Bruder hat Alkoholproblem, wie kann ich helfen?

22.01.12  12:12

Hallo!

Ich hoffe ihr könnt mir helfen. Ich war schon längere Zeit der Meinung, dass mein Bruder einfach zu oft Alkohol trinkt. In den letzten Wochen und Monaten habe ich das ganze etwas genauer beobachtet und habe letztendlich seine Frau (mit der ich mich sehr gut verstehe) darauf angesprochen. Sie hat meine Vermutung dann bestätigt: er hat ein Alkoholproblem. Es gibte keinen Tag, an dem er garnichts trinkt. Selbst, wenn er krank im Bett liegt, holt er sich ein Bier oder gibt Rum in den Tee. Meine Schwägerin ist selbst schon verzweifelt und wollte sich an mich wenden. Sie stößt bei ihm auf Granit, wenn sie ihn darauf anspricht. Er will das einfach nicht einsehen und es kommt zwischen ihnen dann höchstens zu Streit. Mittlerweile redet sie ihn schon garnicht mehr darauf an, weil sie darin keinen Sinn sieht und Angst hat, ihn dadurch zu verlieren.

Ich weiß, dass ihm meine Meinung immer wichtig war und ich ihn ganz gut damit beeinflussen kann. Ich kann das alles nicht so hinnehmen und muss was unternehmen. Ich muss irgendwie die Möglichkeit für ein vernünftiges Gespräch suchen.

Aber nun meine Frage: wie gehe ich das ganze an ??? Er will es ja offenbar nicht glauben! Was sage ich am besten, damit er einsichtig wird und sich helfen lässt? Ich will nicht, dass der Schuß nach hinten losgeht!

Bin echt ratlos. :°(

t<igrexsse

22.01.12  12:54

Zu der Zeit, als ich noch Alkohol trank, war ich vernünftigen Argumenten nicht zugänglich. Und das, obwohl ich selbst merkte, wie schlecht es mir in allen Lebensbereichen ging.

Am ehesten aufrütteln können noch Schlüsselerlebnisse, die wie ein Schuss vor den Bug sind und einen kurzfristig zur Abstinenz motivieren. Dann ist die beste Zeit für Gespräche, weil der Betroffene zuhört, versteht und die Tipps für sich verwerten kann. So zumindest war es bei mir.

Solange er noch trinkt, wird er sein Verhalten wohl kaum einsehen und daraus die richtigen Schlussfolgerungen ziehen können. Da sind manchmal die engsten Verwandten überfordert.

Trotzdem: Ein Gespräch kann auch dieser akuten Situation nicht schaden. Du musst dich eben nur darauf gefasst machen, dass er – mangels weiterer Impulse – sein Verhalten beibehält.

:)* @:)

VwulkaVnierx64

22.01.12  12:58

Hallo tigresse *:)

. Ich war schon längere Zeit der Meinung, dass mein Bruder einfach zu oft Alkohol trinkt. In den letzten Wochen und Monaten habe ich das ganze etwas genauer beobachtet

Was genau hast Du beobachtet und wie oft? Erlebst Du ihn ständig betrunken und wie häufig siehst Du ihn um das tatsächlich beurteilen zu können?

Ich muss irgendwie die Möglichkeit für ein vernünftiges Gespräch suchen.

Grundsätzlich würde ich Dir raten, ihn ganz offen darauf anzusprechen, seine Reaktion siehst Du ja dann.

Was sage ich am besten, damit er einsichtig wird und sich helfen lässt?

Ob er wirklich Hilfe benötigt ergibt sich dann auch evenbtuell aus so einem Gespräch.

Mwiroxs

22.01.12  19:19

Was genau hast Du beobachtet und wie oft?

Ich kann mich eigentlich nicht daran erinnern, wann wir das letzte mal beisammen waren und er keinen Alkohol getrunken hat. Und immer wenn ich ihn treffe und begrüße, merke ich, dass er nach Alk riecht. Wir sehen uns ca. alle 2 Wochen. Ich weiß aber von seiner Frau, dass er täglich Alkohol trinkt.

So richtig bewusst geworden ist es mir vor kurzem, als ich bei ihnen zu Hause war und er sagte, es gehe ihm nicht gut. Er war verkühlt und müde und legte sich aufs Sofa. Als ich mich später verabschiedete, sah ich, dass er neben sich schon wieder ein Bier stehen hatte. Wenn ich krank bin, dann ist mir doch nicht nach Bier oder?

Er ist nicht oft richtig betrunken. und wenn er mal mehr trinkt, dann geht es ihm am nächsten Tag auch nicht schlecht. Er ist fit und verzichtet auch an diesem Tag dann nicht auf sein Bier. Aber er findet es eben normal, dass man täglich nach der Arbeit eben ein Bier trinkt.

