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Mit verschiedenen Ich-Anteilen umgehen

Esl PTintor hat die Diskussion gestartet


Hallo,

vielleicht ist euch schon aufgefallen dass euer "Ich" bzw. "Selbst" heterogener Natur ist. Jedenfalls geht es mir so. Ich habe verschiedene Anteile , Bedürfnisse und Interessen welche sich teilweise widersprechen, was zu Konflikten und Spannungen führt. Je nachdem welche Anteile gerade aktiver sind tendiere ich zu der einen Position oder Einstellung. An anderen Tagen sind andere Anteile dominant welche vielleicht sich gegenteilig zu den anderen Anteilen verhält. Das führt letztlich zu einem inkohärenten Ich und zu einem zerbröselnden Willen. Also um mal ein Beispiel zu nennen: Die eine Stimme sagt Karriere , Bildung , Geld, Macht, Status , Distinktion , soziale Absicherung etc. sind wichtig und das was im Leben zählt. Im nächsten Moment wird dieser Gedanke hinterfragt und in Zweifel gesetzt. Ist dieser Gedanke wirklich richtig? Zählen nicht eigentlich andere Dinge wie Gesundheit, Zeit , Muße , Freundschaften, Erlebnisse, Hilfsbereitschaft, Freizeit, Hobbys etc. Ich sage nicht dass das zwei sich gänzlich ausschließende Positionen sind.

Unabhängig vom Inhalt dieses Beispieles wollte ich damit eine intrapersonelle Konfliktsituation illustrieren. Es gibt noch viele weitere Beispiele. Reiseverhalten vs. Umweltschutz etc. Die entscheidende Frage ist eben wie man mit solchen Konflikten zu Rande kommt bzw. umgeht. Leider plagen mich viele solcher Unstimmigkeiten und verhageln mir mein Leben.

Antworten
MVada8me Ch~arxenton


das nennt sich doch kognitive Dissonanz, nicht?

ich möchte dir an dieser Stelle ernsthaft gratulieren, du bist ein reflektierter Mensch der sich seiner Ambivalenz bewusst ist.

solltest du stark darunter leiden und das Gefühl haben deine eigene Persönlichkeit nicht zu kennen oder deine Persönlichkeit ist für dich nicht greifbar, könnte ein Psychotherapeut helfen.

MMann0-42


Hallo El Pintor,

das kenne ich auch. Aber ich würde das eher dem "Ego-" und dem "Herz-"Bewußtsein anlasten. Das Ego, der rationale Verstand hat's mehr mit den weltlichen, materiellen Dingen. Das Herz ist weiser und weiß intuitiv, dass da mehr ist. Es ist der göttlichere Teil in uns und tendiert von sich aus zu den "guten" Sachen. Und selber als Gesamtkunstwerk muß man halt entscheiden wem man lieber folgt. D.h. diese "Zerrissenheit" ist ganz normal und betrifft eigentlich alle Menschen. Und, dass man manchmal jenem Ratgeber folgt und manchmal dem anderen ist auch ganz normal.

N-ofy


Ich denke das kennt jeder, wie aus zeichentrickfilmen, teufelchen und engelchen auf den schultern die über die bessere entscheidung streiten ;-D

FRantixK3


Hallo El Pintor

Die entscheidende Frage ist eben wie man mit solchen Konflikten zu Rande kommt bzw. umgeht. Leider plagen mich viele solcher Unstimmigkeiten und verhageln mir mein Leben.

Vielleicht könnte ein Blick auf die eigene "Frustrationstoleranz" nützlich sein, diese Plage wie Du sie bezeichnest, in einem anderen Zusammenhang zu betrachten. Laut Wikipedia ist darunter eine im Individualisierungsprozess erworbene Fähigkeit zu verstehen, die psychische Spannungen langfristig ertragen hilft.

LCuci3x2


Kognitive Dissonanz gehört zum Leben. Wenn nur 1 Ich übernehmen würde - nehmen wir das Teufel-Engel Beispiel.

