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Therapie für alles...

_mPar=vatxi_


Und warum gibt es die?

Ein Grund dürfte sein, dass man heutzutage offener mit psychischen Erkrankungen umgeht und sich dadurch mehr Menschen trauen sich Hilfe zu suchen.

X(ir{axin


Ich möchte mal in den Raum werfen:

Früher waren die meisten Menschen religiös. Mit akuten "Leiden" der psychischen Natur gingen sie zu ihrem Pfarrer, der ihnen einen Vers aus der Bibel nannte und eine Schulter anbot.

Man mag von der Religion halten, was man will (ich bin selbst nichtgläubig), aber das System funktionierte ohne große Wartezeiten und die Leute sind freiwillig und schnell bevor es akut wurde dort hin gegangen.

Sie hatten, glaube ich, auch den festen Glauben, alles wird gut. Gott hat seinen Plan... oder so.

Ansonsten fehlt mir einfach die Differenzierung hier im Thread.

Muss man mit 2 Wochen Trennungsschmerz nach einer 6 Monatigen Beziehung sofort zum Therapeuten (das Beispiel hab ich hier aufgeschnappt). Vermutlich nicht.

Muss man mit 2 Wochen Trennungsschmerz nach einer 6 Monatigen Beziehung UND Gewalt oder Vergewaltigung zum Therapeuten um das zu verarbeiten, zu verstehen, warum man die Person trotzdem vermisst? Vermutlich keine schlechte Idee.

Ich war grundsätzlich wegen etwas in Therapie, womit 99,9% der Menschheit klar kommt.

Dem Tod. Eines engen Familienangehörigen.

Was mich von der Masse unterschied? Ich war 500km weit von der Familie weg, somit ziemlich allein mit der Situation. Es starb nicht meine Oma (Ich hatte zuvor nie bewusst einen Tod eines lieben Menschen erlebt), sondern meine 26 Jahre alte Schwester an Krebs. Und letztendlich der ausschlaggebende Punkt für eine Therapie: Aufgrund anderer Persönlichkeitsprobleme wünschte ich mir: Ich wär so gern an ihrer Stelle gestorben, warum darf ich leben und sie nicht, wo sie doch so ein Sonnenschein war und ich ein Miesepeter.

Der letzte Punkt qualifizierte mich definitiv für eine Therapie.

Und letztendlich war ihr Tod nur ca 3-4 Stunden wirklich Thema. Den Rest der Stunden brauchte ich um mein Leben auszuklamüsern und zu schauen, warum ich mich selbst als weniger wertvoll empfinde, warum ich mich so miesepetrig fühle usw.

Dabei gab es sowohl psychiatrische Diagnosen, wie Depression, Anpassungsstörung etc... als auch nicht psychiatrische, wie emotional instabile und impulsive Persönlichkeitsanteile, hohe moralische Anforderungen an mich und mein Umfeld usw.

Ich denke ein guter Therapeut kann durchaus unterscheiden, ob da jetzt "nur" ein paar Persönlichkeitsanteile grad im Weg stehen und man das in 2-3 Stunden irgendwie lösen kann, oder ob derjenige wirklich...ein bisschen kaputt oder psychisch krank ist.

Mir halfen viele Ratschläge, die für die meisten Menschen wohl natürlich sind. Für mich waren die einfachsten Lösungen aber nicht vorhanden. Ich hab sie garnicht erst gesehen, sie wurden mir nie beigebracht.

Mir wurde nie beigebracht, dass die Tätigkeit die mich glücklich macht ok ist, egal ob stricken oder Lego bauen. Es hieß immer "Du bist ein Mädchen, du bist zu alt, man macht das nicht"

"Vielleicht" hätte das auch ein Pastor gekonnt...vielleicht... zumindest wenn ich nicht so festgefahren wäre und wenn ich gläubig wär.

C@hoWmsxky


Sunflower73s Ausführungen sind wirklich lesenswert. :)^

Xirain, damit

Früher waren die meisten Menschen religiös. Mit akuten "Leiden" der psychischen Natur gingen sie zu ihrem Pfarrer, der ihnen einen Vers aus der Bibel nannte und eine Schulter anbot.

bringst du auch einen Aspekt ins Spiel, an dem sicher etwas dran ist. Pastoren und Geistliche hatten in der Gesellschaft auch eine viel bedeutsamere Rolle als heute, hatten bei Problemen und in schwierigen Zeiten oft die Position eines Ratgebers, Vermittlers, Beraters inne - natürlich im Sinne des jeweiligen religiösen/spirituellen Leitbilds. Wenn die Menschen nicht weiter wussten, suchten sie im Glauben Hilfe - entweder durch Gebete oder Lektüre oder eben Beratung durch einen "Vertreter" Gottes.

