlich eher kontraindiziert. Ich kann dem nichts Positives abgewinnen.

Ich glaube, die Tagesklinik wird ihr guttun, denn sie hat keinen Tagesrhythmus. Aber im Januar stellt sie sich dort erst vor. Dann kommt die Wartezeit auf einen Platz....

Momentan bin ich mutlos und kann nur hoffen, dass wir diese ganze Zeit überstehen. Ich bin ehrlich gesagt mit meinen Nerven auch ziemlich am Ende.

Habe selbst mit Panikattacken und Ängsten zu tun. 23 Jahre habe ich auf meinen Mann aufpassen müssen (er hätte sich sonst mit seinen Exzessen umgebracht), dann habe ich ihn ein halbes Jahr bis zu seinem Tod gepflegt. Das ist nun 8 Jahre her. Nach all dem, 3 Kinder großgezogen, 30 Jahre am Haus gebaut, von 2001 an alleinige Geldverdienerin, hatte ich gehofft endlich mal etwas für MICH tun zu können. Habe ich auch getan, und jetzt bin ich schon wieder in der Rolle der Retterin und Krankenschwester. Im März hatte ich Knie OP und hinke immer noch. Und je härter es wird, um so mehr hinke ich. Aber ich will auf keinen Fall ebenfalls in diesen Depressionsschacht fallen. Wenn ich das tue, gehen hier wirklich die Lichter aus.

SOun@flovwer_7x3


Es ist völlig egal, was sie interessiert (ob Mode oder Kunst). Fakt ist, dass sie mit diese Zwänge ausleben muss, weil sie sonst etwas Katastrophales befürchtet. Da muss man ran - und das kann kein Laie. Ich halte Tagesklinik bei der Ausprägung der Symptomatik auch für den falschen Ansatz. Eine gute Fachklinik (nicht die nächstgelegene Standard-Psychiatrie), im Anschluss Tagesklinik und dann ambulant ist bei einer derart ausgeprägten Symptomatik sinnvoll. Und als Therapieschwerpunkt für den Anfang auf jeden Fall Verhaltenstherapie, weil da erstmal ein gewisses Symptommanagement vorhanden sein sollte, bevor man tieferliegend schauen kann.

Eine Zwangserkrankung ist aber so komplex, v.a. mit so vielen Wasch- und Putzzwängen nach außen, dass Du eigentlich nichts machen kannst. Es besteht das Risiko, dass Du Dich in die Zwänge einbinden lässt (als sog. Sicherheitsfaktor). Du kannst DICH nur abgrenzen und das solltest Du tun. Dich nicht in Handlungen einbinden lassen, Dein Alltagsverhalten wie immer führen. Es ist schwer.

Evtl. kann der Buchtipp helfen: [[https://www.hogrefe.de/shop/ratgeber-zwangsstoerungen-76288.html]] Das solltet Ihr beide lesen.

@ Luci32,

OT:

Zwangsstörungen haben nichts mit behütet sein zu tun. Es ist eine chemische Störung im Gehirn - wie Schizophrenie oder ADHS.

Warum wirst du dann Therapeutin, wenn eh alles chemisch ist? *kopfschüttel* Willst Du so kranken Menschen gegenübertreten?

SschmettZerlIinxg42


Es wäre schon wichtig, dass sie das Fluvoxamin nimmt, um überhaupt psychotherapie-fähig zu sein. Das ist ein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, mit dem man Zwänge behandelt. Damit würde es ihr schon besser gehen und sie könnte die Wartezeit bis zur Psychotherapie besser überbrücken.

Ich habe auch Waschzwänge und Krankheitsängste und nehme Fluvoxamin seit 4 Monaten. Mir hilft es gut durch den Alltag. Die Symptome verschwinden damit nicht ganz, aber das Leben wird deutlich erträglicher.

Ich wünsche deiner Tochter gute Besserung! :)* @:)

S=chmett'erlingV42


Nachtrag: Ich nehme zusätzlich zu Fluvoxamin das Antidepressivum Olanzapin und Baldrian Forte. Diese Medikamente kann man alle zusammen einnehmen. Bin der Meinung, dass Baldrian bei Zwangsstörungen besser ist als Johanniskraut.

f^elis2 {margxarita


Liebe Cherrymaus,

du musst aber auch auf dich achten, gerade weil du selber psychische Probleme hast, damit du nicht daran kaputt gehst. Deine Tochter ist krank, sie muß sich aber auch helfen lassen wollen. Wie hier schon geschrieben wurde, sollte sie das Medikament nehmen, was ihr der Arzt verschrieben hat. Wenn du sie irgendwie dazu bringen könntest.

