Jakob auf seinem schweren Weg

22.10.11  22:40

Hallo zusammen,

ich möchte euch von meinem tapferen Sohn Jakob erzählen und von seinem und unserem schweren Weg.

Jakob war unser drittes Kind. Geplant, geliebt und sehnlich erwartet. Schwangerschaft perfekt, Kinderzimmer gestaltet, Freude überall. Am errechneten Termin machte er sich dann auf den Weg. In der Klinik waren die Herztöne nicht so gut, deshalb entschied man sich für einen Kaiserschnitt. Prima Stimmung, der kleine Blickte übers Tuch, wir waren entzückt. Und dann ging alles ganz schnell. Herztöne weg, sie rannten mit dem Kleinen raus, mein Mann hinterher...Und ich auf dem OP-Tisch. Einsam, frierend, ängstlich-mein Kind! Wo ist mein Kind? Was ist nur los. Keiner kam zurück. Jakob wurde in die Kinderklinik gebracht. Ein Arzt kam später und erzählte etwas von schwerem Sauerstoffmangel, von Komplikationen, von einem sehr sehr kranken Kind...Die Welt stand Kopf, hielt den Atem an. Mein Mann fuhr mit in die Klinik. Es war 1 Uhr nachts. Ich wartete, wartete...Sechs Uhr morgens, keiner kam zurück.

Mein Kind ist tot, dachte ich. Die Hölle, dachte ich, dies ist die Hölle. Was wusste ich zu diesem zeitpunkt, nichts wusste ich, die Hölle würde drei Monate andauern.

Mein Mann kam schließlich, entkräftet. Jakob wurde in derselben Nacht dreimal reanimiert. Ich durfte am nächsten Tag zu ihm, er lag im künstlichen Koma, Kältetherapie, um das Hirn vor zu großem Schaden zu bewahren. Schläuche, Beatmungsmaschine, gefühlte tausend Nadeln in ihm drin, 18 Perfusoren (verschiedene Medikamente) in ihn hineinlaufen. Mein Kind...Die Ärzte schilderten uns den Ernst der Lage, man wisse nicht genau, komische Herzmuskulatur, tieferliegende Öhrchen, vielleicht Gendefekt...Die nächsten Tage und Wochen wie benommen. Immer wieder neue Erkenntnisse, Misserfolge, misslungener Extubationsversuch, erhöhte Entzündungswerte, Quälerei, vollständig sediert, gestochen, misshandelt...zu seinem Besten...Mein Mutterherz gebrochen. Verlegung in ein Herzzentrum mit Hubschrauber. Herzkatheter, MRT, einfach alles. Der pure Horror.

Nach fünf Wochen das Ergebnis der Chromosomenanalyse. Schwerer Chromosomenschaden am Chromosom 1, Häufigeit 1:10000. Schwere geistige und Körperliche Behinderung, falls er es schafft. mein Kind, so süß, so lieb, mir völlig vertrauend. Ich habe Angst vor dieser Aufgabe, doch wir werden es schaffen. Ich will ihn nur da raus holen. Ein zweiter Extubationsversuch klappt. Die Nahrung kann er nicht richtig verwerten und wird zunächst über die Vene ernährt. Als man das lässt, nimmt er wieder ab. Wir beschließen ihn schließlich nach Hause zu holen. Die Schwestern sprechen und Mut zu: Dies ist das Beste, sie wissen nicht, wie lange sie ihn haben...Eine Schwester muss weinen. ich habe Angst.

Nach zweieinhalb Monaten das erste Mal Zuhause, das erste Mal außerhalb einer Intensivstation. In meinem Gepäck, ein Koffer voller Magensonden, Spritzen, Medikamenten. Ich schaffe das irgendwie, denke ich, ich liebe meinen tapferen Kerl. Er fühlt sich so wohl, wir kuscheln und er blüht innerlich auf. Leider nur innerlich. Er nimmt weiter ab, erbricht andauernd die Nahrung. Ich versuche wirklich alles, die ambulante Pflege kommt ins Haus und hilft. Es nutzt nichts. Der Kinderarzt sagt: So geht es nicht weiter. Er müsste in die Klinik und künstlich ernährt werden, durch die Vene...Die Frage ist, mit welchem Ziel. Für eine OP sei er zu schwach. Oder, sie akzeptieren seine Entscheidung zu gehen...

Wir wollen ihn nichtmehr quälen, ich habe ihm immer versprochen, ich werde auf ihn hören. Es ist also soweit. Mein Mann und ich weinen (nicht zum ersten Mal) bitterlich. Und begleiten unseren Jungen, der immer weniger wird. Was für eine Qual. Wir haben es aus Liebe getan, aus tiefer Liebe für unser Kind. Und trotzdem verging nicht ein einziger Tag an dem ich darüber nachgedacht habe, ob ich etwas anders hätte machen können. Wir hegen und pflegen ihn, er wiegt kaum noch etwas und stellt die Nahrungsaufnahme gänzlich ein. Wir geben ihm Tee, befeuchten liebevoll seine Lippen. Es schmerzt so sehr, ich denke immer wieder, sei stark. Stark für dein Kind.

Am 17.10. um 11:07 Uhr schlief Jakob in meinem Arm für immer ein. Er sah mir dabei tief in die Augen, während ich ihm sagte, er solle keine Angst haben. Es war innig, voller Liebe und schmerzhaft zugleich.

