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Alter, sterbender Oma einen Liebesbrief schreiben?

SGet5zemn6 hat die Diskussion gestartet


Ich weiß, mein Fadenthema klingt merkwürdig.

Meiner Oma geht es sehr schlecht. Sie ist 89 und wird wohl bald sterben. Wann, das wissen wir nicht. Vielleicht heute, vielleicht morgen. Sie ist dement, hat aber auch ganz lichte Momente. Im Juli hat sie Geburtstag.

Da ich relativ weit weg wohne, besuche ich sie nicht allzu häufig und da Besuche großer Stress für sie sind, ist sie an diesen Tagen meist so verwirrt, dass sie nichts mitkriegt. In guten Momenten liest sie laut Pflegeleitung aber noch Zeitung und auch die Briefe, die wir ihr ab und an (viel zu selten) schreiben.

Ich träume in letzter Zeit sehr oft von meiner Oma. Eigentlich immer schöne Dinge, bzw. rettet sie mich aus Situationen, die sehr unangenehm sind. Neulich habe ich beispielsweise geträumt, dass ich im Winter in einer Allee stehe und trampe. Niemand hielt an, nicht einmal die Polizei. Und plötzlich fuhr Oma vorbei, in ihrem alten Golf, mit Leibnizkeksen in einem Korb auf dem Beifahrersitz. Sie hielt an, öffnete die Tür und sagte, dass ich einsteigen solle und erst mal ein Plätzchen essen solle. Ich habe mich so schrecklich wohl in dem Moment gefühlt.

Überhaupt erinnere ich mich in letzter Zeit oft an schöne Momente mit ihr. Wie wir im Winter das Katzenfutter aufwärmten. Wie wir Brombeeren gepflückt haben! Wie sie mir immer extra viel Schokoeis von dem dreifarbigen Fürst-Pückler-Eis in das Schälchen gemacht hat. Und nicht zuletzt, wie sie sich morgens so aufwendig die Haare hochsteckte mit tausenden Haarnadeln, die dann hinterher in ihrer Frisur nicht mehr zu sehen waren.

Oma war einfach toll.

Naja und nun mein Anliegen: Angeregt durch den Werbespot der Caritas:

[[http://www.youtube.com/watch?v=JUwQx1Dj7KM]]

Ich habe das Bedürfnis, meiner Oma einen Brief zu schreiben, in dem ich ihr schreibe, wie unheimlich gerne ich sie habe. Ich möchte ein paar der Erinnerungen auflisten, um ihr zu zeigen, dass unsere Beziehung ganz einzigartig war und dass sie wirklich wichtig für mich ist...ein Teil meiner Kindheit.

Nur jetzt meine Frage: Wird ihr dann nicht zu deutlich, dass sie bald stirbt? Ich meine, sie weiß das zwar, aber wirkt das ganze nicht wie ein Abschiedsbrief? Macht sie das nicht unheimlich traurig? Andererseits will ich ihr das nicht erst am Grab sagen!

Es wäre schön, wenn ihr eure Meinungen äußern würdet!

Oma, ich hab dich lieb!

Antworten
c-orazoon8x1


Ich find die Idee toll. Mach es! Lieber heute als morgen!

PCrotexst


Nur jetzt meine Frage: Wird ihr dann nicht zu deutlich, dass sie bald stirbt? Ich meine, sie weiß das zwar, aber wirkt das ganze nicht wie ein Abschiedsbrief? Macht sie das nicht unheimlich traurig? Andererseits will ich ihr das nicht erst am Grab sagen!

Auf der einen Seite ist es tatsächlich unglaublich eklig, wie deutlich man damit macht, dass die Person bald stirbt, aber ich denke, dass wissen die alten selbst und solange sie sich selbst damit arrangiert haben und es akzeptiert haben ist nichts verwerfliches dran.

Besonders wenn man weit weg wohnt finde ich es in Ordnung.

Ich habe meiner Oma damals auch noch einen Brief geschrieben, in dem ich mich für alles bedankt habe und sie die beste ist. (hach....gar nicht so leicht daran wieder zu denken :°( )

Ich glaube sie hat sich darüber gefreut.

Leider konnte ich mich nicht persönlich von ihr verabschieden und da es für mich persönlich wichtig war, ihr das alles mitzuteilen und mich bei ihr zu bedanken fand ich dies als bester weg.

Wahrscheinlich stimmt es sie schon traurig, aber ich denke, wenn man ihnen zeigt, dass man so ist, wie man ist, auch wegen ihnen, erfüllt es sie auch mit stolz und ist eine unglaubliche Wertschätzung.

