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Abtreibungs-Film im Bio-Unterricht

tmrauxm art hat die Diskussion gestartet


Das hat jetzt keinen religiösen oder sonstwie wertkonservativen Hintergrund, was ich schreibe, aber mir fiel eine Sache ein, in einem anderen Thread, wo jemand fragt, was wir früher über Sex dachten. Da dort eine Frau beschreibt, wie sie sich die männlichen Organe vorgestellt hat, bevor sie das erste mal z.B. den steifen Penis ihres Freundes sah und anfasste, habe ich mich erinnert, wie ich das erste mal eine geöffnete Vagina sah - vorher hatte ich bei Frauen nur den Schambereich in "normaler" Position gesehen aber nie mit gespreizten Beinen.

Es ist nämlich so, dass ich vorher natürlich auch bestimmte Vorstellungen hatte, die natürlich nicht so ganz mit dem tatsächlichen Aussehen usw. entsprochen haben. Aber das erste mal sah ich das im Sexualkunde-Unterricht in der Schule, ich glaube in der 10. Klasse, wir hatten da komischerweise nochmals das Thema Verhütung.

Und da wurde uns ein Film gezeigt, in dem eine Frau beim Gynäkologen abtreiben lässt. Es wurde alles gezeigt, die Frau auf dem Stuhl, das Einführen des Apparates und schließlich die Frage: "möchten Sie den abgetriebenen Embryo sehen", natürlich wollte sie das, denn schließlich war es ja ein Aufklärungsfilm und so sahen wir auch den Klumpen in einer weißen Schale liegen.

Ich würde gerne von euch wissen, wie ihr das empfindet, egal, ob euch sowas auch in der Schule gezeigt wurde oder nicht. Für mich war das kein besonders schockierendes oder ekelhaftes Erlebnis, nur finde ich es im Nachhinein etwas eigenartig, denn der Genitalbereich einer Frau ist für mich doch etwas Intimes und ich fühlte mich damals zumindest ein wenig mit etwas überrumpelt, was ich eigentlich lieber selbst gerne "entdeckt" hätte. Bei meiner ersten Freundin, meinem ersten Sex, aber nicht in einem Raum mit allen meinen Mitschülern und dem Biolehrer... Es ist ja in etwa vergleichbar mit dem Zeigen eines steifen Penis in einem Unterrichtsfilm in der Schule. Aber vielleicht gibt oder gab es das ja auch bei jemandem von euch?

Soviel dazu, wohingegen ich das mit dem Embryo noch eine Nummer härter fand, als die geöffnete Scham der Frau. Man kann behaupten, dass jeder aufgeklärte Mensch wissen sollte, wie eine Frau "unten" aussieht, aber einen frisch herausgeholten und getöteten Embryo sich anzuschauen, das möchte und vor allem MUSS nicht jeder Mensch sehen, wenn er das nicht will, denke ich. Und uns wurde das im Rahmen der Schulpflicht einfach mal so eben gezeigt.

Sicherlich kann man sagen, das gehöre nun mal zur Aufklärung dazu, aber da müssen doch solche Bilder wirklich nicht sein, es geht doch auch mit Zeichnungen oder Ähnlichem. Übrigens hatte ich den Eindruck - auch wenn niemand etwas gesagt hat - dass sich einige Mädchen in der Schulklasse davon in ihrer Intimsphäre berührt fühlten, aber sicher weiß ich das nicht. Vielleicht denke ich auch nur, dass ich als Mädchen es so empfunden hätte, neben lachenden Jungs eine Frau in dieser Körperhaltung zu sehen, die zwar in der Arztpraxis ganz alltäglich und notwendig ist, die aber trotzdem in bestimmten Kontexten als etwas entwürdigend bezeichnet werden kann. Aber vielleicht lag mein Gefühl auch daran, dass ich neben einer eher stillen Klassenkameradin saß, mit der mich zudem auch gewisse Gefühle verbanden. Also eine für mich damals individuell eher unschöne Situation.

Kurz und gut - wie hättet ihr das empfunden bzw. wie fandet ihr es, falls euch das auch vorgeführt wurde?

Antworten
RjBluumxe


Hm - ich werd jetzt einfach ein wenig vom Thema abschweifen - weil für mich persnönlich bei diesem Thread etwas anderes im Vordergrund steht... hat aber trotzdem mit deinem Thema zu tun, Traum art!

Das eigentlich Problematische an dem Film ist meiner Meinung nach eher die bewusste Manipulation der Schüler. Es klingt nämlich dem Thema nach ziemlich nach Anti-Abtreibungs-Polemik, so als wollte man die Schüler dahingehend manipulieren, Abtreibung als etwas Negatives und Gewalttätiges wahrzunehmen ... denn man kann sehr sehr gut auch einen Film über die Thematik machen, ohne einen getöteten Embryo zu zeigen, der naturgemäß Ekel und Ablehung der Praxis gegenüber hervorruft.