Wärst du nur die Teufel - was würde passieren? Vermutlich Knast.

Nur das Engel - deine Umwelt würden dir irgendwann mal schlagen wollen und auch würdest du allgemein darunter leiden und vermutlich eine Depression entwickeln. Du würdest krampfhaft versuchen es allem Recht zu machen und dir auf die Strecke bleiben lassen. Geht nicht.

Wir sind aus viele Persönlichkeitsneigungen gebaut. Welche Persönlichkeitsneigung am stärksten ist, ist bei jeder anders.

Ist der Konflikt zu gross und du leidest darunter - Psychotherapie zwecks kognitive Umstrukturierung.

f3allen_(ange6lx_73


find das Thema total spannend! :)^

Also, ich denke mit der Tatsache, dass man voller Ambivalenzen ist, wird jeder konfrontiert, der sich tiefer mit seinem SELBST auseinandersetzt.

Ich würde da nicht differenzieren zwischen gut und böse, weiß oder schwarz -

Ich z.B. hab die Erfahrung gemacht, dass ich ganz viele (wie soll ich das nennen?) Charaktere... habe- und welcher gerade "heraufgespült wird" ist primär abhängig von meinem Gegenüber:

Ich bin Hexe, Engel, Hure, Mutter, ängstliches Kind, dominante Frau, - das sind alles Teile von mir, die ich in ein großes Ganzes integriert habe.... alles darf da nebeneinander herumleben- wie gesagt: das ganze hat nix mit Schizophrenie zu tun, weil ich nicht in Einzelteile zerbrechen, sondern alles "unter einen Hut" stopfe: mein hochkomplexes ICH.

Juhu. Das ist gerade exakt mein Thema.

Wir sind alles.

Wir können das sein, was wir wollen,

manchmal sind wir einfach das, was das Leben gerade fordert, usw.

schade, dass so wenige auf diese Thema "anspringen"-

Liebe Grüße in die Runde! {:(

d!ana<e87


"Das innere Team" versucht diese Dinge ja zu visualisieren und auch zu gucken wie man welche Anteile unter einen Hut kriegt ohne darunter zu leiden.

N!ofy


das ganze hat nix mit Schizophrenie zu tun

Stimmt, denn Schizophrenie ist nicht die gespaltene Persönlichkeit ;-)

feallen2_Hangexl_73


":/ -

ich würde auch sagen, der Geist ist der Dirigent des ganzen "Orchesters" - er reguliert die einzelnen Stimmen und führt sie zu einem "stimmigen Gefüge"... o:) -

Also ich bin auch gerade im Prozess des "Integrierens" von allem, was ich fühlbar wahrnehme... das ist eigentlich mit Worten kaum vermittelbar.

ich kenne auch viele Menschen, die die Diagnose "Psychose" , Schizophrenie oder "Dissoziation" haben... das ist eben dann das Unvermögen der Seele, bestimmte Anteile der Persönlichkeit (evtl wegen dem extrem schlimmen "Opfer"-Erleben) ins Ganze zu integrieren. Sie muß bestimmte Teile abspalten, damit sie überlebt. So jedenfalls lautet meine Interpretation,... {:( - als Mensch, der das Spektakel hier mehr aus der Vogelperspektive betrachtet, um nicht irre zu werden!

LOVE & PEACE forever... {:(

Nbofy


Nochmal, Schizophrenie ist nicht die gespaltene Persönlichkeit, das sind zwei komplett unterschiedliche Sachen, der eine hat mehrere Persönlichkeiten, meist als selbstschutz, der andere sieht geister und wird vom fbi ausspioniert ^^

m3ondM+st~erxne


LOVE & PEACE forever...

