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Verfall meiner Mutter -Hilfe

E#ss=papiHer hat die Diskussion gestartet


Meine Mutter, 71, bereitet mir (47) immer größere Sorgen und mein Vater, 71, tut mir einfach nur leid, weil er es mit ihr so schwer hat.

Meine Eltern sind seit 55 Jahren zusammen und bis zum Herzinfarkt meines Vaters 2003 war die Welt noch in Ordnung. Meine Mutter war bis dahin eine sehr selbständige Frau, ist Auto gefahren, hat gekocht und auch auf ihr Äußeres hat sie geachtet. Kontakte zu Verwandten und Bekannten hat sie gepflegt und alles war in Ordnung. Sie hatte noch nie vielseitige Interessen, was ich im Nachhinein als Manko sehe, denn das einzige, was sie interessierte waren Schicksale anderer Leute oder die bunte Blätterwelt mit Stars und Sternchen sowie das Fernsehen. Tiefergehende Gespräche waren nicht möglich, sie hat immer gesagt: "In unserer Verwandtschaft ist das so, wir sind nun mal eher einfache Leute." So hat sie auch ihren Englischkurs abgebrochen, weil sie nicht korrigiert werden wollte, oder den Sportverein verlassen, weil ihr die Leute nicht passten.

Seit 2003 ging es mit ihr bergab. Zunächst wurde sie ängstlich. Hatte Angst vor dem Autofahren und gab es schließlich 2005 ganz auf. Dann wurde sie nachlässiger hinsichtlich ihres Aussehens. Sie wusch sich nur noch 1x in der Woche die Haare und schminkte sich gar nicht mehr. Sie hatte einen Damenbart, den sie sich rasierte und darauf verzichtete sie ganz. Kleidungsmäßig ging es auch bergab. Inzwischen trägt sie den Schlabberlook, teilweise verfleckte Oberteile. Manchmal hängt die Hose unten, der Reißverschluss ist offen und das Unterhemd hängt über dem Hintern. Sie hat Angst vor dem Treppensteigen, weiß nicht mehr, wie der Wasserhahn auf und zu geht und geht nicht mehr alleine Einkaufen. Zur Bank und den Geldautomat bedienen – das geht gar nicht mehr. Kochen kann sie nicht mehr. Putzen lassen sie ganz. Sie wurde immer empfindlicher, verträgt inzwischen gar keine Kritik mehr und schreit stattdessen herum und wird bösartig. Sie zieht böse über meinen Vater her. Mein Vater hat es seitdem vermieden, sie in irgendeiner Weise zu korrigieren oder auch mal ein ernsteres Wort mit ihr zu reden.

Darüber hinaus erzählt sie ständig, wo und was ihr alles weh täte und fängt dann wieder von vorne an. Sie liest nur noch die bunte Blätterwelt und sitzt stundenlang vor dem Fernseher. Sie meinte: "Meine Mutter war genauso wie ich. Ich bin wie meine Mutter." Wobei ich sagen muss, dass meine Oma bis zur Erblindung selbständig war.

Mein Vater macht inzwischen den gesamten Haushalt, kocht, kauft ein. Am vergangenen Wochenende waren meine Eltern bei uns zu Besuch. Mein Mann und ich wohnen 400 km entfernt. Ich war erschrocken, wie sehr sie sich gehen lässt. Fettige Haare, zu weite Hose, ständig mit Pulli und Schal bei 25 Grad. Zunächst erzählte sie wieder, dass sie nicht mehr gut sehe und Angst hat, sie hat was Schlimmes an den Augen. Der Augenarzt jedoch hat erst vor kurzem festgestellt, das alles in Ordnung ist. Aber sie behauptet, sie sehe nicht mehr gut. Sie hatte panische Angst vor der Treppe, so dass mein Vater Schritt für Schritt mit ihr gegangen ist. Auch den Wasserhahn mochte sie nicht mehr bedienen und hat meinen Mann gefragt, wie denn der Wasserhahn funktionieren würde. Beim Essen im Restaurant konnte sie die Gabel nicht mehr richtig halten und hat ständig gekleckert und nicht mehr gewusst, auf welcher Seite ihr Getränk steht. Alleine zur Toilette konnte sie auch nicht, da mussten ich oder mein Vater mit. Dann fing sie an zu weinen und meinte: "Ich bin wie meine Mutter. Die war auch so. Aber der Papa hilft mir schon viel. Er kocht und macht den Haushalt." Auf der Rückfahrt meinte sie, sie würde gleich in die Hose machen und bekam Panik. Mein Mann hielt an einem Feldweg, aber meine Mutter musste dann doch nicht. Dann erzählte sie wieder, dass sie ja nicht gut sehe. Meine Mutter hat die Bettwäsche derart verschmutzt, sie hat sich offensichtlich nicht richtig abgewischt.

