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Mit dem Leben nichts mehr anfangen können – Depressionen.

E7ule2 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

erstmal, bevor der Titel des Threads irgendwie falsch rüberkommt: Ich habe keine Selbstmordabsichten. Darum geht es hier nicht. Eventuell ist der Titel auch nicht ganz passend gewählt, ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht wirklich, was genau ich euch fragen möchte oder erwarte. Ich bin eigentlich kein Freund davon, meine gesamte Lebensgeschichte im Internet zu verbreiten und vor allem erwarte ich nicht, dass ihr sie interessant findet. Wenn doch jemand lesen möchte und Gedanken, Ratschläge o. ä. äußern: Sehr gerne, ich wäre dankbar. Irgendwie ist die Reichweite hier doch etwas größer, als wenn ich mit Freunden in meinem Alter darüber rede.

Ich bin 18 Jahre alt und habe Depressionen. Passenderweise ist ja gerade der Thread zur "Modeerscheinung Depression" ganz aktuell… Ich habe mich dort auch schon geäußert, denn: Das Ganze ist leider ziemlich ernst und ärztlich diagnostiziert. Ich will nicht angeben, ich will kein Mitleid, es ist einfach eine Tatsache, dass ich krank bin und in der Anonymität des Internets fällt es mir nicht schwer, das zu schreiben. Genau genommen habe ich eine rezidivierende depressive Störung, die vor über vier Jahren mit abwechselnd leichten und mittelschweren depressiven Episoden angefangen hat. Mittlerweile habe ich meist mittelschwere, manchmal auch schwere depressive Episoden. Aber so ganz gut geht’s mir leider nie. Ich habe außerdem verschiedene Angsterkrankungen und einen Beutel voll körperlicher Krankheiten (u. a. Hashimoto und PCOS, diese beiden erscheinen mir am wichtigsten, weil sie sich auf den Hormonhaushalt und damit die Psyche auswirken).

So blöd und klischeehaft es vielleicht klingen mag, ich formuliere es mal so, wie’s ist: Ich bin unzufrieden mit meinem Leben. Wirklich, wirklich unzufrieden. Und ich schaffe es nicht bzw. nur sehr, sehr langsam, etwas zu ändern. Das wiederum schiebe ich auf meine Depression, auch, wenn ich eigentlich lieber die Schuld bei mir selbst suche. Soviel zur kurzen Version. Hier die längere:

Meine größten Probleme sind die Schule bzw. meine berufliche Zukunft sowie meine Familie. Was die Schule angeht, bekomme ich einfach nichts auf die Reihe. Ich war bis zur zehnten Klasse auf dem Gymnasium, dann wurden meine Noten immer schlechter und mit meiner Psyche ging es ebenfalls bergab, weil ich so viel Stress hatte. Also habe ich das Gymnasium abgebrochen und auf ein Berufskolleg gewechselt. Dort hätte ich in zwei Jahren das Fachabitur erwerben können. Zwar kein allgemeines Abi, aber immerhin. Das erste Jahr lief super. Der Stress war weg, mir hat Schule zum ersten Mal in meinem Leben richtig Spaß gemacht und ich hatte sehr gute Noten. Psychisch ging es mir auch zum ersten Mal seit Langem besser. Das zweite Jahr hat auch noch ganz gut angefangen, bis es mir letztes Jahr im März gesundheitlich so schlecht ging, dass ich es abbrechen musste. Die Ursache für meine Probleme ist noch immer nicht ganz geklärt, aber vermutlich handelte es sich um eine somatoforme Störung. Ich war auch ein paar Wochen in einer psychosomatischen Klinik, leider ohne Erfolg.

So. Ich wiederhole zwar momentan das zweite Jahr, aber… Ich habe schon zum zweiten Mal etwas abgebrochen und das ist kein schönes Gefühl. Wenn ich mir überlege, dass ein Freund von mir, mit dem ich in der Grundschule Fangen gespielt hab, jetzt Jura studiert… Während ich immer noch um mein Fachabi kämpfen muss. Es läuft nämlich nicht wirklich gut dieses Jahr, was wiederum auf die folgenden Umstände zurückzuführen ist:

