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Ist "psychisch krank sein" in Mode?

pIelzti:er8x6


Darüber hinaus liegt die steigende Zahl von psychischen Erkrankten in den Industrienationen aber m.E. aber auch an einer anderen Einstellung zum, ja Anspruchshaltung gegenüber dem Leben inklusive der Prämisse, dass das Leben gut zu einem zu sein hat und -

u.a. dank der (v.a. sozialen) Medien - fixen Vorstellungen darüber, wie ein solches gutes Leben genau aussieht, sowie an einer anderen Selbstwahrnehmung des Individuums, das ausschließlich die eigene Person und die eigenen Wünsche ins Zentrum allen Denken und Handels rückt.

So haben wir trotz der Globalisierung und des Siegeszugs der sozialen Netzwerke doch tatsächlich weniger wahrhaftige Kommunikation und eine Entfremdung unter den Menschen.

E!hemaliger' NutzLer G(#x604823)


Wir werden doch überall mit den Gedanken geimpft, dass wir erfolgreich sein sollen. Und dabei sind die Definitionen für Erfolg an festen Werten gekoppelt - gutes Gehalt, Familie mit gesunden, erfolgreichen Kindern, keine Drogen, Haus, Garten, Hund, einmal im Jahr ins Ausland in den Urlaub, tolle Geschenke zu Weihnachten, perfektes - jugendliches Aussehen, Sportlichkeit, Erstwagen, Zweitwagen ... gehe mal in die Läden. Die sind alle genau nach diesen Schemen eingerichtet. Und die Leute scheinen auch zum Großteil genau danach zu funktionieren.

Und wenn ich dann in die Apotheke schleiche, um meine Schlaftabletten abzuholen, weil ich schlecht schlafen kann und zu ungewöhnlichen Zeiten arbeite, möchte ich auch ganz oft "nur dazu gehören". Ich bekomme Rügen, weil ich um 8 Uhr nicht ans Telefon gehe - das ich manchmal bis 2 oder 3 Uhr arbeite sieht aber keiner. Am Morgen ist mein Kopf leer, abends sprudeln Ideen heraus. Ich bin nicht erfolgreich. Nicht mal normal. Vor allem auch deshalb, weil ich von anderen erwarte, dass sie empathisch sind.

mHnef


Und die Leute scheinen auch zum Großteil genau danach zu funktionieren.

Die Frage ist doch: Wie schafft es eine (vermutliche) Minderheit, die aber im gleichem Umfeld großgeworden ist und noch dort lebt, ihr Leben zufrieden zu leben ohne danach zu funktionieren? Was machen die anders? Nee, "allen wird das eingeimpft" ist mir zu dünn.

Und weil du deine Empathie in den letzten Beiträgen betont hast: Dann muss man auch mit den Teenagern, die lediglich eine Emo-Phase zelebrieren, Nachsicht zeigen. Das ist entweder ein relativ normaler Entwicklungsprozess oder, wenn doch nicht nur eine Phase, ebenso eine Erkrankung, die nicht als minderwertig abzustempeln ist.

t[atuxa


Ich habe auf diesem Planeten irgendwie nichts verloren ... und jedem, dem ich meine Geschichte erzähle ist ihr irgendwann überdrüssig und irgendwann lernt man leise zu sein.

Das tut mir richtig weh, das zu lesen. :°_

Auch weil ich das selber so gut kenne.

Wenn dein Therapeut dich als nicht aussichtreichen Fall wahrnimmt, der jemand anderen den Platz wegnimmt und dir das auch noch kommuniziert suche dir jemand anderen. Das ist nicht fair. Ich habe auch oft Horrornächte und Tage, durch die ich mich nur noch quäle. Und ich weiß nicht, ob ich noch eine Chance habe, gesunder zu werden.

Gestern habe ich zufällig über genau dieses Thema mit meiner Therapeutin gesprochen, ob es angesichts der Dimension meiner Schwierigkeiten überhaupt Sinn macht verbunden mit drm Gefühl, dass ich ja schon alt bin ( Ende 40)

Ich hab sie gefragt, ob es nicht Verschwendung ist, mich zu behandeln. Sie hat gesagt, dass sie auch jemand in meiner Situation mit 80 Jahren behandeln würde. Der Knackpunkt ist der Wunsch etwas für sich zu tun.

