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Oma liegt im Sterben und ich brauche eigentlich Kraft...

EUspeuranz&a8x6 hat die Diskussion gestartet


Ich weiß heute morgen einfach nicht wohin mit meinen Gefühlen, die mich überrennen. Meine Oma. Sie liegt im Krankenhaus. Es geht ihr schon seit drei Jahren immer wieder sehr schlecht und sie wird schon lange zu Hause von meinem Opa und einer Pflegekraft versorgt. Es war schon immer hart ihr zu sehen zu müssen, wie sie immer mehr abbaut, doch mit den Jahren hatte ich irgendwie gelernt es nicht so sehr an mich ran zu lassen. Aus Schutz, denke ich, hat man es auch irgendwann nicht mehr so ernst genommen, wenn es ihr schlechter ging. Sie hat sich immer wieder berappelt. Sie lag ein paar Tage im Bett und war nicht ansprechbar, danach saß sie wieder ein paar Tage auf der Couch und hat einigermaßen am Leben teilgenommen. So ging es Jahre. Irgendwann wurden die schlechten Tage zu schlechten Wochen, doch trotzdem kam sie irgendwie immer wieder einigermaßen hoch. Jetzt hatte sie vorletztes Wochenende einen Schlaganfall, ihre linke Körperhälte ist betroffen und der Schluckreflex hat schleichend auch einen unreperablen Schaden genommen, was mein Opa aber offensichtlich nicht realisiert hatte. Sie bekam Brei in die Lunge und wurde ins Krankenhaus eingeliefiert am Samstag mit der Zusatzdiagnose schwere Lungenentzündung. Sie wird über Zugänge mit Medikamenten und Flüssigkeit versorgt. Lebensverlängernde Maßnahmen, Magensonden, hat sie schriftlich und mündlich mehrfach abgelehnt. Patientenverfügung. Und doch saßen wir nun gestern zusammen und haben diskutiert und versucht Wege zu finden. Heute müssen noch einige Fragen geklärt werden. Rechtlich. Medizinisch. Magensonde oder nicht? Wie qualvoll ist es zu verhungern, wie lange dauert es? Was hat ihr Willen für einen Wert? Was für Medikamente kann man ihr ohne Magensonder geben, die sie dringend braucht? Wie lange dauert ihr leiden noch mit Magensonde? All diese Fragen machen mich fertig. Ich hätte nie gedacht, dass ich zustimmen würde, dass meine eigene Oma keine Magensonde bekommen und somit verhungern soll. Ich fühle mich unglaublich schlecht bei all den Gedanken, aber ich und wir möchten doch einfach nur, dass das lange Leiden für sie endlich ein Ende hat.

Ich bin leider kein Mensch, der um Hilfe bittet, doch ich hatte gestern so gehofft, dass mein Freund einfach weiß, wie schlecht es mir geht und zu mir kommt. Doch er kam nicht. Wir telefonierten kurz und es fielen Sätze von ihm wie "So ist das Leben nun mal. Das muss man halt irgendwie bewerkstelligen". Ich habe das Gespräch recht schnell beendet, weil mich diese Aussagen so unglaublich verletzt haben. Er weiß, dass ich nicht um Hilfe schreie. Er kennt mich gut genug. Ich habe nicht um Arme gebeten, die mich einfach nur fest halten und mir Kraft geben, ich habe irgendwie erwartet, dass er es durch Anspielungen merkt. Ich bin wahrscheinlich selber schuld. Aber ich habe mich selten so alleine gefühlt, wie in dieser Situation.

Danke fürs zuhören, ich musste einfach irgendwo hin mit mir und meinen Gedanken...

Antworten
WUaterxli


Wenn sie keine Magensonde wollte, dann ist das schon richtig, so schlimm es sich für euch auch anfühlt, so einen Wunsch respektieren zu müssen (weil sie ja stirbt, obwohl man versuchen könnte, zu helfen). Aber es wäre wirklich das letzte und egoistisch, wenn so ein Mensch das wirklich schriftlich bei voller Gesundheit entschieden hat, ihm dann in dem Moment, wo er leidet, einfach mal dieses Recht abzusprechen. Vielleicht ist für die Oma die Qual mit einer Magensonde oder solchen Maßnahmen schlimmer, als eure Trauer je sein kann... ich meine sie liegt da und leidet, nicht ihr, so muss man das mal sagen. Ihr habt halt immer eine gewisse Distanz zu ihr und solltet euch dann auch von dem distanzieren, was sie wollte und müsst euch nicht schlecht fühlen, wenn ihr ihr genau diesen Wunsch erfüllt, den sie aufgeschrieben und gewollt hat.

Das ist zumindest meine Ansicht. Ich fänd es egoistisch, wenn meine Angehörigen mich da endlos leiden lassen würden, nur weil sie mich so lange wie möglich behalten wollen...

Also wenn ihr der Oma keine Magensonde legen lasst, weil sie das nicht wollte, dann ist das gut. :)* :)* :)* :)*

Ich umarm dich mal. :°_

Eosper#anzax86


Danke, Waterli

Mein Hauptargument bei diesen ganzen Diskussionen in den letzten Tagen ist und war ihr Wille. Ich drehe regelmäßig mehr oder minder durch, wenn ich begreife, dass ich Willen kein Gewicht haben soll. Ich kämpfe dafür, sie sterben zu lassen. Und so sehr ich auch weiß, dass es richtig ist, so sehr tut es auch weh. Ich bin die letzte die sagt, dass sie weiter leiden soll. Ich möchte, dass es für sie ein Ende hat und dafür werde ich auch weiter kämpfen. Doch es fühlt sich so unglaublich brutal an.

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