Ich habe es zuhause nicht leicht. Meine sogenannte Familie ist keine, meine Eltern unterstützen mich nicht im Geringsten, haben keinerlei Verständnis für meine Erkrankungen, was vor allem bei den psychischen sehr wichtig wäre. Letztens wurde mir sogar gesagt, ich sei nicht "depressiv genug, um wirklich Depressionen zu haben". Also bin ich anscheinend sogar zum depressiv-Sein zu blöd. Na, ich danke auch. Desweiteren herrscht zuhause immer Streit, da mein Vater ein cholerisches, aggressives und dem Alkohol nicht abgeneigtes (hier unschönes Wort einfügen) ist, meine Mutter aber alles eher tun würde, als sich von ihm zu trennen. Dauerstreit und Dauerlärm sind normal für mich geworden. Sehr belastend ist auch, dass ich nicht mehr schlafen kann. Da ich einerseits durch meine Depression Schlafstörungen habe, andererseits da meine Familie sehr laut und rücksichtslos ist (ja, ich habe schon versucht, ihnen das zu erklären…). Neurexan hilft da leider nur sehr eingeschränkt. Ich versuche, mit drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht auszukommen, wenn überhaupt. Vielleicht macht diese Gesamtsituation zuhause es für euch etwas verständlicher, warum mir die Schule so schwerfällt.

In den letzten Monaten ist mir dann eines klargeworden: Ich muss ausziehen. Nach einem Jugendamt-Marathon habe ich dort endlich Unterstützung gefunden. Behördengänge, Finanzierungen, damit wird mir geholfen. Ich glaube, das ist nicht mal das Problem. Sondern eher, dass es mich einfach richtig ankotzt, dass ich nun, mit 18 Jahren – mit denen ich mich eigentlich noch nicht bereit fühle, allein zu leben! – mehr oder weniger gezwungen bin, ausziehen wegen meiner Familie. Allerdings glaube ich, dass es der einzige Weg für mich ist, um glücklicher zu werden und vor allem gesünder. Auch meine Therapeutin und meine Ansprechpartnerin beim Jugendamt haben mir das bestätigt. Ich glaube also nicht, dass ich übertreibe. Dennoch finde ich die Vorstellung, jetzt schon ganz allein zu leben, beängstigend. So ganz allein zurecht kommen zu müssen. Aber irgendwie gleichzeitig auch traumhaft… Wenn ich mir überlege, mal wieder so richtig zu schlafen. Nicht 24/7 laute Stimmen um mich zu haben.

Nur weiß ich blöderweise auch so rein gar nicht, was ich nach der Schule machen soll. Ich habe schon so viel hinter mir. Berufsberatungen, Tests, Messen, stapelweise Flyer und Kataloge. Ich weiß es einfach nicht. Ich schreibe und organisiere gerne, würde gerne etwas im Verlags- oder Redaktionswesen machen. Aber das sind eher Berufe für Quereinsteiger, wurde mir gesagt. Da muss man verdammt viel Glück haben, verdammt viel Talent und verdammt gute Noten. Ich habe nichts davon. Dafür SvV-Narben an fast jeder sichtbaren Stelle und Piercings.

Das Problem ist, solange ich nicht weiß, was ich beruflich machen will, ist auch das Ausziehen schwer. Denn vielleicht, wenn ich tatsächlich meinen Schulabschluss schaffen sollte, ich wage mal zu träumen, möchte ich ja in einer anderen Stadt studieren. Auf die lange Sicht möchte ich auf jeden Fall aus meiner Stadt raus. Das wären eigentlich meine einzigen Wünsche für die Zukunft: In eine Stadt ziehen, die mir gut gefällt und einem Beruf nachgehen, der mir Spaß macht und von dem ich halbwegs leben kann.

Kurz: Ich möchte ein normales Leben führen. Ich will nicht die kranke Schulabbrecherin sein, die kein Familienleben kennt und schon mit 18 Jahren zynisch und verbittert ist. Es gibt so ein paar Menschen in meinem Umfeld, die ich so unheimlich beneide, und das sind die, die ein ganz normales Familienleben führen, etwas studieren, das ihnen Spaß macht und die fröhlich sind. Die das Leben nicht so schwer nehmen, gesund sind, nicht diese Grund-Traurigkeit und –Melancholie mit sich herumschleppen, wie ich es tue. Ich kann tagelang nichtstun, herumliegen, heulen, und mich dann ärgern, dass ich nichts auf die Reihe bekomme. Ich bade mal regelrecht in meinem Selbstmitleid: Warum kann ich nicht einfach eine normale Familie haben? Gesund sein? Wenigstens eins von beiden?

