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Stirbt sie jetzt, brauchen wir einen Abschiedsbesuch?

Leew&iaxn


Setzen6

Das ist das Schwierige daran, im Forum um Hilfe zu fragen: Die Entscheidungen, die man trifft, werden bewertet.

Ich habe den Faden von vorne durchgelesen, und als du deine Entscheidung schriebst, ahnte ich, was folgen wuerde.

Aber es ist deine Entscheidung, du bist niemandem hier etwas schuldig. Und es ist nicht an uns, die Entscheidung zu bewerten.

Was du hier bekommst, sind Blickwinkel anderer Leute. Mit denen bist du frei, zu machen, was du willst.

:)*

cnhicmco46


Es ist schwierig (unmöglich) zwischen gut und schlecht zu beurteilen jedes beurteilt/erlebt die Situation anders. Kürzlich erlebte ich bei meinem Bruder der an Blasenkrebs erkrankt war folgendes: er war kurz vor dem sterben, wir hatten doch ein "Geschwistertreffen" und hatten es schön. Aber kurz vor dem Sterben wollte er keine Besuche mehr, er wollte uns vermutlich nicht belasten da er auch mit solchen Besuchen Probleme hatte. In der Nacht als er gestorben ist war seine Frau noch bei ihm und ist dann nach Hause gefahren, kurz danach das Telefon er sei gestorben. Im Spital wurde meiner Schwägerin gesagt , es geschehe oft das der Sterbende "warte" bis er den Zeitpunkt am besten finde. Hier könnte man annehmen er wollte seine Frau nicht damit belasten, die ihn schon lange pflegte. (Er war nicht alleine es war eine Tochter bei ihm.) Auch seine Entscheide/Wünsche "schnell verabschiedet" zu werden, einfach verstreut und ohne grosse Abschiedszeremonie war sein Wunsch. Was ich hier sagen möchte wenn Die Oma einen Besuch möchte solltest Du gehen, der grösste Blumenstrauss kann danach Dein Gewissen nicht mehr entlasten. Noch eines, ich habe es schon bei Besuchen erlebt wo mir der Kranke "geholfen" hat weil ich weinend vor ihm stand.

M(ikaVsmaxma


In der Nacht als er gestorben ist war seine Frau noch bei ihm und ist dann nach Hause gefahren, kurz danach das Telefon er sei gestorben. Im Spital wurde meiner Schwägerin gesagt , es geschehe oft das der Sterbende "warte" bis er den Zeitpunk, am besten finde.

So war es bei meinem Vater auch, meine Mutter wollte mittags nur zu meiner Oma, die um die Ecke wohnte und ihr Essen bringen, während der Zeit kam dann der Anruf aus dem Krankenhaus.

sbchn"atteZrgusxche


chicco46

Noch eines, ich habe es schon bei Besuchen erlebt wo mir der Kranke "geholfen" hat weil ich weinend vor ihm stand.

Das Sterben ist ein Prozess, den der Sterbende in einem anderen Takt erlebt als Begleitende. Nach [[http://www.pflegewiki.de/wiki/Sterbephasen_nach_K%C3%BCbler_Ross#5._Phase:_Zustimmung Dr. Elisabeth Kübler-Ross]] warst Du noch in einer früheren Phase als der Sterbende. Das Miteinander reicht bis in den Tod und darüber hinaus.

SXe_tzenx6


Über Kübler Ross schrieb ich einst in meiner Examensarbeit.

Gestern habe ich ein Buch wieder herausgekramt und darin gelesen.

Heute Nacht habe ich von Oma geträumt, nur ganz kurz, aber doch sehr klar.