Meine eigene Mutter ist zum Beispiel so jemand, zwar nicht klassisch religiös, aber seit Jahrzehnten Anhängerin eines indischen Yogis. Wenn es ihr nicht gut geht und sie ein Problem hat, meditiert sie erstmal stundenlang vor dem Foto ihres Gurus, hüpft 47x rückwärts von einem Stuhl und hofft, das damit alles in Ordnung kommt. Und wenn alles nichts hilft, sucht sie eben Rat bei Gleichgesinnten oder noch lieber dem Lehrmeister selbst. Quasi selbe Position wie ein Pastor oder Imam.

Heute ist Glaube und Religion nicht mehr so sehr im Alltag der Menschen verankert, wage ich mal zu behaupten. Selbst Familien, die grundsätzlich gläubig und/oder religiös sind, leben das seltener intensiv aus und dementsprechend prägt die Religion auch nicht mehr so flächendeckend, wie es bei früheren Generationen der Fall war.

Sicher einer von vielen Gründen, warum der Bedarf an therapeutischer Unterstützung heute größer ist, als vor einigen Jahrzehnten.

S:unfLlowxer_73


dabei die Steigerungsraten der psychischen Erkrankungen außer Acht lässt

Und warum gibt es die?

Aus einer Vielzahl von Gründen. Eine umfassende Erklärung würde hier absolut den Rahmen sprengen. Nur soviel: Man geht immer ovn einem sog. bio-psycho-sozialen Störungsmodell aus. D.h. es gibt nie DEN Grund, sondern eine Konstellation verschiedener Einflussfaktoren: Genetik, Persönlichkeit/Charakter, biologische Aspekte, sog. kritische Lebensereignisse (stark beeinflussende positive wie auch negative Ereignisse), Erziehungseinflüsse (u.a. typische Sätze, mit denen man groß geworden ist), Einfluss sonstiger Vorbilder.

Zudem sog. prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren. Prädisponierend bedeutet, dass quasi ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung besteht.

Es gibt somit extrem viele Faktoren, die kombiniert auftreten müssen. Man könnte jetzt sagen, dass bspw. bei einem isolierten Trauma auch bis dahon völlig gesunde Menschen plötzliche psychisch krank werden könnnen. Ja - das ist dann immer die krasseste Form einer psychischen Erkrankung. Aber auch da steht die Frage im Raum, warum eben NICHT JEDER, der ein solches Trauma erlebt, krank wird. Stichwort Resilienz ("Was macht/hält gesund?"). Auch da gilt wieder: Unterschiedliche Charaktere, Erziehungseinflüsse, Lebenserfahrungen,... Wenn jemand viele negative Dinge erlebt, sich aber immer gut berappelt., dann wird er auch an Krise X gestärkt herangehen. Wenn jemand aber immer wieder erlebt, dass er gefühlt null Einfluss hat, dann resigniert er irgendwann. Erlernte Hilflosigkeit als Begriff; gerne ein Faktor bei Depressionen.

Waraum vor dem Hintergrund die Erkrankungsraten steigen? Zum einen sicherlich, weil man heutzutage weniger schambesetzt damit umgeht. Weil es mehr Wissen und Behandlungsmöglichkeiten gibt. Zum anderen aber auch, weil sich gesellschaftliche Einflüsse ändern: Mehr Konkurrenz, mehr Statusdenken, mehr Unsicherheit im Beruf. Früher ließ man sich nicht scheiden (auch nich timmer gut); heutzutage gibt es den Optimierungswahn und man wirft Dinge/Beziehungen zu schnell weg. Oder oder oder. Die Arbeitsbedingungen waren früher definitiv auf den ersten Blick bzw. auf eine andere Art und Weise härter (mehr Stunden, körperlich, 6-Tage-Woche,...). Aber da waren Anforderungern eher klar und Belastungen auch. Und es traf alle irgendwie. Heutzutage ist da mehr Unsicherheit, Konkurrenz,... Dinge verändern sich - und manche Menschen kommen damit besser, andere schlechter zurecht. Manche nehmen Dinge ernster/zu ernst, andere dieselben Dinge gelassener und wieder andere zu locker. Alles kann in ungünstiger Konstellation zum Problem werden.

Ich zitiere mich mal selber aus einem anderen Faden (wo es darum ging, ob psychische Erkrankungen heutzutage "Mode" seien):

Ich würde das Ganze differenziert betrachten.