Und so entsteht ein Teufelskreis, bestehend aus meinem Elternhaus, den daraus entstandenen Depressionen, der daraus resultierenden Antriebslosigkeit und damit Hoffnungslosigkeit für die Zukunft. Ich weiß nicht, wie ich den durchbrechen soll. Ich weiß, es ist albern, so zu denken, aber ich bin "schon" 18, habe keinen Schulabschluss, keine Ideen für die Zukunft. Ich habe das Gefühl, nicht mehr genug Zeit zu haben. Dabei will ich einfach nur irgendetwas Sinnvolles mit meinem Leben machen und einfach mal Spaß haben. Eben ein ganz normales Leben führen. Oder ist das mit Depressionen überhaupt nicht möglich? Kommt man nicht immer wieder an einen Punkt, an dem einen die Krankheit einholt?

Ich lese und schreibe sehr viel, v. a. Rollenspiele. Manchmal werde ich regelrecht tieftraurig, wenn meine Rollenspielpartner nicht zur Verfügung stehen, weil ich es so sehr brauche, in eine andere Welt einzutauchen. Dasselbe gilt fürs Lesen. Und gleichzeitig würde ich auch gerne mal mit meinem realen Leben zufrieden sein. Dann wäre ich weniger auf andere Leben angewiesen...

Ich höre an dieser Stelle jetzt mal auf, bevor ich zu gefühlsdusselig werde… Ich hoffe, ich konnte irgendwie verständlich machen, wie es mir geht und dass der ein oder andere sich durch diesen Text gequält hat. Wenn ihr ähnliche Erfahrungen habt oder (gerne auch kritische!) Denkanstöße, nur her damit.

Alles Liebe, Eule/Pia

Antworten
Pqlüschtbiest


Wie sieht dein Tagesablauf aus? Bist du momentan in Behandlung? Nimmst du Antidepressiva?

Was stört dich denn momentan an deiner Stadt?

F\izzl}ypxuzzly


In den letzten Monaten ist mir dann eines klargeworden: Ich muss ausziehen.

Eule

Trotz deiner enormen Probleme bist Du in der Lage zu erkennen, dass Du ausziehen musst. Klopf dir auf die Schulter. Wenn es dir gelingt konzentriere dich erst mal darauf und stelle alles andere soweit wie möglich zurück. Ich denke das Du so ein wenig mehr Luft bekommst und dich weniger belastest. Durch die Trennung von deinen Eltern wirst Du merken, wie sehr dich das ganze bisher beeinflusst hat.

Ich war in einer ähnlichen Situation. Nur wurde mir die Entscheidung vom Jugendamt abgenommen, weil man zu dieser Zeit erst mit 21 Jahren volljährig war. So kam ich dann in ein Mädchenwohnheim. So schwer es für mich trotz allem war, die Trennung vom Elternhaus war das Beste was mir passieren konnte. Verstanden habe ich es allerdings so auch erst viel später.

Ich würde gerne noch näher auf dich und deine Problematik eingehen, bin aber echt müde und ko. Deshalb wünsche ich dir eine gute Nacht und drücke dich ganz doll.

Bis morgen :)_

Fziz.zlypuzzzly


Ich war auch ein paar Wochen in einer psychosomatischen Klinik, leider ohne Erfolg.

Ich habe den Eindruck, dass Du dich unter Druck setzt. Welchen Erfolg hast Du denn erwartet? Gerade die psychischen Erkrankungen, egal welche Diagnose gestellt wurde, brauchen Zeit. Ich weiss das aus eigener Erfahrung.

Wenn es heute noch so ist, wurde dir nicht gesagt das psychosomatische Kuren jedes Jahr bewilligt werden? Du hast sehr viel von dir geschrieben und sehr viel Fragen. Für mich wäre es leichter dir zu antworten, wenn Du hier schreibst, was dir im Moment am meisten zu schaffen macht.

