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Sind Menschen wirklich monogam?

E4xtrQeEmspätzxünder


nur mal eben..

... um hier auch mal einen kurzen Beitrag reinzustellen: die Anleitung zum Treu-sein findet man unter [[http://www.gmx.net/de/themen/lifestyle/liebe/sex/686878,page=0.html]]

Gruß,

wTiea@uchitmmer


Extremspätzünder

Ein bisschen einseitig, treu dem längst widerlegtem Klischee, dass der Mann seinem Jagdinstinkt folgt und die Frau eher das treue Heimchen ist. Also nicht wirklich hilfreich.

waieau[chMi^mmexr


Extremspätzünder

Eine Anreihung abgelatschester Rollen- und Bioklischees! Zu jedem Mann der fremdgeht, gehört nämlich auch eine Frau. Kommt also schon rein rechnerisch nicht hin, die These vom streunenden Mann und der bieder wählerischen Frau. Lohnt sich m.E. also nicht zu lesen.

SGquizHztel7c6


Zu jedem Mann der fremdgeht, gehört nämlich auch eine Frau.

Haben wir etwa die homoerotischen Neigungen vergessen ;-)

wlieau&chimemexr


Squizzel76

Nee, aber ich denk mal, die halten sich bei Männern und Frauen die Waage, sodass es rechnerisch so bleibt.

Fsa}bian%1980


@wieauchimmer

Ein weiterer Grund, wieso Monogamie einen großen Vorteil hat: Menschenkinder brauchen ziemlich lange, bis sie selbständig sind und haben eine höhere Überlebenschance, wenn sich Vater und Mutter gemeinsam drum kümmern. Wenn aber einer von beiden ständig auf der Jagd nach neune Abenteuern ist, wird er der Verantwortung nicht gerecht.

Naja... Menschenkinder gehen in unserer Zivilisation aber nicht gleich drauf, wenn der Papi weg ist. Das nur so am rande...

Schöne Grüße

Miawn tis


@ wieauchimmer

Ich denke, in der Regel klären die Partner es untereinander ab, was es ist, was sie da miteinander haben. Da kann auch ein stilles Einvernehmen mitunter reichen. Die Grenzen sind also im allgemeinen fließend, aber die einzelnen einigen sich auf einen festen Grenzpunkt. Herrscht da ein Mißverständnis, dann führt das zu Konflikten.

Ja, so sehe ich das auch. Leider funktioniert die Abklärung eigentlich fast nie problemlos, weil eine einvernehmliche und schmerzfreie Trennung beiderseits sehr selten ist.

Bist du da sicher? Im alten Testament wurden sie angeblich zeitweise 1000 Jahre alt und da wurde auch geheiratet. Moses wanderte 40 Jahre durch die Wüste.

Ja, da bin ich sicher, die Leute in der Antike wurden nicht sehr alt, diese Information hat mich während der Schulzeit sehr erstaunt. Habe vor kurzem einen Artikel darüber gelesen, leider finde ich ihn nicht mehr. Einige geschätzte historische Lebenserwartungen laut [[http://wikipedia.org]] (ausgehend vom Alter 0):

Steinzeit, Nordafrika: 21 Jahre

Römisches Reich: 22 Jahre

männliche Grundbesitzer in England um 1200-1300: 30 bis 35 Jahre

Man muss natürlich auch berücksichtigen, dass der Zeitpunkt der Geschlechtsreife ebenfalls eine Rolle spielt. In Europa ist er zB in den letzten 25 Jahren stark gesunken. Dafür werden wir immer älter. Für Sexualität/sexuelle Beziehungen steht also ein größerer Zeitraum zur Verfügung.

Das AT darf man sicherlich nicht wörtlich nehmen, da kommen viele Symboliken drin vor. 1000 Jahre ist fürwahr ein biblisches Alter ;-), glücklicherweise entspricht es nicht der Realität. Leider bin ich nicht mehr bibelfest, aber soweit ich mich erinnern kann, kommt die Thematik von nicht-funktionierender Monogamie (Seitensprüngen) schon im AT vor, im NT ganz sicher.

Im alten Asien wurden sie, soweit ich weiß, recht alt und da herrschte auch keine Polygamie. Ich kenne von keiner Kultur, wo Polygamie die gängige Lebensform war (also auch bezogen auf breite Bevölkerungsschichten). Bei Indiandern war es z.B. so, dass Bigamie dann erlaubt war, wenn der Ehemann gestorben war.

