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Er will keinen Sex

aisphycxia hat die Diskussion gestartet


(Urspr. Titel "Er will keinen Sex - Trauerfall" auf Wunsch der FS angepasst.)


Liebe alle,

ich bin neu hier und hoffe, dass das Thema hier im richtigen Unterforum ist. War mir nicht sicher, ob es eher ins Partnerschafts-Forum gehört.

Zu meinem Problem habe ich hier schon etliche Threads gesehen... daher entschuldige ich mich, dass ich den gefühlt drölfzigsten Thread dazu aufmache, aber ich brauche einfach ein paar Meinungen zu meiner Problematik, da ich einfach nicht weiß, wie ich mich verhalten soll...

Ich bin mit meinem Partner seit 2,5 Jahren zusammen. Das erste halbe Jahr hatten wir, wie wohl die meisten Paare zu Beginn, sehr viel Sex. Mir war es teilweise schon etwas zuviel, da ich das so extrem über mehrere Monate auch nicht kannte und daher hatte ich dann auch des Öfteren keine Lust (bzw. war abends einfach nur müde vom Tag), wo er dann auch teilweise etwas angesäuert reagiert hat, weil er es nicht nachvollziehen konnte.

Nun ja, nach diesem halben Jahr pendelte sich die Frequenz langsam auf mehrmals wöchentlich ein, was für mich völlig in Ordnung war. Jedoch wurde es ab Anfang des letzten Jahres schleichend weniger, was er damit begründete, dass ihn meine Zickigkeit oftmals annervt. (Ja, es stimmt, ich bin ein kleines Zickchen... :-X ) Nichtsdestotrotz konnte man damals noch von einer vorhandenen partnerschaftlichen Sexualität sprechen.

Der richtige Bruch kam dann letzten Sommer, als er unerwarteterweise vom Tod seiner Mutter erfuhr, mit der er sehr lange keinen Kontakt hatte (auch mit seinem Vater nicht). Es gab seit vielen Jahren einen ungeklärten Streit zwischen den dreien, den er nun mit ihr nicht mehr klären konnte. Hinzu kam die Enterbung seinerseits durch die Eltern. Er erfuhr das alles nur durch einen Brief von einer Behörde, seine Mutter war zu dem Zeitpunkt schon ein Dreivierteljahr verstorben. Deshalb hat ihn das alles sehr unerwartet und hart getroffen.

Er geht seitdem nicht mehr arbeiten, ist einfach vom einen auf den anderen Tag nie wieder hingegangen. Hat viel getrunken (tut er heute auch noch, meiner Meinung nach, aber schon weniger), hat die Nächte durchgemacht. Wenn ich morgens um 6 aus dem Bett musste, hatte er sich gerade hingelegt... Wenn er dann getrunken hatte, fing er meistens an zu erzählen, von seinen Eltern, dem Streit, seiner Familie allgemein... Erbschaftsstreitigkeiten... alles nicht sehr schön... hat auch oft geweint dabei. Was natürlich in einer Phase der Trauer vollkommen ok ist! Jedoch ist es für mich immer schwer darüber zu reden, ich habe das Glück, mit dem Tod bisher nicht wirklich Erfahrungen gemacht haben zu müssen... Ich weiß halt einfach immer nicht, was ich sagen oder wie ich mich verhalten soll.

Also, zurück zum Problem. Mir ist natürlich völlig klar, dass mein Partner in einem Trauerfall gänzlich andere Sachen im Kopf hat als Sex. Jedoch ist das Ganze jetzt ein Jahr her und die Situation hat sich nicht verändert. Wir haben ca. einmal im Monat Sex, was für mich viel zu wenig ist. Für mich ist das quasi eine nicht vorhandene Sexualität und ich würde fast dazu übergehen, zu sagen, dass man's dann auch gleich sein lassen kann mit dem Sex. Hinzu kommt, dass er seit etwa einem halben Jahr nicht mal mehr einen Orgasmus hat.