HZumanx1


Hallo Eule2

Ich bin auf diese Seite aufmerksam geworden da meine Frau seit bald 2 Jahren an einer schweren Depression leidet. Ich bin erschüttert über die Zustände in Deiner Familie. Leider hilft Dir das nicht weiter. Zuerst sollte Deine Depression geheilt werden. Dazu benötigst Du einen Psychiater (für Verschreibungs-pflichtige Medikamente) und einen Therapeuten (für Gespräche). Zusätzlich eine Person die Dich bedingungslos unterstützt. Vielleicht hast Du Freunde/Freundinnen oder Verwandte, die Dir helfen können, da Deine Eltern offensichtlich überfordert sind. Überlege Dir gut, ob und wann Du die Familie verlassen kannst. Es scheint dies zwar unbedingt nötig zu sein, aber Du solltest sicher stellen, dass Du am neuen Wohnort die oben erwähnte unterstützende Person(en) findest. Ohne diesen Hilfen hätte ich Angst, dass Du bei weiteren Problemen (Schule, Krankheit) Deinen Lebensmut verlierst. Ich wünsche Dir das Beste!

bnlue hSerOon


Ich glaube, es bringt nichts, sich mit den Gesunden zu vergleichen und sich zu verurteilen. Du weißt, wo du hin möchtest, jetzt geht es darum einen Schritt nach dem anderen zu gehen, und auch zu würdigen, was du trotz Depression schaffst. Du hast dich darum gekümmert, dass du ausziehen darfst, das ist schon mal ein riesiger Schritt. Und natürlich kann er Angst machen. Vielleicht gibt es die Möglichkeit in eine WG zu ziehen oder so? Dann wärst du nicht ganz alleine. Was die Schule angeht: Hast du da mal offen kommuniziert, was deine Probleme sind? Wenn du die Menschen dort mit ins Boot holst, gibt es vielleicht die Möglichkeit es zu versuchen, ohne abbrechen zu müssen, wenn es schwieriger wird. Bei Krankheit gibt es durchaus Möglichkeiten zum Entgegenkommen, was Fehlzeiten, Klinikzeiten etc. angeht. Wenn es dumm läuft, muss man eben ein Jahr wiederholen. Ich denke, du solltest nicht aus den Augen verlieren, was du gerade leistest, nämlich dich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Das dauert einfach. Und natürlich kann man es nicht mit dem Werdegang von Menschen vergleichen, die gesund und aus wunderbarem Elternhaus sind.

Diese Krankheit ist durchaus real und fordert eben auch Zeit. Schau dir an, was du schon geschafft hast. Du packst es schließlich an. Versuche einen Schritt nach dem anderen zu gehen, ein Problem nach dem anderen zu lösen. Auszug, Therapie, Fachabi, und dann irgendwann Beruf. Vielleicht nimmst du auch ein bisschen den Druck raus, gleich das richtige finden zu müssen. Umwege sind nicht unbedingt schlimm. Und welcher Beruf auch immer, wird dir erstmal die finanzielle Freiheit zur Unabhängigkeit geben. Vielleicht ist es auch gut davor nochmal geballt therapeutisch zu arbeiten in einer Klinik oder so, bevor du anfängst....aber das siehst du dann. Alles gleichzeitig erschlägt... Vielleicht hast du in der Klinik oder irgendwo irgendwelche Techniken gelernt, um aus dem negativen Kopfkino auszusteigen?

Ehul6e2


@ Plüschbiest

Wie sieht dein Tagesablauf aus?

Das kommt darauf an. An einem normalen Schultag stehe ich um 5 Uhr auf, kommt gegen 14 oder 15 Uhr wieder aus der Schule, esse etwas und mache dann Sachen für die Schule. Danach mache ich meistens noch etwas Sport, esse ggf. nochmal was und dann gehe ich unter die Dusche und ins Bett. Am Wochenende oder in den Ferien ist das natürlich ganz unterschiedlich. Es gibt gute Tage, an denen ich früh aufstehe, lerne usw. und die, an denen ich erst spät oder gar nicht aus dem Bett komme. So ganz allgemein gehalten sind meine Beschäftigungen da lernen, meinen Hobbies nachgehen und Freunde treffen, hin und wieder besuche ich auch übers Wochenende jemanden. Mir ist der strukturierte Tagesablauf während der Schulzeit aber viel lieber, wenn man davon absieht, dass ich da kaum Freizeit habe.

Bist du momentan in Behandlung?

Ja, ich habe vor ein paar Wochen meine vierte Therapie angefangen.

Nimmst du Antidepressiva?

