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Tagebuch einer Mutter,

RQegin$ax67 hat die Diskussion gestartet


Nachdem ich längere Zeit in dem Tagebuch von apisto gelesen habe, kam mir irgendwann die Idee, auch so etwas in der Art zu schreiben. Nur mit einem völlig anderen Hintergrund.

Einerseits erhoffe ich mir davon, auf diese Art und Weise eine Verarbeitung des Erlebten anzustreben (abgesehen von meiner Therapie) und andererseits vielleicht andere Betroffene zu erreichen...

Ich hoffe, durch meine geschriebenen Worte besser mit meinem Schmerz und meiner Trauer umgehen zu können.

In Bezug auf die räumliche Trennung von meiner Tochter, die schon seit nunmehr 1 Jahr, 2 Monaten und 10 Tagen mein Herz schwer macht...

Antworten
Rhegin8a6x7


Aber es kommt mir vor, als sei es gestern gewesen.

Das Vorbereitungsgespräch von mir zu meiner Tochter unter vielen vielen Tränen, später das Packen der Koffer, der Lieblingsspielzeuge...dann kurz vorher die Abschiedsfeier im engsten Kreise der Familie...die Nacht davor kaum geschlafen...am Morgen betrübte Stimmung, das Beladen des Autos, die Fahrt in den Abschied...

Dann die Ankunft in der Einrichtung, das letzte Gespräch vor dem Abschied, bei dem wir uns weinend in den Armen gelegen haben, den Ernst der Lage ins Gesicht geschrieben...

Dann das allerschwerste...das Verlassen der Einrichtung, das Rückenkehren der eigenen Tochter gegenüber, es war, als würde ich mir jemand mein Herz herausreißen. Aber das ging eigentlich gar nicht, denn ich hatte es längst bei meiner Tochter in der Einrichtung gelassen...der kaum aushaltbare Schmerz, der bis heute geblieben ist.

Dann zuhause angekommen mit einer riesigen Leere in mir...der Schmerz und die Trauer hat mich kaum atmen lassen...Kein Raum mehr für klare Gedanken...nur ein einziger Gedanke begleitete mich in der ersten Zeit...dass ich sie 6 Wochen nicht sehen würde, sogar ihren 6. Geburtstag nicht mit ihr feiern würde...das hat mich so fertig gemacht.

Aber ich bin stark geblieben, für sie, für meine anderen 3 Kinder und für mich.

Bis heute bin ich stark geblieben. Und ich hoffe von Herzen, dass ich es weiterhin bleiben kann.

RQegixna67


Gedicht für meine Tochter

Meine kleine Prinzessin

An unsere gemeinsame gute Ziet denke ich oft und gern,

aber unsere Wiedervereinigung ist noch so fern,

doch weißt du dennoch, dass ich dich habe soo gern!

Deine gemalten Bilder, du kleine große Künstlerin,

schmücken unsere Wände hier herinn'.

Besonders schön sind am Fenster die Schmetterling!

Du hast so viel Kraft und Leben in dir!

Das läßt mich hoffen, das schaffen wir!

Und bald, bald bist du endlich wieder hier.

Ich denke immer an dich und vermisse dich.

L1onlyw5ith9drexam


hey Regina

darf ich nachfragen in was eine art einrichtung deine Tochter gekommen ist und warum?

Lg Lonly

R<egdina6x7


@Lonlywithdream

Natürlich darfst du fragen. :-)

Es handelt sich um eine heilpädagogische Kindereinrichtung, die Kinder mit z.B. eben solchen Erlebnissen, oder Kinder mit Gewaltvergangenheit usw. 'auffangen' wollen.

Sie arbeiten ganz intensiv mit den Eltern (insofern möglich) zusammen. Ich habe z.B. regelmäßig Elterngespräche, die mir mittlerweile wahnsinnig wichtig geworden sind und von denen ich noch keines verpaßt habe. In diesen Gesprächen erhalte ich viele Informationen über meine Tochter. Wie sie sich dort eingelebt hat, was ihre neusten "Schreckenstaten" sind und wie sie in der Schule ist. Das alles geht mir ja leider völlig verloren seit nunmehr etwas mehr als 14 Monaten.