H\asencreich


Das mag schon sehr subjektiv sein, aber in dem Alter hätte es mir schlichtweg an Lebenszeit gefehlt, um "richtig" depressiv zu werden oder gar suizidal. Das sind ja oft Prozesse, die über viele Jahre gären und teils von schweren Schicksalen begleitet werden.

O ja, an Lebenszeit hat es mir auch gefehlt, 1 ganzes Jahr habe ich verloren damit - ich hatte eine handfeste Depression, mit 16.

Und das "schwere Schicksal" war zum einen Mobbing 2 Klassen vorher, eine körperliche Erkrankung 1 Jahr vorher und zum anderen der Druck, nun endlich wissen zu "müssen" welchen Beruf man ergreifen soll..........

Ich hatte meine sogenannte "Teeny-Selbstfindungs-Krise", die beinahe im Suizid geendet wäre.

Ich glaube nicht, dass man sich eine Depression "einbilden" kann. Und in "Mode" gekommen ist es sicher auch nicht, es wird nur mehr thematisiert.

Und ich selbst hab damals mit niemanden drüber gesprochen, weil ich viel zu viel Angst hatte, nicht ernst genommen zu werden........

Schlussendlich hat mir die Therapie eines einfühlsamen Therapeuten geholfen, sein Buch zu lesen.

Das mag schon sehr subjektiv sein

Ja, ist es - vor allem, für die Leute, die drin stecken und nicht ernst genommen werden.

Man sollte sich hüten, darüber zu urteilen, ob Kommentare von Jugendlichen "ernst gemeint" sein könnten (die man noch dazu gar nicht kennt) - nur weil sie ja noch "so jung" sind und es eigentlich an "Lebenszeit fehlen" sollte, um die schöne Jugendzeit mit psychischen Krankheiten (oder auch körperlichen) zu "verschwenden".....

X.iRrain


Ich denke ich bin hier raus.

^^ auf die beiträge die ich für wichtig erachte (nicht nur meine) gibt es keinerlei reaktionen....

Aus selbstschutz bin ich hier raus. Denn ich pflege mein helfersyndrom nicht mehr. Und die reaktionen der te frustrieren mich [...]

t(atu a


Schade Xirain

Ich fand deine Beiträge hier wertvoll.

Ich glaube auch nicht, dass sich die TE hier ins Fäustchen lacht.

Mein Eindruck ist, dass sie sehr unglücklich ust und das Gefühl hat mit ihrer Situation und ihrem Schicksal keinen Raum und keine Emphatie zu finden.

Vielleicht steckt hinter der Ablehnung der "Emokids" ein Stück Neid, weil die sich (scheinbar) selbstverständlich den Raum nehmen, was Knuffelstern im Moment nicht gut schafft. Wenn das so ist, wäre die Lösung natürlich nicht diese Jugendlichen anzugehen... die nehmen ihr ja nichts weg.

Knuffelstern ... wäre das nicht eine Möglichkeit? Dich selbst ernst und wichtig zu nehmen und dir immer wieder zu sagen, dass du auch Mitgefühl verdient hast?

Manchmal hilft da die Arbeit mit positiven Affirmationen.

FFizzlyYpuzKzly


reaktionen der te frustrieren mich [...]

Xirain

Da sind wir schon zu zweit. Und genau deshalb ist dieser Faden für mich von Beginn an schon zum kotzen. Denn auch ich gehöre zu den Menschen, die von Geburt an schon auf der schwierigen Seite standen. Mit 40 Jahren brach ich dann vollkommen zusammen. Rausgewühlt habe ich mich ohne einen Menschen - ausser der Therapeuten - neben mir zu haben. Auch ich war voller Hass und Verbitterung. All das wollte ich nicht mehr und ich habe es auch geschafft. Darauf bin ich stolz. Denn alles was ich heute sage und tue gehört zu mir, das führte zu meiner Lebendigkeit.