Die wurden mir schon sehr oft von Ärzten ans Herz gelegt, aber nein. Ich habe Angst vor den Nebenwirkungen und möchte die Depression eigentlich auch lieber bei der Ursache packen und bekämpfen, statt sie nur zu unterdrücken. In letzter Zeit geht es mir aber so schlecht, dass ich häufiger darüber nachdenke. Ich werde das mal mit meiner Therapeutin besprechen.

Was stört dich denn momentan an deiner Stadt?

Einerseits natürlich, dass ich meine Familie und Kindheit damit verbinde. Es ist aber auch generell in meinen Augen einfach eine echt hässliche Stadt und gerade was das Studieren angeht, komme ich hier einfach nicht weiter. Ich habe manchmal einfach einen unheimlich großen Drang, wegzuziehen oder gleich auszuwandern ins Ausland und muss mir ständig ins Gedächtnis rufen, dass es eher ungewöhnlich ist, mit 18 bereits in eine fremde Stadt zu ziehen. Wobei ich nach einer schlaflosen Nacht mittlerweile einige Ideen bekommen habe, wo ich hier eine Ausbildung machen könnte, allerdings erst 2019, weil es für dieses Jahr mit dem Bewerben zu knapp wird. Wenn ich das Fachabi schaffe, könnte ich, um etwas Zeit zu überbrücken, noch ins Ausland, das wollte ich eh schon länger. Und wenn ich dann eine abgeschlossene Ausbildung habe, kann ich immer noch wegziehen. So sieht derzeit mein Plan aus. Also auf die lange Sicht auf jeden Fall raus aus meiner Stadt, aber erst, wenn ich selbst für mich sorgen kann. Und zwischenzeitlich sicherlich auch selbstständiger und reifer geworden bin.

Ich habe den Eindruck, dass Du dich unter Druck setzt.

Damit liegst du leider goldrichtig.

Welchen Erfolg hast Du denn erwartet? Gerade die psychischen Erkrankungen, egal welche Diagnose gestellt wurde, brauchen Zeit.

Das weiß ich theoretisch auch. Aber eigentlich will ich einfach mein Leben genießen und mich nicht mit diesem Müll auseinandersetzen wollen – obwohl ich natürlich weiß, dass ich das muss. Ich will nicht weiter meine Jugend an meine Krankheiten verschwenden. Was die Klinik angeht, das ist nochmal eine eigene Geschichte. Dort wurde mit meinen physischen Krankheiten nicht gut umgegangen und Symptome, sich später als behandlungsbedürftig herausgestellt haben, wurden als rein psychisch abgestempelt bzw. mir sogar vorgeworfen, nur Aufmerksamkeit von den Ärzten dort zu wollen. Ich habe den Aufenthalt schließlich abgebrochen, weil es mir körperlich so schlecht ging. Also nicht wirklich ein Erfolg.

Für mich wäre es leichter dir zu antworten, wenn Du hier schreibst, was dir im Moment am meisten zu schaffen macht.

Das ist aber die oben genannte Gesamtsituation. Das Gefühl, dass ich hier nicht rauskomme, nichts aus meinem Leben mache, nie wieder fröhlich sein werde. Ich weiß, das ist alles etwas schwammig ausgedrückt...

@ Human1

Dazu benötigst Du einen Psychiater (für Verschreibungs-pflichtige Medikamente) und einen Therapeuten (für Gespräche)

Eine Therapeutin habe ich schon. Psychiater lasse ich erstmal, weil ich keine Medikamente nehmen möchte.

Vielleicht hast Du Freunde/Freundinnen oder Verwandte, die Dir helfen können, da Deine Eltern offensichtlich überfordert sind.

Ich glaube, "überfordert" ist nicht der richtige Ausdruck für meine Eltern... Freunde, die mich unterstützen, habe ich, aber die haben natürlich auch nur begrenzte Möglichkeiten. Aber rein emotional können sie mich auf jeden Fall unterstützen, das ist auch schon hilfreich... Mit Verwandten sieht es da leider schon wieder schlecht aus.

@ Fizzlypuzzly

Vielen Dank für deine lieben Worte @:) Es ist immer gut zu hören, wenn andere denselben Weg gegangen sind und es nicht bereut haben.

@ blue heron

Vielleicht gibt es die Möglichkeit in eine WG zu ziehen oder so?

