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11.11.09 11:37
Nach nur 22 Wochen in meinem Bauch musste ich dich am 7.3.08 unter Schmerzen hergeben.
Glaub mir, die Entscheidung diese grausame Tablette zu schlucken, die dich auf den Weg nach draußen geschickt hat, ist mir unsagbar schwer gefallen- aber sonst wären wir wohl beide gestorben und hätten deinen Papa ganz alleine zurückgelassen.
Aber warum? Du warst doch ganz gesund. Warum musste ich diese Krankheit bekommen, die so selten ist- jedenfalls so früh in der Schwangerschaft?
Manchmal frage ich mich was wäre wenn...? Was wäre wenn die Krankheit schon etwas früher festgestellt worden wäre? Hätte man uns helfen können? Oder 2 Wochen später? Man hat uns gesagt, dass du es vielleicht mit 24 Wochen geschafft hättest. Was sind denn 2 Wochen- unfassbar, dass diese kurze Zeit über Leben und Tod entscheidet.
Als ich dich hergeben musste ist auch ein Teil von mir gestorben. Sei mir bitte nicht böse, dass ich dich nicht in den Arm genommen habe, nachdem du geboren warst- ich war wie gelähmt, das konnte doch nicht sein, nicht jetzt, nicht so früh! Als ich dich dann am nächsten morgen betrachten durfte musste ich sehr weinen, leider hatte ich immer noch nicht die Kraft dich zu halten, das bereue ich jetzt sehr. Ich werde nie vergessen, wie du da in dieser großen Wiege lagst, so verloren und klein. So hilflos und einsam. Mein kleiner Engel, ich hab dich so lieb!
Du wirst immer mein erstes Kind bleiben, etwas ganz besonderes.
Fast ein Jahr nach deinem Tod hat der liebe Gott uns deien kleinen großen Bruder Paul geschenkt. Er kam am 3.3.09 zur Welt und gibt mir wieder Hoffnung. Er trägt auch deinen Namen- Johann, als zweiten Namen. Wenn ich ihn mir ansehe denke ich oft an dich. Wie würdest du wohl aussehen? Was könntest du jetzt alles schon? Der Gedanke, dass es Paul nicht gäbe, wenn ich dich nicht hergegeben hätte verwirrt mich und macht mich traurig. Ihr seid doch meine beiden Babys. Die meisten Leute verstehen mein Problem nicht. Sie denken- Du hast doch jetzt ein gesundes Baby, vergiss doch die Vergangenheit Die haben doch alle keine Ahnung!
An deinem ersten Todestag war ich ja noch mit Paul im Krankenhaus, ich habe dir eine kleine Botschaft ins Buch in der Krankenhauskapelle geschrieben: Pass bitte gut auf deinen Bruder auf, wir haben dich lieb.
Deine Mama
15.11.09 20:45
dein Beitrag trifft mich sehr, gibt mir aber auch Hoffnung.
Ich habe mein Baby vor 3 Wochen in der 17. SSW verloren. Die Trauer ist noch sehr groß und ich kann dich gut verstehen. Ich konnte mein Engelchen auch nicht in den Arm nehmen, zu groß war die Angst den Tod so nah an mir zu spüren, mir dessen bewusst zu werden, dass es wahr war, dass mein kleiner Sohn wirklich existierte, nur leider nicht unter den Lebenden. Geblieben sind mir nur Bilder und Erinnerungen an die Entbindung, bei der ich wusste, dass er sie nicht überleben wird. Zwischen den Wehen habe ich ihm ein Schlaflied vorgesungen, er solle auf ewig schlafen.
Es tut einfach weh, dass er, obwohl er sich normal entwickelte und gesund war, keine Chance hatte das Licht der Welt zu erblicken. Das alles nur wegen einer Infektion, die ich unterschätzt habe. Erst jetzt weiß ich, wie zerbrechlich das Leben in mir gewesen ist.
Die Hoffnung, die du mir gibst ist, dass ich es beim nächsten Mal besser machen kann. Dass das nächste Jahr Lichtstrahlen zu uns rüberschickt und mir noch einmal eine Chance gibt. Nein, ich möchte keinen Ersatz, denn mein Henry war unersetzlich. Das, was wir erlebt haben kann man nie vergessen, es bleibt ein Teil unseres Lebens. Vielleicht auch damit man sich dessen bewusst wird, wie wertvoll das neue Leben ist.
Ich wünsche mir so sehr, dass es bei mir so ausgeht wie bei dir.
Es ist schön, dass es Paulchen gibt.
ich drück euch ganz doll....
16.11.09 18:13
Hallo Jürchen,
danke für deine Worte und dass du mir deine Geschichte erzählt hast. Mir hat es damals auch sehr geholfen, die Hoffnung auf ein weiteres Kind nicht aufzugeben. Ich finde es richtig, dass du deinen Kinderwunsch nicht aufgibst, erwarte aber nicht, dass es sofort wieder klappt, gib deinem Körper Zeit zu heilen.
Einen Ersatz für deinen Henry kann es wirklich nicht geben, er wird, so wie Johanna für mich, immer dein erstes Kind bleiben.
Ich wünsche dir viel Kraft deine Trauer auszuhalten und hoffe sehr, dass bei dir nächstes Jahr wieder öfter die Sonne scheint
.
Sei gedrückt und liebe Grüße!
16.11.09 20:40
Danke Engelchenmama,
so ein Baby ist so ein Rieesentrost. Ich bin auch so glücklich, dass ich eine Maus schon habe. Sie hat mich so viel getröstet. Sie fragt mich allerdings auch immer noch nach dem Baby und es tut mir so leid, dass ich ihr kein Geschwisterchen schenken konnte.
Am 2. Advent wird Henry auf dem Totgeborenen-Friedhof beigesetzt. Ich habe schreckliche Angst, die Wunden wieder aufzureißen.
Wollt ihr noch ein Baby haben?
19.11.09 18:39
Hallo Jürchen.
wie alt ist denn deine "Maus"? Es ist bestimmt nicht leicht ihr zu erklären, wo der kleine Bruder ist, wenn man es selbst noch gar nicht richtig begriffen hat. Diese Vorstellung macht mich echt traurig...
Wir hatten für Johanna eine Sammelbeerdigung mit anderen Totgeborenen Babys gemacht. Allerdings war diese erst 2 Monate nach ihrem Tod. Ich fand es aber wichtig so eine Beerdigung gemacht zu haben- und wegen "alte Wunden aufreißen": ich finde, dass unsere Babys es verdient haben, dass wir richtig von ihnen Abschied nehmen, so als ob sie "richtig gelebt" haben, weil für uns haben sie das ja schließlich auch. Und natürlich wirst du weinen und sehr traurig sein, aber das ist ja völlig in Ordnung. Gehst du denn mit deinem Mann/ Partner alleine hin, oder kommen Eure Familien mit? Wir waren damals alleine dort, um den Augenblick mit unserer Tochter nochmal ganz für uns zu haben.
Wir werden auf jeden Fall noch eimal versuchen ein Geschwisterchen für unseren Kleinen zu bekommen. Aber das gehen wir ganz in Ruhe, frühestens in 1 1/2 Jahren an.
19.11.09 20:22
Hi,
meine Maus ist 2 1/2 und versteht schon recht viel. Sie hat mich gestern wieder nach dem Baby gefragt und hat mir was von den Sternen erzählt.
Insgeheim freue ich mich auf die Beisetzung, noch einmal mein Baby ganz nah und dann zu wissen, dass es in Frieden ruht. Mein Mann, ich und unsere Kleine gehen zusammen dahin. Ich hätte sie lieber woanders untergebracht, das lässt sich leider nicht anders regeln. Aber vielleicht auch gar nicht so schlecht, weil sie dann auch sieht, wo ihr Brüderchen ist. Wir machen das alleine, weil nur wir das Baby gesehen haben und ich nicht glaube, dass das Außenstehende so nachempfinden können. So kann ich auch besser meiner Trauer den Lauf lassen. Unser Sohn lebt in unseren Herzen weiter, alle anderen haben ihn bereits vergessen, weil sie ihn nie gekannt haben.
1 1/2 Jahre mit Geschwisterchen anfangen ist perfekt. Unsere Maus war 2 als wir es haben drauf ankommen lassen. Jetzt müssen wir erst einmal 3 Monate warten. Ich will unbedingt noch ein Baby, habe auch furchtbare Angst, dass es nicht wieder klappt, oder dass es wieder so ausgeht. Ich glaube allerdings, dass ich die Schwangerschaft psychisch noch nicht abgeschlossen habe. Es ist wirklich komisch nur scheinschwanger zu sein.
War es bei dir damals auch so?
22.11.09 10:22
Hallo,
ich fand es auch besser alleine zur Beisetzung zu gehen, die Familien und Freunde haben doch nicht ganz verstanden, was in uns vorgeht.
Scheinschwanger war ich glaub ich auch in der Hinsicht, dass ich ganz doll angefangen habe meinen Mann zu bemuttern und mir ständig Sorgen gemacht habe, wo er steckt und dass ihm auch etwas passieren könnte. Ich kann mir aber vorstellen, dass das auch mit den Hormonen zu tun hat, die der Körper nach einer Geburt freisetzt.
Ich war ja auch noch sehr krank und musste starke Medikamente nehmen, saß den ganzen Tag zu hause, weil ich über zwei Monate lang krank geschrieben war, so dass ich viel Zeit für Grübeleien und Sorgen hatte.
Lässt du es denn jetzt darauf ankommen, wieder schwanger zu werden?
23.11.09 08:36
Hallo,
ich warte erst einmal auf meine Regel. Nach zwei Zyklen werden wir nicht mehr verhüten. Aber bis dahin müssen wir noch etwas Geduld haben. Bis dahin habe ich auch mehr Zeit mit der alten Schwangerschaft abzuschließen.
Die Angst um meine Familie hatte ich auch schon. Noch einen Verlust würde ich nicht verkraften, aber wer kann das schon. Da ich nach 2 Wochen schon arbeiten gegangen bin, ist es für mich einfacher gewesen. Inzwischen kann ich das ziemlich gut verarbeiten und akzeptieren. Natürlich habe ich auch Momente, bei denen ich meinen Gefühlen freien Lauf gebe, aber die behalte ich momentan für mich. Die Zeit brauche ich auch, danach fühle ich mich besser. Mit meinem Mann spreche ich viel darüber.
Wie geht´s Paul?
Das muss jetzt das Glück pur sein.
23.11.09 10:42
Hallo,
Paul gehts gut, er kann schon krabbeln und zieht sich überall hoch. Leider schläft er nachts sehr schlecht. ABer das gibt sich bestimmt auch noch mit der Zeit. Ich schlafe ja schließlich auch nicht besonders gut.
Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich Paul behalten durfte, trotzdem denke ich jeden Tag an meine Kleine. Meistens überkommt mich die Trauer nachts, wenn ich nicht schlafen kann. Meine Psychologin meint ich muss tagsüber Raum finden um zu trauern, damit ich nachts besser schlafen kann. Deshalb werde ich demnächst versuchen auf den Friedhof zu gehen, das habe ich nämlich noch nicht gekonnt- ich finde die Vorstellung einfach schrecklich, dass mein Baby dort unter der Erde begraben ist.
Ich bin wirklich froh, dass ich Paul habe, ich wüsste nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich keine Kinder mehr kriegen könnte. Es war immer mein Wunsch Kinder zu haben.
Was machst du eigentlich mit deiner Tochter, wenn du arbeitest?
23.11.09 10:55
Hallo Engelchenmama,
nun schreibe ich auch mal. Ich hab lange überlegt, ob ich drüber schreiben soll. Habe bis jetzt immer nur beobachtet, was dieses Thema angeht. Aber es fällt mir leichter in einem Thema zu schreiben, was es schon gibt, als selber eines zu eröffnen. Desshalb erstmal mein voller Respekt, zudem berührt auch mich deine Geschichte sehr!!! Fühl dich gedrückt!!!
Jetzt zu meiner Geschichte:
Vor fast genau 5 Jahren, hab ich mein Kind im 3. Monat verloren. Durch Gewalt. Ich habe mich nie getraut die Person anzuzeigen, welche mir mein Kind genommen hat. Ich sage mir immer, dass er es irgendwann zurückbekommen wird..aber dann lass ich es doch. Oft wenn ich an Kindersachen vorbei gehe, denke ich mir jetzt wär sie schon 5 Jahre alt. Es ist verdammt hart. Es ist sogar möglich das ich keine Kinder mehr bekommen kann. Es wurde noch nicht offziel diagnostiziert..aber habe oft ohne Verhütung mit jemandem geschlafen, da der Kinderwunsch zu groß ist. Aber NIE..KEIN einziges Mal wurd ich schwanger. Ich hab zuviel Angst davor zum Arzt zu gehen.
Zu Deiner Aussage: *vergiss doch die Vergangenheit/Die haben doch alle keine Ahnung! * Haben sie auch nicht..Ich denke,man muss es erlebt haben...nur dann kann es WIRKLICH verstanden werden bzw nachempfunfen werden.
LG
23.11.09 11:12
Hallo Emotionales Chaos,
vielen Dank für deine Antwort. Es tut mir sehr leid für dich, der Hass auf denjenigen, der dir das angetan hat und dir das Liebste genommen hat muss sehr groß sein.
Aber deine Geschichte zeigt mir auch wieder, dass man so einen Verlust wirklich selbst erlebt haben muss, um zu verstehen was in uns Müttern vorgeht- die Zeit heilt eben doch nicht alle Wunden, wie alle Leute immer sagen.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du große Angst hast, zum Arzt zu gehen und untersuchen zu lassen, ob du noch weitere Kinder haben kannst. Ich wüsste nicht, was ich in deiner Situation machen würde und weiß daher nicht, was ich dir raten soll. Ich wünsche dir von Herzen, dass du gesund bist und wieder ein Kind haben wirst!
Lass dich drücken
und viele Grüße!
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