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Warum war Sexualität im antiken Rom so ungezwungen?

Tiest&rale hat die Diskussion gestartet


Ich beschäftige mich viel mit dem Antiken Rom, das ist ein wirkliche Leidenschaft für mich, ich finde das total faszinierend!

Mir ist schon sehr früh aufgefallen, das im Römischen Reich eine extrem entspannte Einstellung zum Thema Sexualität herrschte. Also im Laufe des 1000 Jährigen Bestehens der Reiches gab es natürlich auch Änderungen in der Moral, alber überwiegend war in diesem langen Zeitraum das Thema Sexualität sehr ungezwungen.

Sehr viel ungezwungener als heutzutage sogar. Explizite Sexuelle Darstellungen waren auch im öffentlichen Raum zu finden. Es gab Essgeschirr mit Sexszenen, alle möglichen Konstellationen, Homo-Bi-und Heterosexuelle.

Stellt euch mal vor, Ihr seit irgend wo zum Essen eingeladen und auf dem Tellern oder Vasen sind Pornobilder augedruckt oder von der Decke hängen Lampen in Phallusform oder der Gastgeber würde Euch UND Euren Kindern, als Gastgeschenk, Ketten oder Armbänder mit kleinen, geflügelten Penisen schenken, das war aber damals völlig normal.

Irgendwie beneide ich die Leute von damlas, denn heutzutage, trotz der Aufklärung und angeblichen Lockerheit, ist Sexualität immer noch mit etwas Schuldhaftem verbunden, Unterbewusst, ist da immer so eine kleine, leise Stimme, die sagt, das ist "Schweinkram".

[[http://en.wikipedia.org/wiki/Erotic_art_in_Pompeii_and_Herculaneum]]

Antworten
P4iddlxe


In unserer Zeit ist es überhaupt kein Problem, sich Penisse oder Vaginas in Originalabbildungen anzusehen, aufreizende Frauen oder heiße Männer, Stoff für SB- oder Sex-Phantasien runterzuladen usw. Masturbation wird als normal angesehen, Homosexualität wird immer gesellschaftsfähiger, man küsst und streichelt sich auf offener Straße oder in Kneipen usw usw. Das alles sollte man sich mal in den Zeiten der Generationen vor uns vorstellen! Undenkbar. Totaler Wechsel innerhalb weniger Jahrzehnte.

Ob man das alles nun so toll findet oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Die einen denken so, die anderen so. Im späteren Rom kam es schließlich so weit, dass Senatorenfrauen sich ganz offiziell ihre Liebhaber auf dem Forum suchten. Alles trieb jede Art von Sex mit jedermann. Immerhin gibt es eine ganze Reihe ernsthafter Leute, die den geschichtlich mysteriösen Zerfall des römischen Reiches durch den vollständigen Verfall der Sitten verursacht sehen.

Das ist vielleicht Blödsinn, vielleicht aber auch nicht. Wenn man innerhalb einer Zeitströmung steht, ist diese viel schlechter zu beurteilen als vom Abstand heraus. Kann es nicht auch sein, dass dieses immer Ungehemmtere uns auf denselben Weg führt wie das römische Reich? Klar will das jetzt keiner hören, es passt eben nicht in die Zeitströmung.

Ich weiß wirklich nicht, ob wir auf dem Weg ins Glück sexueller Freiheit noch nicht weit genug sind, oder ob wir – im Gegenteil – schon fleißig auf einem verderblichen Weg ins sexuelle Chaos sind. Neid spüre ich jedenfalls nicht im Vergleich zu den Leuten von damals. Jeder lebt in seiner Zeit, mit allen Freiheiten und Unfreiheiten.

Eins sollte aber sicher sein: Im alten Rom gab es genauso verklemmte wie unverklemmte Typen wie es das heute gibt. Das hängt nämlich nicht davon ab, ob Lampen in Phallusform gerade Mode sind.

gsehmkalraxus


War sie das wirklich, und warum nur im alten Rom?

Tzes=tralxe


Naja, die ganzen Texte und Bilder, Statuen, die Befunde in Pompeii, lassen eigentlich nur den Schluss zu, das Sexualität im Antiken Rom nichts anstößiges war.

