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Angehörige nach Suizid - wenn man sich selber verloren hat

AIyla" S.


ein Jahr..... :°(

:)-

Kcnisp<el32x1


[[http://www.myvideo.de/watch/1920494/pur_noch_ein_lebenhre]]

zehn Jahre.... :)-

p;ulsie!rend


Hallo Sarah.

Liest du hier noch? Ich habe deinen Faden gefunden, und mich in deinem Eingangsposting wiedererkannt.

Ich habe jahrelang den Tod meines Bruders kaum thematisiert sondern einfach weitergelebt. Nahezu alle Menschen, die ich nach seinem Tod neu kennen lernte, haben nie von ihm erfahren. Meine Arbeit habe ich weit entfernt von den Geschehnissen angetreten, habe Therapien gemacht und dennoch bleibt es immer unverarbeitet in mir. In den letzten Wochen spüre ich, dass ich mich diesem Thema stellen muss.

Früher wünschte ich manchmal, er wäre durch einen Unfall gestorben, weil man es dann nicht hätte verhindern können. Aber heute weiß ich, dass die Angehörigen von Unfallopfern genauso tief trauern, da sie immer das Wissen haben, dass der Verlorene vollkommen unschuldig starb. Wenn er seinen Tagesrhythmus anders angegangen wäre, eine andere Strecke gefahren oder was weiß ich, wäre er noch am Leben. Ich denke, dieser Gedanke, dass alles nur von einem winzig kleinen Entscheidung abhing, ist genauso schwer zu ertragen wie ein Suizid. Jeder Tod hat seine eigenen Geschichte und seine eigene Tragik.

manchmal braucht es wenig.........und man fühlt sich wieder wie am Anfang. So ohmächtig, so verzweifelt.

Dieses Gefühl kenne ich sehr sehr gut. Es gibt Phasen, da denke ich, dass ich damit leben gelernt habe und dann wieder: Völlige Erschütterung als wäre es eben erst passiert. Manchmal denke ich, es ist nur noch eine Narbe, dann wieder ahne ich frisches Blut.

Ich habe den wichtigsten Menschen in meinem Leben durch Suizid verloren.

Und es hat mich ein Stückchen mit umgebracht. Ich bin zu einem anderen Menschen geworden, trage aber diesen wichtigsten Menschen immer ganz tief in meinem Herzen.

Sie haben etwas von uns mitgenommen. Unwiederbringlich. Manchmal bin ich wütend auf ihn, aber meistens liebe ich ihn einfach nur tief und klar.

Heute hat sich jemand mit anvertraut – ein Freund hat sich das Leben genommen. Er weiß nicht, dass es bei mir eine noch viel engere Person gibt, die.............

Ich tröste, verstehe mich selber nicht, dass dich dabei so gelassen bleiben kann. Ich kläre ihn nicht auf, was bei mir war......

Auch das kenne ich. Ich tröste Menschen manchmal. Meine Vorgesetzte, die mir sehr nahe steht (wir sind wohl auch Freundinnen), hat vor kurzem ihren Bruder an einer Krankheit verloren. Ich tröstete sie und sie fühlte sich verstanden. Gleichzeitig weiß sie nicht, was bei mir geschehen war.

Ja, ich wundere mich, dass ich so "abgeklärt" sein kann.

Das schützt uns auch.

Aber Stunden später...ich ärgere mich über Arbeitskollegen...wohl berechtigt....aber warum bin ich nicht nur "wütend", sondern von einer auf die andere Minute sowas von am Boden zerstört. Ich möchte nur noch weinen, weinen, schreien, schreien........

Es geht mir genauso, aber all diese Gefühle kommen nie raus.

Es tut so weh – immer noch....immer und immer wieder.......Ich mag nicht, dass dieses "Biest" wachgeküsst wird. Es zieht mir den Boden weg. Es macht mich zu einem wütenden Etwas, was ich nicht sein mag.

Es ist übermächtig. Mir macht es schreckliche Angst.

Ich verhalten mich kein bisschen liebenswert – aber ich würde es gerade jetzt so brauchen, dass mich jemand lieb hat und in den Arm nimmt.......

Nimm deine Traurigkeit und sage ihr, dass sie ok ist.