Seine eigene Frau schafft es nicht, ihn zur Vernunft zu bringen. Und das, obwohl sie bald ihr erstes Baby bekommen. Das macht mich so traurig :°(

Und nun weiß ich nicht, wie ich am besten auf ihn zugehen soll.

trigreCssxe

22.01.12  20:36

Wenn ich etwas wichtiges mit meiner Schwester bespreche, dann verschaffen wir uns zuerst die richtige Athmosphäre, das heisst wir machen etwas gemeinsam, etwas was wir nicht so oft oder schon seid langem nicht mehr gemeinsam gemacht haben z.B in ein besonderen Restaurant essen oder wir gehen spazieren, shoppen oder in ein ruhiges Cafe und dann reden wir erstmal belangloses. Es geht darum sich zu öffnen, in dem eine gelöste positive gemeinsame Situation erzeugt wird, quasi wie zu vergangenen Kindheitstagen. Ich würde Ihn nur darauf ansprechen wie es Ihm seelisch geht und zunächst gar nicht über sein Alkoholproblem reden. Nur wenn er selbst darauf kommt, was sicherlich nicht passieren wird. Zeige zunächst Verständnis für Ihn und lass erstmal ein paar Tage vergehen. Dann melde dich wieder und sprich mit ihm konkret.

In Deinem Fall gibt es sicherlich einen psych Grund, warum dein Bruder trinkt, obwohl er eigentlich weiss, das es nicht gut ist für Ihn ist.

Stan

STtan/6x4

23.01.12  15:58

Danke schonmal für deine Antwort. Das alles wird etwas schwierig werden. Wir machen eigentlich nie wirklich was zu zweit. Da wir beide einen Partner haben, machen wir eigentlich immer was zu viert. Ich weiß noch nicht wirklich, wie ich eine geeignete Atmosphäre schaffen soll. Und wenn ich sagen, ich muss mal mit ihm reden, dann wird er sich schon etwas stutzig werden.

Er wird bestimmt nicht auf den Alkohol zu sprechen kommen, da er ja offenbar kein Problem darin sieht! Für ihn ist es normal, täglich ein Bier zu trinken. Ich glaube, er weiß garnicht, wie es ihm geht, wenn er mal einen Tag nichts trinkt!

Grundsätzlich würde ich Dir raten, ihn ganz offen darauf anzusprechen

Ich glaube, mir wird nichts anderes überbleiben, als ihn damit zu konfrontieren!

tni}grnessxe

23.01.12  17:37

Für ihn ist es normal, täglich ein Bier zu trinken.

Sicher, das ist bereits Gewohnheitstrinken. Aber muss man dies gleich als "Alkoholproblem" bezeichnen, wenn es pro Tag bei einem Bier bleibt?

In meinem ersten Beitrag bin ich nämlich davon ausgegangen, dass er erheblich mehr Alkohol konsumiert bzw. öfters betrunken ist.

Ein tägliches Bier hingegen ist für einen gesunden Mann, der nicht alkoholkrank ist, noch klar innerhalb des Limits der WHO.

@:)

V^ulkanAierx64

23.01.12  17:57

Manchmal bleibt es nur bei einem Bier. Manchmal trinkt er ziemlich viel und ist trotzdem nicht "richtig betrunken", also nicht so, dass er ausfällig werden würde oder so. Er weiß, dass es seine Frau stört und er ändert trotzdem nicht. Entweder er geht nach der Arbeit noch kurz in eine Kneipe und trinkt was, oder er fährt direkt heim und trinkt dann dort was. Auf ihre Aufforderung hin, mal einen Tag nichts zu trinken meinte er nur "Klar, schaff ich das", aber gemacht hat er es nicht.

Da er weiß, dass es andere (seine Frau, die Eltern) stört, glaubt er, er könne es verbergen indem er Rum in den Tee schüttet oder irgendwas in den Orangensaft. Er hat definitiv ein Problem.

tGig}r8essxe

24.01.12  08:27

Da er weiß, dass es andere (seine Frau, die Eltern) stört, glaubt er, er könne es verbergen indem er Rum in den Tee schüttet oder irgendwas in den Orangensaft.

Wenn er versucht heimlich zu trinken, denke ich auch das er ein Problem hat! Hast du denn mal überlegt, ihn direkt darauf anzusprechen?

Er wird es auch dann sehr wahrscheinlich nicht zugeben, aber zumindest siehst du seine Reaktion.

Du könntest dich auch mal mit deiner Schwägerin zusammen setzen. Wichtig ist für euch zu erkennen, dass alles verbieten nichts bringt, sollte dein Bruder tatsächlich abhängig sein. Er wird dann nur noch mehr versuchen, heimlich zu trinken.

MUiroxs

24.01.12  14:00

Er weiß, dass es seine Frau stört und er ändert es trotzdem nicht.

tigresse, was stört seine Frau denn im einzelnen? Du selbst hattest den Eindruck einer Alkoholfahne und schriebst, dass ein Baby unterwegs ist. Für ein Gespräch sind das wichtige Themen, die zur Selbstreflektion beitragen können.