Aus dem Alten Ägypten oder aus dem Antiken China sind nur sehr wenige expliziete Sexuelle Darstellungen bekannt, darum ist es nur logisch, zu der Erkentniss zu kommen.

sjensicbelmXan


Sehr viel ungezwungener als heutzutage

Maßgeblich am "Umbruch" federführend war wohl das Wirken der (katholischen) christlichen Kirche. Proportional dazu entwickelten sich stark die Doppelmoral, die Heuchelei und die Bigotterie. Das bedeutet, dass sich oft das Verhalten der Menschen nicht wesentlich änderte, wohl aber das Scheinbild, das sie nach außen abgaben. Es wurde vielmehr Wert auf das Vertuschen gelegt. Menschen versuchten nach außen anders dazustehen, anders zu erscheinen, als sie tatsächlich dachten und handelten. Ich vermute, dass sehr stark ein Gemisch aus Impotenz (da war es nicht schwer, ein Mönchsdasein zu führen und man versuchte, dass als Maßstab für alle durchzusetzen) Macht-/Geldgier (insbesondere diverser Kirchenvertreter) und Patriarchiat beteiligt war. Immer wichtiger wurde der Machterhalt und das Vererben von Gütern- das funktionierte offenbar aber in diesem Sinne nur über die klare Feststellung der Vaterschaft (im Patriarchiat). Eine "schlampige" Sexualität war dem im Wege. Das Komische ist, dass sich zahlreiche moralische Regeln gar nicht aus der Bibel ableiten lassen oder nur über sehr eigenartige interpretatorische Konstrukte (z.B. die Interpretation von Onan bzgl. der Selbstbefriedigung)

1. Mose – Kapitel 38:8-10 (Elberfelder Bibel 1905):

Da sprach Juda zu Onan: Gehe ein zu dem Weibe deines Bruders, und leiste ihr die Schwagerpflicht und erwecke deinem Bruder Samen. Da aber Onan wußte, daß der Same nicht sein eigen sein sollte, so geschah es, wenn er zu dem Weibe seines Bruders einging, daß er ihn verderbte zur Erde, um seinem Bruder keinen Samen zu geben. Und es war übel in den Augen Jehovas

Viele Moralregeln sind also eigene "Erfindungen" diverser Kirchenvertreter und keineswegs unbedingt klar auf dem "Mist" der biblischen "Propheten" gewachsen.

Ähnliche Dinge der Entwicklung kann man auch in Indien beobachten, als insbesondere die christlich geprägten Engländer ihre Sexualmoral aufoktruierten- Ende des [[http://de.wikipedia.org/wiki/Kamasutra Kamasutra]] ... jedenfalls in der Öffentlichkeit ...

EjhemCalibger 6Nutzere (#4z38245)


Stell dich mal als Außerirdischer vor einen heutigen Zeitungskiosk. Zu welcher Einschätzung würdest du dann kommen ???

Fmremhder22x2


Die christliche Lehre ist sexfeindlich. Zwar wird nicht allzu viel im Neuen Testament erwähnt, aber der Grund der christlichen Lehre liegt im Alten Testamtent und zwar hauptsächlich in der Genesis. Wer Interesse daran hat, der möge da mal nachlesen. Sehr ausfürhlich wird dies auch in dem Buch "Yin und Yang richtig verstehen" beschrieben. Aus dieser Grundeinstellung, die in der Genesis vermittel wird, resultierte dass auch heute noch nicht ganz abgelegte verschrobene und Schuld beladene Verhalten der Sexualität gegenüber. Es gibt immer noch sehr viele Menschen, die Sex als schmutzig oder schlecht oder zumindest als nicht ganz harmlos empfinden. Ein wenig Schuldgefühle haben heute noch vie mehrl Menschen als man gemeinhin annimmt. Wers nicht glaubt, sollte mal einen Psyhiater fragen, was der aus seiner Praxis alles erfährt!

Freilich gibt es auch heute das Gegenteil: Völlige Freiheit und auch vollkommene Zügellosigkeit. Vielleicht sind wir am Anfang einer neuen Entwicklung und die Zustände von Rom sind bei uns gar nicht mehr so weit entfernt. Ob das alles ein Zerfall der Gesellschaft ist, könnte möglich sein.