Danke für den Link, handelt es sich dabei um einen Ausschnitt aus einer Seminararbeit? Im übrigen schreibt der Autor auch von kulturellen und religiösen Einflüssen, und davon, dass die Mehrheit der Gesellschaftssysteme polygam ist :-/

Gerade in Asien gibt's noch heute Polygamie. Es gibt mehr polygame als monogame Kulturen: "Betrachtet man die Welt nicht nach der Anzahl der Menschen, sondern nach der Anzahl Kulturen, dann sind 95% aller Kulturen polygam. 94 % sind polygyn, erlauben dem Mann also mehrere Ehefrauen gleichzeitig. Ein Prozent ist polyandryn, erlaubt der Frau mehrere Ehemänner gleichzeitig. Die monogamen Kulturen sind eindeutig in der Minderheit, wenn ihnen auch der größte Teil der Erdbevölkerung angehört.

Doch sind die monogamen Kulturen wirklich monogam? Schon im Mittelalter war serielle Monogamie die Regel. Frauen starben häufig am Kindbettfieber oder an schwierigen Geburten. Heute ist die serielle Monogamie nach Scheidung oder Tod weltweit verbreitet und nimmt ständig zu. Nur selten noch haben Frauen oder Männer einen einzigen Geschlechts- oder Ehepartner während ihres ganzen Lebens. Es wäre scheinheilig von einer monogamen Welt zu sprechen." (Quelle: Dr. W. Wagner)

Wenn wir serielle Monogamie aus völkerkundlicher Sicht betrachten, handelt es sich tatsächlich um eine Aneinanderreihung von Ehen, dh die Beziehungen sind durch Scheidung/Tod klar abgegrenzt.

Beispiele für polygame Völker, die es noch heute gibt:

Polyandrie (eher selten): Teile Indiens, insbesondere Himalayaregion (Tibet, Kaschmir, Sikkim), Zaire, Nord-Nigeria, Paviotso (Nordamerika), Marquesas, Kandyan-Singhalesen (Sri Lanka), Da-La (Indochina)

Polygynie (stellt die gewöhnliche Eheform in vielen ethnographischen Regionen dar und ist weit mehr verbreitet als Polyandrie und Monogamie): in weiten Teilen Afrikas sowie des Nahen und Mittleren Ostens, (früher) in Indien und China, in Indonesien, Melanesien, Polynesien und verschiedenen Indianergruppen Nord- und Südamerikas.

(Quelle: hauptsächlich aus dem Völkerkundeglossar der Uni Wien, die Nennung der zahlreichen Autoren würde hier den Rahmen sprengen - wenn's jemanden interessiert, gerne per PM ;-) )

Wäre übrigens ganz interessant, die Quellen deiner anderen Zitate zu erfahren :-)

Wie ich schon erwähnt habe, machen allerdings Vergleiche mit dem Tierreich wenig Sinn, da dort (genauso wie beim Menschen) alle Varianten des Zusammenlebens vorkommen. Vielleicht ist noch der Vergleich mit unseren nächsten "Verwandten" sinnvoll, bei denen übrigens Monogamie nicht vorkommt. Der Vergleich aus völkerkundlicher Sicht ist da schon interessanter. Obwohl es heute kaum noch von "westlicher" Lebensweise unbeeinflusste und ursprüngliche Völker gibt, existieren zahlreiche Aufzeichnungen darüber, auf die man zurückgreifen kann.

Ist das nach drei Monaten schon für dich ein fester Partner

Kommt darauf an, normalerweise nicht, wenn ich ihn vorher schon lange gut gekannt habe und die Beziehung sehr intensiv ist, macht es wahrscheinlich keinen Unterschied, ob die Beziehung erst 3 Monate oder 3 Jahre dauert. Wie gesagt, ich bin eher der partiell-seriell-monogame Langzeitbeziehungstyp, ich hab mit kurzen Sachen und Affären nur wenig Erfahrung ;-)

Und was ist mit der Psychologie, z.B. der Bindungstheorie? Wunsch nach Sicherheit, Intimität, Verlässlichkeit.

Das wird hier völlig außer Acht gelassen. Schau auch mal ins Beziehungsforum, wie sehr viele Leute darunter leiden, einen Partner zu verlieren oder es eben als Vertrauensbruch empfinden, betrogen zu werden.

