» »

Demenz im Endstadium

gBmaus hat die Diskussion gestartet


Die letzten Tage im Leben

unserer an Demenz erkrankten Mutter

Trauer

Vielleicht bedeutet Liebe auch zu lernen,

jemanden gehen zu lassen,

wissen, wann es Abschied nehmen heißt,

nicht zulassen, dass unsere Gefühle

dem im Weg stehen,

was am Ende warscheinlich besser ist für die,

die wir lieben.

Der Anruf kam dann zu meiner Schwester, Sonntagnacht: "Ihrer Mutter geht es schlechter. Sie können jeder Zeit kommen". Als dann mein Telefon in dieser Nacht klingelte, wusste ich, nun bin ich erhört worden. Nun wird die Mutti erlöst............ Schweigend fuhren wir durch die Nacht, dem Krankenhaus entgegen und ahnten da noch nicht, dass wir noch 35 Stunden an ihrem Bett bleiben werden. Sie atmete dann sehr schwer und wir versuchten sie zu beruhigen. Auch wenn sie uns nicht mehr sehen und erkennen konnte, glauben wir ganz fest, dass sie uns spürte.

Ihre Hände und ihre Beine waren bereits sehr kalt und wurden nicht mehr richtig durchblutet.

Die ersten Stunden beteten wir noch bei ihr und dann ging auch das nicht mal. Unsere Anspannung wuchs und als die Mutti dann was zur Beruhigung bekam und am nächsten Abend etwas ruhiger wurde, fuhren wir kurz nach Hause und wollten uns duschen und was essen. Selbst dies gelang uns nicht mehr richtig. Eine Stunde schliefen wir ohnmächtig, ohne wirklich Ruhe zu bekommen, dann nahmen wir eine Liege, was zum essen und trinken mit und fuhren wieder vollen Ungewissheit, aber doch ahnend, dass es das letzte Mal werden wird, in diesen nun 3 Monaten in Teupitz, zum Krankenhaus, welches jetzt unser eigenes Hospitz wurde und stellten uns auf eine weitere anstrengende Nacht dort ein.

In dieser Zeit hatten die Schwestern uns einen Tisch dort rein gestellt und die Mutti nochmal fertig gemacht. Die andere Frau im Zimmer, wurde schon in der Nacht zuvor verlegt, weil sie nicht mehr schlafen konnte. Wir stellten dann die Liege auf und Regina baute sich aus 3 Stühlen ein Bett, so dass wir ganz nah, bei der Mutti waren und sie abwechselnd streicheln und ihr zusprechen konnten. Ich machte das Klassikradio an, welches uns dann alle 3, die kommenden Stunden beruhigte. Wie Wehen bahnte sich nun das sterben an, nur dass es diesmal eher seelische Schmerzen wurden, die unsere Mutter nun erlitt und wir fielen zwischendurch immer mal wieder in ein ohnmächtiges Nickerchen, auch im Interwall, mit dem Atmen und stöhnen von der Mutti. Wir unterhielten uns dann sehr viel, auch von früher und von ihrem Leben und waren sehr froh, dies zusammen durchstehen zu können. Ich denke, unser Gemurmel, hat sie auch beruhigt und ab und zu setzte dann auch bereits kurz ihre Atmung aus. Immer wieder schaute der Arzt nun herein und alle sahen, dass die Mutti ständig ihre Stirn kraus zog, als wenn sie noch was bewegt. Was nur sollte dies sein? Der Arzt versuchte dann der Mutti nochmal war zum beruhigen zu geben, was ihm dann nicht mehr gelang. Er kam in keine Vene mehr hinein, so oft er es auch probierte.

Ja, Herr! Du hast uns diese Entscheidung abgenommen, es war nun nicht mehr möglich

an ein Leben ohne das Lebens-erhaltende Wasser zu denken, danke dafür!

Dann schickte der Arzt, Herr N. eine Schwester ins Zimmer, die dann unter die Bauchdecke das