Leider neigen viele Menschen dazu, von einem Extrem ins andere zu fallen. Früher war Sex bei uns ein Tabuthema, heute wird es zu einem Freizeitvergnügen und moralische Momente werden beiseite geschoben oder belächelt. Der goldene Mittelweg wäre wahrscheinlich am Besten. Also kein Vertuschen mehr und kein "Schlechtmachen" und keine Schuldgefühle für ganz normale Bedürfnisse, aber nicht so zügellos und gedankenlos, wie man das heute leider sehr oft sieht. Man will Sex haben, um jeden Preis und man schaut nicht mehr so sehr auf den Charakter eines Menschen. Und was wirkliche Liebe ist, das ist vielen Menschen egal oder sie wissen gar nicht, was das eigentlich ist. Auch denke ich nun an die vielen Trennungen, wenn es mal nicht ganz so klappt, wie man sich das vorstellt oder von Pornos her zu kennen meint. Trennungen sind nun mal immer mit Leid verbunden. Besonders wenn Kinder da sind, leiden diese am meisten. Aber auch wenn Sex zum Zwang wird und man nur noch sein Leben nach Sex ausrichtet, das finde ich dann schon sehr bedenklich.

a#treJju21


Ich denke das ist schon richtig, dass im alten Rom die Sexualmoral lockerer war als heute. Und zwar schon Jahrhunderte vor dem Ende des Imperiums. Daß das Ende mit der lockeren Sexualmoral zusammenhängt, ist eine Erfindung von Leuten die sich aus solch einer Legende etwas erhoffen. Die Völkerwanderung war wohl der Grund, und Geldmangel. Aber das ist ein anderes Thema.

Heute wird (ich habe oft diesen Eindruck) die Sexualität in die Öffentlichkeit "gezerrt", aber ohne daß damit unbedingt eine Lockerheit verbunden wäre. Vielmehr der Kommerz spielt da eine Rolle. Aber daß sämtliche Spielarten menschlicher Sexualität vorurteilsfrei im öffentlichen Bewusstsein wären, ohne daß ständig (auch von sog. Progressiven) eine Wertung vorgenommen würde, ist einfach nicht so. So wird aber immer getan, es wäre so. Und genau dies ist der Punkt. Das post-industrielle, post-Informations, post-Atom- und post-werweißnichtnochwas-Zeitalter kommt sich so verdammt entwickelt vor, daß genau diese Selbstüberschätzung einfach nur zum Ko..zen ist. Es wird keine Aufbruchs-, sondern Endzeitstimmung verbreitet.

Ob das alte Rom besser war, kann man nur vermuten. Vorbild war es schon in vielerlei Hinsicht. Insofern gebe ich Testrale recht. Wir sind noch nicht fertig mit der Entwicklung, entgegen der Meinungsmache.

Post-Aufklärungszeitalter, wir kommen.

T8e5stnralxe


Leute, ich weis natürich, das wir heutzutage Zugang zu JEDE Vorstellbare Pornographe haben.

Aber stellt Euch bitte vor, Ihr seid eingeladen zu einem festlichen Abendessen, wie bei der Römischen Mittelschicht, oder Oberschicht üblich, mit Geschirr, auf dem Homo und Bisexuelle Bilder zusehen sind, Oder Bilder, an der Wand, die Cunnilingus zeigen. Wie würdet Ihr euch denn in so eine Athmosphäre fühlen? Bestimmt nicht besonders Entspannt!

Aber genau das war bei den Römern völlig normal, solche Bilder waren im öffentlichen Raum zu sehen und die Römer fanden das so selbstverständlich wie wie heutzutage Gardienen an den Fenster haben. Sogar Kinder waren täglich, mit Bildern konfrontiert, die wir heutzutage auf den Index sehen würden.: [[http://en.wikipedia.org/wiki/File:Pan_copulating_with_goat_1.JPG]]

[[http://de.wikipedia.org/wiki/Cunnilingus]]

Es geht mir nicht um den Zugang zu Pornographschen Bildern, es geht mir um die nicht vorhandene moralische Verurteilung die im Römischen Reich selbstverständlich war.

pzhoenyix090x4


Och, mich würde das nicht stören. Außerdem sind die Fresken und Mosaike von Pompeji auch rein handwerklich schön anzusehen.

Allerdings muss man immer bedenken, dass es eben nicht zu allen Zeiten und nicht unter allen Kaisern so locker war. Augustus beispielsweise war von diversen Seitensprüngen seiner engsten Familienangehörigen überhaupt nicht angetan und pflegte eine ausgesprochen prüde Lebensweise.

