Forum » Suchtprobleme »
14.01.12 17:37
Ich habe eine familiäre Disposition, da eins meiner Elternteile und ein Geschwisterchen trinkt. Gerade deswegen denke ich aber immer, ich hätte es unter Kontrolle. Zumal ich unter Alkohol ganz anders handele als meine Familienmitgliedern.
Ich habe aufgrund des Alkohols nie Exzesse gefeiert, nie die Kontrolle verloren, nie einen Filmriss. Ich benehme mich auch nicht daneben. Dennoch sprechen mich immer mehr Menschen darauf an, dass ich unnormal viel vertrage.
Gibt die Menge Aufschluss darüber, ob ich ein Alkoholproblem habe?
Ich trinke unter der Woche (zwischen Montag und Freitag) etwa drei bis viermal abends Alkohol. Manchmal aber auch einige Zeit lang nichts unter der Woche. Wenn ich unter der Woche trinke, dann ist dies meist etwa eine dreiviertel Flasche Wein.
Am Wochenende wird es meist mehr, da sind es meist jeden Abend (Freitag und Samstag) jeweils eine Flasche Wein. Wenn ich unterwegs bin, trinke ich meist etwa 5-10 Schnäpse und es geht mir dann noch gut. Erst ab mehr als 10 Schnäpsen beginne ich leicht zu lallen. Allerdings entgleite ich nie verbal oder körperlich. Ich laufe dann auch noch gerade. Es gibt einige Leute (vor allem Männer), die das erschreckend finden, da wir gemeinsam trinken und während sie schon nicht mehr können, bin ich noch fast normal.
Gestern habe ich eine halbe Flasche Rum getrunken, jetzt trinke ich die zweite Hälfte. Und ich frage mich, ob das bedenklich ist.
Und es wundert mich, dass ich mich das frage.
14.01.12 17:49
Dass du viel verträgst, muss nichts mit einem möglichen Alkoholproblem zu tun haben.
Die Menge ist jedoch viel, wenn ich es richtig verstehe, trinkst du normalerweise an 5 Tagen die Woche und in Summe ~4 Flaschen Wein und dazu noch Schnapps?
Gesund ist das auf keinen Fall und wird sich langfristig bemerkbar machen.
Ob eine Abhängigkeit besteht, kannst du ja selber ganz leicht feststellen. Verzichte von jetzt an einfach mal 4 Wochen auf Alkohol und beobachte dich, ob es dir fehlt.
14.01.12 18:12
Gibt die Menge Aufschluss darüber, ob ich ein Alkoholproblem habe?
In gewisser Weise, Ja!
Ich habe aufgrund des Alkohols...... nie die Kontrolle verloren, nie einen Filmriss. Ich benehme mich auch nicht daneben. .......entgleite..... nie verbal oder körperlich.
Nicht jeder verliert im alkoholisierten Zustand die Kontrolle. Ob einer aggressiv, lustig, enthemmt oder ruhig wird, ist vor allem eine Typfrage.
Ich trinke unter der Woche....drei bis viermal abends Alkohol..... meist etwa eine dreiviertel Flasche Wein........Am Wochenende wird es meist mehr, da sind es meist jeden Abend (Freitag und Samstag) jeweils eine Flasche Wein. Wenn ich unterwegs bin, trinke ich meist etwa 5-10 Schnäpse und es geht mir dann noch gut.
Was darauf hin deutet, dass du an Alkohol gewöhnt bist. Und dass ist extrem bedenklich.
Dennoch sprechen mich immer mehr Menschen darauf an, dass ich unnormal viel vertrage.....
Dass ist auch gut so. Du solltest dir dass sehr zu Herzen nehmen.
Gestern habe ich eine halbe Flasche Rum getrunken, jetzt trinke ich die zweite Hälfte. Und ich frage mich, ob das bedenklich ist.
Ja, es ist bedenklich. Du hast ein ganz massives Alkoholproblem. Bitte hohle dir so schnell wie möglich professionelle Hilfe. 
14.01.12 18:15
Danke für deine Antwort.
Um mal eine grobe Übersicht zu geben: Ich trinke pro Woche etwa 4 Flaschen Wein und dazu ab und an Schnaps. Du hast es richtig zusammengefasst.
Früher vertrug ich nur wenig, es hat sich dann gesteigert. Ich war schnell betrunken mit Erbrechen und all den Anzeichen eines Betrunkenseins.
Heute werde ich einfach ruhig. Es beruhigt mich, bringt mich zu mir selbst.