Alle Annäherungsversuche meinerseits werden seit Monaten abgeblockt. Im Prinzip darf ich seinen Penis nicht mal mehr berühren oder in seine Nähe kommen, da blockt er dann schon ab. Das einmal Sex im Monat kommt also nur zustande, weil er mal einen Annäherungsversuch macht und ich darauf eingehe. Es geschieht also nur, wenn er es will.

Ich merke, dass mich diese Situation zusehends frustriert. Ich mache es mir zwar regelmäßig selbst, aber mittlerweile gibt mir das auch nicht mehr so richtig was. Ich fühle mich einfach nicht mehr begehrt und für mich gehört Sexualität zu einer Partnerschaft dazu. Ich merke, dass ich immer mehr Fremdgeh-Gedanken entwickle... dabei möchte ich das gar nicht!

Wo ich nun eigentlich gerne ein paar Meinungen zu hätte: Hattet ihr schon mal Erfahrungen in einer Partnerschaft mit einem Trauerfall und wie sich das auf die Sexualität ausgewirkt hat? Wie lange hat das angehalten? Wurde es irgendwann wieder besser?

Ich weiß einfach mittlerweile nicht mehr, ob und wie lange ich darauf noch Rücksicht nehmen kann/soll/muss... ??? Oder denke ich gar vollkommen egoistisch mit meinen Bedürfnissen? Wie gesagt, ich habe glücklichherweise keine Erfahrungen mit dem Thema... Ich weiß nicht, wie man sich in solch einer Situation fühlt... Und oftmals, wenn er mal wieder schlecht drauf ist, denke ich mir: Wie kannst du nur, ihn mit deinen lächerlichen Bedürfnissen in seiner Situation zu behelligen...

Ich bin einfach komplett verunsichert... :°(

Tut mir leid für den langen Text und danke an alle, die so tapfer waren und sich das durchgelesen haben! @:)

Liebst,

asphyxia

Antworten
EohejmaligBeBr NutzeUr (#$6080x02)


Ich kann sehr gut verstehen, dass dich die Situation runterzieht und ich finde dich auch nicht egoistisch. Für mich hört es sich so an als habe dein Freund starke Depressionen, als sei durch den Trauerfall irgendwas ausgelöst worden, aus dem er allein nicht mehr herauskommt. Depressionen killen jegliche Libido, das hat mit dir als Partnerin nichts zu tun.

Er sollte sich ganz dringend professionelle Hilfe suchen um aus diesem Loch wieder herauszukommen.

a>sphQy&xxia


Ja, er sagt selbst, dass er sowas wie ne depressive Verstimmung hat und ich habe ihm auch schon oft gesagt, dass ich denke, dass er da alleine nicht herausfindet, aber professionelle Hilfe lehnt er kategorisch ab. Er sagt, er kenne all die Strategien und Tipps, die man da bekommt, er ist momentan nur nicht in der Lage, diese anzuwenden... :-|

t antmra19x48


Wo ich nun eigentlich gerne ein paar Meinungen zu hätte: Hattet ihr schon mal Erfahrungen in einer Partnerschaft mit einem Trauerfall und wie sich das auf die Sexualität ausgewirkt hat? Wie lange hat das angehalten? Wurde es irgendwann wieder besser?

Ich weiß einfach mittlerweile nicht mehr, ob und wie lange ich darauf noch Rücksicht nehmen kann/soll/muss... ??? Oder denke ich gar vollkommen egoistisch mit meinen Bedürfnissen? Wie gesagt, ich habe glücklichherweise keine Erfahrungen mit dem Thema... Ich weiß nicht, wie man sich in solch einer Situation fühlt... Und oftmals, wenn er mal wieder schlecht drauf ist, denke ich mir: Wie kannst du nur, ihn mit deinen lächerlichen Bedürfnissen in seiner Situation zu behelligen...