Da liegt ja gerade das Problem, jeder stellt Monogamie als das Ideal hin, aber keiner lebt sie wirklich. Abgesehen davon scheinen ja einige noch an den Märchenprinzen und an das "bis dass der Tod euch scheidet" zu glauben, inklusive jahrelang andauernde beiderseitige Verliebtheit. Das ist einfach nicht realistisch! Ich rede manchmal mit meinem Partner darüber, wir können uns natürlich sehr gut vorstellen, in 20 Jahren noch zusammen zu sein (sonst wären wir nicht zusammen, wir können uns auch schwer etwas anderes vorstellen), aber garantieren kann es keiner von uns beiden. Ehrlich gesagt wäre auch ein Seitensprung kein Weltuntergang. Es gibt weit Schlimmeres (zB Verlust der emotionalen Nähe/Intimität usw.) Eine Beziehung hat Höhen und Tiefen, dass muss man einmal akzeptieren. Die Frage ist, wie man damit umgeht.

Abgesehen davon hat Intimität für mich nicht unbedingt mit Sexualität zu tun. Ich kann mit einem Menschen, mit dem ich keinen Sex habe, beispielsweise ein hohes Maß an Intimität erreichen, bei einer Affäre empfinde ich hingegen keine Intimität.

Ich habe den Eindruck, dass hier gerne die Promiskuität als natürliche Sache von denen vorgebracht wird, die damit ihr Fremdgehen rechtfertigen wollen und das Spielen mit den Gefühlen anderer. Sie lassen dabei aber aus, dass es eben noch andere menschliche Gefühle gibt, außer geil sein und poppen wollen, was nicht schnell genug weglaufen kann.

Weder reine Monogamie noch Promiskuität entspricht der Realität, letztere ist meiner Meinung nach vielleicht noch eher biologisch bedingt als reine Monogamie. Zumindest bei Männern, da spielen schon noch reproduktive Gründe mit. Wenn reine Monogamie so natürlich wäre, warum funktioniert sie dann nicht? Als Frau ist rein biologisch gesehen eine langfristige Bindung interessanter, obwohl die Befruchtung durch einen anderen genetisch natürlich sinnvoll ist und auch tatsächlich vorkommt (Inzuchtvermeidung). Ich denke, es ist jedoch primitiv, biologische Gründe als Rechtfertigung zu verwenden. Das zeigt eher, dass man vieles nicht verstanden hat. Wir leben ja auch nicht mehr vom Jagen und Sammeln ;-) , und viele Menschen streben schon monogamie-ähnliche Beziehungen an. Gerade heute kann sich ja jedes Pärchen seine Beziehung selbst definieren. Ich finde es nur seltsam, wenn hier User die (serielle) Monogamie als natürliche Lebensform hinstellen, wenn sich offensichtlich fast keiner daran hält. Jegliche sexuelle Betätigung außerhalb einer langfristigen Beziehung, jeder ONS oder Seitensprung, jede Affäre hat mit serieller Monogamie nichts zu tun. Auch wenn ich sie als Ausnahmen hinstelle. Das heißt auch nicht, dass wir polygam oder promiskuitiv leben. Ich denke, wir liegen irgendwo dazwischen.

Habe noch nirgens gelesen, dass es dort keinen Trennungsschmerz oder Eifersucht gibt.

Das gibt's sicherlich überall, die Frage ist eher, wie man damit umgeht. Gerade die Eifersucht zwischen Geschwistern lässt sich nicht vermeiden. Das heißt aber nicht, dass keine starken emotionalen Bindungen möglich sind. Wenn der Überlebenskampf relativ hart ist, ist der Zusammenhalt sicher größer, aber das verstehen wir als im Wohlstand lebende Europäer natürlich nicht.

Wenn man sich heute so umsieht, ist der Mensch in der - sagen wir einmal - "westlichen" Gesellschaft sicher eher seriell-partiell monogam als polygam. Tatsache ist aber auch, dass der Mensch eine - von der Kirche - propagierte Monogamie in der Realität offensichtlich nicht leben kann, wenn man ihm Entscheidungsfreiheit zugesteht.