1. Die Häufigkeit einiger psychischer Erkrankungen nimmt einfach zu. Grundsätzliche Einflussfaktoren sind immer Genetik, Persönlichkeit, Erziehungseinflüsse, Lebensereignisse. Die heutige Welt hat ihre ganz speziellen Anforderungen; oft erlebt als "immer schneller hektischer unsicherer". Es fehlt oft ein "Wir-Gefühl". Im Krieg waren ALLE betroffen. Bei Stellenabbau in der Firma sind auch alle betroffen, aber der Kollege ist immer auch Konkurrent. Solche Dinge gehen nicht spurlos an Menschen vorbei, und manche sind sensibler als andere.

2. Auch früher gab es Depressionen etc. Es gibt viele alte Menschen, die kriegsbedingt durchaus traumatisiert sind. Aber es gab keine Hilfe, dafür viele Vorurteile. Also sind viele irgendwie zurechtgekommen. Es musst einfach funktionieren.

3. Und es gibt die Gruppe von Patienten mit best. Diagnosen, die damit durchaus kokettieren. Da passt dann aber die Diagnose zu diesem Kokettieren.

4. Es gibt mehr Wissen und Hilfe für Erkrankungen. Fundierte Therapien, Medikamente,...

5. Und wie immer gilt: Menschen sind Individuen. Jeder reagiert anders. Bsp. der fast tödliche Männerschnupfen vs. die alleinerziehende Mutter, die mit Lungenentzündung noch funktionieren muss.

6. Ja, es gibt leider auch die Tendenz, zu sehr zu pathologisieren. Wo aus normaler schlechter Laune mit Grund gleich was Depressives wird. "Dank" der ewigen Wartezeiten auf Therapieplätze erledigt sich diese Patientenklientel aber von selber. Aber nur wg. diese Pathologisierungstendenz zu behaupten, dass sich alle anderen Betroffenen anstellen würden (oder nur die Psycho-Onkel verdienen wollen), ist absoluter Hohn für alle echt Betroffenen.

Und was ist mit den Menschen, die HEUTE als krank gelten und behandelt werden, die aber schon seit 15, 20 oder 30 Jahren mit den Problemen leben? Die als Kind übelst missbraucht wurden, aber erst Jahrzehnte später zusammenbrechen? Die werden HEUTE krank, der Grund liegt aber Ewigkeiten zurück. Wo sortiert man die ein?

@ Xirain:

Mir halfen viele Ratschläge, die für die meisten Menschen wohl natürlich sind. Für mich waren die einfachsten Lösungen aber nicht vorhanden. Ich hab sie garnicht erst gesehen, sie wurden mir nie beigebracht.

So wichtiger Punkt. Therapie ist oft gar kein Hexenwerk, sondern eine objektive Perspektive auf ein Problem, wo der Betroffene den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Ihm einfach Strategien fehlen. Das wirkt auf Menschen MIT diesen Strategien dann lächerlich oder banal, aber ist es nicht. Die Betroffenen selber sind komplett hilflos - und wer gibt das schon gerne offen zu? Ich sage manchmal etwas scherzend, dass bei 30% meiner Patienten eigentlich ein guter offener Freundeskreis mit gesundem Menschenverstand ausreichen würde.

t~a{tuxa


Noch mal zu den Steigerungsraten bei psychischen Erkrankungen:

Ich denke, dass die Menschen heute mit sehr viel mehr Unsicherheit leben müssen.

Alles ist viel mehr im Fluss. Langfristige Arbeitsstellen, quasi fürs Leben, sind heutzutage eine absolute Ausnahme. Menschen ziehen häufiger um wie früher unter anderem, weil berufliche Flexibilität heute quasi vorausgesetzt wird. Auch Partnerschaften werden nur noch in Ausnahmefällen "für die Ewigkeit" geschlossen. Moralische Werte ... quasi der Kompass was gut und böse ist, sind nicht mehr so klar und eindeutig definiert wie früher.

All dies bringt hohe Anforderung für alle Menschen mit sich. Nichts ist mehr sicher, nichts ist mehr gesetzt. Um im Leben zu bestehen, um erfolgreich zu sein versuchen die Menschen sich jeder Hinsicht zu optimieren . Man möchte beruflich, finanziell, und sozial erfolgreich sein und dabei am besten auch noch aussehen wie ein Model.

Wenn es dann trotz aller Bemühungen nicht perfekt läuft und die Frustration sich häufen wird der Druck größer und ein Versagensgefühlen stellt sich ein.