Diese Einrichtung arbeitet nach einem Konzept, in dem die Mithilfe der Eltern oder wie bei mir eines Elternteiles ganz wichtig ist. Wir zusammen arbeiten daran, dass bald wieder ein normales, vor allem friedliches Zusammenleben unserer Familie stattfinden kann.

Dieses war absolut nicht mehr möglich, schon lange, bevor sie in die Einrichtung kam.

Der Auslöser dafür ist ein sexueller Mißbrauch, der im Jahre 2000 stattgefunden hat.

Danach ging alles den sprichwörtlichen Bach herunter und ein Zusammenleben in der Form, wie es vor dieser Tat der Fall gewesen ist, war bald nicht mehr möglich.

Zusammen mit dem Jungendamt haben wir uns dann darauf geeinigt, dass eine räumliche Trennung, verbunden mit einer Therapie die einzige Chance sein wird. Nicht nur für meine Tochter, sondern auch für uns.

I/sabbelxl


Oh Mann...

...wenn ich jetzt mal nachrechne...Du sagtest, sie ist knapp 6 Jahre alt gewesen als sie dort hinkam...14 Monate ist sie nun da....der Mißbrauch war 2000...da war sie ja erst 3 Jahre alt!!! Ich meine, klar ist ein Mißbrauch immer schlimm...aber trotzdem...ich hoffe Du verstehst mich...

Ich bin nur sprachlos.

LG

Ltaondxria


Ja, so gehts mir auch gerade, wo ich das alles lese. Mir ist kotzübel...

Fühl dich umarmt, Regina!

*drückt sie leicht*

Ich schicke dir ganz viel Kraft und Energie!

Liebe Grüße an dich!

pcho-ebe


hallo regina..

ich musste aus ähnlichen gründen so entscheiden vor einigen jahren...mir ist auch das herz gebrochen ...habe aber von seiten der einrichtung immer wieder das feedback bekommen dass gerade das unglaublich stark von mir war...und das möchte ich dir jetzt auch mal sagen: es ist stark von einer mutter dass beste für das kind zu wollen...selbst wenn sie sich das herz bricht!!!

Ich habe leider zu früh entschieden das sie zurück sollen...achte darauf das du wirklich das ok von denen bekommst!

Ich drück dich ganz doll...und hätte mir so eine mutter wie dich auch gewünscht!!!

Rcegtirna6x7


Danke Isabell und Laondria...

...für eure Anteilnahme. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut das tut. Vielen Dank. :-)

LG

R\eginxa67


Hallo phoebe

Auch dir möchte ich danken.

Mir hat das Jugendamt und auch die Einrichtung versichert, dass ich absolut nicht als Mutter versagt hätte. Sondern im Gegenteil, mit diesem Schritt Verantwortung für alle meine Kinder übernommen hätte.

Dennoch habe ich mir wahnsinnige Vorwürfe gemacht. Ich glaube, es würde jeder Mutter so gehen, die ihre Kinder liebt und sie dann 'weggeben' muss...auch wenn es das Beste ist, so ist es doch verdammt schwer.

Es macht mich betroffen, aber auch Mut, wenn ich lese, dass es dir ähnlich ging oder geht.

Deine Zeilen stimmen mich auch nachdenklich. Besonders dein letzter Satz.

Meine beste Freundin hat nicht nur einmal zu mir gesagt, dass meine Tochter Glück hätte, mich als Mutter zu haben. Weil ich ihr geglaubt habe damals...(sie hat das als Kind leider auch erleben müssen und ihr wurde nicht sofort geglaubt!)...und unverzüglich jeglichen Kontakt unterbunden habe. Damit konnte ich schlimmeres abwenden.

LG an dich. :-)

iOtbs ,me


ich muss mich phoebe anschliuessen, ich wuenschte meine Mutter haette damals die gleiche courage gehabt wie du...

Bis heute weiss sie nicht dass ich es wieder weiss...

Jahrelang wusste ich von nichts und wunderte mich darueber wieso ich so komisch auf bestimmte dinge regaiere...