Mittel spritzte, welches dann gegen Morgen seine Wirkung begann. Erst dann wurden wir alle 3 wieder ruhiger. Mir fiel dann auch endlich ein, uns alle 4 Kinder aufzuzählen, denn es fehlten ja unsere beiden Brüder, die aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnten. ........"Es ist ja gut, Mutti, Du kannst jetzt gehen: wir sind alle da: die Gabi, der Martin, der Stefan und die Regina. Wir sind alle bei Dir!!!!!!!! Dann legten wir uns wieder hin und ließen sie alleine, aber eigentlich doch nicht alleine. Wir waren da und hielten ihre Wehen mit aus, die sie nun von der Erde holten. Der Kampf zwischen Himmel und Erde! wurde nun ruhiger. Ihre Seele gewann jetzt Überhand gegen ihren Körper, mit dem sehr starken Herzen. Nur das Dreieck um ihr Herz pochte noch und sie atmete jetzt ruhiger .Die Musik, immer im Hintergrund, spielte leise beschwingte Melodien und beruhigte auch unsere eigene körperliche Schwäche, nach all der Aufregung der letzten Tage. Es wurde nun sehr andächtig in diesem Raum, der uns nun nicht mehr als Krankenzimmer diente, die letzten 3 Stunden und ich kann dies nur als eine Art Wandlung bezeichnen. Nie im Leben, werden wir beide Schwestern, diese Stunden vergessen, in denen der Wind durch das offene Fenster wehte und die Geräusche der Demenzstation, leise im Hintergrund zu hören waren.

Diese Stunden, in denen sich die Seele vom Körper löste und wir dies spüren konnten. Alle 3 lagen wir nebeneinander, trauten uns nichts mehr zu sagen und konnten nur noch leise beten:

" O Herr, nimm unsere Mutter zu Dir auf und lass sie nun ewigen Frieden bei Dir finden".

Staub bist Du gewesen und nur Staub bleibt uns........................,

aber in unseren Herzen wirst Du für immer bei uns sein!

Dann um 11.00 Uhr, am Dienstag Vormittag, kam eine Schwester leise ins Zimmer und sagte sofort zu uns,"das ist ihr letzter Atemzug"! und wir konnten es noch nicht glauben. Wir sagten, das wäre jetzt öfter vorgekommen, dass sie kurz nicht mehr atmet und wir wollten es nicht glauben. Dabei lief eine dicke Träne aus ihrem rechten Auge und was immer dies auch bedeutete, es ließ uns nun auch ganz still und andächtig, den Atem anhalten!

Wir kamen dann ganz dicht über sie und es kam noch einmal kurz ein Atemzug, ehe sie uns dann friedlich mit geschlossenen Augen verließ. Mir kam dabei dann gleich ihr Lieblingslied aus ihrer Heimat ein und ich dachte mir, nun ist der Tod ausgestanden und sie liegt da , wie verklärt!!!!!!!

Jesus lebt, mit ihm auch ich: Tod wo sind nur deine Schrecken?

Jesus lebt, er wird auch mich von den Toten auferwecken.

Er verklärt mich in sein Licht - das ist meine Zuversicht.

Im Zeichen des Glaubens: "Im Namen der Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, nimm

unsere Mutter nun auch zu Dir, denn dies ist auch unsere Zuversicht, ja, denn dies hat sie uns gelehrt !" ++++++

Wir danken, der lieben Nachtschwester, die uns einfach drückte, als wir nicht mehr konnten und den Schwestern, die uns Kaffee und Decken brachten. Besonders danken wir der Oberärztin, die uns gut zu sprach und uns verstand, was dies für und bedeutete. Auch danken wir den beiden jungen Ärzten, die immer das Beste für unsere Mutter und uns wollten und doch auch an ihre Grenzen stießen, da unsere Mutter eben nicht wie andere demenzkranke Menschen ist. Sie war immer sehr stark und ihr Herz war einfach nicht tot zu bekommen. Es muss riesengroß gewesen sein, denn es schlug immer NUR für andere Menschen. Wir werden immer an sie und an ihre letzten Stunden denken, die uns doch froh und dankbar zurück ließen, dass wir sie erleben durften und ihr beizustehen vermochten.

Das einzig Wichtige im Leben

sind die Spuren von Liebe,

die wir hinterlassen,

wenn wir ungefragt weggehen

und Abschied nehmen müssen. (Albert Schweizer)

Antworten
Sfchatthenfell


gmaus :°_

Schön, daß du glauben kannst, du hast das sehr schön geschrieben... :°(

Darf ich fragen, wie alt deine Mutter war?

Liebe Grüße :°_

n3eptcaxt


Mir kamen die Tränen, danke für den Beitrag! Mein herzliches Beileid. Ich fühle mit dir, bin momentan auch in einer fats gleichen Situation, bei mir war es am 25.8.... ich wünsche dir ganz viel Kraft!!!

-KtraurDixge-


hallo gmaus,

es tut mir sehr leit.

ich wünsche euch vier geschwiester viel kraft :)* :)* :)* :)* :)* @:)

gruss traruige

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Abschied und Trauer oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Gedenken


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH