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Ich sah meine Mutter sterben, bin voller Selbstvorwürfe

l=umpwixdur hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich bin mittlerweile 42 Jahre alt, war das jüngste Kind meiner Mutter und das "Nästhäkchen" weil die Ärzte darmals meiner Mutter sagten, nach einer Unterleibs-Op, das sie nie wieder Kinder bekommen könne. Dann kam ich! Mein ganzes Leben war meine Mutter die erste Bezugsperson für Probleme, Freude und Entscheidungen. Mein Bester Freund und mein ehrlichster Freund.

Im Oktober letzen Jahres habe ich sie endlich dazu bewegen können zum Arzt zu gehen. Nach monatelangem schmerzverzerrten Kampf mit dem Körper. Sie stand dann immer da, krumm wie ein Fragezeichen und den Ellenbogen immer an den Rippen. Auf die Frage ob etwas weh tut kam immer eine passende Ausrede, mal hat der Hund sie gezogen dann hat sie sich beim Rasenmähen den Rücken verknackst. Als sie dann anfing beim Atmen rasselnde Geräusche zu machen und sie zu Fuß nur 10 Meter weit kam. Sind wir zum Arzt. Diagnose war ein bösartiges Lungenkarzinom. Mittlerweile war der rechte Lungenflügel ein einziges Krebsgeschwür. Im Krankenhaus haben sie noch eine Chemotherapie angefangen ohne Aussicht auf Heilung. Sie wollten den Krebs zurückdrängen. Nach 12 Tagen ist sie dann überraschend gestorben, in den Armen meiner Schwester.

Ich werde den Anblick niemals vergessen, so viel Angst und Schmerz in ihrem Gesicht habe ich nie gesehen in meinem Leben. Ich habe mich verabschiedet, ca. 7 Stunden waren meine Schwester und ich bei Ihr um uns von Ihr zu verabschieden. Sie war immer eine so starke Persönlichkeit und sie dort so liegen zu sehen, sie war auf 45 Kg abgemagert, hat mir das Herz gebrochen.

Seit dem Tag geht nichts mehr richtig in meinem Leben, meine Beziehung steht vor dem aus. Ich suche bereits eine Wohnung. Obwohl die Frau mit der ich zusammen lebe toll ist. Ich habe keinen Bezug mehr zu ihr und ihre Berührungen wiedern mich an. Ich mache das nicht extra aber lieber wäre ich alleine aber sie lässt mich nicht alleine sein. Das setzt mich zusätzlich unter Druck. Der einzige der mich versteht ist eine Freundin aber meine Lebensgefährtin hasst sie und wettert jedesmal gegen sie. Auch dies baut noch zusätzlichen Druck in mir auf. Ich denke immer an meine Mutter, habe fast allein die Wohnung von ihr geräumt und bin dabei fast zu Grunde gegangen. Diese ganzen Eindrücke und die Beerdigung, halt alles was mit dem tot meiner Mutter zu tun hat lässt mein Gewissen nicht ruhen. Ich bestrafe mich selber das ich meine Beziehung zerstöre weil ich denke dann wäre alles wieder gut. Ich weis echt nicht mehr weiter. Möchte zur Ruhe kommen.

Das was es erstmal für´s erste.

Gruß Lumpidur

Antworten
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Deine Worte haben mich sehr bewegt,ich kann Dir sehr gut nachfühlen,wie es ist,einen geliebten Menschen sterben zu sehen :°_ :°_ :°_

Die Trauer um Deine Geliebte Mutter ist so frisch,hast Du das Gefühl,dass Deine Lebensgefährtin kein Verständnis dafür hat?

Es ist immer schwer,die richtigen Worte zu finden,in so einer Situation,aber ich möchte Dir von Herzen viel Kraft und alles,alles Gute wünschen :)* :)* :)* :)* :)*

Für Deine Mutter :)- :)- :)- :)- :)-

FUorever<.Yourxs


Hallo Lumpidur,

erst ein mal möchte ich dir mein Beileid aussprechen. :)- In ein paar Tagen jährt sich zum zweiten Mal der Todestag meiner Mutter. Eines Tages sagte sie mir, dass sie am darauffolgenden Tag ins Krankenhaus muss und ab diesem Tag war nichts wie vorher. Sie wurde im Krankenhaus sofort operiert, weil man auf dem Ultraschall Geschwüre auf den Eierstöcken sehen konnte und der Verdacht hatte sich bestätigt, es war Krebs. Die Ärzte sagten sie hätten alles rausschneiden können, sie sprachen aber nicht von Heilungsschancen. Ab da war mir klar, dass es nur durch ein Wunder eine Heilung gäbe würde. Darauf folgten 1 1/2 Jahre Kampf mit einer Chemo nach der anderen, bis die Leber nicht mehr konnte und anfing zu versagen.