Das habe ich mit meiner Ansprechpartnerin bzgl. Auszug usw. auch schon durchgesprochen, aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ganz allein eine bessere Lösung wäre, weil ich einfach etwas Ruhe und Frieden brauche. Wenn mit Mitbewohnern Konflikte entstehen würden, wäre ich wieder in einer ähnlichen Lage wie mit meinen Eltern.

Wenn es dumm läuft, muss man eben ein Jahr wiederholen.

Das mache ich ja gerade schon, und ein zweites Mal kann ich nicht wiederholen... Deshalb muss ich es jetzt schaffen. Meine Klassenlehrerin zumindest weiß aber von meinen Krankheiten.

Umwege sind nicht unbedingt schlimm. Und welcher Beruf auch immer, wird dir erstmal die finanzielle Freiheit zur Unabhängigkeit geben.

Hast Recht, danke! @:)

Vielleicht hast du in der Klinik oder irgendwo irgendwelche Techniken gelernt, um aus dem negativen Kopfkino auszusteigen?

Da arbeite ich gerade in der Therapie dran.

f^elis ]margaOritxa


Ich habe manchmal einfach einen unheimlich großen Drang, wegzuziehen oder gleich auszuwandern ins Ausland

Ich wollte schon als Kind ins Ausland auswandern. Als Erwachsene habe ich es dann auch getan. Mir sagte Mal jemand, dass man kann so weit wie möglich wegziehen kann, die Probleme nimmt man aber automatisch mit im Rucksack. An deiner Stelle, würde ich zuerst versuchen, aus der Depression rauszukommen, Schule, etc abschließen und erst, wenn du dann immer noch auswandern möchtest, es wirklich machen.

EXulej2


Mir sagte Mal jemand, dass man kann so weit wie möglich wegziehen kann, die Probleme nimmt man aber automatisch mit im Rucksack.

Stimmt. Aber mein größtes Problem, meine Eltern, nehme ich definitiv nicht mit :-)

Egulex2


Außerdem will ich im Moment ja nicht auswandern. Nur mal ein paar Monate Sprachreise oder so

F>izuzlypuuzzXlxy


Eule/Pia

Die wurden mir schon sehr oft von Ärzten ans Herz gelegt, aber nein. Ich habe Angst vor den Nebenwirkungen und möchte die Depression eigentlich auch lieber bei der Ursache packen und bekämpfen, statt sie nur zu unterdrücken. In letzter Zeit geht es mir aber so schlecht, dass ich häufiger darüber nachdenke. Ich werde das mal mit meiner Therapeutin besprechen.

Ich kann dich gut verstehen, weil ich mich auch lange Zeit gegen Medikamente gewehrt habe. Da ich zu dieser Zeit beruflich tätig und schon wegen einer psychosomatischen Reha 9 Wochen nicht auf der Arbeit war, habe ich dann doch meine damalige HÄ angesprochen. Ich bekam dann eine Injektion (Imap - reichte für 6 Wochen). Und wie immer bei mir kam die Erkenntnis später mit dem Gedanken, warum habe ich das alles nur solange ausgehalten. So ungefähr ein halbes Jahr später habe ich darum gebeten, nochmal eine Injektion zu erhalten. Danach brauchte ich nie wieder ein Medikament.

Die Ursache meiner Erkrankung, Problematik wurde dadurch nicht unterdrückt. Es wurde für mich nur leichter, im Kopf klarer zu werden und arbeitsfähig zu bleiben. Und mir ging es damals so mies, das ich auf evtl. Nebenwirkungen gepfiffen habe.

Vllt besprichst Du mal mit der Therapeutin bzw. mit dem HA, was für ein Medikament dir helfen könnte. Ich kenne mich mit Medikamenten überhaupt nicht aus, könnte mir aber vorstellen das es etwas geben muss, was so wenig Nebenwirkungen wie möglich hat und vllt. auch nur für eine begrenzte Zeit genommen werden muss. Vllt müssen auch mal 2 oder 3 verschiedene ausprobiert werden, bis Du das für dich passende erhältst.

F@izz7lypuxzzly


Eule/Pia

Was die Klinik angeht, das ist nochmal eine eigene Geschichte. Dort wurde mit meinen physischen Krankheiten nicht gut umgegangen und Symptome, sich später als behandlungsbedürftig herausgestellt haben, wurden als rein psychisch abgestempelt bzw. mir sogar vorgeworfen, nur Aufmerksamkeit von den Ärzten dort zu wollen. Ich habe den Aufenthalt schließlich abgebrochen, weil es mir körperlich so schlecht ging. Also nicht wirklich ein Erfolg.

