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Zu wenig Sex in der Ehe

MNelp]omVene


Hmm, die Sache ist schwierig.

Dass sich sexuelle Wünsche über die Jahre verändern finde ich ganz normal. Gerade, wenn sich auch das Umfeld verändert. Vorsichtig gesagt: Wenn ich etwas noch nie superklasse und geil fand, dann kann es schon sein, dass ich das aber für meinen Partner trotzdem mache. Wenn ich aber dann generell durch meinen Job gestresst bin und mein Partner mich irgendwie auch öfter anzickt, dann habe ich dann nun echt keinen Bock mehr, auch noch etwas zu machen, was mir eigentlich im Bett nichts bringt. Hab ja schon auf der Arbeit genug Mist zu tun, den ich eigentlich nur mache, weil ich dafür Geld bekomme.

Ich will mich da jetzt nicht zu tief reinhängen, weil ich jemand bin, der auch keinen OV macht, weil ich es nicht mag. Von daher verstehe ich den Mann total. Ich hab es für meinen Mann auch einige Zeit gemacht/versucht, weil ich ihn liebe, aber er hat nach ein paar Monaten gemerkt, dass ich es eigentlich ziemlich ätzend finde und hat mir gesagt, dass ich es nicht machen brauche, wenn es mir keinen Spaß macht; er würde auch ohne OV überleben. Und dafür war und bin ich ihm immer noch sehr dankbar, denn viele Männer scheinen OV ja als "Grundvoraussetzung" zu sehen.

Hier haben wir jetzt den Fall, dass einer OV als "Grundvorraussetzung" hat, einfach weil sie es als absolut essentiellen Teil des Sexuallebens empfindet. Und der andere Teil sieht das eben nicht so, ihm bringt es nichts, es macht ihm keinen Spaß und generell ist Sex ja nur gut, wenn es beiden Spaß macht. Warum er sich jetzt nach so langer Zeit so geändert hat ist erstmal fast egal - vielleicht war es zuerst wirklich der Job, dann hat die TE ihren Unmut verkündet und wurde etwas dickköpfig, was dazu geführt hat, dass er noch weniger wollte und so wurde das ganze eine Abwärtsspirale mit dem momentanen Ausgang. Oder es ist etwas ganz anderes.

Auf jeden Fall muss sich ja ganz offensichtlich etwas ändern. Die Frage ist: Was. Ich halte diese "Ich bumse wen anders, wenn du mich nicht leckst" für falsch. Oder zumindest für den falschen Ton, denn mit Erpressung und Druck zerstört man jedes bisschen Liebe, was noch vorhanden ist. Wenn er OV scheiße findet, dann wird er ihn nicht toll finden, wenn er quasi dazu gezwungen wird, weil ihm sonst die Frau wegläuft. Im Gegenteil; Dinge, die man unter Druck und Zwang macht, findet man immer viel schlimmer als Dinge, die man freiwillig macht. Und Druck und Zwang - auch emotional - gehören für mich absolut nicht ins Schlafzimmer.

Aber trotzdem ist der Grundgedanke dahinter nicht falsch. Es sollte nur kein Zwang sein und keine Aussage, die man einem so an den Kopf wirft. Ein Gespräch mich dem Grundtenor: "Ich finde es schade, dass der Sex zwischen uns so schlecht ist und wir beide so unglücklich darüber sind (und du dich sogar lieber selbst befriedigst als mit mir zu schlafen - das zeigt, wie wenig wir im Moment zusammenpassen). Aber es ist nunmal so, dass für mich OV absolut essentiell ist und ich ohne einfach nicht glücklich sein kann und da kommt auch meine momentane Verfassung her. Ich kann/muss aber auch akzeptieren, dass andere Menschen nunmal andere sexuelle Wünsche und Neigungen haben und du OV nunmal nicht mehr bei mir praktizieren magst. Könntest du dir vorstellen, eine offene Beziehung zu führen, damit ich diese Neigung bei jemand anderem befriedigt bekomme? Ich denke, dann könnte ich auch den Sex mit dir wieder viel mehr genießen, weil ich dann auch andere Praktiken wieder gerne mache und gedanklich nicht nur so auf OV fixiert bin."

Ich würde dir vorschlagen, deine Neigung als einen kleinen Fetisch zu betrachten. Auch Dinge, die heutzutage ganz "normal" sind, die aber eigentlich jetzt für den reinen Akt der Fortpflanzung nicht benötigt werden, sind ja irgendwo eine Art Fetisch, nur mittlerweile halt total in die Gesellschaft integriert. Dazu gehören halt Dinge wie Oralverkehr, Analsex usw. Im Grunde sind das aber genauso Dinge, die halt manche Menschen für ihren Sex "benötigen", um ihn als befriedigend zu empfinden, wie andere Dinge - manche stehen auf Bondage, Schuhe, Footjobs, SM, wie auch immer. Bei diesen ungewöhnlicheren Sachen ist es aber so, dass es vielen leichter fällt zu akzeptieren, wenn andere da eben nicht drauf stehen und es ihnen nichts gibt bzw. sie dies ablehnen. Bei den "normalen" Praktiken wie OV und AV ist dieses Verständnis leider nicht (mehr) so weit verbreitet. An Fetischen ist übrigens überhaupt nichts schlimmes - nur muss man selbst verstehen, dass andere da eben manchmal nicht so sehr drauf abfahren wie man selbst und im besten Falle nur für einen selbst mitmachen. Und wenns dann in einer Beziehung mal krieselt, dann zeigt es sich bei sowas recht schnell, denn diese "Mitmacher" haben ja gerade, wenn ihr "Mitmachen" mittlerweile als normal angesehen wird, ja irgendwo vielleicht auch das Gefühl, dass man nicht mehr wertschätzt, wenn sie dies für einen tun.

Aber natürlich gilt auch hier, dass man darüber kommunizieren muss... wobei es natürlich da manchmal auch eine Hemmschwelle gibt, denn mal ehrlich: Wenn dein Mann irgendwann klar gesagt hätte, dass er generell keinen OV mehr bei dir praktizieren will, hättest du das akzeptiert? Oder dich getrennt? Wenn er befürchtet hat, dass das zur Trennung führt, hat er vielleicht deshalb den Mund gehalten... nur, dass das das Problem ja nicht löst, sondern nur verschleppt und das Zusammenleben für beide immer mehr belastet.

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