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Sind wir nicht einfach nur gehirnchemische Prozesse

kYlehinp_schlumpsfixne hat die Diskussion gestartet


Moinsen.

Philosophie oder doch Psychologie? Ich weiß es nicht.

Ich denke immer mal darüber nach, ob man als Mensch irgendwas dafür kann, wie man ist. Und auch dafür, was man daraus macht.

Hat man selbst da irgendeinen Einfluss drauf? Bzw. was ist eigentlich ein "Selbst"?

Man denkt ja immer man würde eigene Entscheidungen treffen und wäre ein toller Mensch, weil man empathisch ist und fair und reflektiert und auch ansonsten halt kein Arsch. Aber ist das nicht alles reiner Zufall? Kann "ich" irgendwas dafür, dass bestimmte Neurotransmitter (oder was auch immer) einigermaßen sinnvoll durch meine Gehirnwindungen fliegen?

Kann mein cholerischer Kollege was dafür, dass es cholerisch ist? Kann er was dafür, dass es ihm egal ist, dass es andere stört? Kann er was dafür, dass er kein Problem darin sieht?

Ist das nicht alles "chemischer Zufall"?

Antworten
L)ucil3K2


Nein. Es ist eine Mischung aus Genetik was wiederum die Hirnchemie beeinflusst sowie die Umwelt - was wir lernen und erleben. Das ändert auch der Hirnchemie. Wir lernen ständig, erleben ständig neues. Es bilden sich stärkere synaptische Verbindungen, andere schwächen ab, da sie nicht mehr oder kaum noch gebraucht werden.

Das Gehirn verändert sich ständig. Die Chemie verändert sich ständig. Transmitter, Synapsen, Hormonen...

Disposition ist etwas festes - also der Choleriker wird immer irgendwo Choleriker bleiben. Er kann aber lernen sich zu beherrschen. Ja, er kann etwas dafür. Er kann lernen seine Emotionen anders auszudrücken oder irgendwo alleine sie rauszulassen.

Nennt sich kognitive Umstrukturierung. Das ist was Psychotherapie im Grunde macht.

r.r2>017


Es gibt ja auch die Theorie, wir wären alle nur Teil einer großen Computersimulation (a la Matrix)..

Mir ist dann aufgefallen, dass das im Grunde auch egal ist. Es gibt eine "Basis für das sein", die Technologie, auf deren Basis unsere Welt implementiert ist, und ob diese nun real, virtuell, biologisch, elektrochemisch oder metaphysisch oder sonstwas ist, spielt letzten Endes gar keine Rolle. Es gibt IRGENDEINE für uns nicht verständliche Grundlage des Daseins.

sTteppox25


Ich selber bin Epiphaenomenalist (die Gedanken-Welt, Realm2, Bewusstsein, Konzepte sind bloße Symptome, nicht physikalisch fassbar, die von Gehirnprozessen gezeitigt werden) und ich bin (folglich) Determinist: Die gehirngemachten Konzepte sind keine kausalen Agenzien, da selber nichtphysikalisch. Was aber noch lange kein Grund ist, die Hände in den Schoß zu legen und einfach alles kommen zu lassen.

Was von der Aussenwelt (Realm1) über unsere 5 Sinne ins Gehirn reinkommt und dort prozessiert wird, das ist letztlich das kausale Agenz von all dem, was aus dem Gehirn wieder rauskommt und per Muskeln in Aktionen umgesetzt wird (Realm3, z.B predigen, Bücher schreiben, Häuser bauen) - das individuelle Bewusstsein davon ist wie ein bloßes Dampfwölkchen aus einer arbeitenden Lokomotive - es tut nix. Und nur der vollständigkleit halber: Das was wir in unserer Zivilisation als Aussenwelt, Realm1 vorfinden ist meistenteils schon Realm3.

Wenn ich "der liebe Gott" wäre, dann wüsste ich genau, wie dieser und wie jener jeweils unausweichlich zu dem wurde, wie der war - und der Gedanke, irgend jemanden in ein Ewiges Höllenfeuer zu stecken, würde ich als eine Ausgeburt menschlicher Dummheit belächeln.

LEucsi3x2


Wir sind zwar ziemlich weit gekommen aber wir verstehen längst nicht alle Hirnprozessen. Es gibt zu viel Varianten und keine 2 Gehirne sind gleich. Auch von der Funktionsaufteilung nicht, die zwar hübsch in Fachbücher aussehen aber leider nur grob passen. Oder teilweise gar nicht. Fachbuch - Sprachzentrum links. Realität: links, rechts, beidseitig.

s"tepYpo25


Hallo Luci, das ist eine wichhtige Ergänzung zu "dem was ins Gehirn reinkommt' - dazu gehört auch, wie das Gehirn - genetisch - sozusagen vorverdrahtet ist.