Ich würde es auf jeden fall wieder machen.

Viel Kraft für die nächsten Wochen :)*

S!etz&en6


Hmm...ich glaube es ist auch eine Frage der Wortwahl. Wenn man alles so auf die Vergangenheit bezieht ("Ich wollte dir mal sagen, wie schön es mit dir war", "ich wollte dir noch einmal sagen, dass...."), dann ist das schon irgendwie zu schmerzhaft. Ich würde glaube ich -wenn ich mich denn für den Brief entscheide- irgndwie versuchen, das ganze positiv klingen zu lassen, denn das war es ja ... und bleibt es auch immer. Vielleicht sollte ich den Brief nicht so offiziell gestalten, sondern zunächst "normal" einsteigen, wie es mir so geht usw...und dann die schönen Erinnerungen in den Brief einflechten? Und kann man sagen: "Oma, ich habe dich unheimlich lieb! Ich würde mir keine andere Oma wünschen!" ?

Ach, das ist so schwierig....

SshVojxo


Es kommt sehr auf die Oma an, ob Du so vorsichtig formulieren solltest oder nicht. Meine wusste das selbst und war sehr vergnügt darüber, dass ich kein Blatt vor den Mund genommen habe. Schmerzlich war der Gedanke für sie auch nicht. Schließlich waren schon ihre Eltern, mehrere Geschwister, ihr Mann und die meisten Freunde "vorgegangen" - sie hatte keine große Angst und keinen allzu starken Abschiedsschmerz, weil sie das Gefühl hatte, wir würden gut klarkommen, ohne sie zu vergessen, und sie war auch schon sehr müde und hatte genug davon, vieles nicht mehr zu können.

Die Idee mit dem Brief finde ich sehr schön! Wenn sie nur so selten klare Momente hat und Besuche sie sehr anstrengen, dann ist das eine gute Möglichkeit, sie in einem lichten Moment zu "erwischen".

SEetzenx6


Shojo und alle anderen: Danke für eure Antworten.

Das Thema Tod ist leider sehr schwierig mit meiner Oma...sonst hätte ich ihr den Brief längst geschrieben. Sie ist mit ihrem Leben nicht versöhnt, da sie zwei Kinder verloren hat. Eines durch Mord, ein anderes (meine Tante) lebt zwar noch, aber seit über 30 Jahren mit Schizophrenie in einem betreuten Wohnheim.

Meine Oma hatte kein schönes Leben und zu den zwei noch lebenden, gesunden Kindern (meine Mutter und meine andere Tante) immer ein sehr schwieriges Verhältnis. So richtig geliebt hat sie nur die beiden Kinder, die sie "verloren" hat.

Neulich hat sie zu meiner Mutter in einem lichten Moment gesagt: "Ich warte noch auf irgendetwas. Ich weiß nicht was!". Daraufhin hat meine Mutter, die wirklich zeitlebens ein schwieriges Verhältnis zu ihr hatte, ihr einen Kuss gegeben und sie umarmt. Scheisse, jetzt muss ich heulen.

Oma ist nicht erlöst.

Meine Mutter hat ihr neulich trotz allem gesagt, dass sie eine gute Mutter war und dass sie eine schöne Kindheit hatte. Meine Oma hat daraufhin gelächelt und gesagt: "Das ist gut!"....

Sie wartet auf irgendetwas...

Vielleicht auch auf meinen Brief? Ich denke, sie wartet darauf, nach dem Tod ihres Sohnes noch einmal glücklich gewesen zu sein, aber diese Zeit kann ihr niemand geben.

Pvro)t0est


Ansonsten schreib erstmal dein Herz raus und so, wie du's einfach formulieren würdest und was du alles sagen möchtest (auch ganz gut zur Trauerverarbeitung vllt.)

Danach guckst du, was du davon auch ihr tatsächlich so sagen möchtest.

Stell dir vor du wärst im Gespräch mit ihr....so würde ich es schreiben, so wie du ihr es auch direkt sagen würdest.

Inwiefern etwas stilistisch schön und geschickt ist, ist in dem Falle doch egal.

Hier geht es um dich und was du von deinen Gefühlen zum Ausdruck bringen möchtest, also authentisch bleiben und nicht so ein gekünzelten Brief schreiben voller Euphemismen.

Meine Oma war ähnlich alt und auch wie bei Shojo sind die meisten Freunde schon lange gestorben.

Sie war bereit dafür und ich denke in solch einer Situation ist es egal, ob es dann "hart" klingt oder nicht.

