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Ist "psychisch krank sein" in Mode?

fBelis fmargarxita


Sollte eigentlich schrieb heißen. |-o

F9izzlgypuzxzly


felis margarita

:-D :-D :-D schrie passt aber auch gut :-D :-D :-D

S/unfloYwerx_73


PS.: Aber es würde mich schon auch mal interessieren, ob Patienten heute noch vom Therapeut abgelehnt werden, weil ihr Problem als zu geringfügig betrachtet wird. Vielleicht kann das ja mal jemand vom Fach beantworten

Ja, Therapeuten lehnen Patienten durchaus aus diesem Grunde ab. Ich tue es. Immerhin gibt es seit April 2017 ja bis zu 3 Sprechstundentermine (à 50 Min.) und dann noch bis zu 4x Probatorik. Spätestens bis dahin hat man gemerkt, ob Therapiebedarf besteht oder nicht. Manchmal reichen diese Termine auch schon aus, im grundlegende Infos/Tipps zu geben, wenn kein echter Therapiebedarf besteht oder nur ein "kleines" Problem.

Maximal würde ich eine Akutbehandlung mit 10 Sitzungen anbieten. Abgesehen davon ist der erste Antrag heutzutage über 12 Sitzungen, und wenn es wirklich nicht ganz eindeutig ist mit dem Bedarf, erledigt sich vieles in diesen 12 Sitzungen. Aber i.d.R. wird der Nichtbedarf schon in Sprechstunde und Probatorik deutlich.

Wegen des Geldes nimmt kein Therapeut mit Kassenzulassung Patienten an. Die Nachfrage ist groß genug und die Wartelisten lang genug. Meine Warteliste ist über ein Jahr lang bzw. ich führe keine mehr (und ich habe erst vor einem Jahr die Praxis eröffnet). Ich bin dankbar für jeden Patienten, wo nach 1-2 Terminen ein Knoten platzt und kein Therapiebedarf mehr besteht. Ich schicke auch sehr klar weg, wenn da jemand Alltagswehwehchen hat. Rate zu Alternativen wie Beratungsstellen,... Sorgt nicht für den besten Ruf, weil sich Leute auf den Schlips getreten fühlen. Aber wenn jemand zwei Wochen nach Trennung von Partnerin nach 6 Monaten Beziehung kommt und jemand, der über Jahre als Kind sexuell missbraucht wurde, setze ich Prioritäten.

Siilbyexrmon#daxuge


die Leute waren mehr draußen

Vor allem die Fabrikarbeiter, die ja viel weniger arbeiten mussten als die arbeitende Bevölkerung heute (Achtung Ironie !)

Aber vielleicht gab es auch weniger Depressionen weil die Leute damit zu tun hatten, Geld zu verdienen um was zu essen zu haben. Und die Lebenserwartung war eh kürzer. Und bei den reichen Damen hieß es eben "Schwermut" und wurde größtenteils akzeptiert.

GIraue* Socxke


@ sunflower

Wie ich Deinem Beitrag entnehme, bist Du Psychotherapeutin. Was sagst Du auf die Frage, ob es psychisch vollkommen gesunde Menschen gibt?

In Gesprächen mit meinem Schwiegervater (lange Zeit in Therapie und hobbymäßig mit Psychoanalyse befasst) bekam ich den Eindruck, dass es auf dem Gebiet der Psyche eigentlich kein gesund, sondern nur mehr oder weniger akuten Therapiebedarf gibt... . :-/

mTitte!lgrobröhrxig


was verursacht schiefe Hirnchemie?

Verschiedenste Faktoren, die wir bei weitem noch nicht alle kennen. Genetische Vorbelastung vielleicht. Schlechte Ernährung via die Darmflora. Die Erforschung des Mikrobioms und seines Einflusses auf uns kommt gerade erst richtig in die Gänge, angeblich (hab auf die Schnelle keine seriöse Quelle dafür gefunden) werden dort 90% des gesamten Serotonins produziert.

Ich fürchte also, die einfache Antwort, die du vielleicht suchst, gibt es nicht.

Hast du noch nie von ResIlienz gehört?

Resilienz bezeichnet grundsätzlich psychische Widerstandskraft. Wenn jemand psychische Probleme hat, aber trotzdem ein einigermaßen erfülltes Leben führen kann, sehe ich darin bereits Resilienz.