Da hast Du wohl wirklich viel Pech gehabt. Ich denke aber Du solltest eine Reha deswegen nicht total ablehnen. Du hast ja auch die Möglichkeit in eine andere Klinik zu gehen. Ausserdem bist Du für dich - auch wenn Du das vllt. noch nicht verinnerlicht hast - ein Stück weiter gekommen. Und mit jedem Schritt, selbst wenn er noch so klein ist, wirst Du beim nächsten Mal sicher anders mit derartigen Situationen umgehen können.

Was ich dir noch raten möchte ist, deinen Tages- und evtl. Nachtablauf aufzuschreiben. Das Datum bitte nicht vergessen. Das empfinden viele als blöd, unsinnig usw. Als ich diesen Rat bekam, habe ich auch so ähnlich gedacht. Den Sinn dahinter verstand ich erst als ich zwischenzeitlich ganz oder teilweise nachgelesen habe. Mir fiel dadurch auf, worum meine Gedanken ständig kreisten, was ich überhaupt nicht beachtet habe. Sehr deutlich wurden mir aber auch die positiven Veränderungen, die, wie ich später wusste, in schwereren Zeiten völlig untergehen. Durch diese Erkenntnisse wurde es mir möglich, mein Denken zu strukturieren. Im Laufe der Zeit erkannte ich iwann sofort im Alltag ein altes Muster. Auch da habe ich manchmal gedacht, ich schaffe das nie, ich bin zu blöd. Das veränderte sich iwann ebenfalls als mir klar wurde, mein Denken in die positive Richtung zu lenken. Zu erkennen, nee ich war nicht blöd, ich habe schon soviel geschafft und schaffe es auf jeden Fall, auch ohne Familie und Freunde.

Der Weg war mehr als hart, mit vielen Rückschlägen verbunden. Nur mein unbändiger Wille, die Dinge so anzunehmen wie sie sich im Moment zeigen, haben mir geholfen, mich von all dem was war zu befreien.

Ich meine diesen Willen auch bei dir zu erkennen. Ein alter Werbespruch lautete mal: Pack den Tiger in den Tank. Leg los @:)

b0l#ue .heroxn


und ein zweites Mal kann ich nicht wiederholen... Deshalb muss ich es jetzt schaffen

Gut wenn so viel Wille da ist. Solltest du doch einbrechen, so gibt es sicher Wege, das zu umgehen. Aber besser wenn das nicht nötig ist.

Was die Medikation angeht: Ich kann es total verstehen, dass man nichts nehmen will. Das ging mir auch so, aber irgendwann ging es bei mir nicht mehr ohne und ich war dankbar, dass es die Option gab. Die Probleme sind damit nicht weg, man wird nur etwas handlungsfähiger. Aber wie ich lese, ist dein Hauptproblem ja dein Umfeld. Vielleicht ist es ja gar nicht mehr so nötig, wenn du da erstmal raus bist. Behalte die Option vielleicht einfach im Kopf für wenn es zu schwierig wird.

Den Tipp von Fizzlypuzzly mit dem Aufschreiben nehme ich für mich auch mal mit, das klingt nach einer guten Idee.

Ansonsten ist mein Eindruck, von dem, was du hier schreibst, dass du das ziemlich gut machst und die Dinge angehst. Nicht aufgeben, es wird bestimmt wieder leichter! @:)

EquGle2


Danke euch beiden für eure aufmunternden Worte @:)

@ Fizzlypuzzly

Ich denke aber Du solltest eine Reha deswegen nicht total ablehnen.

Ich wollte schon vor über einem halben Jahr dahin. Die Krankenkasse hat den Antrag aber abgelehnt, mehrmals. Außerdem muss ich wie gesagt dringend das Schuljahr zuende bringen, da bekomme ich keine weitere Chance.

Was ich dir noch raten möchte ist, deinen Tages- und evtl. Nachtablauf aufzuschreiben.

Das werde ich auf jeden Fall mal versuchen, danke!

@ blue heron

Behalte die Option vielleicht einfach im Kopf für wenn es zu schwierig wird.

Das mache ich. Aber ich bin froh, wenn es irgendwie ohne Medikamente geht.

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