Nachbemerkung: Es ging beim Eröffnungspost um die Frage, ob der Mensch ursprünglich monogam war bzw. ist und ob Monogamie "kultiviert" wurde. Für mein Empfinden war die Frage überhaupt nicht wertend gemeint, das heißt es geht jetzt nicht darum, ob Monogamie besser oder schlechter ist. Das muss sowieso jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe hier im Forum oft das Gefühl, dass User sich durch andere Meinungen persönlich angegriffen fühlen. Es geht hier nicht (immer) um Wertungen.

w1iea}uchimxmer


Mantis

Es gibt mehr polygame als monogame Kulturen:

Im Text steht aber auch, dass in diesen polygamen Kulturen Polygamie erlaubt ist, aber nur jeweils von einer Minderheit praktiziert wird. Hier gehts doch um die Frage, ob der Mensch von seiner Natur eher dazu neigt, monogame Beziehungen zu pflegen, oder polygame. Den meisten scheint ein Partner zu reichen und mehrere Frauen gilt eher als Statussymbol, als dass es mit "mehrere gleichzeitig lieben" zutun hätte. Im Text steht auch etwas darüber, wieso es sich mit der sozialen Gerechtigkeit ins Gehege kommt und dass es auch nicht das Glück auf Erden ist.

Wenn wir serielle Monogamie aus völkerkundlicher Sicht betrachten, handelt es sich tatsächlich um eine Aneinanderreihung von Ehen, dh die Beziehungen sind durch Scheidung/Tod klar abgegrenzt.

Da sagt ja auch keiner etwas gegen. Es ging aber doch um die Frage, ob es der menschlichen Psyche nicht eher entspricht in Gruppenehen zu leben, also feste Partnerschaften aus mehr als zwei Personen gleichzeitig.

Zumindest bei Männern, da spielen schon noch reproduktive Gründe mit.

Komisch, dass bei monogamen Vogelarten aber vor allem die Weibchen fremdgehen.

Wenn reine Monogamie so natürlich wäre, warum funktioniert sie dann nicht?

Hab ich hier irgendwo behauptet, dass die Monogamie bis dass der Tod sie scheidet die einzig wahre Beziehungsform ist? Polygamie ist es aber auch nicht und Promiskuität entspricht nicht dem Wunsch nach festen Bindungen, ist es also auch nicht.

Das hat aber auch seinen Sinn, dass man nicht klar eine Lebensform als die einzig richtige bezeichenen kann. Denn der Mensch zeichnet sich gerade durch seine Flexibilität aus, weil er sich dadurch besser an verschiedene Umweltbedingungen anpassen kann. So finde ich z.B. die Handhabung bei den Indianern recht sinnvoll. Der Pascha, der 50 Frauen hat und dafür 49 andere Männer keine, das ist weniger sinnvoll, auch nicht für die Gendurchmischung. Denn wenn der Pascha einen Erbkrankheit hat, vererbt er sie auch sehr viele Kinder. Die Monogamie, zumindest während der Phase der Fruchtbarkeit, ist von der Verteilingsgerechtigkeit am sinnvollsten, wenn tatsächlich 50:50 Männer und Frauen vorhanden sind.

Stimmt das Verhältnis aus irgendwelchen Gründen nicht, dann böte sich an, dass einige in Bigamie leben. Seitensprünge zwischendurch sind dann sinnvoll, wenn sie die Beziehung nicht gefährden. Zwar kann man hierzulande auch alleinerziehend klar kommen, aber nicht überall und es ist viel schwerer. Inwiefern man aber einen Seitensprung verheimlichen möchte, muss eben jeder selbst entscheiden. Ihn beichten, was einerseits ehrlicher und besser für das Vetrauen ist, als wenn es dann zufällig rauskommt, gibt meistens Beziehungsprobleme.

Mit anderen Worten: Es gibt kein richtig! Richtig ist das, was am besten funktioniert und da muss man sich eben drauf einigen.

Ich denke, es ist jedoch primitiv, biologische Gründe als Rechtfertigung zu verwenden.

Ich habe ja aus dem Grund biologische Gründe für Monogamie aufgezeigt, weil man das nämlich genauso biologisch begründen kann. Man findet eben für beides Begründungen, weil der Mensch eben flexibel ist aus Gründen der Anpassungsfähigkeit. Letzendlich entscheidet die Lebenssituation, also die Umweltbedigungen, was im jeweiligem Fall richtig ist.

Ich finde es nur seltsam, wenn hier User die (serielle) Monogamie als natürliche Lebensform hinstellen

Wenn man aber sagt: Die serielle Monogamie mit vorkommenden Seitensprüngen und in Ausnahmefällen (wenn das Verhältnis nicht 50:50 ist oder sich einfach drei für eine Dreiecksbeziehung gefunden haben) Polygamie (Diese wird nämlich, wie schon erwähnt, selten gelebt und hat oft ebenfalls gesellschaftliche Gründe. So wie im Text auch gesagt wird, dass eine Frau lieber bei einem reichen Pascha als eine von vielen lebt, als in totaler Armut. Es hat also wirtschaftliche und Statusgründe), dann kommt das am ehesten den tatsächlichen Verhältnissen nahe.