Versteht mich nicht falsch, ich bin keine Abtreibungsgegnerin, sondern ganz im Gegenteil... aber ich finde es nicht richtig,Schülern eine Meinung aufzuoktruieren, die sie sich selbst bilden sollten.

Möglicherweise hab ich auch einfach zuviel reininterpretiert... daich den Film ja nicht gesehen habe...

Jedenfalls - um zum eigentlichen Thema zurückzukehren - denke ich mir, dass im Kontext eines Aufklärungsfilms eine weibliche Scham sowie ein erigierter Penis eigentlich nur sehr wenig Sexuelles hat und daher eigentlich denSchülern / Schülerinnen kein Unbehagen verursachen müsste. Für mich ist das Vergleichbar mit einem Besuch beim Arzt - das Entkleiden vorm Arzt hat keinerlei sexuelle Konnotation weil das ganze im Kontext einer Arztpraxis einfach was komplett anderse wird. Auch ein Arzt ist dann kein Mann mehr (oder keine Frau) sondern nur mehr eine Funktion.

Genauso glaube ich, hab ich auch damals die Biofilme wahrgenommen: rein aufs Organische reduziert und nicht besonders spaßig... Obwohl ehrlich gesagt es vor allem die Kommentare meiner Klassenkollegen waren, die die Situation peinlich gemacht haben, das stimmt schon.

Es gibt dahingehend Überlegungen, von der Koedukation in gewissen Fächern wieder abzugehen und Mädchen und Jungs getrennt zu unterrichten - das hätte vermutlich im Aufklärungsunterricht zur Folge, dass die Diskussionen etwa ernsthafter geführt werden, da man sich vor seinen Geschlechtsgenossen nicht zu schämen braucht (ob das auch für pubertierende Jungs gilt, wage ich nicht zu beurteilen).

Wäre die Aufhebung des gemischtgeschlechtlichen Unterrichts beim Aufklärungsunterricht eine Lösungsstrateghie für das Unbehagen das scheinbar einige von uns in dieser Situation empfunden haben?

tcrauqm axrt


@RBlume :-)

Wäre die Aufhebung des gemischtgeschlechtlichen Unterrichts beim Aufklärungsunterricht eine Lösungsstrateghie für das Unbehagen das scheinbar einige von uns in dieser Situation empfunden haben?

In meinem Fall hätte das nichts geändert, denke ich.

denke ich mir, dass im Kontext eines Aufklärungsfilms eine weibliche Scham sowie ein erigierter Penis eigentlich nur sehr wenig Sexuelles hat und daher eigentlich denSchülern / Schülerinnen kein Unbehagen verursachen müsste.

Und wenn doch? Ist der oder die Schülerin deiner Meinung nach dann nicht normal oder nicht so, wie es sein sollte?

HIanniHbal-1


Wenn man sich auf das ursprüngliche, auf den Menschen wie er ist bezieht kann weder bei Ansicht noch Funktion etwas schamhaftes sein!

Alles andere ist wie oben geschrieben (Abtreibungsgegner, indoktrinieren etc.) selbes Schema!

Aber alles wird gern verdrängt! Sex, Nacktheit, Tod, Furz, Umweltverschmutzung, Ungerechtigkeit solange man nicht betroffen ist!

Man muss funktionieren, der Schablone entsprechen und wehe etwas passiert, was da nicht reinpasst!

Da hilft nur denken!

Konserven im Supermarkt, im TV, in der Zeitung, blöd, nur dein Hirn hilft dir da weiter!

Toter Fötus ist Realität, wie der Tod überhaupt! Also denk nach was daran nun schlimmes, unangenehmes ist oder auch nicht!

t}rau}m axrt


@Hannibal

Dein Post liest sich in meinen Augen etwas überheblich.

Wenn man sich auf das ursprüngliche, auf den Menschen wie er ist bezieht kann weder bei Ansicht noch Funktion etwas schamhaftes sein!

Alle Kulturen kennen Scham. In Kulturen, wo genitale Nacktheit im Alltag herrscht, darf der Frau trotzdem nicht zwischen die Beine gestarrt werden.

Wie auch immer, ich hätte den Zeitpunkt des Kennenlernens des weiblichen Körpers gerne SELBST bestimmt!

MUon8ika/6x5


Ich finde diesen Film nicht in Ordnung. Man kann das auch anders vermitteln. In unserer Schule wurden mal Embryos in verschiedenen Entwicklungsstadien ausgestellt, das hat mich mit 16 sehr beeindruckt.

K+itxsunxe


Ich finde den Film auch total daneben. über abtreibung dreht man keine Filme und führt sie öffentlich vor.

sowas hat mich aufklärung rein gar nichts zu tun.

ein schwangerschaftsabbruch ist ein sehr persönlicher eingriff, der meist aus einer Notlage heraus vorgenommen wird-ich kann mir kaum vorstellen, dass irgend jemand da zustimmt, das zu filmen und zu veröffentlichen.

und auch im rahmen von schulaufklärung finde ich es viel zu krass, sowas zu zeigen-den genauen ablauf eines abbruchs kann man auch beim arzt erfragen.

ich als schülerin wäre da nicht peinlich bereührt gewesen (auch wenn ich das gut nachvollziehen kann) sondern stinksauer, hätte dem entsprechenden Leher kräftig die meinung gegeigt, und mir nen termin beim direx geben lassen, sowie den elternbeirat informiert.