Ihr versteht, dass mir mein Vater so leid tut, aber er will ihr auch nicht sagen, dass sie sich mal zusammenreißen soll, da sie dann wieder herumschreit. Sie kann sehr bösartig werden, daher hat er sich m. E. in sein Schicksal gefügt. Er sagt, er habe sie geheiratet und jetzt würde sie eben alt – aber so ??? ?

Für mich ist meine Mutter psychisch krank. Was würdet ihr mir raten? Der Verfall meiner Mutter macht mir sehr zu schaffen und ich finde es einfach furchtbar.

Antworten
mMne(f


verträgt inzwischen gar keine Kritik mehr

Welche Art von Kritik ist gemeint? Wenn sie viele Dinge altersbedingt nicht mehr kann, dann ist es kein Wunder, dass sie auf Kritik genau daran so reagiert. Was soll sie anders machen, wenn es eben einfach nicht mehr geht?

aber er will ihr auch nicht sagen, dass sie sich mal zusammenreißen soll

Das ist auch richtig so. Es geht nicht einfach mit "zusammenreissen". Ob es eine psychische Erkrankung ist, kann man so einfach auch nicht sagen. Könnte genauso gut in die neurologische Richtung gehen, beginnende Demenz z.B. In beiden (und allen anderen) Varianten wäre es der denkbar schlechteste Umgang, dem anderen Vorwürfe zu machen.

Ich war erschrocken, wie sehr sie sich gehen lässt. Fettige Haare, zu weite Hose, ständig mit Pulli und Schal bei 25 Grad.

Wenn die Körperhygiene unzureichend ist, ist das eine Sache. Aber ob ihre Hose zu weit ist, sie bei 25 Grad fröstelt oder ihren Damenbart nun eben einfach Damenbart sein lässt, ist eine andere Sache. Letzteres sollte nicht deiner Bewertung unterliegen. Es ist vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar oder toll anzusehen, aber letztlich ist es nicht krankhaft, sondern für viele andere 'normal', in höherem Alter nicht mehr die schärfste Frau im Stall sein zu wollen.

mOnexf


Was nicht heißen soll, dass es nicht verständlich wäre, dass es dir wehtut und dich traurig macht, zu sehen, dass deine Mutter abbaut. Das ginge fast jedem so. Aber man sollte da mMn auch eine klare Linie ziehen und den eigenen Schmerz, so verständlich er ist, nicht dem anderen zum Vorwurf machen. Das wäre nicht fair. Ist deine Mutter generell wegen irgendwas in ärztlicher Behandlung, geht sie zu Check ups, ist sie generell offen für ärztliche Abklärung (oder wird da gemauert?)?

L)ucli32


Klingt als hätte sie eine schwere Depression. Kriegt deiner Vater ihr zum Hausarzt? Denke schon, wenn sie etwas hypochondrisch ist. Ich denke ohne Medikamenten wird es weiter so laufen, nur wird ja deiner Vater nicht junger. Besser jetzt einzugreifen, als wenn es gar nicht geht.

Dafür muss aber deiner Vater offen und ehrlich mit den Arzt reden und nichts alles runterspielen.

GZrottxig


Klingt für mich alles aus Mischung von Depression und Demenz. Würde beim Hausarzt vorstellig werden.

EnsVspa+pier


@ mnef und Luci 32

Danke für Eure Antworten. Meine Mutti WILL zu den Ärzten, weil sie ja meint, sie wäre krank. Vor kurzem wurde ein Check-up gemacht und alle Werte waren in Ordnung. Organisch ist da nichts zu finden.

Ich denke auch, dass mein Vater mal mit der Hausärztin sprechen sollte. Er spielt tatsächlich alles ein wenig herunter. Für ihn sind das normale Alterserscheinungen. Es ist für mich nicht leicht, ihr da keine Vorwürfe zu machen, weil sie eben ständig jammert. Das ist aber nicht böse gemeint, sondern ich weiß eben auch nicht weiter

ELsospapixer


@ Grottig

Ja, das wird das beste sein. Mein Vater sollte das Gespräch mit der Hausärztin suchen. Ich denke, alleine schafft er es auch nicht mehr lange.