Heute weiss ich das meine Mutter den Mann gedeckt hat, womoeglich die ganze familie... ich bin sicher das seiner tochter das gleiche passierte, und ich frage mich was mit meinem buder ist oder ob der mann sich nur aich maedchen bezog...

Ich werde diese fragenniemals beantwortet bekommen, den nes wird niemals in unserem haus angesprochen werden.

Ich weiss nicht wovor sich meine Mutter gefuerchtet hat, war es die schande, war es die angst dass es niemals ruhen wuerde?? ich war im Kindergartenalter anfang der achtziger jahre, keine ahnung wie man damals damit umgegangen waere. Ich hab fast alles vergessen, und wenn ich die wahl haette, ich glaub ich wiuerde mich lieber an alles erinnern aber dafuer verarbeiten, und wissen das meine Mutter mich nicht im stich gelassen hat.

Respekt aber auch an deine tochter, dass sie es erzaehlen konnte, dass sie dir vertraute und dass sie diese tennung uebersteht.

Ich hab damals geschwiegen um meine Mutter zu schuetzen. Ich hab den drihungen des Kerls geglaubt und ich hoer sie noch heute manchmal im traum. Ich glaube ich hab es nie gewagt es meiner Mutter zu erzaehlen, ich war nicht stark genug.

Deine Tochter ist ein ganz besonderes Maedchen!

L#on@lywSithdHream


>:( Oh man

Machen diese Leute mich wütend die so etwas tun !!!! Diese Drecksäue.

Mensch Regina, bist du eine starke und gute Mutter für deine kleene süße Maus !!! Das kostet bestimmt enorme Kraft das alles irgendwie zu verarbeiten. Ich wünsche dir von Herzen dass du diese Kraft immer behalten wirst und ihr alle irgendwann wieder ein tolles Familienleben führen könnt und all die schönen dinge nachholen könnt, die euch wegen dieser scheiß Sache nicht möglich waren.

Drück dich ganz fest (und auch its me und phoebe)

Liebe Grüße

Lonly

R_eg/in<ax67


its me

Deine Tochter ist ein ganz besonderes Maedchen

Das ist sie wahrlich. Sie hat Power für 10 und ist ein Energiebündel.

Es tut mir sehr leid, was dir wiederfahren ist. Sehr leid.

Ich habe in Gesprächen erfahren, dass sich die Mütter oft schämen, oder selbst Angst vor dem Peiniger haben. Oder sogar ihn vor das Kind stellen. Das ist für mich sehr schwer nachvollziehbar, da ich meine Kinder immer vor jeden Mann gestellt habe.

Und ich bin wirklich sehr sehr froh und dankbar, dass sie den Mut hatte, mir davon zu erzählen.

Umso trauriger macht es mich immer wieder, wenn ich vom krassen Gegenteil lese. Das macht mich dann eher sprachlos.

Und ich hoffe für dich, dass du deinen Weg finden wirst, damit umgehen zu können, was dir passiert ist.

LG

Raeginxa67


Danke Lonlywithdream...

...ich kann das "Drücken" förmlich spüren. :-)

LG

Ruegixna67


Neuer Tagebucheintrag

Heute habe ich meiner Tochter einen rosa Badeanzug geschickt, sie liebt diese Farbe.

Als ich am Freitag bei ihr war, mußte ich feststellen, dass sie noch immer am liebsten den Badeanzug trägt, den sie von mir bekommen hat. Nur leider ist sie für diesen viel zu groß.

Und da sie am kommenden Freitag für 2 Wochen mit der einrichtung in den Urlaub fahren wird, habe ich ihr spontan einen wunderschönen rosa Badeanzug mit weiß abgesetzt gekauft.

Nur sehr schade, dass ich sie darin nicht bewundern kann. Aber das können wir ja in drei Wochen nachholen.

Leider dauert es ganze 21 Tage, bis wir uns wiedersehen. Das macht mich doch ganz schön fertig und traurig. Wenn man sich schon jede Woche erarbeitet hat, können 3 Wochen unendlich lang sein...

Aber ich weiß genau, dass sie sich über mein Päckchen und den Brief sehr sehr freuen wird. Und ihr Lächeln, dass ich mir dabei vorstelle, macht mich schon wieder ein Stück glücklich. :-)

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