Hallo asphyxia,

meine (ex)Ehefrau und ich hatten einige Todesfälle (Eltern, eigene Kinder, Verwandte, Freunde, Bekannte) zu "verkraften". Das führte immer dazu, dass das Bedürfnis nach körperlicher Nähe und das Ausleben von Sexualität stark zunahm. Aber da reagiert wohl Jede(r) unterschiedlich.

Aus meinem Bekanntenkreis höre ich durchweg, dass gerade in Trauersituationen das Zusammenrücken und Sexualität sehr zur Problembewältigung beitragen können. Da ist mittlerweile anstelle des früheren "wie können die nur?" Verständnis getreten.

Und wenn ich lese, dass auch Alkohol und Antriebslosigkeit eine Rolle spielen, so sollte Dein Freund professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Ich glaube nämlich, dass die Ursache für die Probleme sehr lange zurück liegt und der Auslöser für die Verhaltensänderung der Trauerfall und die Enterbung waren.

UND: NEIN, Deine Bedürfnisse sind nicht lächerlich. Im Gegenteil !!

aZspvhyxxia


Aus meinem Bekanntenkreis höre ich durchweg, dass gerade in Trauersituationen das Zusammenrücken und Sexualität sehr zur Problembewältigung beitragen können. Da ist mittlerweile anstelle des früheren "wie können die nur?" Verständnis getreten.

Interessant, hätte tatsächlich nicht gedacht, dass das bei vielen sogar eher der Bewältigung dient. Hmmm... das lässt mich wiederum zweifeln, ob es nicht doch auch an mir bzw. unserer Beziehung an sich liegt, dass er nicht will... :-|

Und wie gesagt, psychologische Hilfe möchte er nicht, hält er auch nichts von... :-(

aRspYhytxixa


Niemand sonst? :-(

h8oMoki1


Es ist heute Samstag und schönes Wetter. Du wirst am Montag, wenn die meisten wieder mehr arbeiten, mehr Antworten bekommen. Das kenne ich von vielen Foren.

Zum Thema kann ich Dir leider nichts sagen, da ich glücklicherweise keine Trauerfälle im nahen Verwandtenkreis in den letzten Jahren hatte.

a2spdhyxia


Es ist heute Samstag und schönes Wetter. Du wirst am Montag, wenn die meisten wieder mehr arbeiten, mehr Antworten bekommen. Das kenne ich von vielen Foren.

Ok, kenne das von anderen Foren genau andersherum. ;-D Aber gut zu wissen, dass es hier offensichtlich anders läuft.

Danke für deinen Kommentar. :)^

C}omxran


Er geht seitdem nicht mehr arbeiten, ist einfach vom einen auf den anderen Tag nie wieder hingegangen. Hat viel getrunken (tut er heute auch noch, meiner Meinung nach, aber schon weniger), hat die Nächte durchgemacht. Wenn ich morgens um 6 aus dem Bett musste, hatte er sich gerade hingelegt... Wenn er dann getrunken hatte, fing er meistens an zu erzählen, von seinen Eltern, dem Streit, seiner Familie allgemein...

Der wenige Sex sollte euer geringstes Problem sein. Dein Partner läuft schon lange psychisch neben der Spur, scheint depressiv zu sein und unverarbeitete Dinge mit sich herumzutragen. Du solltest mal den Sex vergessen (auch wenn du im Sexualitäts-Unterforum geschrieben hast) und lieber mithelfen, dass sich dein Partner therapeutische Unterstützung holt, die ihn wieder in die Bahn bringt. Ein Jahr ist wahnsinnig lang, da stimmt Vieles nicht mit ihm. Und du solltest da nicht den Kopf in den Sand stecken und nur noch daran denken, wie ihr mal wieder öfter vögeln könnt. Das kommt automatisch, wenn es ihm psychisch wieder besser geht. Normale Trauer ist das jedenfalls nicht - eher traumatisch. Wenn sich daran nichts ändert glaube ich nicht an eine Beständigkeit eurer Beziehung. Daher: setz alle Hebel an, dass er die Therapie annimmt, die er braucht.

a7sphvyxixa


Ja, du hast natürlich recht, Comran, das ist natürlich nicht das Hauptproblem, vor allem nicht sein Hauptproblem.

Aber ich habe keine Ahnung, wie ich ihn zu professioneller Hilfe bewegen soll, er will das wie gesagt nicht, er hält davon nicht einmal was.

Mit Zwang werde ich da auch nichts erreichen können. :|N Er ist leider auch ein totaler Sturkopf, deswegen ist die Situation mit seinen Eltern überhaupt erst soweit gekommen...

ENheImalige~r NuytzerQ )(#60g6752x)


Mit Zwang werde ich da auch nichts erreichen können. :|N Er ist leider auch ein totaler Sturkopf, deswegen ist die Situation mit seinen Eltern überhaupt erst soweit gekommen...

Du hast in deinem Eingangspost geschrieben,dass dein Partner seit 1(!) Jahr nicht mehr arbeiten geht. Es ist zwar nicht Thema hier aber er muss finanziell ja wahnsinnig gut aufgestellt sein, wenn er in dieser Lage selbst keinerlei Dringlichkeit empfindet, etwas an seiner Situation verändern zu wollen. ":/

Du kannst ihn nicht zwingen, sich professionelle Hilfe zu holen, nein. Allerdings könntest du ihm in einem deutlichen Gespräch seine Optionen aufzeigen. Wenn er nicht bereit ist etwas zu ändern, dann musst du eben deine Konsequenzen daraus ziehen.

a/sp7hyxxia


Du hast in deinem Eingangspost geschrieben,dass dein Partner seit 1(!) Jahr nicht mehr arbeiten geht. Es ist zwar nicht Thema hier aber er muss finanziell ja wahnsinnig gut aufgestellt sein, wenn er in dieser Lage selbst keinerlei Dringlichkeit empfindet, etwas an seiner Situation verändern zu wollen.

Joa, momentan lebt er von Grundsicherung durchs Amt und solange die ihm nicht auf die Barrikaden gehen, scheint das ja für ihn erstmal so zu laufen. :-|

Ezvoluzxzer


Und wie gesagt, psychologische Hilfe möchte er nicht, hält er auch nichts von... :-(

DAS ist das eigentliche Problem. Der Trauerfall wäre längst durch, wenn da nicht etwas anderes wäre, was er nicht angehen will. In Luft auflösen wird sich sein Problem nicht. Wenn er keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen will, wird eure Beziehung den Bach runtergehen. Mit Aufopferungswillen deinerseits kannst du die Situation vielleicht noch etwas über die Zeit retten, eine notwendige Veränderung seinerseits wird es aber leider keine bringen.

Esmot8ioxnale


Hi,

ich hatte mal grob gestrickt eine ähnliche Situation - ich möchte jetzt nicht auf Details eingehen (oder wenn, per PN), aber hinausgelaufen ist es (auch wenn der letzte, unmittelbare Auslöser eher auf meiner Seite lag) auf eine Trennung - und darauf, dass er wenige Wochen später die Therapie angefangen hat, die er sich vorher jahrelang geweigert hatte zu machen. Ich vermute mal deshalb, weil er dann einfach mit sich alleine dasaß...

LG

W}M 20x14


Depressionen killen jegliche Libido, das hat mit dir als Partnerin nichts zu tun.

Ist so nicht wirklich richtig.

Ja, Depressionen können die Libido killen. Es geht jedoch auch komplett anders herum. Bei mir war es so, dass ich in meiner depressiven Phase total "oversexed" war. Das war so eine Art Überkompensation, um überhaupt etwas Positives zu fühlen.

Während dieser Zeit hätte ich 3-5 Mal täglich Sex haben können.

Daher: Bitte nicht so verallgemeinern...

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