H=anc3a


Esspapier ich verstehe nicht, warum das erst nach 15 Jahren als Problem erkannt wird.

Deine Mutter war zu dem Zeitpunkt 56 Jahre, also noch jung genug, um eine Therapie zu machen.

Ich tippe ja auch auf eine Depression oder Angststörung, evtl. ausgelöst durch den Herzinfarkt deines Vaters. Da besteht ja ein zeitlicher Zusammenhang.

Mit 70 Jahren ist eine Therapie evtl. nicht mehr erfolgreich.

E,sspaQpixer


Hallo Hanca,

sicher haben wir schon daran gedacht, dass meine Mutter eine Depression haben könnte, und da gebe ich mir und meinem Vater auch die Schuld, dass wir nichts unternommen haben. Mein Vater meinte damals schon, sie wird halt älter....von Depressionen wollte er nichts wissen. Nun wohnen wir seit 5 Jahren in einem anderen Bundesland und wenn man seine Mutter dann eben nur noch 2x im Jahr sieht, fällt es extrem auf. Mein Mann hatte selbst einen Herzinfarkt und da lag mein Fokus auch eben hier, bei ihm.

Lpucix32


Natürlich kann mit 70 ein Therapie noch erfolgreich sein - es gibt keine Altersgrenze, aber die Mutter muss erstmal das Problem erkennen. Nach 15 Jahre Depression in den Ausmass wird es sowohl Medikamente wie Therapie erfordern. Erstmal Medikamente (Hausarzt) damit sie überhaupt therapierbar ist. Kognitiv ist das wohl gerade noch nicht möglich.

56 ist zu jung für Demenz und es gibt ja eine zeitliche Zusammenhang in 2003.

Essspvapier


Ich danke Euch. Wir werden handeln, auf jeden Fall. Danke schön....Ich bin sehr dankbar, dass es dieses Forum gibt

H^ancxa


Luci32

Natürlich kann mit 70 ein Therapie noch erfolgreich sein - es gibt keine Altersgrenze, aber die Mutter muss erstmal das Problem erkennen.

Grundsätzlich gebe ich dir recht.

Aber wenn die Depression 15 Jahre besteht und die Mutter über 70 Jahre ist, da wird geistig nicht mehr so viel Beweglichkeit da sein.

Zudem hört sich die Beschreibung mittlerweile auch nach einer Demenz an.

Das Risiko an einer Demenz zu erkranken, erhöht sich bei Depressiven um das Doppelte.

m=nef


aber er will ihr auch nicht sagen, dass sie sich mal zusammenreißen soll

Was wurde genau gemacht und welche Werte bestimmt? So ein kleines Blutbild z.B. oder was auch immer viele Hausärzte da als Check up hinstellen hat auch kaum bis gar keine Aussagekraft, ob wirklich nichts ist. Als nächstes würde ich mal beim Neurologen und Psychologen vorstellig werden. Dass deine Mutter da nicht dichtmacht, sondern das will, ist schonmal gut! Wenn jemand da dichtmacht ("Ich brauche keinen Arzt, geh ich nicht hin!") ist das nochmal eine Ecke komplizierter.

56 ist zu jung für Demenz

Sie ist 71. Demenz kann, auch in Abhängigkeit von der Form, schon deutlich unter 70, sogar ab 45., vorkommen. Dass es deutlich seltener ist als im höheren Lebensalter, sagt nichts über den Einzelfall aus - der kann es trotzdem haben, auch wenn die meisten anderen älter sind. Und was damals begann muss nicht zwingend dieselbe Ursache haben, wie die Symptome jetzt. Aber es war ja nur ein Beispiel. Man sollte sich hier zu keiner Diagnose oder dem Ausschluss einer Möglichkeit im Internet hinreißen lassen.

m7neTf


Korrektur: ins erste Zitat sollte dieser Satz:

Vor kurzem wurde ein Check-up gemacht und alle Werte waren in Ordnung.

M-onsxti


Für mich klingt das alles nach einer psychischen Störung, die durch den Herzinfarkt des Gatten ausgelöst wurde. Klar, es gibt Menschen, die schon mit 71 dement werden, aber hier zeichnete sich ja ein kontinuierlicher Prozess ab, der stark nach einer heftigen Depression und beginnender Demenz riecht. Fakt ist, die Frau benötigt ärztliche und therapeutische Hilfe.

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