Das gibt's sicherlich überall, die Frage ist eher, wie man damit umgeht.

Da ist dann aber auch die Frage: Nehme ich die schlechten Gefühle in Kauf (Verlustangst und unter Konkurrenzdruck stehen, beides Gefühle, durch die ich mich nicht mehr frei fühle), damit der andere seine sexuellen Bedürfnisse frei leben kann. Oder verzichtet der andere auf Seitensprünge, damit ich nicht unter Druck stehe und Verlustangst erleide. Da gilt dann wieder der Satz: "Die Freiheit des einen hört das auf, wo die Freiheit des anderen anfängt". Es gibt ja Leute, die damit leben, dass der Partner zwischendurch mal eine Affaire hat. Sie akzeptieren es. Viele davon leiden aber dennoch und machen drei Kreuze, wenn die Affaire wieder vorbei ist und keine Trennung zur Folge hatte. Muss man das dem Partner zumuten?

Genauso, wie der eine auf sein Bedürfnis nach sexueller Freiheit bestehen kann, kann der andere auf sein Bedürfnis, frei von diesem Leiden zu sein, bestehen. Dieser Konflikt lässt sich selten wirklich gut lösen. Entweder muss sich der eine beherrschen, oder heimlich vorgehen, mit dem Risiko, dass es rauskommt und erst Recht ein Vertrauensbruch ist, oder der andere muss mit den miesen Gefühlen leben.

ob der Mensch ursprünglich monogam war bzw. ist und ob Monogamie "kultiviert" wurde.

Weder noch, sowohl als auch. Der größte Fehler, der m.E. bei solchen Diskussionen immer gemacht wird, ist, hier eine Trennung zwischen Natur und Kultur vorzunehmen. Ohne seine Kultur wäre der Mensch gar nicht Mensch. Sie ist ein wesentlicher Überlebensfaktor für ihn, da er sich über Kultur die Umwelt an sich anpasst. Es ist seine mächtigste Überlebensstrategie. Die Kultur ist also ein wichtiger Teil der menschlichen Natur und lässt sich gar nicht davon trennen. Sie hängt sowohl damit zusammen, dass sich der Mensch, um zu überleben, seine Umwelt umgestaltet. Das fängt damit an, dass er sich Kleidung herstellt, um nicht zu erfrieren und Waffen, um leichter an Nahrung zu gelangen, als auch damit, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist und Gemeinschaften kommen auch im Tierreich nicht ohne Regeln aus. Wie diese Regeln nun genau gestaltet sind, ist wiederum flexibel, weil eben die Flexibilität dazu führt, dass er überaus anpassungsfähig ist und nicht gleich aussterben muss, wenn sich etwas ändert. Unter bestimmten Umständen funktioniert Monogamie, unter anderen eben nicht. Da sich die Umstände schnell ändern können, oder zuweilen gar von Moment zu Moment verschieden sind, funktioniert sie meist nur seriell und Seitensprünge sind nicht auszuschließen. Aber auch das ist kein Absolutum, denn es gibt ja auch Beziehungen, die ewig halten und wo beide damit zufrieden sind.

w^awu


den hinweis, dass natur und kultur hier beide einen wesentlichen einfluss haben, finde ich wichtig - dazu müsste dann aber auch erwähnt werden, dass die "kultur" sich ja auch wandelt - und das nicht wirklich langsam. interessant wäre mal in hundert jahren in rücksschau das sexualverhalten vom menschen in metropolen des 21. jahrhunderts zu betrachten. single-anteil von 50%, dauerhaft oder seriell, verschiedene "familien-konstruktionen" etc...

was ich meine ist, dass ja sowohl die ökonomische notwendigkeit sich reduziert hat, sich einander dauerhaft zu binden als auch die gesellschaftlich-kulturelle akzeptanz nicht-monogam zu sein, gestiegen ist ... also sich gewissermassen auch die kulturellen rahmenbedingungen geändert haben, die nicht-monogamie zumindest erleichtern.

ob die mit der zweisamkeit verbundene 'intimität' ersetzbar oder erweiterbar ist, weiss ich nicht - aber auch eifersucht hat sicherlich viele kulturelle hintergründe. allerdings: wenn schon so oft hier auf die durch eine trennung trauernden (und gar beziehungs-gehemmt werdenden) hingewiesen wurde, sollte auch der vorteil für die gesehen werden, die sich aus einer beschissenen beziehung befreien können - für mich unterm strich eine positive entwicklung.