Seit einem Sommerfest im September mache ich mir allerdings diese Gedanken. Dort trank ich (ich weiß es noch genau, weil ich hinterher viel darüber nachgrübelte) etwa 12 Schnäpse und mehrere 0,5er Biere. Danach ging ich ohne zu schwanken und ohne zu lallen nach Hause. Ich hatte kaum Anzeichen einer Trunkenheit.
Als Resultat dieser Gedanken habe ich versucht, mal länger zu verzichten. Es gelingt mir ohne Probleme 24 Stunden und länger. Aber so am zweiten Tag kommt irgendwie ein Druck. Den kann ich noch durch Ablenkung beherrschen. Aber spätestens am dritten Tag "gönne" ich mir dann wieder Alkohol. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, nichts mehr zu trinken.
14.01.12 18:17
Meine Antwort ging an LilaLina. Deinen Beitrag, Equilizer, habe ich erst danach entdeckt.
14.01.12 18:24
ich muss da nicht lange nachdenken:
lies dir mal die definition von alkoholiker durch, da gibt es viele formen. sobald jedoch alkohol in gewisser regelmässigkeit konsumiert wird, könnte man von alkoholismus sprechen. und ich finde, du trinkst viel. und zu oft. von montag bis freitag sind 5 tage - davon, schreibst du, trinkst du an 3-4 tagen. am wochenende sowieso. also hast du, so wie ich das verstehe, maximal 1-2 tage in der woche, an denen du nicht trinkst. und dann fragst du, ob ein alkoholproblem besteht? 
14.01.12 18:24
Es beruhigt mich, bringt mich zu mir selbst.
Hallo Abconditus,
dieser Satz zeigt, dass du ein Problem mit Alkohol hast. Wenn du dich mit Alk mehr als du selber fühlst als ohne, dann besteht eine psychische Abhängigkeit. Auch dass du dir nicht vortsellen kannst, nicht zu trinken deutet darauf hin. Körperlichen Entzug hast du (noch) nicht, aber du bist auf dem besten Weg dahin.
Hol dir am besten propfessionelle Hilfe
LG
Susanne
14.01.12 18:25
Hallo absconditus,
selbst, wenn Du eine gewisse Zeit ohne Alkohol auskämst, finde ich die Mengen, die Du trinkst bedenklich. Vor allem die (Nicht)Gründe, die Du anführst, weshalb Du trinkst.
Wenn ich Dich richtig verstehe, trinkst Du unter der Woche (und z.B. heute und gestern den Rum) alleine? Also schonmal nicht wegen der geselligen Runde, die Dich mitzieht.
Es beruhigt mich, bringt mich zu mir selbst.
Der Alkohol erfüllt also für Dich einen Zweck, weit über den Geselligkeitsstatus hinaus. Genau DARIN liegt die größte Gefahr. Der Alkohol wird hier schon missbraucht, um einen Effekt zu erzielen. Je mehr Du trinkst, umso höher wird die Schwelle liegen, diesen Effekt zu erreichen, also trinkst Du mehr (ohne, dass Du dabei so richtig betrunken wirst). Was glaubst Du, wo diese Spirale hinführt?
Du magst Dich beruhigt fühlen vom Alk, aber er führt Dich nicht zu Dir selbst. Er wird Dich – im Gegenteil – ganz weit weg von Dir selbst führen.
Eine Frage: WARUM möchtest Du ruhiger werden, als Du ohne Alkohol bist? WAS möchtest Du damit "wegmachen"? (die Frage ist eher für Dich selbst, ich brauche die Antwort nicht wissen)
Dennoch sprechen mich immer mehr Menschen darauf an, dass ich unnormal viel vertrage.
Das solltest Du sehr ernst nehmen. Ich finde es toll, DASS Dich die Leute darauf ansprechen. Es ist für diese sicher auch nicht immer leicht. So bist Du immerhin ins Nachdenken gekommen und hast diesen Faden hier eröffnet.
24 Stunden und länger. Aber so am zweiten Tag kommt irgendwie ein Druck. Den kann ich noch durch Ablenkung beherrschen. Aber spätestens am dritten Tag "gönne" ich mir dann wieder Alkohol. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, nichts mehr zu trinken.
Du bist schon 'mittendrin statt nur dabei'. Leider. Tu Dir selbst etwas Gutes und denke mal über externe Hilfsangebote nach. Viele warten, bis sie alles verloren haben. Glaub mir, das geht schneller, als man denkt. Wär schön, wenn Du vorher handelst! 