Ich habe noch immer nicht gelernt, meine Traurigkeit zuzulassen. Ich verstehe meinen Bruder bis ins Tiefste und so makaber es klingt: Ich freue mich für ihn, dass er es hinter sich hat. Es war sein Weg und ich akzeptiere diesen Weg. Ich kann ihn verstehen. Wir haben beide das Gleiche erlebt und ich war stark genug es zu überleben, er nicht. Manchmal frage ich mich, warum ich die eine bin, die es überlebt hat und er nicht. Und ich frage mich, wie wir mit all der Schuld weiterleben sollen. Wie meine Eltern noch immer in den Spiegel sehen können.

Unwiederbringlich hat er unser Leben verändert, er hat uns blank gelegt und uns die Aufgabe gegeben, damit zu leben. Ich nehme es ihm nicht übel und liebe ihn noch immer. Er war mein großer Bruder und gleichzeitig war ich wohl die große Schwester. In wenigen Momenten bin ich wütend, warum er als großer Bruder mich alleine gelassen hat und dass er das doch nicht einfach so machen kann. Er hat doch Verantwortung für mich, ich bin doch seine kleine Schwester. Und dann fühle ich mich so schrecklich verlassen und klein, als sei ich ein verwundetes Tier, das sich nicht mehr verteidigen kann.

Aber was mich immer weiter leben lässt ist diese unbändige Liebe für mein Leben und für ihn. Ich schätze mich sehr sehr dankbar einen Bruder wie ihn gehabt zu haben.

Manchmal kriege ich nachts Angst, dass er vielleicht friert oder irgendwo sitzt und seinen Schritt bereut. Dann sage ich ihm in die Stille hinein, dass ich hoffe, dass es ihm gut geht und er nun keine Angst mehr haben muss. Gerne würde ich ihn streicheln und ihm Mut machen. Ja, das ist wohl mein größter Schmerz: Nicht zu wissen wie es ihm geht, da wo er nun ist.

Im Drogenrausch habe ich ihn ein paar Mal in meiner Nähe gespürt, ihn sogar vor meinem inneren Auge gesehen. Ich nahm die Droge dann immer wieder, aber irgendwann kam er nicht mehr.

Heute führe ich ein extremes Doppelleben, da mich sein Tod in zwei Personen geteilt hat: Tagsüber funktioniere ich ganz normal und nachts schwärme ich los und lebe wie ein Vamp. Es fällt mir zunehmend schwerer, diese zwei Personen miteinander zu verbinden und ich glaube, dass mein Bruder die Verbindung wäre: Wenn ich zu seinem Tod stehen könnte, mir meine Traurigkeit eingestehen würde, das Biest in mir zulassen würde.

Aber so weit bin ich noch nicht.

Es hat gut getan, dies mal zu schreiben.

@:)

D|ie Sfehe=rxin


pulsierend

ich habe in einem anderen faden geschrieben:

mein bruder hat sich auch das leben genommen!

weißt du, mein bruder konnte und wollte nach einem sehr "leidenschaftlichen" leben einfach nicht mehr. er hat unserer familie kurz vor seinem tod noch einen hinreißenden sohn geschenkt, im dem er für uns alle weiterlebt. ich habe ihm (aber dazu habe ich auch einige zeit gebraucht!) das geschenk gemacht, dass ich ihm respekt entgegengebracht habe... respekt dafür, dass ich seine entscheidungsfreiheit – zu leben, oder zu sterben – nicht auf mich selber beziehe!

(dass ich selber damit auch endlich meinen frieden geschlossen habe, ist dabei ein sehr schöner nebeneffekt)

ich muss deswegen auch nicht zu seinem tod, bzw. seinem selbstmord stehen, oder das bewerten... das muss weder ich, noch gestehe ich das anderen menschen zu. ich erzähle auch nicht jedem davon, aber wenn jemand fragt, ob ich geschwister habe, sage ich: ich hatte drei brüder, jetzt nur noch zwei. und ich antworte ehrlich auf die frage, wie er denn gestorben sei...

du musst nur dazu stehen, dass er gestorben ist, nicht wie @:)

SYaraPhj_20029


Hallo "pulsierend", hallo "Die Seherin", halle alle anderen

es ist gerade fast unheimlich.....fast ein dreiviertel Jahr habe ich in diesem Faden nichts mehr geschrieben und habe heute gegen 20 Uhr überlegt, wieder zu schreiben, da mich aktuell was bedrückt...und finde Eure relativ frischen Beiträge!!!!!!