Sie wird schon das sehen, was du ihr sagen willst und verstehen.....und sich natürlich darüber freuen.

(Kann mir schon vorstellen, dass die Großeltern bei so einem Brief durchaus weinen, aber dann nicht weil sie Angst vor dem Tod haben, sondern weil sie sich freuen und gerührt sind)

p!u'ppxe83


ich finde es eine tolle idee, ihr in einem brief zu schreiben wie lieb du sie hast.

sie wird sich bestimmt freuen...

Alles liebe deiner Oma.. omas sind toll.. hab auch 2, die ich unheimlich lieb habe :)

F6jalaxr


Ich finde die Idee toll und nach allem was ich bisher von dir gelesen habe, vertraue ich darauf, dass du genau die richtigen, einfühlsamen Worte finden wirst, um das auszudrücken, was du deiner Oma unbedingt sagen möchtest.

Ein Zitat von Petrus Ceelen, das ich sehr schön finde:

Manche Menschen wissen nicht,

wie wichtig es ist, dass sie

da sind. Manche Menschen

wissen nicht, wie gut es tut,

sie nur zu sehen. Manche

Menschen wissen nicht,

wie wohltuend ihre Nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht,

wie viel ärmer wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,

dass sie ein Geschenk des Himmels sind.

Sie wüssten es, würden wir es ihnen sagen.

dFie_na$sewe4isxe


Hallo Setzen,

dein Oma weiß sowieso, dass sie bald stirbt. Alte Menschen spüren so etwas.

Schreib ihr den Brief.

Das hilft euch beiden, ihr, sich mit ihrem Leben zu versöhnen, und dir Abschied zu nehmen.

Liebe Grüße

Susanne

SGetMzen6


Hallo Fjalar! Danke für deine Worte und das Zitat! Ich habe mich nun endgültig für den Brief entschieden...

Ich möchte ihr vieles sagen. Vieles, was sie sicherlich auch schon vergessen hat.

Wie wir aus Brombeeren Marmelade gekocht haben und ich immer probieren musste. Und wie wir im Winter in der Eiseskälte auf die Terrasse gingen und den Katzen warme Milch und Futter gaben. Nur Oma und ich mochten Katzen, niemand sonst in der Familie. Und dass ich ihr dankbar bin, dass sie das GONG-Abo (Fernsezeitung) nur meinetwegen nicht gekündigt hat, weil ich das Finde-acht-Fehler-Rätsel immer so gerne gemacht habe. Und dass ich bis heute noch Socken habe, die sie mal gestopft hat. Und den Holzkochlöffel, den sie 1930 gekauft hat und wo heute vorne die Hälfte fehlt, weil er sich in den letzten 80 Jahren wie ein Stein am Meer abgeschliffen hat. Und dass ich es schön fand auf Opas Ehebettseite schlafen durfte, als ich sie besuchte und er schon lange verstorben war. Und dass ich einmal heimlich am Schnuckschrank war, ohne zu fragen. |-o Und dass ich am liebsten heute noch alte, kleine Seifenreste sammeln würde um sie dann gemeinsam in ein Apfelsinennetz zu stopfen und bis zum Schluss weiter zu verwenden. Und dass sie früher aussah, wie Veronica Ferres! Und heute definitiv noch die schönsten Augen hat, die man haben kann. Und dass es nicht schlimm ist, dass sie für mich immer Mozarella anstatt Feta gekauft hat...ich habe ihr nie gesagt, dass ich eigentlich einen anderen Käse meinte.

Oma, du bist einzigartig!

ABnna }Maria x/08


sie würde sich über so einen Breif von ihrem Enkel freuen.Es sind für sie Momente wo sie lacht und sich vieleicht auch erinnert .Du machst ihr freude damit keine ängste vorm sterben.

ich glaube auch du findest die richtigen Worte und wenn du es möchtest dann mach es ,sonst

wirst du es vieleicht später bereuen es nicht getan zu haben,ich wünsche deiner Oma viel Kraft und auch dir möchte ich einpaar Kraftsterne schenken :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)*

LG

BslooCdyNSova


Ich muss jetzt doch was schreiben, man was hab ich geheult... :°(

Ich hab meine Oma verlohren, vor fast 10 Jahren, und ich bin noch immer nicht drueber weg.

Ich wuenschte ich haette Ihr einen Brief geschrieben.

Meine Oma war schwer Krank, Sie hatte ein Schmetterlingsgliom. Einen Irroperabelen Hirntumor, der immer toedlich ist, meine Oma hatte gleich 2 davon.