14.01.12 18:28
also hast du, so wie ich das verstehe, maximal 1-2 tage in der woche, an denen du nicht trinkst. und dann fragst du, ob ein alkoholproblem besteht?
Ja. Manchmal auch drei Tage nicht. Aber manchmal eben auch jeden Tag.
Wenn du dich mit Alk mehr als du selber fühlst als ohne, dann besteht eine psychische Abhängigkeit. Auch dass du dir nicht vortsellen kannst, nicht zu trinken deutet darauf hin. Körperlichen Entzug hast du (noch) nicht, aber du bist auf dem besten Weg dahin.
Hol dir am besten propfessionelle Hilfe
Psychisch bin ich abhängig, das denke ich auch. Allerdings denke ich immer, dass das nicht schlimm ist. Aber ich habe Angst, dass ich irgendwann körperlich abhängig bin. Das gliche einem Kontrollverlust (dabei hatte ich den wohl schon)
14.01.12 18:32
Allerdings denke ich immer, dass das nicht schlimm ist. Aber ich habe Angst, dass ich irgendwann körperlich abhängig bin. Das gliche einem Kontrollverlust (dabei hatte ich den wohl schon)
Das ist trügerisch – hast du dich mal in eltzter Zeit beim Arzt detailliert durchchecken lassen? 4-5 Flaschen Wein plus Schnapps in der Woche gehen auch physisch nicht spurenlos am Körper vorbei und früher oder später wirst du dafür Rechnung tragen.
Zwei Tage verzichten zu können ist nichts – versuch es mal vier Wochen.
Warum trinkst du überhaupt alleine unter der Woche oder jetzt z.B.? Um zu dir selbst zu finden? Wegen des Geshcmacks?
Ich meine keine Feste oder Kneipenrunden, bei denen man in Gesellschaft trinkt.
14.01.12 18:33
Danke für deine lange Antwort.
Wenn ich Dich richtig verstehe, trinkst Du unter der Woche (und z.B. heute und gestern den Rum) alleine? Also schonmal nicht wegen der geselligen Runde, die Dich mitzieht.
Ich trinke äußerst selten mit anderen. Weil ich mich dann unterhalten muss, gesellig sein muss. Zuhause ist es viel einfacher.
Der Alkohol erfüllt also für Dich einen Zweck, weit über den Geselligkeitsstatus hinaus. Genau DARIN liegt die größte Gefahr. Der Alkohol wird hier schon missbraucht, um einen Effekt zu erzielen. Je mehr Du trinkst, umso höher wird die Schwelle liegen, diesen Effekt zu erreichen, also trinkst Du mehr (ohne, dass Du dabei so richtig betrunken wirst).
Anfangs brauchte ich das Trinken um mich wohlzufühlen und ausgeglichen zu sein. Es war ein Ventil. Mittlerweile merke ich aber, dass dieser Effekt nicht mehr auftritt, egal wieviel ich trinke.
Was glaubst Du, wo diese Spirale hinführt?
Du magst Dich beruhigt fühlen vom Alk, aber er führt Dich nicht zu Dir selbst. Er wird Dich – im Gegenteil – ganz weit weg von Dir selbst führen.
Ich habe mich irgendwie verloren und anfangs habe ich mich durch den Alk wiedergefunden.
Eine Frage: WARUM möchtest Du ruhiger werden, als Du ohne Alkohol bist? WAS möchtest Du damit "wegmachen"? (die Frage ist eher für Dich selbst, ich brauche die Antwort nicht wissen)
Ich denke darüber nach. Eigentlich möchte ich mich spüren.
Das solltest Du sehr ernst nehmen. Ich finde es toll, DASS Dich die Leute darauf ansprechen. Es ist für diese sicher auch nicht immer leicht. So bist Du immerhin ins Nachdenken gekommen und hast diesen Faden hier eröffnet.
Sie haben es alle als Witz formuliert. Aber ich hatte schon das Gefühl, dass Ernst dahinter steckt.
Du bist schon 'mittendrin statt nur dabei'. Leider. Tu Dir selbst etwas Gutes und denke mal über externe Hilfsangebote nach. Viele warten, bis sie alles verloren haben. Glaub mir, das geht schneller, als man denkt. Wär schön, wenn Du vorher handelst!