:)^

e*sgehLtwiexder


El Pintor, du stellst eine schöne Frage :)

Vielleicht hilft es dir, deine Wahrnehmungen etwas anders zu interpretieren bzw. einen etwas anderen Standpunkt bezüglich deiner Persönlichkeit einzunehmen. Es gibt beispielsweise Untersuchungen, die zeigen, dass das "Ich"-Empfinden im Gehirn erst nach dem Treffen einer Entscheidung entsteht und diese nachträglich rechtfertigt. Und dadurch praktisch die tatsächlichen Ursachen (die oft im Unterbewusstsein liegen) für die Entscheidung ausblendet. Oder du könntest dich mal damit beschäftigen, was "Ich" auf Lateinisch heißt (Antwort: "Ego") und wie sich deine Gedanken ändern, wenn du mal testweise den Standpunkt einnimmst, dass du dich in Wirklichkeit mit deinem Ego beschäftigst.

Deine Erkenntnis, dass Menschen verschiedene Anteile (manche nenne sie "Instanzen") in sich tragen, kann ich bestätigen. Interessant ist dabei die Frage, was das Wesen dieser Anteile ist und woher sie kommen. Was ihr Ziel bzw. tieferer Sinn ist. Wenn ein Anteil in dir zum Beispiel Karriere, Reichtum und weltlicher Macht einen hohen Stellenwert einräumt, dann kann dahinter beispielsweise der Überlebensinstinkt stehen. Angenommen du hast einmal eine Situation erlebt, wo du (möglicherweise unbewusst) eine Gefahr wahrgenommen hast, vor der du dich nicht schützen konntest und mit der du nicht gelassen umgehen konntest, dann kann es sein, dass dein Unterbewusstsein Glaubenssätze und Verhaltensmuster entwickelt hast, mit denen es versucht, deine Überlebenschancen zu erhöhen. Oftmals haben solche Themen auch mit den Eltern und deren ungelösten/verdrängten Themen zu tun, so dass z.B. ein Kind das Bedürfnis hat, Reichtum und Macht zu bekommen, weil dies für die Eltern wichtig ist/war und sich das Kind dadurch Nähe zu seinen Eltern erhofft. Für ein kleines Kinder ist es überlebenswichtig, von seinen Eltern wahrgenommen zu werden. Vor wenigen Generationen hatte ein Kind, das von seinen Eltern vergessen oder übersehen wurde, kaum eine Überlebenschance. Dieses intuitive Wissen hat sich tief in unseren Genen festgesetzt und führt dazu, dass Kinder unbewusst (da ihr bewusstsein noch nicht richtig entwickelt ist) Strategien entwickeln, von ihren Eltern die maximale Aufmerksamkeit/Nähe zu bekommen. Die daraus entstehenden Verhaltensmuster und Glaubenssätze begleiten Menschen oft weit ins Erwachsenenalter hinein und auch bis ans Lebensende. Unser Geist hat allerdings die Möglichkeit, diese Muster und Glaubenssätze zu "erkennen" und aufzuarbeiten (wenn man bereit ist, sich den damit verknüpften Themen und Emotionen/Ängsten zu stellen).

Durch das Erkennen solcher Hintergründe und Wechselwirkugnen kannst du lernen, dein Anteile zu "ordnen" und bewusstere Entscheidungen zu treffen - Bewusstsein bezieht sich hier auf die Fähigkeit, Anteile und Ziele in einen größeren Rahmen einzuordnen und Ursachen und Wirkungen (auch auf indirekten Ebenen) mit in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Das mag nicht von heute auf morgen gelingen, aber auf diesem Weg entwickelt man eine charakterstarke und kohärentere Persönlichkeit.

Wichtig ist wie gesagt das Hinterfragen, nach Ursachen und Zielen... sehr hilfreich ist aber auch die Frage: Welchen ungelösten Schmerz vermeide ich gerade? Mit welchem Thema, mit dem ich nicht umgehen kann, vermeide ich durch diese Denk- oder Verhaltensweise eine Konfrontation?

Viel Erfolg und alles Gute! :)*

d<ie NTortxe


jeder hat doch schonmal was aus wut gesagt was er später bereut hat. ich denke dass die emotionen ausschlaggebend sind für die gedanken.

fHallene_an5geFlx_73


sehr guter Beitrag von esgehtwieder! :)^ :)^

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