Meine Mama war so stark, sie hat sich nie beschwert, nie über Schmerzen geklagt und versuchst mir und meinem Vater einen möglichst normalen Alltag zu ermöglichen. Ich muss auch sagen, dass wir nie über den Tod gesprochen haben. Mama hat es nie angeschnitten und es kam mir so falsch vor ihre Stärke und Zuversicht zu zerstören und über den Tod sprechen zu wollen, ich hätte auch gar nicht die Kraft gefunden. Zum Schluss ging es dann sehr schnell, innerhalb von einer Woche war sie nicht mehr in der Lage auch nur ein Glas Wasser zu halten. Diesen Moment, als ihr das Glas aus der Hand fiel und ich gesehen habe wie entsetzt sie selbst über ihre Schwäche war, aber auch ich, werde ich nie vergessen. Sie hat doch so tapfer durchgehalten und dann diese Schwäche zu sehen hat mir das Herz gebrochen.

Weil es für uns nur Hoffnung und kein Ende gab, haben wir auch abgelehnt Mama auf die Palativstation überweisen zu lassen und haben sie zu Hause gepflegt. Erst als sich wieder Flüssigkeit im Bauch gesammelt hatte und diese punktiert werden sollte, haben wir sie ins Krankenhaus gebracht. Sie wollte an dem Tag ins Krankenhaus, ich denke sie hat gewusst wie schlecht es um sie stand. Weil sie zu dem Zeitpunkt schon verwirrt war, haben wir der Palativstation zugestimmt..in der HOffnung sie würde es nicht mehr realisieren. Wir saßen den Tag über bei ihr und haben uns mit kleinen Pausen abgewechselt. Ich wusste, dass es an der Zeit war ihr zu sagen wie sehr ich liebte und wie stolz ich auf sie war, aber ich konnte nicht. Ich habe gekämpft nicht zu weinen, ihr nicht zu zeigen wie schlecht es aussiehst und stark zu sein. Als ich dann Heim fahren wollte, um mich für ein paar Stunden auszuruhen und dann Papa danach über Nacht abzulösen, fragte sie mich warum ich weggehe und ich sagte ihr, dass ich nur kurz Heim fahre und wieder kommen werde. Als mich mein Vater eine Stunde vor dem verabredeten Wechsel anrief und nur sagte dass es schlecht ist, wusste ich, dass es der größte Fehler meines Lebens war gefahren zu sein. Meine Mama ist in diesen 4 Stunden, in denen ich nicht da war, gestorben. Es tut so weh, besonders wenn ich daran denke dass sie vielleicht wusste was kommt und mich bei sich haben wollte. Wahrscheinlich hatte sie Angst und ich war nicht für sie da..

Mit meinem Freund ging es mir danach ähnlich wie dir. Er war liebevoll, aber ich habe nichts gefühlt. Gar nichts. Wenn der Schmerz nicht da war, war es einfach nur Leere. Ich lernte ein halbes Jahr später meinen jetzigen Freund kennen und habe endlich wieder emotional Freunde gespührt. Ich habe mich wieder lebendig gefühlt. Aber das kann ich selbst heute nur, wenn ich die Erlebnisse von damals verdränge. Ich kann nun zwei Jahre später immer noch nicht darüber sprechen, es nicht "verarbeiten", nur verdrängen. Das allerdings mittlerweile sehr gut, was mich wieder schuldig fühlen lässt. Es kommt mir falsch vor ein normales Leben zu führen, sie hätte es umgekehrt sicherlich nicht gekonnt.

Mein Freund hat mir mal gesagt, dass ich mit meiner Mama im Himmel reden muss. Aber ich kann das einfach nicht, die Schuldgefühle sind zu stark. Nur mein neuer Freund, der nichts damit zu tun hatte und ein neuer Lebensabschnitt (Studium) lassen mich nach vorne blicken. Ich sehe eine Zukunft in der ich hoffentlich irgendwann mit meiner Mama reden kann ohne dass es von Selbstvorwürfen überschattet wird. Ich möchte an sie denken, daran was für ein wundervoller Mensch sie war.

Ich bin sicher dieser Lichtstrahl am Horizont wird auch dich erreichen, auch wenn es vielleicht nicht mit deiner jetzigen Freundin der Fall sein wird. :°_

ekla Dmaxus


:°_ :°_ :°_ :°_ :°_ :)* :)- :)* :)- :)* :)-

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