Siehst du dich tatsächlich in der Position, beurteilen zu können, aufgrund welcher Erfahrungen jemand das "Recht" hat, psychische Probleme zu entwickeln? Klar, im Gegensatz zu hungernden Menschen und andauernden Gewalterfahrungen in Entwicklungsländern könnte man 'nur eine' Vergewaltigung natürlich als quantitativ 'weniger schlimm' betrachten - aber schlimme Erlebnisse lassen sich nunmal schlecht in eine "Leidenshierarchie" bringen und auch die 'nur' eine Vergewaltigung kann eine Psyche nachhaltig (zer)stören. Zwei Leute mit ähnlichen Erfahrungen können komplett verschiedene Leben führen - Die eigene Resilienz hast du dir auch nur zum kleineren Teil selbst zu verdanken, der Rest war Umfeld und Genetik ;-)

Ich bin generell der Meinung, dass ein Schritt aus sich heraus meistens nicht schlecht ist, weil es Dinge in Perspektive rücken kann und man vielleicht feststellt, dass das eigene Erleben vielleicht objektiv gerade wirklich nicht so schlimm ist. Das kann durchaus helfen, weniger unter einer Situation zu leiden. Aber so wie du dir das offenbar vorstellst, funktionieren Menschen nicht.

Ganz generell: mir tun Menschen eher leid, die trotz anscheinend besserer oder guter Umstände nicht glücklicher sind. Wieso sollte ich einen Groll gegen sie hegen, da ich bin ich doch eher froh, dass es mir besser geht? ":/

t#atua


Ganz generell: mir tun Menschen eher leid, die trotz anscheinend besserer oder guter Umstände nicht glücklicher sind. Wieso sollte ich einen Groll gegen sie hegen, da ich bin ich doch eher froh, dass es mir besser geht?

Das ist vielleicht am tragischsten, wenn jemand richtig tief unglücklich ist mit seinem Leben und überhaupt keinen Ansatzpunkt findet, was er oder sie tun kann, weil eigentlich alles in Ordnung ist.

Bei mir ist jede Menge im Argen und manchmal beutelt es mich auch aber ich schaffe es auch oft die dunklen Wolken abzuschütteln. Es ist oft mühsam, aber ich sehe Ansatzpunkte, wie ich meine Situation verbessern kann. Belasten tut nicht nur die Jetztsituation sindern auch die Perspektive bzw. das Fehlen einer solchen.

PXers3eidxa


@ JessSlytherin

Du bist 21. Von welchem ominösen 'früher' sprichst du? 2007?

Offensichtlich beziehe ich mich mit 'früher' nicht auf die letzten 10 Jahre.

Interessierst du dich nicht für geschichtliche Thematiken?


@ felis margarita

Eule 2 ist erst 18 und weiß wohl sehr gut, womit die Jugendlichen heute zu kämpfen haben.

Machen 3 Jahre hierbei einen wesentlichen Unterschied?

JkessFSlyth\erixn


Interessierst du dich nicht für geschichtliche Thematiken?

Nur dummerweise war ich "früher" (wann auch immer das jetzt war) nicht dabei. Also kann ich nicht beurteilen, wie es den Menschen 'damals' ging und dann mit jetzt vergleichen.

Aber erleuchte uns doch. Wann genau ist jetzt früher, und wie haben sich die Menschen gefühlt? Welche psychischen Probleme hatten sie und wie wurden diese behandelt?

P:ersMeida


@ Sunflower_73

Wegen des Geldes nimmt kein Therapeut mit Kassenzulassung Patienten an. Die Nachfrage ist groß genug und die Wartelisten lang genug. Meine Warteliste ist über ein Jahr lang bzw. ich führe keine mehr (und ich habe erst vor einem Jahr die Praxis eröffnet). Ich bin dankbar für jeden Patienten, wo nach 1-2 Terminen ein Knoten platzt und kein Therapiebedarf mehr besteht. Ich schicke auch sehr klar weg, wenn da jemand Alltagswehwehchen hat. Rate zu Alternativen wie Beratungsstellen,... Sorgt nicht für den besten Ruf, weil sich Leute auf den Schlips getreten fühlen. Aber wenn jemand zwei Wochen nach Trennung von Partnerin nach 6 Monaten Beziehung kommt und jemand, der über Jahre als Kind sexuell missbraucht wurde, setze ich Prioritäten.

Sollte nicht der jeweilige, subjektive Leidensdruck ausschlaggebend sein, wer letztendlich den Therapieplatz bekommt?


@ JessSlytherin

Nur dummerweise war ich "früher" (wann auch immer das jetzt war) nicht dabei. Also kann ich nicht beurteilen, wie es den Menschen 'damals' ging und dann mit jetzt vergleichen.

Wunderlich. Man muss doch nicht zwangsläufig etwas am eigenen Leibe erlebt haben, um darüber urteilen zu können.

Aber erleuchte uns doch. Wann genau ist jetzt früher, und wie haben sich die Menschen gefühlt? Welche psychischen Probleme hatten sie und wie wurden diese behandelt?

'Früher' umfasst eine Zeitspanne, keinen Zeitpunkt.

Am besten du informierst dich selbst über die Geschichte der Psychotherapie, das würde hier doch den Rahmen (und mein eigenes Fachwissen) sprengen.

e0sta1


@ Alle,

die Psychische Erkrankungen für eine Modeerscheinung halten.

Ich glaube das Thema ist nicht: "Alle psychischen Erkrankungen sind nur Mode". Das es Menschen gibt mit psychischen Erkrankungen ist eigentlich ein Fakt.