M_antxis


Im Text steht aber auch, dass in diesen polygamen Kulturen Polygamie erlaubt ist, aber nur jeweils von einer Minderheit praktiziert wird.

Das kommt auf die Kultur an - in Matriachaten wird sie eher vom Großteil praktiziert, in polyandrischen Kulturen ebenso. Bei letzteren sind's natürlich hautpsächlich wirtschaftliche Gründe, ich denke, keine Frau würde sich das freiwillig antun. Bei polygynen Kulturen, in denen es nur wenige praktizieren, sind es interessanterweise wieder wirtschaftliche Gründe - nur gegenteilige. Abgesehen davon ist es bei einem 50:50 Geschlechterverhältnis gar nicht möglich, dass es alle praktizieren.

Komisch, dass bei monogamen Vogelarten aber vor allem die Weibchen fremdgehen.

Wahrscheinlich zur genetischen Erneuerung, das ist ja auch der biologische Grund bei Menschenweibchen (Fremdgehen v.a. um den Zeitpunkt des Eisprungs herum). Allerdings würde ich Menschen nicht mit Vögeln vergleichen, auch wenn's um's Vögeln geht. Es wäre jetzt interessant, zu vergleichen, ob Frauen genauso häufig fremdgehen wie Männer. Leider habe ich dazu keine halbwegs seriösen Studien gefunden. Hast du was im Talon ;-) ?

Da ist dann aber auch die Frage: Nehme ich die schlechten Gefühle in Kauf (Verlustangst und unter Konkurrenzdruck stehen, beides Gefühle, durch die ich mich nicht mehr frei fühle), damit der andere seine sexuellen Bedürfnisse frei leben kann.

Wenn die Beziehung auf Freiwilligkeit besteht, besteht auch bei serieller Monogamie immer das Risiko, vom Partner verlassen zu werden - egal, ob der Partner einen Seitensprung macht oder nicht. Je intensiver die Beziehung, desto schmerzlicher der Verlust, das ist klar. Aber ehrlich gesagt ist mir eine gute Beziehung dieses Risiko wert.

Das hat aber auch seinen Sinn, dass man nicht klar eine Lebensform als die einzig richtige bezeichenen kann.

:)^

Der größte Fehler, der m.E. bei solchen Diskussionen immer gemacht wird, ist, hier eine Trennung zwischen Natur und Kultur vorzunehmen. Ohne seine Kultur wäre der Mensch gar nicht Mensch.

Das ist schon klar, dass die Natur quasi die Kultur bedingt. Es ging allerdings im Eröffnungsthread gerade um die Unterscheidung - welche Elemente sind "natürlich", welche "kulturbedingt". Und das finde ich schon interessant.

@ wawu

allerdings: wenn schon so oft hier auf die durch eine trennung trauernden (und gar beziehungs-gehemmt werdenden) hingewiesen wurde, sollte auch der vorteil für die gesehen werden, die sich aus einer beschissenen beziehung befreien können - für mich unterm strich eine positive entwicklung.

Für mich auch - ein gewisses Risiko muss man in einer Beziehung immer eingehen.

weie#auchiymmer


Mantis

Es wäre jetzt interessant, zu vergleichen, ob Frauen genauso häufig fremdgehen wie Männer.

Hier wurde mal vor längerer Zeit an anderer Stelle eine angegeben. Frauen haben die Männer fast eingeholt im Fremdgehen, Tendenz steigend. Die zunehmende Emanzipation scheint sich auf einen Gleichstand hin zu bewegen.

Es ging allerdings im Eröffnungsthread gerade um die Unterscheidung - welche Elemente sind "natürlich", welche "kulturbedingt".

Das kann man aber nicht unterscheiden, denn man hat keinen "natürlichen" Vergleich. Schon Primaten haben im Ansatz sowas wie Kultur. Wie will man das bei Menschen also trennen? Das ist unmöglich. Wenn man es also gar nicht trennen kann, ist diese Frage, was Natur und was Kultur ist, doch eigentlich völlig sinnlos.

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