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Wie mit trauernder Freundin umgehen?

m7ewitShoutyxou hat die Diskussion gestartet


Hi zusammen

ich bräuchte mal einen Rat bzw. würde gerne eure Meinung dazu hören, was ihr in so einer Situation machen würdet.

Ich habe Ende letzten Jahres eine Frau (24) kennengelernt mit der ich mich auf Anhieb recht gut verstanden habe. Seither haben wir sehr viel unternommen, sind sehr oft zusammen (4-5 Tage die Woche sehen wir uns bestimmt). Sie ist mir in den Monaten geistig sehr nahe gekommen. Das heisst sie hat mir sehr viel über ihr Leben, ihre Gedanken und Ängste erzählt. Sie hat wohl in mir jemanden gefunden bei dem sie sich einfach fallen lassen kann. Das ist von mir bewusst relativ einseitig geschehen, da ich in ihr weniger die gute Freundin mit der ich über alles Reden kann sehe, sondern eher eine Person mit der ich etwas erleben kann und die mir hilft meine eigene Langeweile und auch Einsamkeit etwas zu vergessen. Sie weiss das auch, ich habe ihr das von Anfang an gesagt – nur für sie bin ich mittlerweile einfach mehr, insofern sie sich voll auf mich verlassen kann und mit mir über alles reden kann. Das möchte ich auch gerne für sie sein, weil sie mir natürlich auch wichtig geworden ist, auch wenn sie mir das selbe nicht geben kann (was aber an mir liegt, sie würde mir das gerne auch geben, das passt für mich aber bei ihr nicht).

Jedenfalls hat sie sehr viele schlimme Dinge in den letzten Jahren erlebt und ich kann verstehen, dass sie ziemlich fertig ist. Sie ist daher öfters traurig und dann kommt alles zusammen und stürzt auf sie ein. Kürzlich hat sich der vierte Todestag ihres besten Freundes gejährt, der bei einem Autounfall ums leben kam. Dieser Mensch fehlt ihr so sehr, dass sie damit gar nicht umgehen kann. Ich kann sie da gut verstehen und möchte ihr helfen, aber ich weiss nicht genau wie. Manchmal kommt sie einfach zu mir, steht weinend vor der Türe und dann erzählt sie mir stundenlang die verschiedensten Dinge die sie belasten. Das ist für mich auch alles okay, aber ich weiss nicht wie ich ihr genau helfen kann. Ich kann nur zuhören, aber ihr so schlecht Tipps geben. Ich kenne das Gefühl, den wichtigsten Menschen im leben zu verlieren (wenn auch nicht durch Tod) und kann das einerseits nachvollziehen, aber ich weiss auch nicht wie man damit umgehen kann. Sie gibt sich zu einem gewissen Mass die Schuld an seinem Tod was objektiv aber nicht gegeben ist. Wie kriege ich sie dazu diese Gedanken zu vergessen? Ich sage ihr es ist okay zu trauern. Aber sie sagt sie möchte das eigentlich nicht mehr – hat gleichzeitig aber Angst das Leben wieder zu geniessen weil sie meint es ihm "schuldig" zu sein, dass sie ihn nicht vergisst und oft an ihn denkt.

Sie hat mir gesagt, dass ich für sie eine Art Ersatz für den gestorbenen Freund bin, dass sie sich bei mir einfach wohl fühlt wie das wohl bei ihm auch war. Das freut mich natürlich einerseits, aber ich habe Angst, dass sie zuviel in mich setzt. Ich möchte sie nicht verletzen, aber ich weiss, dass ich nicht immer so für sie da sein werde wie das jetzt der Fall ist. Sie hat mir das auch öfters gesagt, dass sie Angst hat mich zu verlieren, sei es weil ich jemand anderen finde oder sie sich zu sehr an mich klammert oder ähnliches.

Ich stehe jetzt so im Zwiespalt, will ihr einerseits helfen so gut wie ich kann, weiss aber nicht genau wie, weil ich mit diesem Thema selbst überfordert bin. Andererseits will ich nicht, dass sie mich zwingend "braucht" um mit ihrer Trauer umgehen zu können, weil ich nicht immer soviel für sie da sein werden kann wie das jetzt der Fall ist.

Bin dankbar für jede Meinung...

mewithoutyou

Antworten
E7hemaliger SNutzer] (v#24x2230)


Hm, sprich es an! :)

Sag ihr, dass du gerne für sie da bist, und auch das Bedürfniss hast, ihr zu helfen.

Aber eben manchmal nicht weißt wie du ihr helfen kannst. Dass du manchmal nicht mehr tun kannst, als einfach nur da zu sein und zu zuhören.....

Ob das okay ist für sie. Ich denke, solche Trauerprozesse brauchen ihre Zeit. Manche brauchen weniger und manche mehr Zeit....