Die Frage (nach meiner Wahrnehmung) war viel eher, machen einige Menschen heute schneller aus einer Mücke einen Elefanten, als früher?

So verstehe ich das zumindest. Und ich glaube das da schon etwas dran ist. Und das ist auch nicht gut für die eigentlichen Kranken, den es trivialisiert ihr Leid.

Persaida

Wenn ein Kind bei Eltern aufwächst, die es nur als Fußabtreter behandeln, es vernachlässigen, ständig beschimpfen u.v.m., dann kann diese Kind als erwachsener Mensch schon psychische Probleme bekommen, auch in unserer westlichen Welt.

Sunflower 73

Vielen Dank für Deine Antwort.

e%stxa1


Das ist vielleicht am tragischsten, wenn jemand richtig tief unglücklich ist mit seinem Leben und überhaupt keinen Ansatzpunkt findet, was er oder sie tun kann, weil eigentlich alles in Ordnung ist.

Ich kannte jemanden dem es ging oder geht, er hatte alles was die meisten Menschen sich wünschen: Geld, Beziehung, Freunde und musste nicht mal dafür arbeiten. Und ich glaube genau das war das Problem, wenn man alles bekommt im Leben ohne jemals dafür kämpfen zu müssen, worüber soll man sich dann freuen 8-( .

JKe.ssS*lyth-erixn


Am besten du informierst dich selbst über die Geschichte der Psychotherapie, das würde hier doch den Rahmen (und mein eigenes Fachwissen) sprengen.

Ich vermute mal sehr stark, dass ich davon mehr Ahnung hab als du. Und was hat die Geschichte der Psychotherapie damit zu tun, dass die Jugendlichen 'früher' es so viel schlechter hatten als jetzt?

Man muss doch nicht zwangsläufig etwas am eigenen Leibe erlebt haben, um darüber urteilen zu können.

Ok, dann hast du das Thema studiert? Mit Diplom und Doktor? Hast du mit Zeitzeugen gesprochen, repräsentative Umfragen erstellt und ausgewertet? Was genau ist mit Krankheiten, die damals noch nicht erkannt waren?

Oder meinst du, bloß weil du einen Psychiater und nen Sozialarbeiter hast, bist du jetzt der totale Profi? Und dass du in der Lage bist zu beurteilen, wer wirklich krank ist und wer nur einem Trend nach rennt?

SQunf>loweqr_x73


Sollte nicht der jeweilige, subjektive Leidensdruck ausschlaggebend sein, wer letztendlich den Therapieplatz bekommt?

Jein. Das fließt immer mit ein, aber es gibt unendlich viele weitere Kriterien. Man kann auch einfach nach der Reihenfolge vorgehen; erspart die eine oder andere Grübelei. Was macht man mit jemanden, der Alleinverdiener für die Familie ist und wo Arbeitsunfähigkeit droht, der aber noch im Funktionsmodus ist, vs. jemand, der mehr Leidensdruck schildert, aber schon x Therapien hatte, berentet ist, Betreuer hat,...? Wenn man nicht strikt nach Anmeldedatum vorgeht, ist es immer eine Bauchentscheidung, wen man eher noch dazwischenquetscht. Oft spielt auch die zeitliche Flexibilität eines Patienten eine Rolle. Wenn jemand flexibel ist, kriege ich ihn eher unter als jemand, der nur Freitags um 18h kann.

P@erszeixda


@ esta1

Wenn ein Kind bei Eltern aufwächst, die es nur als Fußabtreter behandeln, es vernachlässigen, ständig beschimpfen u.v.m., dann kann diese Kind als erwachsener Mensch schon psychische Probleme bekommen, auch in unserer westlichen Welt.

Das habe ich nie bestritten.


@ JessSlytherin

Und was hat die Geschichte der Psychotherapie damit zu tun, dass die Jugendlichen 'früher' es so viel schlechter hatten als jetzt?

Nichts. Du hast schlichtweg danach gefragt:

Welche psychischen Probleme hatten sie und wie wurden diese behandelt?

Ok, dann hast du das Thema studiert? Mit Diplom und Doktor?

Nein. Das ist auch nicht zwangsläufig erforderlich um sich eine fundierte Meinung bilden zu können.

Hast du mit Zeitzeugen gesprochen, repräsentative Umfragen erstellt und ausgewertet?

Auch das ist nicht unbedingt notwendig.

Was genau ist mit Krankheiten, die damals noch nicht erkannt waren?

Was soll damit sein? Früher wurden die Leute eben schlichtweg als 'geisteskrank' betrachtet.

Oder meinst du, bloß weil du einen Psychiater und nen Sozialarbeiter hast, bist du jetzt der totale Profi? Und dass du in der Lage bist zu beurteilen, wer wirklich krank ist und wer nur einem Trend nach rennt?

Absolut, ja. Wobei der Übergang zwischen diesen beiden Zuständen oft fließend ist und unbewusst erfolgt.

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