Und da sind wir nun "zusammen" - drei Schwester mit der gleichen Problematik, einen Bruder durch Suizid verloren zu haben. Ich glaube, wie nähren jede Statistik, dass evident mehr Männer so in den Tod gehen....

Liebe "pulsierend", es hat mich gerade ins Mark getroffen, was Du geschrieben hast. Ich erkenne mich in so vielem 100-prozentig wieder. Nur nicht in dem, dass ich mit meinem Bruder gemeinsam etwas erlitten hätte, woran unsere Eltern Schuld haben....ich denke, ich kann sagen, dass wir ein sehr liebevolles zu Hause hatten.

Ich liebe meinen Bruder nach wie vor auch abgöttisch. Und ich würde ihn bis aufs Messer verteidigen....

Du schreibst von Deinen "zwei Leben". Das klingt teilweise auch ein wenig selbstzerstörerisch, oder? Ich glaube, ich hatte auch starke selbstzerstörerische Tendenzen in den ersten Jahren. Ich glaube, das ist aber "besser" geworden inzwischen....

Ich fühle mich inzwischen nicht so, dass ich verschiedene Leben führe - aber mein Inneres hat mit meinem äußeren Auftreten oft so überhaupt nichts zu tun. Ich kann stark wirken auf andere, auch wenn ich mich innerlich total traurig und schwach fühle.

Ich spreche auch kaum davon "in echt" vom Suizid meines Bruders. Ich kann nicht damit umgehen, wenn Menschen überfordert sind damit. Ich mag nicht, dass sie mich anders behandeln danach....

@ Seherin,

ich kenne sie auch - die Frage nach Geschwistern. Aber ich nenne sie nur meine Geschwister. Ich spreche von meinem Bruder als würde er noch leben. Warum soll ich jemand, der nur wissen möchte, ob ich mit Geschwistern aufgewachsen bin, mit seinem Tod konfrontieren?

Mein aktuelles Problem: wie gesagt, sehr selten öffne ich mich diesbezüglich. Aber die Tage habe ich es getan. Ich habe bei einer Bekannten (Freundin) gedacht, dass die Zeit reif ist dafür. Sie wusste schon, dass mein Bruder tot ist.....DARÜBER haben wir schon viel gesprochen....aber nicht über das WIE. Eine Frage von ihr "zwang" mich jetzt vieles offen zu legen....Ich habe ihr eine lange Email geschrieben. UND: sie meldet sich nicht mehr. Das kann natürlich 1000 Gründe haben. Aber sonst schreibt sie mir tw. mehrmals am Tag. Und ich bereue meine Offenheit. Vielleicht öffne ich mich einer Person/Jahr dermaßen...

Jetzt rattern meine Gedanken: verurteilt sie mich - schlimmer IHN ??? ?

Ist sie sauer/fühlt sie sich getäuscht, weil ich nicht früher mit der Sprache rausgerückt bin.....

Ist sie überfordert

ODER

hat sie aktuell einfach keine Zeit.

Aber schon diese Gedanken machen mich fertig....ich bereue, bereue....

Soviel mal fürs Erste.

Ich hoffe, Euch weiterhin lesen zu dürfen.

Herzliche Grüße @:)

I~orXeth


Liebe Sarah,

lass deine Freundin etwas Zeit, zu verdauen, was du ihr anvertraut hast. Überleg doch mal... vermutlich ist sie geschockt, betroffen... ich kenne das. Man sitzt dann da und möchte irgendwas tun oder sagen, aber man fängt an zu schreiben und es klingt so hohl und oberflächlich, man möchte anrufen, aber einem fehlen die Worte... es ist schwer, richtig zu reagieren, sowas lernt man ja auch nirgendwo. Ich glaube wirklich nicht, dass sie deinen Bruder verurteilt oder noch schlimmer dich, sowas tun wohl nur Menschen, die direkt betroffen sind und einfach einen Schuldigen brauchen, weil sie irgendwo mit ihrer Wut und Verzweiflung hinmüssen. Aber eine quasi Unbeteiligte wird bestimmt keine Schuld zuweisen!