Wenn sie merkt, dass da wirklich jemand ist, an den sie sich lehnen kann, mit dem sie sich über den Verstorbenen unterhalten kann, dann wird sie das auch prägen.

Frag sie bzgl. dieser Person aus, was diese Person zu so was besonderem gemacht hat. Was die zwei früher miteinander verbunden hat. Frag nach banalen Dingen, wie die lustigsten Erlebnisse der beiden, wo sie beim erzählen auch auch lachen kann.....

Ich denke, wenn du sie sanft damit konfrontierst, wird es mit der Zeit besser werden für sie und du wirst ein noch besseres Feingespür für sie entwickeln...

Das wäre mein Erster "Zug" gewesen, den ich angegangen wäre...

Übrigens finde ich es klasse, dass du ihr da helfen willst und auch die Geduld dazu hast! Gibt es leider viel zu selten! :)=

E3hembalig er Nwutzer (`#24223x0)


Ich denke, das offenlegen der eigenen Unsicherheit, wie man damit umgehen soll wird dich auch in anderen Bereich (also nicht nur in Bezug auf die verstorbene Person) weiterhelfen..... Oft wissen diese Menschen nicht, das man gerade in diese Situiation ist und ich glaube, gerade, WEIL man sich über den Umgang mit solchen Themen unterhält, ist es auch schon einiges Wert.... Zumindest ist das meine Erfahrung...

mjewithhoutxyou


@ Horrorvibe

Vielen Dank für deine Antwort.

Ich habe ihr bereits gesagt, dass ich nicht weiss wie ich ihr genau helfen kann. Darauf meinte sie auch, dass ich ihr bereits viel helfe indem ich einfach für sie da bin und ihr zuhöre. Würde ihr nur gerne "längerfristig" helfen – und zwar so dass sie nicht zwingend auf mich angewiesen ist um damit umzugehen. Aber wie du auch gesagt hast, diese Prozesse brauchen einfach Zeit und die will ich ihr gerne geben. Wenn ich sie dabei unterstützen kann mach ich das.

Die Idee darüber zu reden wer er für sie war, was sie zusammen erlebt haben finde ich gut. Habe das bisher nicht wirklich gemacht, weil ich keine "alten Wunden" aufreissen wollte. Aber vielleicht hast du recht und es tut ihr gut...

ELhemayligehr Nutz?er (#2b422q3x0)


Okay, dann hast du ja eig schon alles getan, was in deiner Macht steht und führe das so fort.

Du wirst merken, dass sich das mit der Zeit legen wird. Sie wird auch merken, dass es in Ordnung ist, wieder so langsam ihren Alltag von der Trauer zu befreien und ihr Leben wieder zu genießen.

Die Zeit heilt alle Wunden, Narben bleiben zurück, diese prägen. Das ist der Lauf der Dinge....

Und wenn sie merkt, dass da jemand wie du in Ihrer Nähe ist, der sich sogar Gedanken darüber macht, wie du ihr helfen kannst, das wird Sie doppelt stärken.

Zu deinem letzten Satz, der mir auch oft durch den Sinn geht:

Ich habe festgestellt, dass es mir selbst auch gut tut, wenn ich gewisse Wunden wieder aufreise, um richtig aufarbeiten zu können, statt es einfach als Erfahrung ab zu tun. Klar, es tut nochmal heftig weh oder man reagiert heftig darauf, aber man hat es nochmal klarer vor Augen; kann besser damit arbeiten.

:)*

l{itt}lex.L.


Hallo *:)

helfen kann man in solchen Situationen wohl nur mit zuhören.

Ich kann mich sehr gut in die Lage deiner "Freundin" versetzen... Mit 17 ist meine erste große Liebe tötlich verunglückt,wir wollten im selben Jahr heiraten, denn da bin ich 18 geworden.

Das ist nun 7 Jahre her, aber ich traue so gesehen immer noch. Ich denke darüber nach, dass wir wahrscheinlich verheiratet sein würden und Kinder hätten, so wie wir es uns damals gewünscht haben...In so einer Sitaution bleibt man wohl sein ganzes Leben zusammen.

Der Todestag rückt hier auch immer Näher und ich merke, wie sehr mich das alles wieder belastet...

Sei einfach nur für sie da, wenn sie darüber reden möchte, das ist das beste...Mehr kann man ja sowieso nicht machen. Ich bin meinen Freundinnen jedenfalls sehr dankbar, dass sie mich an solchen Depritagen total auffangen, mich ablenken... Nichts ist schlimmer als daheim zu sitzen und darüber zu grübeln.. Dank meinem Sohn belibt mri da soweiso wenig zeit @:)

l|ittCleX.LN.


zusammen.

ersetze ich durch gefangen ;-)

m ewiDthoutxyou


Danke euch!

Wenn ich das lese, denke ich, bin ich wahrscheinlich schon auf dem richtigen Weg. Aber es braucht wohl wirklich viel Zeit.

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