Ich liebe dich Jakob! Du wirst immer bei uns sein. Deine Mama

Was sollen wir nur tun? Die Quälerei erneut, ohne Aussicht auf Erfolg?

m6aryxa

22.10.11  22:44

Der letzte Satz gehört in den Text.

m=ary~a

22.10.11  22:49

Oh man, es tut mir so unendlich leid für, für deine ganze Familie. Ich weiß nicht was ich schreiben soll, außer das es mir so unendlich leid tut, ws ihr da durch macht. Und keine tröstenden Wort dieser Welt können euch eure unendliche Schmerzen und eure unendlich Trauer nehmen. Deswegen schikce ich dir und deiner Familie ganz, ganz viele Kraftsternchen :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)*

Ruhe in Frieden, kleiner Jakob :)- :)- :)- :)- :)- :)-

K(lein ewaPldfexe

22.10.11  22:50

leid für dich

K|leCinewa1ldxfee

22.10.11  23:00

für Jakob :)- :)- :)- :)- :)- :)- :)- :)-

:)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)*

tut mir unendlich leid :°_ :)- :)*

s|chöneBFluYme

22.10.11  23:11

Ich habe beim Lesen geweint :°(

Eure Entscheidung, ihn "seinen Weg" gehen zu lassen war der größte Beweis Eurer Liebe! :)* Ich wünsche Euch weiterhin so unendlich viel Kraft, wie ihr sie in den letzten Monaten schon aufgebracht habt :)* . Jakob wird immer in Euren Herzen weiter leben - und die Erinnerung an ihn wird Euch irgendwann mehr mit Freude und Stolz erfüllen - und in ein paar Jahren siegt der Stolz und die Freunde über den Schmerz. Ich habe einmal gelesen, dass es nicht wichtig ist, wie lange ein Leben dauerte, sondern wie viel Liebe man empfangen hat. Und wie ich Eure Geschichte lese, fehlte es Jakob in keiner Hinsicht daran. Möge er als Stern immer in Euren Erinnerungen funkeln :)- :)- :)- :)- :)- :)-

ich mag den Ausspruch "Mein Beileid" persönlich nicht wirklich - ich hoffe, Du nimmst es mir nicht übel, dass ich das hier nicht sage - vielmehr nehme ich Euch aber von Herzen in den Arm und schweige eine Weile mit Euch :°_ :°_ :°_

S)teph-0Bountxy

22.10.11  23:15

steph-bounty

das hast du voll schön geschrieben @:) :)* :)-

Jakob :)* :)- :)* :)-

s=ch"öneBxlume

22.10.11  23:36

:°_ :°_ :°_ :°_ :°_ :°_ du hast das schön geschrieben, für euch :)* :)* :)* :)* und für jakob :)- :)- :)-

mGidni!ghtlaxdy41

22.10.11  23:57

liebe marya

ich bewundere eure entscheidung jakob seinen weg gehen zu lassen, und ihn nicht wieder in die klinik zu bringen. diese entscheidung war sehr schwer ,aber ihr habt getan was für ihn am besten war, um frieden zu finden. respekt!

mit seinem innigen letzten blick hat er euch dafür gedankt!

diese erinnerung wird nun euch den frieden bringen.

für euch ganz viele :)* :)* eurem kleinen engel geht es gut!

bDesa4x3

23.10.11  00:50

:°_ :°_ :°_

Ich habe zwei behinderte Kinder und habe sehr großen Respekt vor Euch!

Lg

M,anon4x3

23.10.11  00:51

Hallo marya

Ich möchte Euch mein Mitgefühl aussprechen.

Jakob ist seinen Weg gegangen. Auch wenn "Wir alle" und insbesondere Ihr als Eltern es nicht verstehen können. Es ist sein Weg. Wir können Ihn nicht aufhalten und nicht bremsen.

Ich wünsche Euch alles Gute und viel Kraft.

Liebe Grüße

Dankwart

d+ankkwarxt

23.10.11  07:19

:°_ :°_ :°_

du hast ja bei uns Juli-Mamas mitgeschrieben.Umso mehr schockt und schmerzt mich jetzt eure Geschichte...Unsere Amélie hatte ja auch den 21.7. als ET,kam aber schon am 15...wenn ich mir jetzt die Maus anschau und an euren tapferen kleinen Jakob denke,kommen mir die Tränen...ich wünsche euch die Kraft und Stärke,nach vorn zu schauen und mit Jakob im Herzen und in den Gedanken weiterzuleben...ich umarme euch einfach virtuell...

Für Jakob :)- :)- :)-

Für euch :)* :)* :)*

DYieSu^si_77

23.10.11  07:55

Oh Marya, das tut mir uneendlich leid. Ich hatte so gehofft, dass alle unsere Juli Babys gesund sind.

Ich wünsche dir und deiner Familie dass ihr irgendwie lernt mit diesem Schicksalsschlag weiter zu machen. Ich denke an Jakob und werde ihn nun auch in meinem Herzen tragen.

Mein herzliches Beileid.

S"chroedfinxe

23.10.11  08:30

Oh man,hab beim lesen geweint...mein tiefstes mitgefühl für euch :)-

Für Jakob :)- :)- :)-

F*lmederemauxs84

23.10.11  08:39

Das tut so unendlich gut. Tröstende Worte, die tragen einen ein Stück des Weges...

mSaryxa

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