Und was Homosexualität angeht : Mir fällt jetzt keine vorchristliche Epoche ein, in der sie verboten gewesen wäre, jedoch betrachtete man Homosexuelle zeitweise als ausgesprochene Weicheier und als ungeeignet für den Militärdienst. (Anders natürlich bei den Spartanern, die dies förderten, unter der Annahme, ein Soldat kämpfe erbitterter, wenn sein Freund in Gefahr gerate.)

Jedenfalls : Soweit es mir bekannt ist, gab es Zeiten, in denen Sexualität etwa so spektakulär war wie meinetwegen ein Abendessen in der Kneipe. Sie war vollkommen selbstverständlich - warum sollte man ein menschliches Grundbedürfnis verstecken und verdammen ? Völliger Quatsch. Das kam erst mit so rigiden Kulten wie dem frühen Christentum. Ab da galt Sexualität als anstößig - wie das ja auch heute noch bei Extremisten jeder Richtung ist.

Rrichna'rdx61


Man sollte bei der freizügigen Sexualmoral der Römer eines nicht vergessen.

Es gab Bürger Roms und es gab Sklaven. Sklaven für die Arbeit, Sklaven für die Unterhaltung (Gladiatoren) und Sklaven für den Sex.

In jeder römischen Stadt gab es Freudenhäuser, es war völlig normal dort hinzugehen, sie standen auch meist im Zentrum der Stadt, waren gesellschaftlich anerkannt bzw. normal.

Nach der Lockerung der Prostitutionsgesetze geht es bei uns mit Riesenbordellen in eine ähnliche Richtung.

lfyciEsxca


Soo freizügig war Rom aber auch nicht immer, die Republik muss ein Bisschen gewesen sein wie Amerika heute, sittenstreng und bigott, mit gewaltiger Pornographie, und alles sind oversexed und underfucked.

Erst im Kaiserreich wird die Sexualität einerseits ungezwungener, aber andererseits wird immer der Schein gewahrt.

Es gab Ventile, die Zahlreichen Bordelle, in denen Sklavinnen oder Frauen vom unteren Ende der Gesellschaft zur Verfügung standen, aber die billigen Bordelle waren wohl eher speziell. Es ist überliefert, dass das Pensum eine Sklavenmädchens um die hundert Freier am Tag war, jeden Tag. Der Gedanke ist als Phantasie für mich spannend, aber als Alltag eher einschüchternd.

Die Spiele waren ein anderes Ventil, hier gab es entblößte Körper und ausufernde Gewalt, wie halt heute im Fernsehen. Gladiatoren waren Sexsymbole, und weibliche delinquenten bei Tierhetzen oder anderen exlaborierten Tötungen wurden ausgezogen und genüsslich in allen Stadien der Hinrichtung präsentiert.

Was in der Kaiserzeit in den Häusern der Reichen hinter sorgsam verschlossenen Türen stattfand, war wohl noch weiterreichend, es gab einen großen Kult um Erektion und Ejakulation erdrosselter Sklaven, ich denke das spricht Bände, genau wie viele andere Schilderungen.

Natürlich muss man auch hier bedenken, dass viele die Dinge, von denen sie berichteten übertrieben, aber man bekommt ein Bild der Sache.

Nacktheit im öffentlichem Raum war weit weniger verbreitet als in Griechenland oder Ägypten, wo man oft sehr wenig anhatte, oder wie in Ägypten auch ganz nackt war. Die Ägypter waren im ganzen Mittelmeerraum für Freizügigkeit und lockere Moral bekannt.

FGuriZouts


08.01.14 15:04

Man sollte bei der freizügigen Sexualmoral der Römer eines nicht vergessen.

Es gab Bürger Roms und es gab Sklaven. Sklaven für die Arbeit, Sklaven für die Unterhaltung (Gladiatoren) und Sklaven für den Sex.

Richard61

:)^

Wollte ich auch schon schreiben.

Für die römische Mittel- und Oberschicht war dieses freizügige Leben sicherlich schön und erfüllend. Aber - wie immer - gab es auch einen großen Anteil der Bevölkerung, der darunter zu leiden hatte. Das sollte man nicht außer Acht lassen.

Oder die Gladiatoren, die sich blutige Kämpfe auf Leben und Tod liefern mussten...

Wenn ich mir das so überlege, stellt sich mir persönlich nicht mehr die Frage, wieso das damals okay war und heute nicht mehr salonfähig ist. Ich bin einfach nur froh, dass es nicht mehr so ist. :-)

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