Ich kam Sie besuchen, Sie lebte auch weiter weg, oder was heisst weiter, vielleicht 30 km. Ich war damals in der Ausbildung und lebte in meiner ersten eigenen Wohnung. Einmal da bin ich nicht zur Arbeit gegangen, weil ich zu meiner Oma fahren wollte, ins Krankenhaus. Dafuer hab ich damals fast meine Ausbildungsstelleverlohren. Aber ich wollte Sie so gern sehen.

Laufen konnte Sie da noch, und hatte noch Haare. Das Sie sterben wird wusste Sie nicht.

Ein paar Wochen spaeter wurde Sie entlassen, und durfte nach Hause.

Ich kam zu Ihr nach Hause. Es war schlimm,meine Oma war gelaehmt von der Huefte an,lag im Bett die ganze Zeit, musste gewaschen und gefuettert werden. Hatte von Chemo keine Haare mehr. Und meine Oma war so Eitel, war immer geflegt, und Sie hatte so schoene Locken :°(

Sie sah mich an, nahm meine Hand und Kuesste sie, und sie weinte,ich weiss das Sie wusste Sie muesste sterben.

Zwei Wochen spaeter kam ich wieder, meine Oma war nicht mehr Ansprechbar, starrte an die Decke reagierte auf nichts mehr, ich brachte ihr Blumen, Ihre liebslings Blumen, lila Alpenveilchen.

Meine Oma hatte wieder Schlaganfaelle, jeden Tag, jede Nacht. Als Sie noch sprechen konnte, sagte Sie wie schlimm das war. Sie sagte Sie merkte diesen Schmerz, diesen schrecklichen Schmerz, Sie schrie, Sie wollte schreien, doch aus Ihrem Mund kam kein Ton, bewegen konnte Sie sich nicht. Sie sagte, das war das schlimmste, gefangen zu sein.

Meine Oma starb in einer Nacht, nach 5 Schlaganfaellen hinter einander.

Ich wuenschte ich haette Ihr nochmal geschrieben, wie lieb ich Sie hab, Sie fehlt mir so :°(

Meine Oma sagte mal zu mir, als ich noch ein Kind war, " Weisst du Mukkel, was ich noch erleben mochte in meinem Leben? Ich moechte nur einmal auf deiner Hochzeit tanzen..."

Meine Oma starb nur 5 Jahre vor meiner Hochzeit :°(

Bitte schreib Ihr diesen Brief, du bereust es vielleicht irgendwann, wenn du es nicht tust.

c>aro 5scxar


Ich bin auch der Meinung, dass deine Oma selbst weiß, dass ei nicht mehr lange lebt. Ihr seid schließlich nicht die einzigen, die ihren Zustand realisieren. Traurig ist es in jedem Fall, doch ich stimme meinen Vorgängern zu, dass ein Brief eine schöne Idee ist. Selbst wenn der baldige Tod für alle wissend im Raume steht, kannst du es wie gesagt trotzdem nicht zu ausdrücklich schreiben – das kommt immer besser...

ctaithxlinn


Setzen,

jetzt bin ich am Weinen.... ich habe meiner Mutter vor ihrem Tod noch einen Brief geschrieben, weil ich ihr alles, was ich sagen wollte, nicht sagen konnte, als ich sie das letzte Mal sah... es sah auch da noch nicht so aus, als ob sie wirklich sterben wuerde, und es waren immer andere Leute im Zimmer, das hemmt, wenn man seine Seele ausbreiten will, und besondere Momente nochmal erleben moechte... Den Brief hat sie leider nicht mehr bekommen.... das letzte, was ich meiner Mutter sagen durfte war: "Ich habe dich sehr lieb, Mutti!" und ihre Antwort war: "Aber das weiss ich doch, Kind!"

Dass ich meiner Mutter nicht mehr sagen konnte, wie viel mir die Zeit mit ihr bedeutet hat, schmerzt mich immer noch, wenn ich auch weiss, dass es nicht viel geaendert haette. Fuer mich vielleicht, fuer sie nicht, im Gegenteil, es haette ihre "Entscheidung" (denn das war es am Ende) zu gehen u.U. schwerer gemacht.

Daher waere mein Rat an dich, schreib! Schreib alles, was du schreiben willst, alles, was dir einfaellt, alles was dir auf der Seele liegt... ich waere froh, eine solche Gelegenheit noch zu haben!

Alles Liebe und Gute an deine Oma und dich!

Caithlinn :-)

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