Ich denke darüber nach. Aber irgendwie ist in meinem Kopf dieses Denken: Die Alkoholiker, die ich kenne, sind ganz anders als ich. Sie funktionieren nicht mehr. Ich funktioniere ja noch, niemand merkt etwas außer die Leute, mit denen ich trinke und bei denen ich dann mehr vertrage. Ein Großteil aller Leute weiß gar nicht, dass ich trinke.
14.01.12 18:37
Nein, leider nicht, es gibt sehr viele Alkoholiker, die auf der Abeit super funktionieren, zuhause aber direkt trinken müssen. Teilweise merkt man das denen auch nicht an, wenn die noch nicht so "verlebt" im Gesicht aussehen.
Es gelingt mir ohne Probleme 24 Stunden und länger. Aber so am zweiten Tag kommt irgendwie ein Druck. Den kann ich noch durch Ablenkung beherrschen. Aber spätestens am dritten Tag "gönne" ich mir dann wieder Alkohol. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, nichts mehr zu trinken.
Das ist auf jeden Fall ein Alarmzeichen.
Besonders
Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, nichts mehr zu trinken.
Gibt es bei euch eine Frauenberatungsstelle? Die erste Sitzung ist bei uns kostenslos, da können die Psychologinnen vielleicht mit Dir überlegen, wie Du am besten deine Probleme in den Griff bekommst und wohin genau Du Dich wenden solltest.
"Nur" eine Selbsthilfegruppe ist vielleicht zuwenig, weil Du ja gerade ganz am Anfang dieses Weges stehst.
14.01.12 18:37
Die Alkoholiker, die ich kenne, sind ganz anders als ich. Sie funktionieren nicht mehr. Ich funktioniere ja noch, niemand merkt etwas außer die Leute, mit denen ich trinke und bei denen ich dann mehr vertrage. Ein Großteil aller Leute weiß gar nicht, dass ich trinke.
Und du meinst, so lange du nicht so abhängig bist wie die, bist du es gar nicht? Jeder fängt mal "klein" an.
14.01.12 18:44
Psychisch bin ich abhängig, das denke ich auch. Allerdings denke ich immer, dass das nicht schlimm ist.
Genau DA liegt jedoch die größte Gefahr. Schau Dir mal alle möglichen Formen von Süchten an. Der körperliche Entzug ist schnell gemacht (um es salopp zu sagen ... er ist natürlich trotzdem teilweise hammerhart). Was es so schwer macht, das Suchtmittel loszulassen, ist die psychische Abhängigkeit. Sie drängt zu Rückfällen, wenn der Körper schon lange akzeptiert hat, dass der Stoff nicht mehr kommt. Schau Dir nichtstoffgebundene Süchte (Spielsucht, Sexsucht etc.) an. Es ist die psychische Abhängigkeit, die es zu überwinden gilt.
Ich habe mich irgendwie verloren und anfangs habe ich mich durch den Alk wiedergefunden.
Das finde ich eine sehr wichtige Erkenntnis. Keine schöne. Aber eine wichtige.
Um Dich wieder zu finden – oder neu zu erfinden
– brauchst Du einen klaren Kopf und die Freiheit, dies auch tun zu können. Das geht nicht mit einer Abhängigkeit.
Eigentlich möchte ich mich spüren.
Das ist schon ohne Alk eine sehr schwere Aufgabe. Mit unmöglich.
Sie haben es alle als Witz formuliert. Aber ich hatte schon das Gefühl, dass Ernst dahinter steckt.
Vieles, was sehr schwer auszusprechen ist und wo eine gewisse Scheu vorliegt, wird als Witz verkleidet. Der Wahrheitsgehalt ist deshalb nicht geringer.
Die Alkoholiker, die ich kenne, sind ganz anders als ich. Sie funktionieren nicht mehr. Ich funktioniere ja noch, niemand merkt etwas außer die Leute, mit denen ich trinke und bei denen ich dann mehr vertrage. Ein Großteil aller Leute weiß gar nicht, dass ich trinke.
Du wirst Dich so lange verstecken, wie Du kannst. Es wird jedoch eine Zeit kommen, wo Du die Zeichen nicht mehr leugnen kannst. Wenn Du selbst noch glaubst, unentdeckt zu sein, werden es schon lange alle wissen.
Und davon unabhängig hilft es Dir nicht, dass andere Leute es nicht wissen. Im Gegenteil. Je länger das Versteckspiel geht, umso mehr kaputt und ähnlich den "anderen" Alkoholikern wirst Du sein. Möchtest Du wirklich darauf warten?
Stichworte:
EIGENverantwortung (wahrnehmen), EIGENliebe (wieder-finden), sich spüren (lernen)
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