Und weil ich über Missbrauch, Prügel und Suizidversuchen solange durch die Hölle gegangen bin, kotzt mich dieser Faden so an.


Knuffelstern genau diese Erfahrungen führen bei mir dazu, dich als Mensch niemals in meine Nähe zu lassen. Du stellst dich als Opfer hin, verletzt aber die UserInnen hier und überschreitest Grenzen ohne jegliches Gefühl und Gedanken an andere zu verschwenden.

Du eröffnest hier einen Thread und fragst uns, ob psychisch krank sein in Mode gekommen ist und jetzt willst Du uns/mir erzählen, wie schwer Du erkrankt bist?

[...]

L1oadcxell


Hier schreiben überwiegend Frauen. ":/ Das ist schon bedenklich, wenn man gerade auf Partnersuche ist und offenbar 50% (oder mehr ?) aller Frauen irgendein psych. Problem gehabt haben, haben oder haben werden. [...] Da wird einem Angst und Bange. :°(

hBag-t?ysja


hab keine angst. wenn deine partnersuche erfolglos verläuft, wird es ziemlich wahrscheinlich nicht an weiblichen psychischen problemen scheutern, sondern schon weit davor. @:)

Ckhomsxky


Loadcell, an deiner Stelle würde ich mir in erster Linie Sorgen machen, wie hoch (oder vielmehr gering) die Wahrscheinlichkeit ist, mit deinem psychischen Problem (oder wie auch immer man das bezeichnen kann) eine Frau "abzukriegen".

L-oaddcelxl


Chomsky, mach dir darüber keine Gedanken. Ich bin versorgt . [...]

bzlue hUehron


Also mit dieser Wendung habe ich jetzt ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ich verstehe es auch nicht. Soll das jetzt ein Rundumschlag auf alle sein, denen es nach eigenem Empfinden nicht so schlecht geht, wie einem selbst? Das finde ich von sehr zweifelhaftem Nutzen. Und gerade von Betroffenen kann man da mehr Differenzierung erwarten, finde ich. Ich kann Frust, wenn es nicht oder nur langsam besser wird, gut nachvollziehen, wirklich. Aber ihn auf andere projizieren wird nicht helfen.

a<nfanQgmitfreuNde


Darüber hinaus liegt die steigende Zahl von psychischen Erkrankten in den Industrienationen aber m.E. aber auch an einer anderen Einstellung zum, ja Anspruchshaltung gegenüber dem Leben inklusive der Prämisse, dass das Leben gut zu einem zu sein hat und -

u.a. dank der (v.a. sozialen) Medien - fixen Vorstellungen darüber, wie ein solches gutes Leben genau aussieht, sowie an einer anderen Selbstwahrnehmung des Individuums, das ausschließlich die eigene Person und die eigenen Wünsche ins Zentrum allen Denken und Handels rückt.

So haben wir trotz der Globalisierung und des Siegeszugs der sozialen Netzwerke doch tatsächlich weniger wahrhaftige Kommunikation und eine Entfremdung unter den Menschen.

sehe ich ehrlich gesagt anders. der mensch im mittelalter wollte zwar kein auto und keinen urlaub im ausland, aber er stand unter extremem stress, was sein seelenheil anging. der hat dann auch alles getan, damit er im leben nach dem tod im himmel landet und nicht in der hölle. selbstverständlich gehörte da dazu, dass man in seiner freizeit frondienste leistete, zu irgendwelchen als heiligengebeine dargebotenen hühnerknochen pilgerte, geld für die armen spendete, selbst wenn man es nicht hatte und natürlich jede sünde sofort beichtete.

der wesentliche unterschied zu heute ist, dass wir zum glück ein komplettes berufsfeld haben, das sich einzig und allein mit der versorgung der daraus resultierenden erkrankungen befasst. wer damals psychisch krank wurde, hat eben angefangen zu saufen. wer arbeitsunfähig wurde ist eben verhungert oder kam ins armenhaus oder musste von der familie mit durchgeschleppt werden. als junge frau bist du dann auch mal zwangsverheiratet worden, damit dein mann dich gefälligst auf zack bringe. zur not wurden dir eben deine flausen aus dem kopf geprügelt.

und ja, die sozialen netzwerke haben bei sehr vielen menschen die fähigkeit zur kommunikation eingeschränkt oder zerstört. ich glaube aber nicht, dass das mit der thematik psychische erkrankungen stark zusammenhängt. ":/

gab ja im mittelalter auch mönche, die ein schweigegelübde abgelegt haben. waren die dann auch alle psychisch krank? ;-D

ich glaube, du machst es da etwas einfach. es geht nicht um die bunte glitzerwelt mit konsum und haben-wollen. die kids kriegen heute schon in der schule erzählt, dass sie abi machen müssen - und das in einem jahr weniger als ich damals - weil sie sonst keinen job kriegen. wohlgemerkt geht es da gar nicht um einen super bezahlten job, es geht um einen job. das abi muss natürlich eine 1,0 haben - mindestens. und da das sehr viele haben, musst du noch was drauf legen. wenn du jura oder medizin oder sowas studieren möchtest, musst du schauen dass du dich in deiner freizeit noch entsprechend betätigst, z.b. ehrenamtlich beim DRK oder nach dem abi in einem FSJ. und selbst dann ist die chance noch extrem hoch, dass du in die röhre schaust und dann eben deine zweite oder dritte wahl studieren musst.

der leistungsdruck der gesellschaft wird mittlerweile gnadenlos durchgereicht an die kinder.

und da kommt dann eben die kommunikation ins spiel: das kind im mittelalter wusste, es wird schneider weil sein vater und dessen vater schneider waren. wenn aber doch mal stress, negative gedanken oder sonstwas da war, waren die eltern jederzeit da, denn der vater arbeitete ja zuhause in seiner werkstadt und die mutter war eben hausfrau oder hat ein bisschen gesponnen. zeit für ein gespräch war da aber immer.

wo sind denn die eltern heute? 2-3 stunden auf dem weg zur arbeit oder nachhause, 8-10 stunden auf der arbeit und dort selbstverständlich auch nicht erreichbar - wäre ja dem profit hinderlich. abends muss dann noch der garten gepflegt werden, weil der nachbar nebenan mal wieder meckert und droht das ordnungsamt zu rufen. es muss eingekauft und gekocht werden und dann ist ein menschliches wesen auch einfach mal erschöpft und fällt aufs sofa und hat dann auch keine energie mehr für ein gespräch mit den kindern über deren stress.

und da setzt jetzt ein problem im denken ein: die heutige generation der eltern und grosseltern, die babyboomer und kinder der 70er haben eine ganz andere realität in ihrer kindheit erlebt. der druck auf ihre eltern war wesentlich geringer. mama konnte zuhause bleiben und war eben hausfrau und immer da. die schule war anstrengend, aber selbst mit einem hauptschulabschluss konntest du noch was anfangen, denn handwerk hatte goldenen boden. wenn papa nachhause kam, war er zwar auch erschöpft, aber er musste wenigstens nicht mehr aufräumen, den garten machen oder einkaufen und kochen - das hatte mama alles erledigt. in vielen fällen hatte er dann auch nur einen arbeitsweg von ein paar minuten zu fuss, denn viele grosse firmen bauten damals in fabriknähe wohneinheiten für ihre arbeiter. er kam also auch wesentlich früher zuhause an, stand nicht stundenlang im stau oder in der überfüllten bahn. willy brandt führte bafög als vollzuschuss ein. die höhe des bafög war dem bedarf angepasst. beides klingt heute nach kommunismus und ist geschichte.

LHuc\i332


Frauen sind genauso betroffen wie Männer. Die Dunkelziffer ist hoch. Frauen sind allgemein eher bereit zum Arzt oder Therapeuten zu gehen. Männer meinen sie schaffen es alleine.

In Suchtkliniken ist es überwiegend Männer.

Nur 20% der Bevölkerung erleben einen psychisches Problem pro Jahr. Das heisst aber längst nicht Dauerkrank.

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