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Habe ich eine psychische Störung?

Alias 748142 hat die Diskussion gestartet


Guten Tag,

ich wollte einfach mal meine Geschichte niederschreiben, da es mir momentan nicht so gut geht.

Der Text könnte länger werden, schon mal Danke fürs lesen!

Ich bin Mitte 20 und hatte keine ganz einfache Kindheit, meine Eltern und Großeltern haben mir immer das Gefühl vermittelt, nur jemand oder etwas zu sein, wenn ich Leistung erbringe. Ich sollte mich immer mit den 1er Kandidaten, schon in der Grundschule messen. Meine Oma (aus der alten Schule) hat mich hauptsächlich großgezogen und ihr Motto war immer "Wenn du eine 2+ hast, wieso dann keine 1-?", als Kind hatte ich generell sehr viel Angst vor Neuem und wurde deshalb auch erst mit 7 eingeschult. Die Grundschulzeit habe ich sehr gut gemeistert ohne Fehltage.

Als ich dann auf das Gymnasium kam, stelle sich schnell Überforderung dar und Mathe war nicht mein Thema. Ich hatte immer 5er.. Das hat sich bis zur 8. Klasse durchgezogen, bis ich psychisch und physisch einfach nicht mehr konnte. Meine Eltern hatten es jahrelang mit Nachhilfe probiert, jedoch erfolglos, ich hatte immer mehr Angst in die Schule zu gehen, lag teilweise zitternd im Bett und meine Oma kam und hat mir einen Waschlappen in Gesicht geklatscht, damit ich aufstehe und in die Schule gehe. Teilweise habe ich mich im Keller vor ihr versteckt.

Nach der 8. Klasse, als ich sitzen geblieben bin, habe ich in den Sommerferien 12 kg abgenommen, auf 43 kg und war fix und fertig. Ich bin dann auf die Realschule gegangen, wo ich auch nicht wirklich klar kam, wurde nicht akzeptiert, war nicht extrovertiert genug und ja, all der Stress vorher...

Schließlich hatte ich etliche Fehltage und habe die Schule abgebrochen, war beim Amtsarzt, der mich als schulunfähig geschrieben hat, war bei diversen Psychologen und schließlich konnte ich mein Haus nicht mehr ohne Panikattacken verlassen.

Ich habe dann den Haupt- und Realschulabschluss mit 19 Jahren nachgeholt, extern und bin von meiner Familie 300 km weg zu meinem Freund gezogen. Ich habe eine Ausbildung begonnen, die mich interessiert hat und habe sie auch erfolgreich abgeschlossen. Die Berufsschule war kein Problem für mich, auch wenn die Noten nicht immer 2 waren.

In der Ausbildung habe ich verschiedene Abteilungen durchlaufen, wie es halt so ist, und da merkte ich direkt, wenn mir etwas nicht passt wie den ganzen Tag Ablage, oder eine Woche nur rumsitzen und Däumchen drehen.. Dann bin ich nicht mehr hingegangen und habe mich krankschreiben lassen. Das hat mich alles total belastet, ich bin jemand der gerne gefordert wird und mit Langeweile schlecht umgehen kann. In der Ausbildung ging das alles noch ganz gut.. Dann wurde ich von meinem Ausbildungsbetrieb übernommen, habe dort ein halbes Jahr gearbeitet und wurde überhaupt nicht eingearbeitet. Im Vorstellungsgespräch hörte sich alles super an, jedoch hat davon gar nichts gestimmt. Schließlich kündigte ich nach einem halben Jahr, war vorher aber bereits 2 Monate krank, da mich diese Langeweile fertig gemacht hat und ich mir gedacht habe "Warum soll ich da sitzen und nichts tun?". Ich habe dann direkt einen neuen Job in einem großen Unternehmen gefunden, wo es mir total Spaß machte, die Aufgaben, die Kollegen, alles war sehr schön. Man wurde extrem gefordert, ich musste mir Fachwissen anlernen, was mir sehr gut gelang. Dann irgendwann nach einem Jahr kam die Wende, viele Kollegen gingen, weil sie dem Druck nicht mehr Stand halten konnten und am Ende saß ich da und habe mir gedacht, dass ich mir das nicht mehr antun kann. Ich hatte so viele Aufgaben, Vertretung für andere Kollegen und es war kein Ende in Sicht. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr konnte.