RSB)l1ume


@ Traum-Art

denke ich mir, dass im Kontext eines Aufklärungsfilms eine weibliche Scham sowie ein erigierter Penis eigentlich nur sehr wenig Sexuelles hat und daher eigentlich denSchülern / Schülerinnen kein Unbehagen verursachen müsste.

Und wenn doch? Ist der oder die Schülerin deiner Meinung nach dann nicht normal oder nicht so, wie es sein sollte?

Das wollte ich damit sicherlich nicht sagen! Es müsste die Schüler nicht stören... eigentlich ... aber die Situation ist nunmal, wie sie ist, man fühlt sich da trotzdem irgendwie peinlich berührt.

Ich denk mir nur, dass womöglich es den Schülern helfen könnte, die Sache neutraler und weniger konfliktbelastet zu sehen - wenn sie realisieren, dass es im Biounterricht um das rein Organische geht .

@ Hanibal

Ein soeben getöteter und aus dem Uterus entfernter Embryo hat eigentlich nichts natürliches mehr - natürlich wäre für einen Embryo zu leben und im Mutterleib heranzuwachsen - nicht? Ein toter Embryo ist nichst alltägliches - das ist die Ausnahme.

Deswegen empfinde ich es als problematisch, Schülern so einen Film zu zeigen, der natürlich Ekel und Ablehnung produzieren muss, weil sie dadurch in eine Denkrichtung gedrängt werden, und sie aber ohne polemische Filmchen zum Thema etwas anderes denken würden. Das hängt jetzt nicht damit zusammen, dass der Tod ein Tabuthema ist, dass man um Himmels willen nicht berühren darf - es geht darum, dass die Schüler ganz bewusst in eine Richtung beeinflußt werden und ich das nicht gutheiße!

PS: ich glaube ja nicht, dass das Filmchen eine reale Abtreibung zeigt - ich denke eher, dass es sich um gestellte Szenen handelt... wissen tu ichs nicht, aber es erscheint mir nur logisch...

nur soviel zur verletzung der Intimsphäre der Frau!

EhhemaTligrer Nutrzer c(#69928x)


Jetzt alleine auf die Darstellung einer Abtreibung bezogen: Ich bin dafür. Fast jeder der heutigen Generation hat eine Meinung zum Thema Abtreibung. Viele befürworten es, ohne zu wissen, was für eine Prozedur sie hier eigentlich genau unterstützen. Einfach, weil es in jugendlichen Kreisen meistens als korrekt gilt.

Versteht mich nicht falsch, ich bin selbst ein Abtreibungsbefürworter. Doch man sollte sich auch wirklich klar darüber sein, worüber man sich hier eigentlich eine Meinung bildet.

Gruß,

M5onikax65


Versteht mich nicht falsch, ich bin selbst ein Abtreibungsbefürworter. Doch man sollte sich auch wirklich klar darüber sein, worüber man sich hier eigentlich eine Meinung bildet.

Dann könnte man ja auch mal einen Film über eine Geburt zeigen, ich wette, das würden die meisten noch schlimmer finden...

Ich halte davon nichts.

k ucIkucksbzluxme


wenn ich biologielehrerin wäre,

dann würde ich den film nicht aussuchen.

aufklärung kann auch grenzen überschreiten. man kann filme über das thema geburt oder über das thema abtreibung drehen doch man muss dabei nicht die geöffnete vagina einer frau zeigen. es geht auch anders.

EvhemaligMer Nu(tzer (I#6992x8)


Es ist in der Schule doch auch üblich, Filme über Geburten zu zeigen. Zumindest war es bei uns so. Wie kommst du darauf, dass die meisten das schlimmer finden würden?

M|oni kxa65


Lancis

Mein Sohn hat mir das erzählt. Mir gings auch so, als ich noch keine Kinder hatte, echte Geburtsfilme hätte ich kaum ausgehalten. Kommt natürlich auch auf die Geburt an. Wenn man nur die letzten 5 Minuten zeigt, ist es natürlich nicht so schlimm.

E6hemalGiger Nqutzeur (#6x9928)


Verstehe

Bei uns gab es solche Reaktionen eigentlich nicht, obwohl manche es etwas peinlich fanden. Einen Abtreibungsfilm haben wir nicht zu sehen bekommen, doch ehrlich gesagt kann ich mir wirklich nicht vorstellen, dass man auf einen abgetriebenen Embryo besser reagiert als auf die Aufnahme einer natürlichen Geburt. :-/ Aber vielleicht irre ich mich ja.

M=oni"ka65


Wie gesagt, ich bekam Embryos zu sehen in so einer Schale. Echte. Das war in vielerlei Hinsicht beeindruckend.

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