Liebe Grüße

Hier ist ein Link,

[[www.klinik-friedenweiler.de/blog/wie-entsteht-eine-zwangsstoerung]]

MWor.wenxa


Ich selbst bin wegen meiner OCD 80% schwerbehindert.

Tagesklinik bringt nichts. Da war ich für ein halbes Jahr und das hat es eher verschlimmert - wobei das natürlich auch immer auf die Klinik ankommt. Ich war damals nicht in einer auf Zwänge spezialisierten Tagesklinik, sondern in einer "allgemeinen".

Für mich kam erst Besserung, als es mir so dreckig ging (20 Stunden Zwänge am Tag, keine Zeit zu schlafen), dass ich endlich bereit war, stationär zu gehen. Durch diesen Bruch von der gewohnten Umgebung und der Sicherheit der Station waren die Zwänge zunächst einmal fast gar nicht mehr vorhanden. Natürlich haben sich nach kurzer Zeit neue entwickelt und die waren nicht lustig, aber durch die ärztliche Begleitung ist man nicht damit allein.

Nach meinem Klinikaufenthalt bin ich direkt in meine eigene Wohnung gezogen, die auf dem Klinikgelände liegt. Hier geht es dank Betreuung jetzt, ich habe nur noch ein paar Stunden Zwänge am Tag.

Die ganzen Medis habe ich übrigens wegen der Nebenwirkungen nicht vertragen; ich bin am Ende bei Atosil und Ergenyl gelandet. Johanneskraut hilft aber wirklich gut gegen Depressionen, das ist also schonmal nicht verkehrt.

Ich kann also nur zur stationären Therapie raten, einfach wegen dem Umgebungswechsel, der als eine Art Reset dienen kann.

Aber ja, das muss man erstmal zulassen... hat bei mir auch Jahre gedauert.

s.herrykmaus


Danke für eure Antworten.

Ich bin ziemlich am Ende, obwohl ich jetzt endlich eine Klinik gefunden habe speziell für Zwangsstörungen. Und am 10.1. haben wir einen Termin beim Facharzt, von dem meine Tochter dann dort eingewiesen wird. Aber wie schaffe ich nur die Zeit bis dahin zu überstehen?

Sie braucht 3 Stunden um 1 mal pinkeln zu gehen. Sie trinkt nicht mehr aus Angst aufs Klo zu müssen. Materialschlacht mit 30 Paar Handschuhen, 4 Rollen Klopapier, 10 Unterhosen. Und das mehrmals täglich. Sie ist kontaminiert, sagt sie. Sie ist ekelig. Sie muss alles 10 Mal machen sonst ist alles falsch. Und falsch darf nicht sein. Eben hätte ich sie fast geschlagen. Ich weiß, dass ruhig bleiben die einzige Möglichkeit ist. Aber ich bin ja auch kein Übermensch. Sie hält mich aus der Scheiße auch nicht raus. Ich muss immer wieder sagen: Alles ist ok. Aber dann glaubt sie mir nicht. Und ich fühle mich verarscht. Zeit und Kraft, einfach weg. Aber ich will sie auch nicht allein lassen. Habe Angst sie bringt sich um.

Und jetzt? Ich möchte gern die beste Klinik, aber wenn es so weiter geht, kann ich sie nur irgendwo reinstecken, einfach um mein eigenes Leben zu retten....

sPherrylm auxs


Ach so, die Klinik in Bad Arolsen hat 4-6 Wochen Wartezeit. Also wird das nichts vor Ende Feb. Ich bin verzweifelt. So eine irrwitzige Aggression. Es ist so schwer ruhig zu bleiben und besänftigend auf sie einzureden. Würde ich selbst kein Tramadol nehmen, ich glaube, hier hätte es schon eine Katastrophe gegeben. Ich möchte nur noch fliehen... Eine kleine Hoffnung setze ich auf ein Buch, das ich bestellt habe. Frei von Zwangsgedanken von Ambühl. In den Rezis sagen sie, dass der Autor einem Werkzeuge in die Hand gibt, wie man diese Gedanken bändigen kann. Weiß jemand etwas über solche Techniken?

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