Sie stand im Garten mit ihrer blauen Schürze und wir hatten Emaillebottiche um unsere Hüften gebunden, in die wir gepflückte Himbeeren füllten. Wir standen zwischen den Büschen, es war sehr sommerlich. Früher war das tatsächlich oft so, da waren dann immer noch mehr Menschen mit im Garten. In meinem Traum waren wir alleine. Ich weiß, dass ich kein Kind war, so wie damals in der Realität, sondern es war "jetzt". Ich war eine junge Frau und sie war die Oma, die sie vor zehn Jahren war.

Wir haben still gepflückt, einträchtig nebeneinander. Irgendwann war mein Bottich voll und ich lief zu ihr und füllte alles in ihren Bottich, der im Traum größer war als meiner. Meine ganzen Beeren kullerten in das Gefäß und ich fragte sie, ob das nicht zu schwer sei an ihren Hüften. Sie lächelte, wie sie immer gelächelt hat und sagte: "Nein nein, nicht zu schwer. Tu nur all deine Beeren hinein."

Das habe ich getan. Dann haben wir weitergepflückt und plötzlich waren es auch Kirschen, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Äpfel, Kastanien. Alles gemischt. Es wunderte mich gar nicht, dass ich das tat und es war irgendwie auch nicht falsch, dass ich alles mischte. Als mein Bottich wieder voll war, lief ich wieder zu Oma, die noch immer nur Himbeeren pflückte. Und ich fragte sie, ob ich denn meine Früchtemischung überhaupt in ihren Bottich kippen dürfte und sie sagte mit einem Lächeln und großer Selbstverständlichkeit "Das ist doch schön, wenn wir alles mischen. Misch du mal!" Sie pflückte dann weiterhin nur Himbeeren, mit großer Beständigkeit und einem immer gleichen Rhythmus. Ich hingegen klaubte alle Früchte des Gartens zusammen. Auch Gräser, Blumen, Steine. Und alles füllte ich in ihren Bottich und sie sagte nichts dazu.

Dann war es plötzlich Abend und wir standen in der Abendsonne auf der Terrasse und beobachteten die Katzen, die Milch schlabberten. Und ich fragte sie nach der Marmelade und sie sagte, dass das die "ehrlichste und leckerste Marmelade ergäbe, die es je gegeben hat". Und dann fegte sie noch die Terrasse ganz sauber und ich stand nur da und sie machte ganz viel Ordnung, während drinnen die Marmelade köchelte, die die ehrlichste und leckerste unseres Lebens werden sollte.

Oma.

SWetzxen6


Oma. Nur noch Himbeeren.

Und ich. Alles gemischt.

Und eine ehrliche Marmelade.

Sie machte Ordnung auf der Terrasse.

s}chna8tterg!usche


Jetzt ist die Terrasse sauber, die Arbeit getan. Oma ist bereit zu gehen. Sie war noch einmal mit Dir zusammen, auf ihre Weise. Nicht krank an ihrem Bett, sondern fit und lebendig im Garten in Deinem Traum. Ihr haben die Himbeeren gereicht. Dein Leben geht weiter, bunt gemischt wie die Früchte. Süß und sauer, hart und weich. Und weil es die leckerste und ehrlichste wurde, wird nun jede Marmelade ein wenig nach Oma schmecken. So lebt sie in Dir weiter. @:)

Sretzexn6


So ist es.

Danke Schnattergusche.

Und vor allem: Danke Oma.

Danke Oma

Das habe ich ihr schon ganz oft gesagt. Und obwohl für sie immer alles selbstverständlich ist, was sie für mich tut, weiß sie doch, dass ich unendlich dankbar für diese Dinge bin.

Und das ist mein Geschenk an sie.

Sie bricht langsam auf. Ich tue das auch. Sie bricht innerlich auf, gleitet weg, langsam, jeden Tag ein bisschen mehr. Manchmal reisst sie sich zurück, aber insgesamt ist sie doch auf ihrem Weg und ich hoffe, dass sie richtig müde ist.