Also kündigte ich ebenfalls diesen Job, habe auch schon einen neuen. Die letzte Zeit war ich wieder krank. Allein der Gedanke, dorthin zu gehen, hat mir etliche schlaflose Nächte bereitet. Zudem kommt noch, dass ich ständig meine Beziehung zu meinem Freund infrage stelle und die Probleme in meiner Familie, auch wenn sie weit weg ist, mich immer noch sehr belasten.

Nun habe ich Angst, dass ich in meinem neuen Job wieder wegrenne. Ich fühle mich, als sei ich auf der ewigen Flucht und habe keinen richtigen Biss..

Ich bin derzeit auf der Suche nach einer Psychotherapie. Ich habe das Gefühl jemand zu sein, bzw. vorzugeben, der ich nicht bin.

Ich habe eine sehr kommunikative Art, somit fällt mir vieles leicht, aber hinter meine Fassade kann niemand schauen.

Habe ich vielleicht eine Persönlichkeitsstörung oder narzisstische Züge? Ich bin immer unzufrieden. Auch mit mir, mit meiner Person, mit meinem Äußeren, mit meinem Auftreten, mit meinem Körper.

Antworten
MGonsvti


Meiner Ansicht nach hast Du tatsächlich eine therapiebedürftige psychische Störung. Welche, wird Dir hier sicher niemand sagen können. Mit dem Begriff "Persönlichkeitsstörung" sollte man grundsätzlich vorsichtig umgehen. Aufgrund Deiner Vorgeschichte hast Du verständlicherweise ein großes Problem, Dein Ich zu akzeptieren und begibst Dich in die Abhängigkeit vom Urteil anderer. So etwas kann man aber ablegen, was in der Tat mit sehr viel Arbeit an sich selbst verbunden ist und Dir vermutlich mit der Unterstützung eines Psychotherapeuten leichter gelingen wird.

Alias 748142


Vielen Dank für deine Antwort.

Ich möchte mich endlich akzeptieren und lieben lernen, so wie ich bin.

MDiss Marixe


Schon alleine dass du dich fragst ob du Hilfe brauchst und selbstreflektierend bist, zeigt dass du kein Narzisst bis.

Das wäre dann nämlich nicht möglich.

Dass du Hilfe brauchst steht glaube ich außer Frage.

Ich finde super, dass du dich deinen Problemen stellen willst. da habe ich sehr großen Respekt vor! @:)

Was mich ein bisschen irritiert ist das krankschreiben wenn du gelangweilt bist.

Was fühlst du denn in der Situation?

Langeweile ja.... aber warum willst du aus der Situation raus.

Das gehört auch dazu.

Wofor hast du speziell da Angst?

Alias 748142


Dankeschön für die Antwort.

Ich fühle mich, wenn ich nichts zu tun habe, total schrecklich. Die Zeit geht nicht rum und ich habe das Gefühl verrückt zu werden. Allein der Gedanke von 08:00-16:30 Uhr irgendwo herumzusitzen.. Das ist wirklich schlimm! Ich bin jemanden, der einen fest strukturierten Tagesablauf braucht, sonst gerät er schnell aus der Bahn und findet keinen Anfang mehr.

Es ist ähnlich wie mit dem Fitnessstudio: Wenn ich mal drei Wochen nicht gehe, finde ich keinen Anfang und kann mich nicht motivieren.. Wenn ich hingegen voll drin bin, gebe ich im Fitness alles, arbeite an meinen Zielen.. Mittlerweile gehört Fitnessstudio zu meinem täglichen Tagesablauf.

Ich habe auch starke Probleme mit dem Selbstbewusstsein, da ich früher viel gemobbt wurde. Heute werde ich oft um mein Aussehen beneidet, dennoch denke ich mir "Ihr kennt mich ja nicht ohne Schminke..", also ich kann mich selbst einfach nicht so nehmen wie ich bin. Ich will auch immer Stärke beweisen. Es ist nicht so einfach aufzuschreiben.

M!on,sxti


Ich fühle mich, wenn ich nichts zu tun habe, total schrecklich.

Das ist logisch, da Du Dich über die Leistung definierst und Du das Gefühl hast, nichts wert zu sein, wenn Du nichts leistest.

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