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Ab wann hat man den Kopf frei für eine neue Beziehung?

fQlorxe99 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

Mein Freund und ich sind ein Jahr zusammen. Wir beide sind 50 Jahre alt. Er hat seine Frau vor einem Jahr durch Krebs verloren . Trotzdem wir uns lieben hat er den Kopf nicht frei für mich. Noch immer spricht er wie Sie, denkt wie Sie. Je öfter wir zusammen sind, um so mehr fühle ich mich allein. Wenn ich Ihn darauf anspreche sagt er sein Kopf sei noch nicht frei. Für mich der seit 4 Jahren geschieden ist und Zuwendung braucht, wird es immer schwieriger so weiter zu verbleiben. Ab wann ist die Trauer um einen Partner abgeschlossen und ab wann kann man Zuneigung für einen Neubeginn haben? Er ist die Beziehung mit mir eingegangen, kann ich darauf warten daß es besser wird, sollen wir uns trennen bis er den Kopf frei hat, ich meine ich bin seine zweite Frau und auch er macht zum ersten mal Trauer durch!

Ich wäre fur guten Rat sehr dankbar!

Antworten
Ytvonn\e22


Hallo flore,

ich möchte dir Mut machen, deinen Freund nicht zu verlassen.

Ich habe vor einem Jahr meinen Freund durch einen Verkehrsunfall verloren und seit einiger Zeit habe ich nun wieder einen neuen Freund, sprich ich kann mich einigermaßen in die Situatuion deines Freundes versetzen, auch wenn ich jünger bin und mit meinem verstorbenen Freund "nur" 3 Jahre zusammen war, vermutlich war dein Freund wesentlich länger mit seiner Frau zusammen.

Vielleicht hilft es dir, wenn ich dir schreibe, wie meine Gefühle, mein Kopf und mein Herz mit dem Gedanken umgehen, zwei Menschen zu lieben. Denn das gehört nun einmal dazu, wenn man sich nicht freiwillig trennt, dass man den anderen weiter liebt, es aber trotzdem möglich ist, einen anderen Menschen auf ähnliche Weise zu lieben.

Mein Kopf ist auch noch nicht immer frei, ich kann nicht behaupten, dass ich in Gedanken immer nur bei meinem jetztigen Freund bin, auch sehne ich mich manchmal einfach nach meinem vorigen Freund, Gewissensbisse gibt es auch in beide Richtungen, einmal, weil ich nicht voll und ganz bei meinem jetztigen Freund bin, dann aber auch, weil ich ein Gefühl des Betrügens meinem verstorbenen Freund gegenüber habe. Vielleicht hat dein Freund auch noch solche Gedanken, vielleicht möchte er dies dir nicht sagen und du hast deshalb das Gefühl, es stünde etwas zwischen euch.

Doch es gibt Hoffnung, meine Gefühlswelt wandelt sich nämlich mit der Zeit, der Verstorbene wird zu einem Art Engel, einem sehr guten Freund, einem Seelenverwandten, einem, dem man nach dem Tod gerne wieder sehen möchte, der aber auf einer Stufe mit meinem jetzigen Freund steht, nicht mehr weit über ihm.

Mein neuer Freund wird mehr und mehr zu meinem Partner in diesem Leben, meinem Seelenverwandten im hier und jetzt, ich kann mich immer besser auf ihn einlassen, ohne den Verstorbenen zu vergessen oder weniger liebevoll in Erinnerung zu behalten.

Ich denke, es wird immer mehr so, wie wenn eine Mutter ihre Kinder liebt, mit jedem Kind wird die Liebe mehr und nicht weniger, Liebe kann man aufteilen, ohne sie zu verlieren.

Aber dieses ganze Erkennen und das Abnarbeln von gewohnten Verhaltensweisen, die sich über Jahre entwickelt haben, dauert.

Dennoch glaube ich, dass dein Freund diesen Weg zu dir hin und von der Vergangenheit wie sie war weg schon begonnen hat, sonst hätte er sich nicht auf dich eingelassen.

Wenn du allerdings gar nicht mehr kannst, wenn der graue Bereich übr den ihr vllt nicht sprecht und der euch von einander trennt größer wird, wenn du dich zu sehr unwohl fühlst, dann musst du eine Entscheidung treffen, die allein dir gut tut, denn letztlich ist es dein Leben und du musst dich in einer Beziehung, trotz allem Verständniss für den anderen, zu Hause fühlen.

Vielleicht konnte ich dir etwas helfen deinen Freund besser zu verstehen, vielleicht ist aber bei euch auch alles ganz anders, weil der Altersunterschied zwischen uns zu groß ist, dass weiß ich leider nicht.

Liebe Grüße,

Yvonne

f@loreO9x9


Hi Yvonne,

Herzlichen dank für Deine einfühlsame und ehrliche Antwort. Sie hat mir geholfen in dem sie mir manches erklärt. Ja ich denke schon daß mein Freund sich abnabelt aber es sehr schwierig für ihn ist. Er war 25 Jahre verheiratet (genau wie ich) und hat seine Frau bis zum Schluss liebevoll gepflegt.

Nun lebt er aber in seinem Haus in dem alles an seine Frau erinnert, er hat 2 Katzen die er seine Kinder nennt (eigene Kinder hat er nicht). Er hat mit seiner Frau sehr abgeschieden gelebt und alles haben sie gemeinsam getan, wobei sie bestimmend war.. das alles übt sich sehr erschwerend auf unser Verhältnis aus. Manchmal denke ich sie ist noch "in" ihm?

Zuerst dachte ich ich könnte bei Ihm einziehen, das wird für mich aber immer unmöglicher, ich fühle mich dort weder zu Hause und auch nicht wohl, wenn ich mal bei ihm schlafe schaffe ich es nicht die ganze Nacht dort zu bleiben, überall ist ihre Dekoration sind ihre Holzkatzen. (im Haus befinden sich mehrere hundert!!) .. ich werde dort nicht glücklich, das ist mir klar geworden, wir müssten schon irgendwo anders neu beginnen.. davon ist er noch Lichtjahre entfernt.

Erschwerend kommt für mich hinzu daß ich meine pflegebedürftige Mutter versorge und halbtags berufstätig bin, übernachte ich bei ihm, muss ich meine Mutter alleine lassen, kommt er zu mir, ergeht es seinen Katzen so wie meiner Mutter. Nun fällt es ihm sehr schwer zu mir zu kommen und ich habe ein schlechtes Gewissen wenn ich meine Mutter alleine lasse, so ist unsere Lage momentan.

Wir beide verstehen uns eigentlich prächtig, passen wunderbar zusammen, es wäre schade wenn unsere Beziehung auseinanderbricht (was sie momentan wieder ist) ich habe aber Angst es nicht zu schaffen, nicht mit der Situation fertig zu werden.

Viele liebe Grüsse Yvonne

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