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Wie habt ihr eine Fehlgeburt verarbeitet?

HOaustxorte hat die Diskussion gestartet


(Urspr. Titel: "Bin ich wirklich alleine?")


Einen wunderschönen Tag!

Ich habe zwei Fehlgeburten vor zwei Jahren in der zwölften Schwangerschaftswoche erlitten. Insgesamt habe ich jedoch drei Sternenkinder. Meine zweite Schwangerschaft war eine Zwillingsschwangerschaft. Ich wusste, dass nicht jede Schwangerschaft mit einem gesunden Kind enden wird, jedoch habe ich daran natürlich nicht gedacht als ich den ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt. So hat mich die Nachricht der Gynäkologin, dass das Herz des Kindes nicht mehr schlägt, knall hat getroffen. Alles ging Schlag auf Schlag. Ich musst ins Krankenhaus und das Kind/die Kinder wurden entfernt. Ich lag im Krankenhausbett und musste die ganze Zeit weinen. Nach ein paar Stunden kam der Arzt und sagte, dass bei der Operation alles gut gegangen ist, ich könne jetzt nach Hause gehen und muss zur Nachkontrolle noch einmal meine Gynäkologin aufsuchen. So, das war’s.

Es mag vielleicht für die Medizin normal sein, dass nicht jede Schwangerschaft mit einem gesunden Kind endet. Aber es ist auch normal, dass eine Fehlgeburt seelische Schmerzen, Traurigkeit, Hilflosigkeit und viele Fragen hinterlässt.

Durch die Reaktionen im Krankenhaus der Ärzte und die Reaktion der Gynäkologin, dass das alles Normal ist und keine große Sache ist, habe ich mir oft die Frage stellt:" Übertreibe ich, darf ich überhaupt traurig sein, geht es nur mir so?"

Seit nunmehr zwei Jahren beschäftige ich mich mit diesem Thema, habe viel Bücher gelesen und Internetseiten besucht. Durch meine Recherche habe ich herausgefunden, dass ein solches Erlebnis tiefe Wunden hinterlässt und dass meine Reaktion auch normal ist. Ich wollte danach eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern besuchen, jedoch musste ich hier wiederum feststellen, dass es in meiner Nähe keine Selbsthilfegruppe gibt.

Diese Tatsache hat meine Hoffnung "nicht alleine mit dem Schmerz zu sein" wieder zerbrochen.

Seit diesem Moment war für mich klar, dass ich etwas verändern möchte. Ich wünsche niemand nach einem solchen Erlebnis, dass die Traurigkeit, der tiefe Schmerz im Herzen und die Hoffnungslosigkeit nicht gewürdigt werden.

Aus diesem Grund möchte ich meine Masterarbeit, meinen Sternenkinder und Menschen widmen, die das selbe Schicksal erlitten hatten. Als ich meinen Vorschlag in Bezug auf diese Arbeit vorstellte, bekam ich von meiner Dozentin, einer Psychologin, die Antwort:" Sie werden feststellen, dass es keinen Handlungsbedarf in Bezug auf dieses Thema gibt."

Aus diesem Grund möchte ich euch fragen:

Stimmt das? Möchte sich niemand über dieses Thema austauschen? Konnte jeder dieses Erlebnis gut verarbeiten?

Antworten
W2ilCdkatter


Hallo :°_ Haustorte,

Ich kann mich in dich hineinversetzen. Die Frau vom Großcousin meiner Frau hatte auch Fehlgeburten, dann einen Sohn mit einem schweren Herzfehler der nach 3 Monaten verstorben ist.

Zum Glück haben sie jetzt einen vierjährigen Sohn.

Mir kommen jetzt beim Schreiben die Tränen.

:)_ *:) :)* @:)

HHaustMorte


Vielen Dank lieber Wildkater,

für deine netten und herz-zerührenen Worte. Ich hoffe, dass die Familie deines Großcousin's den Verlust gut verarbeiten konnte.