Ich wünsche allen eine schöne Woche "zwischen den Jahren"

Kkultursc+halffendxer


Eigentlich verstehen wir noch gar NICHTS. Es kommt mir vergleichsweise so vor, als hätten wir gerade erkannt, dass Uranerz einen forografischen Film schwärzen kann, ohne dass Licht darauf gefallen ist, kennen aber noch nicht einmal Niels Bohr's Atommodell, geschweige denn die Kernspaltung. Halbwissende Bungee-Jumper schwadronieren: "Adrenalin schoss durch meine Adern", unwissende gläubige Romantikerinnen säuseln: "Endorphine und Dopamine durchströmten mich".. , Politiker im Machtkampf schwängern die Luft mit Testosteron... Sag denen mal: "Na, dann schreib mir doch mal die Strukturformel von Dopamin auf!" Ich prophezeihe: Betretenes Schweigen.

Toll! Ein Arduino Uno, bestückt mit Lage- und GPS-Sensoren, steuert eine viermotorige Drohne mit Kamera. Jede Obstfliege kann immer noch mehr und wir kennen noch nicht einmal diese "Software", geschweige denn, unsere eigene.

Künstliche Intelligenz? Ein Witz! Nach Vorgabe eines Grundalgorithmus errechnet ein Computer durch wiederholte Versuche eine möglichst exakte Kurvendiskussion einer komplexen Schwingung... Ach, um nicht zu sagen, ach so?

*:)

wuhatatxragedy


Es gibt in den Neurowissenschaften bisher wohl jedenfalls keinen einzigen stichhaltigen Beweis dafür, dass wir irgendeinen freien Willen hätten.

Von daher ja: Scheinbar sind wir nur ein determininistischer Haufen komplexer Zerfallsprozesse.

Nicht sonderlich romantisch, aber eigentlich auch nur logisch.

k-leinR_sc)hlutmpfine


Er kann aber lernen sich zu beherrschen. Ja, er kann etwas dafür. Er kann lernen seine Emotionen anders auszudrücken oder irgendwo alleine sie rauszulassen.

Aber das kann er ja nur, wenn auf seiner Festplatte irgendwo Kritikfähigkeit, Selbstreflexion oder sowas läuft. Und das ist ja genau meine Frage.

Es gibt in den Neurowissenschaften bisher wohl jedenfalls keinen einzigen stichhaltigen Beweis dafür, dass wir irgendeinen freien Willen hätten.

Ja darum geht es mir. Ich habe ja immerhin das Gefühl, dass ich denke und entscheide und irgendwas dafür kann, dass mein Leben so ist wie es ist. Da ist natürlich die Frage eines "Ichs" recht bedeutsam. Warum definiere ich mich losgelöst meines Gehirns?

Und wie macht das Gehirn so Dinge wie Selbstdisziplin?

Gerade bei unterschiedlichen Antriebskräften wie müde / vs sollte mal aufstehen. Ein reiner Erfahrungsalgorithmus?

Ewla$fRemUich0x815


Schau dir mal das an: [[https://www.youtube.com/watch?v=G-4ILTKgwjw&list=PLnv8tTZpKJ0qkIn3ADHG36_bH2UUq8K2I]]. Danach kannst du nochmal neu überlegen wer in deinem Verstand wirklich das Sagen hat. ;-D

LVuci3x2


Selbstdiziplin: naja, wir wissen schon, dass hemmungsprozedse im.Frontalhirn ablaufen.

Es wird viel mit Gruppen mit lokale Hirnschädigungen geforscht. Frontallappenpatienten haben oft ein Problem mit Aggression.

EXlafReDmich08p15


Das sieht man ja auch am Demenz-Patienten, durch die Schädigung des Gehirns verändern sie ihr Wesen und können durchaus aggresiv werden, ohne das sie das selber bemerkten oder überhaupt wollen.

Der Vater eines guten Freundes (inzwischen verstorben) stand vor einigen Jahren mal sehr dicht an der Himmelspforte, nämlich als ihm die Aorta geplatzt war. Er musste mehrfach wiederbelebt werden und hatte fortan - seine Worte - Gardena-Gartenschlauch im Körper... Seine Persönlichkeit ändere sich daraufhin auch deutlich merkbar.

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