Ich denke wirklich, dass sie es entweder noch nicht gelesen hat oder nicht weiß, wie sie reagieren soll. Und da würde ich ihr entgegen kommen... ruf sie doch an und sag ihr, dass du einfach wolltest, dass sie es weiß, weil es dir wichtig war und du vll auch mal mit jemandem drüber reden willst, aber dass du jetzt keine Lösung oder irgendwas von ihr erwartest.

Sva3rah_x2009


Danke für Deine Antwort Ioreth,

vielleicht hast Du recht.

Aber genau diese Überforderung meines jeweiligen Gegenübers kann ich auch schlecht aushalten.

Deswegen spreche ich wahrscheinlich auch so selten darüber. Und wenn ich es getan habe, fühle ich mich einfach meistens bis immer schlechter als zuvor.

Herzliche Grüße und danke @:)

Ivo$retxh


Weißt du, ich denke, das siehst du zu streng. Ich halte das gar nicht für eine Zumutung, sondern mehr für eine Art Vertrauensbeweis oder Ehre, dass man mir so vertraut, dass man mir so etwas anvertraut. Auch wenn man vll nicht sofort weiß, wie man damit umgehen soll. Das lernt man ja dann. Aber auch du solltest das lernen, mit anderen darüber zu reden... zieh dich nicht sofort zurück, wenn jemand nicht sofort weiß, was er tun soll, sondern versuche, euch beiden die Situation zu erleichtern... klingt jetzt blöd, du bist ja die, der etwas schreckliches passiert ist, aber du bist auch die, die Zeit hatte, darüber nachzudenken, nach Worten zu suchen, sich vorzubereiten... für den jeweils anderen kommt das überraschend, also greif demjenigen ruhig etwas unter die Arme und versuch den ersten Schritt zu machen und sag am besten auch, was du dir wünschst.... ich meine, ob du noch weiter darüber reden willst oder ob du es einfach nur mal loswerden wolltest usw.

SuarahT_200x9


Ja, wahrscheinlich hast Du recht.

Ich bin grade einfach völlig durch den Wind :-( .

Ich finde schon, dass sie vielleicht einfach hätte schreiben können, dass die Email angekommen ist.

Ich mag weder Mitleid, noch erwarte ich irgendwelche großen Hilfen.

Schlaf schön @:) :)* @:)

I,or?etxh


Na, hat sich schon was getan bei dir bzw euch? Hat sie sich gemeldet oder du bei ihr?

Sharanh_20x09


Danke der Nachfrage.

Sie hat mir ne kurze Email geschrieben, dass sie stark beschäftigt ist und sich bald wieder melden wird.

SAar=ah>_2009


...und wenn Du alle Straßen durchwanderst, der Seele Grenzen findest Du nie.

( Heraklit )

SZarah%_20x09


@ pulsierend,

bist Du noch da ;-) ?

Ich denke grade wieder nonstop an meinen Bruder.

Ich hatte einige Tage frei....sobald ich zur Ruhe komme, kreisen die Gedanken.

Ich sehe gerade sehr viele Szenen von früher....wie in einem Film.....

schöne.....aber auch solche, in denen ich fühle, dass mein Bruder traurig ist....

und ich mag für ihn da sein....und es sind doch nur verdammte Bilder in meinem Gedächtnis. :-(

S`ar ah_20x09


Schade.

M[ellJyCGxN


Wie bekannt mir das alles vorkommt....

All diese guten Gefühle die man hatte, hat er mit seinem Suizid mit ins Grab genommen...

Nächsten Monat ist mein Exfreund auch 5 Jahre tot... Das einzige was etwas hilft, sind Gedanken nicht zuende zu denken. Man muss in Guten an den Verstorbenen denken und bevor der Gedanke ins Negative umschlägt, die Gedankenmuster überspielen. "Wegdenken" nenne ich es immer.

Thomas D hat ein schönes Lied. "An alle Hinterbliebenen"... Finde er beschreibt die Phasen der Trauer sehr gut. Aber wirklich durch ist man damit wohl nie :(

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