Liebe Grüße

Haustorte

H|oney+91_mitC_Min,i1x3


:)* mein Beileid zu deinen Sternchen.

Als mein Zwerg ging, war ich fix und fertig.

Das war im Juli 2015.

ich gehe seitdem regelmäßig zum Psychologen weil ich es einfach nicht verarbeiten kann. :(v

MSakkabxi


Nein, Du bist nicht allein. Du darfst traurig sein und auch weinen.

Meine Tochter ist mit einem Gendefekt geboren, und wird wohl geistig stark behindert sein. Ich kann mich sehr gut in dich hineinversetzen; insbesondere in die Frage, ob ich traurig sein darf. Mein Kind lebt ja schließlich. Darf ich erwarten, dass man auf mich Rücksicht nimmt? Ich denke ja das darfst Du, und auch ich.

Dennoch finde ich persönlich jene, die das als ganz normal hinstellen, und pragmatisch sehen am hilfreichsten (in meiner eigenen ganz spezifischen Situation).

T=heGhostisArxounxdYou


Hallo,

Nein, da hat sie bestimmt nicht Recht - das siehst Du ja auch daran, dass Du dazu viel im Internet bzw. auch Bücher gefunden hast und es Selbsthilfegruppen dazu gibt. Ich würde ihr mal eine Materialsammlung als Nachweis zusammenstellen (Links, Literaturliste, Selbsthilfegruppen...)

Ich kann mir gut vorstellen dass viele an dem Thema Interesse hätten - wie andere mit dem Schmerz und der Trauer umgegangen sind, wie das Umfeld reagiert hat, Unterschiede je nachdem wann man das Kind ca. verloren hat, Umgang mit der Kinderplanung ab dem Zeitpunkt, Rolle die die verlorenen Kinder im Alltag gedanklich spielen, etc.

Alles Gute @:)

u-pelxa


Ich bin überzeugt, dass viele an dem Thema Interesse haben. Die Frage, die die Dozentin beantworten muss, lautet aber: taugt das Thema für wissenschaftliche Bearbeitung? Was sind die Hypothesen, gibt es hier tatsächlich Wissenslücken im Psychologie(?)kanon? Die TE will ja nicht den nächsten Ratgeber verfassen, sondern eine eigenständige evidenzbasierte Forschungsarbeit.

MVaz!ikxeen


Es gibt viele offene Fragen und das Bedürfnis, sich auszutauschen!

Ich habe nicht umsonst nach dem Tod meines kleinen Sternchens meinen Blog angefangen.

Zur Verarbeitung und um anderen Sternchenmamis zu helfen!

N{ike mZoxê


Hallo Haustorte, ich bin wie Du betroffen, ich hatte auch drei Fehlgeburten, eine in der 11. Woche, eine in der 9. und eine in der 7. Ich musste leider auch die Erfahrung machen, dass weder Ärzte noch Umfeld viel Verständnis aufbringen konnten. Die Ärztin, die mich für die Narkose meiner zweiten Ausschabung vorbereitete, meinte nur: "Sind Sie jetzt etwa traurig?" Der Arzt, der mir sagte, dass auch das Herz meines dritten Kindes wieder nicht mehr schlägt, kommentierte: "Was wollen Sie denn? Sie sind einfach zu alt."

Bei mir kommt dazu, dass ich jetzt tatsächlich in einem Alter bin, wo es geradezu hoffnungslos ist, noch ein Kind zu bekommen und ich wohl mit der Kinderlosigkeit für den Rest meines Lebens klarkommen werde müssen. Auch ich hatte nach einer Selbsthilfegruppe, wie Du sie beschreibst, gesucht und keine gefunden :-(

Ich finde Dein Anliegen sehr gut!

LG, Nike

T.essa-vMarxie


Hallo Haustorte,

Ich habe vor zwei Wochen das selbe erlebt, man sagte mir bei einer Untersuchung im Krankenhaus das das Herz unseres Babys nicht mehr schlägt,ich war in der 13.ssw.10 Minuten später wurde mir erklärt wie die OP durgeführt wird,es war so schlimm das nur noch raus wollte.

Nach zwei Tagen bin ich in ein anderes Krankenhaus, ich wurde dann dort Stationär aufgenommen damit ich etwas zur Ruhe komme und schlafen konnte,dort haben sie sich richtig Zeit für mich und meine Familie genommen.

Ich Weine jeden Tag seit dem und alle sagen mir es ist ok,lass es alles raus.

Es ist ein langer Prozess, Du bist nicht alleine,höre auf deine Gefühle und alles was du tust ist richtig und normal, jeder trauert auf seiner Weise

Ich Wünsche dir und den anderen weiter hin viel kraft :)*

VwampHy7x7


Nein, du bist sicher nicht allein, unser drittes Kind hätte gestern geboren werden sollen....

Ich hab es leider auch verloren, was echt hart war, war die Reaktion der Ärztin im Krankenhaus "Sehen Sie, ist alles nochmal gut ausgegangen, da brauchen sie den Rummel mit der Abtreibung nicht zu machen." Auf meinen fassungslosen Blick erklärte sie mir dann " Ja, wer will denn schon das Kind von jemandem mit HIV austragen?" Ähm, Ich, genauso wie bei unseren beiden anderen wunderbaren Kindern?

Ich bin dann erstmal wie betäubt nach Hause, hab mich von meinem Mann in den Arm nehmen lassen und hab bis zum nächsten Morgen Rotz und Wasser geheult. Dann zu meiner Frauenärztin, die zum Glück deutlich verständnisvoller war und mich an eine ambulante Klinik verwiesen hat, die genauso großartig waren. Dieses Verständnis hat schon viel geholfen, genauso wie meine Familie, die wie immer fantastisch waren. Die Chance, traurig sein zu dürfen, nicht die harte sein zu müssen, hat mir due Chance gegeben, es zu verarbeiten.

S3aNi9k


Ich hatte 2015 2 Fehlgeburten jeweils in der 10. +11. ssw. Der Redebedarf darüber ist gross, es traut sich nur fast keiner, wenn nicht jemand den Anfang macht.

Erst als ich erneut schwanger wurde (und alles gut ging), konnte ich frei darüber reden ( ich fühlte mich geheilt).

Dabei stellte ich fest, wieviele Frauen dann tatsächlich betroffen waren, das aber auch für sich "abgehakt" hatten.

Dennoch tat es gut, nicht "allein" damit dazustehen, obwohl mir immer klar war, dass es wohl häufig vorkommen würde. Aber irgendwie denkt man immer, der Kelch würde an einem vorrübergehen.

Mein Folgewunder ist mitlerweile geboren und ich denke nicht mehr so oft daran und halte es für verarbeitet.

Dennoch habe ich häufig einen Kloß im Hals, wenn ich darüber lese oder rede.

Damit ist mir dann doch immer wieder bewusst, dass es mich wohl IMMER berühren wird....

Loady_}Fixre


Ich hatte im Mai 2016 in der 15. Woche eine Fehlgeburt nach einem Blasensprung. Das Herz von meinem Sternchen hatte bis zum Schluss geschlagen (es hat zwei Tage lang gekämpft :°( ). Man konnte nichts mehr machen, da der Sog des Fruchtwasserverlusts es mit nach unten gezogen hatte. Übermorgen wäre mein Sternchen ein Jahr alt geworden :)-, je näher der Tag rückt, desto mehr tut es immer noch weh, obwohl ich drei Monate später wieder schwanger war und mein kleiner Sohn jetzt ein halbes Jahr alt ist.

Ich habe in der gleichen Klinik entbunden und habe auch die Schwestern auf der Station besucht, die mich damals super betreut haben. Sie haben mich alle in den Arm genommen und sich so sehr über meinen Kleinen gefreut.

Während ich hier schreibe kommen mir schon wieder die Tränen, aber darüber reden hilft sehr.

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