Nachdem dann auch der achte Selbsthilferatgeber aus der Bestsellerliste nicht geholfen hat, suchen sicher manche dieser Menschen Hilfe in Form einer Psychotherapie.

Früher haben die Menschen in bescheidenen Lebenssituation sicher auch gelitten.

Häufig gab es aber, meiner Meinung nach, das Gefühl: "das ist eben so, dann muss man eben durch." Heute wird jedem suggeriert, dass man alles ändern kann, wenn man nur will. Die Kehrseite davon ist, dass wenn man es nicht schafft, sichaus unguten Lebesumständen zu befreien, macht man eben irgendetwas falsch. :-|

Es geht einem nicht nur schlecht weil man keinen Job hat, die Frau weggelaufen ist, man zu schüchtern, zu... ist. Man ist auch noch selber schuld daran. Sogar körperliche Erkrankungen, die früher einfach als gottgegeben hingenommen wurden, sind heute immer irgendwie mit Fehlern in der Lebensführung verbunden. Da ist natürlich was dran, aber für die Betroffenen ist das oft schwer auszuhakten.

Die Freiheit, der zu sein, der man sein möchte isr mit vielen Risiken verbunden. ;-)

F[ordGran<ada2,3Lx108


Liebe User,ich wollte hier nicht eine so große seite aufmachen.

Das es vllt vilele Leute gibt die wohl eine psychlogische betreung brauchen,ist ja ok,ist in ordung.

Was ich aber sagen möchte,es wird ebend übertrieben,das mit der psychologie,warum gibt es denn heute zutage kaum noch freie plätze wenn man etwas möchte,"""genau darum"

weil jedes bischen psychologisch betreut werden muss.

""""Mein Kind ist gestürzt,um gottes willen,wie kann es das verarbeiten"""

""""Gestern hüpfte eine Katze aus der Mülltonne,hab mich so erschrocken,was soll ich nun machen,meine Psychologen sind ausgebucht """

Früher begegnete man sich mit eien GUTEN TAG auf der Strasse,heute sagt mal wohl,"""""und welchen Psychologen hast du""""

Mal ganz ernst,,,,übertreiben wir nicht etwas.

Ist nur ne frage von mir.

rqr201x7


sorry aber Dein Beitrag ist nichts anderes als einfach völliger Unsinn.

Mca,rieCiurxie


Mal ganz ernst,,,,übertreiben wir nicht etwas.

DU übertreibst ja! %-|

C)he


Unfug.

Früher begegnete man sich mit eien GUTEN TAG auf der Strasse,heute sagt mal wohl,"""""und welchen Psychologen hast du""""

Das ist Dir wie oft genau passiert? Null mal.

S?unfl/ower_x73


Früher begegnete man sich mit eien GUTEN TAG auf der Strasse,heute sagt mal wohl, "und welchen Psychologen hast du"

Mal ganz ernst,,,,übertreiben wir nicht etwas.

Mit allem Respekt, aber der Einzige, der hier übertreibt, bist DU. Schaust Du zu viele US-Serien oder auf welchem Planeten bewegst Du Dich? Ich erlebe eher die Menschen, die sich sehr verstohlen in die Praxis schleichen, bloß nicht gesehen werden wollen,...

C+he


... und ihren Therapeuten bei zufälligen Treffen in der Öffentlichkeit nicht grüßen ;-)

S@unflo_weir_j7x3


@ Che:

Das - oder wo direkt besprochen wird, dass man sich eben nicht grüßt. Ist in der Kleinstadt durchaus kein seltenes Thema.

fIeliOs 9margaritxa


und ihren Therapeuten bei zufälligen Treffen in der Öffentlichkeit nicht grüßen ;-)

Das glaube ich jetzt aber nicht. Das fände ich total unhöflich. Die wenigen Male, die ich meine ehemalige Psychologin auf der Straße gesehen habe, habe ich natürlich gegrüßt, genauso wie meinen Psychiater oder meine Hausärztin.

CWh\e


Wenn das von Dir ausgeht, ist es ok

foelZisg m2ar garitxa


Also, mir ist es schon passiert, dass ich in Gedanken versunken war und meinen Psychiater nicht gesehen habe. Er sagte dann hallo felismargarita.

Mag aber auch sein, weil ich in Südeuropa lebe und dort die Menschen offener sind. Hier wurde nie in Therapie besprochen, dass man sich nicht begrüßen sollte. Ich hatte drei verschiedene Psychologinnen und zwei verschiedene Psychiater.

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