Und ich breche auch auf, jeden Tag, so wie gestern und vorgestern und morgen und übermorgen. Mir wird der Wind ins Gesicht schlagen und im Winter der Schnee und ich werde meine Haut und meinen Körper fühlen und meine Haare im Gesicht. Sie dann nicht mehr. Ich bin jung, sie ist alt. Sie hat die guten Dinge an mich weitergegeben, das war ihre Aufgabe, und die hat sie mit Bravour gemeistert.

Bravo, Oma!

:)=

*:)

W#at0erli


Ich überlege, ob ich jetzt noch einmal heimfahre, vielleicht am Donnerstag, wo ich sowieso frei habe, es wäre aber alles wahnsinnig stressig, gehetzt und irgendwie eine Verpflichtung. Außerdem habe ich nächste Woche Freitag beruflich eine große Prüfung, die natürlich Zeit in Anspruch nimmt. Es klingt fies, wenn ich das so sage, so, als wäre mir diese Prüfung wichtiger. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ein Besuch zu gehetzt und irgendwie auch nicht mehr schön wäre.

Man kann es auch so sehen: deine Oma will bestimmt auch, dass du dich auf deine Prüfung konzentrierst, dann das nützt mehr als ein Besuch. SIE würde es dir sicher nicht übel nehmen. :)z

Jetzt frage ich mich, ob es nicht besser wäre, diesen Besuch als Abschiedsbesuch zu nehmen, denn er war schön so wie er ist. Mittlerweile hat sich ihr Zustand so verschlechtert, dass ein erneuter Besuch "nicht so schön" wäre.

Das ist der Grund, warum ich (bis jetzt) grundsätzlich bei Beerdigungen nicht an den Sarg gehe. Weil ich eine schöne Erinnerung will und nicht so eine Endzeitstimmung oder gar gar nicht mehr mit dem Menschen reden können und DAS dann als letzte Erinnerung/Abschied haben... ":/

Du musst das selber wissen, wie es für dich am besten ist. Umgehen damit, wenn sie bald stirbt, musst ja erstmal nur du. Auf sie kommt danach sicher kaum noch etwas Schlimmes zu, sie ist dann auf jeden Fall "zufrieden", kannst du dir denken. :)z Deshalb finde ich es auch ok, wenn man da für sich die Erinnerung/den letzten Abschied haben möchte, den man am besten findet. Und dass du wegen der Prüfung keine Zeit hast nimmt sie dir bestimmt nicht übel.

Dass sie alleine sein will, würde ich sowieso auf jeden Fall akzeptieren, also vielleicht will sie euch dadurch auch grade so einen "unschönen Abschied" ersparen.

S+etze"n6


Sie liegt jetzt auf der Intensivstation und ist nicht mehr ansprechbar.

Gute Reise, Oma.

Bald hast du den anstrengenden Teil geschafft.

A,ufDer@Arbexit


:)-

C9urrJan


Das ist traurig und trotzdem tröstlich, nicht?! :°(

:)- :)*

SHetz_e n6


Ich war heute bei ihr. Sie liegt unbeweglich im Bett, hat die Augen halb geöffnet, reagiert aber nicht mehr. Sie atmet sehr schwer.

Ich glaube, dass sie gehen möchte. Aber sie schafft es irgendwie noch nicht.

Ich habe ihre Hand gehalten und ein bisschen neben ihr gesessen. Manchmal habe ich erzählt, dann wieder geschwiegen. Meistens habe ich nur ein "Ach Oma.." rausgekriegt.

Zum Abschied hat sie ein paar Küsse bekommen und sie hat sich gut angefühlt. Und sie riecht genau wie früher.

WpiOnniep2004


Ich wünsche Euch und Ihr alles Gute!!!!

Schön, dass Du noch bei ihr warst!!!

A]ufDer>Arbxeit


Ich weiss wie du dich fühlst, ich habe meine Mutter ihre letzten Monate begleitet.

Ich hoffe das deine Oma bald ihren Weg geschafft hat. :)*

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