Ich habe eingangs von einem notwendigen Schlüsselerlebnis gesprochen, dass einen Trinker aufrüttelt und empfänglicher für Tipps und Argumente macht. :)-

So gesehen ist doch die Ankunft des Babys ein Meilenstein, ein einzigartiges Ereignis, dass sicher auch ihn nicht kaltlässt. Ich glaube auch, dass es wie geschaffen ist, über Dinge zu reden, die sich mit der Geburt im Leben deines Bruders ändern werden. :-@ :-)

VPulkani#er64

24.01.12  16:23

Danke schonmal, dass ihr euch Gedanken über mein Problem macht!

was stört seine Frau denn im einzelnen

Also es stört sie allein die Tatsache, dass er täglich was trinkt. Dass er oft zu viel trinkt und sie ihn dann nachts abholen muss. Dass er sich dadurch auch verändert hat. Sie unternehmen nicht mehr so viel miteinader. Es stört sie, dass er es nicht einsieht und es zum Streit kommt, wenn sie ihn darauf anspricht. Sie macht sich eben auch Sorgen wegen einer Abhängigkeit. Sie möchte nicht, dass ihr Kind einen Alkoholiker zum Vater hat. Aber sie liebt ihn halt. Er ist ja ein feiner Kerl und hat keinen schlechten Charakter. Ansonsten läuft ihre Ehe (sie sind noch nicht mal ein Jahr verheiratet) sehr gut, weil sie sich sehr gut verstehen.

Er freut sich wahnsinnig auf das Baby. Es war das absolute Wunschkind. Mein Freund meint, ich solle vielleicht mal abwarten, ob es mit dem Baby anders wird. Aber ich denke mir, warum sollte es anders werden? Wenn der Körper das Verlangen hat, warum sollte er dann nicht nachgeben? Ich könnte mir vorstellen, dass er dann weniger in Kneipen geht. Aber warum sich nicht ein Bier aufmachen, wenn das Baby dann schon schläft? Ich meine, so eine Sucht verschwindet doch nicht einfach oder?

Wenn ich ihn mal anspreche, dann werde ich ohnehin mit dem Thema Baby kommen.

Mein Freund meinte, ich soll ihn nicht so direkt ansprechen, dass er glaubt, ich sehe in ihm den absoluten Alkoholiker. Wahrscheinlich hat er damit recht, denn dann fühlt er sich ja nur angegriffen. Vielleicht ist es besser, ihm einfach zu sagen, was mir aufgefallen ist und dass ich mir Sorgen mache?!

tWigrSessxe

24.01.12  16:56

Aber warum sich nicht ein Bier aufmachen, wenn das Baby dann schon schläft?

;-D Sehr treffendes Beispiel, wie ich finde. Da kehrt dann schnell wieder der "Alltag" ein. Und ich glaube, es ist in seinem Fall weniger das körperliche Verlangen, sondern Hirnsache: Alkohol als Belohnung für den Tag. Ein Ritual, das sehr hartnäckig sein kann.

V@ultkanieer64

24.01.12  17:09

Wenn es wirklich schon in Richtung Abhängigkeit geht, dann hilft aber nur strikter entzug oder? Sowas vergeht ja nicht einfach wieder.

tGigqresjse

24.01.12  17:23

Es stört sie, dass er es nicht einsieht und es zum Streit kommt, wenn sie ihn darauf anspricht. Sie macht sich eben auch Sorgen wegen einer Abhängigkeit.

Es bringt keiner Seite etwas ständig darüber zu streiten. :-/ Eine schwierige Situation für deine Schwägerin, grade jetzt in der Schwangerschaft, damit tut sie sich und dem Kind keinen Gefallen. Aber erwartet sie tatsächlich das dein Bruder sofort zugibt das er den Alkohol braucht? In diesem, aus deiner Schilderung zu schließendem, frühen Stadium? Das wird er nicht tun, wenn er tatsächlich abhängig sein sollte, weiß er es vielleicht selbst noch nicht. Das ist ein Weg der dahin führt....

Ich bin Tochter einer alkoholabhängigen Mutter. Als mein Vater und ich bemerkten das meine Mutter trinkt, war ich 18 Jahre alt.

Was damals eine Veränderung brachte war, dass wir ihr sagten, sie brauche nicht heimlich zu trinken, wir wüssten es und sie könnte es auch ganz offen tun. Könnte das eine Möglichkeit für deine Schwägerin sein, wenn dein Bruder sich noch einmal heimlich etwas in den Tee schüttet?

Mein Freund meinte, ich soll ihn nicht so direkt ansprechen

Doch, ich denke es ist ganz wichtig ihn offen darauf anzusprechen. Du musst nur schauen das du für dich sprichst und nicht für deine Schwägerin. Wenn das eh schon ein Reizthema für deinen Bruder ist.

Mxiroxs

24.01.12  17:28

Wenn es wirklich schon in Richtung Abhängigkeit geht, dann hilft aber nur strikter entzug oder?

Ohne fremde Hilfe schafft er es ganz bestimmt nicht!

M*iros

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