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Stirbt sie jetzt, brauchen wir einen Abschiedsbesuch?

AtufD+erArbkeixt


:)-

S7etzpexn6


Ich weiß nicht, ob dir die Beerdigung gefallen hätte. Das Wetter war auf jeden Fall schön, schnelle Wolken zogen über die Felder, die Sonne strahlte zwischen durch herab und es war windig. Das Foto neben deinem Sarg war sehr treffend und zeigte dich genau so, wie ich dich in Erinnerung habe.

Die Blumen, die man dir auf den Sarg werfen konnte, waren keine Rosenköpfe mit Stiel, sondern waren genau am unteren Rand gekappt, so dass man sie quasi als ganze Blüte in die Hand nahm, aber als man sie losließ, segelten tausend einzelne Rosenblätter auf deinen Sarg. Es sah wirklich toll aus. So wie fröhliche Tränen. Das hätte dir sicherlich gefallen! Als am Ende der Beerdigung noch so viele Blüten übrig waren, haben dein Urenkel und ich alle aus dem Behälter genommen und sie ins Grab geworfen. Er war ganz fasziniert von den fallenden Farben. Er ist um das Grab herumgerannt und hat dafür gesorgt, dass alles relativ gleichmäßig verteilt war. Er hat gerufen: "Wir decken die Uroma zu!" und hat freudig gejauchzt.

Ich weiß nicht wo du bist. Vielleicht schreiben jetzt einige, dass du in meinem Herzen bist. Klar bist du da, aber ich denke, du bist auch irgendwo anders und auch nirgendwo.

Sie haben das Tröstelied gespielt, das in unserer Familie seit Generationen gesungen wird, wenn etwas trauriges geschieht.

Und: Zogen einst fünf wilde Schwäne.

Ich weiß nicht, weshalb mich dieser Tag so aus der Fassung bringt, vielleicht weil wir alle so traurig am Grab standen. Traurig über unser aller Leben, das so verdammt schief gelaufen ist. Oma, ich muss gestehen, wir waren nicht nur wegen dir traurig. Wir waren auch traurig, weil wir alle unsere Unzulänglichkeiten gespürt haben: Unsere Süchte, unsere Traurigkeiten, unsere Einsamkeit, all die verlorenen Chancen. Ja, ich denke das trifft es am besten: Wir waren traurig über uns alle. Weil wir traurig waren und einander nicht helfen konnten, weil wir viel zu beschädigt sind.

Das Leben hat hart zugeschlagen. Du hast es jetzt hinter dir und ich glaube, dass es für dich nur besser sein kann da wo du bist. Auch wir werden uns eines Tages danach sehnen zu sterben und vielleicht haben wir das irgendwie auch heute schon getan.

Pass auf uns auf, denn wir können es brauchen. Uns tut alles so weh.

Das ganze Leben tut uns so verdammt weh und es ist an der Zeit, dass es uns allen irgendwie besser geht.

Drück uns die Daumen und gib uns die Möglichkeit, das Leben trotz allem zu lieben. Gib uns viele Felder, viel Sonne, schöne Wolken, gesunde Kinder, Liebe, Hoffnung und Freude.

Oma, wir können es gebrauchen.

AbufDebrArbexit


:°_

SFeStzexn6


Oma, ich habe Angst, dass es keinen Gott gibt. Ich habe Angst, dass alles einfach so geschieht und es Leben gibt, in denen alles schief geht, ohne dass man irgendwann entlohnt wird. Ich habe so viel Angst.

Ich habe Angst, dass es niemanden gibt, der über uns wacht. Ich habe oft an der Güte Gottes gezweifelt aber nie an seiner Existenz.

Nun bin ich aber auch an diesem Punkt angelangt und diese eventuelle Wahrheit -eben dass da kein Gott ist- eröffnet mir dunkle Weiten, die mich erschrecken. Ich fühle mich schutzlos und in eine Arena geworfen.

Es ist als warte ich auf den Stier oder Löwen und die Zuschauer beobachten mich und es sind alles nur Menschen.

Und kein Gott oben an dem blauen Himmel, der den Himmel zu meinem einzigen Ausweg macht. Ich sehe nur Menschen und habe Angst vor wilden Tieren. Mein Blick ginge normalerweise gen Himmel, weil ich Hilfe von dort erwarte. Oder zumindest die Erkenntnis, dass ich nach oben schwebe, wenn ich von den Ungeheuern zerrissen werde.

Aber heute erscheint es mir zum ersten Mal so, dass ich einfach nur einen blauen Himmel sehe. Einen leeren, blauen Himmel, in dem kein Gott wartet, indem keiner gütig die Hände öffnet.

Vielleicht ist wirklich alles nur Kampf und Qual. Vielleicht streckenweise auch Liebe und die Güte von Menschen. Aber oben vielleicht kein Gott.

Eine erschreckende Erkenntnis.

Wo bist du, Oma? Ist Gott da? Ich bräuchte ihn für mein Leben. Sag ihm bitte Bescheid.

Woinncie20_0x4


Hallo,

Deine Zeilen berühren mich sehr!!!

Du "zweifelst" und das glaub ich, dürfen wir auch.

Ich bin mir ganz sicher, dass es "IHN" gibt!!! Ich stelle mir meine Lieben immer zusammen vor ... bei ihm. Ihnen geht es gut und sie sehen zu uns runter ... schauen was wir machen.

Sag Gott doch, dass Du ihn brauchst für Dein Leben!!! Er hört Dich bestimmt!

Gott schütze Dich!!!

Liebe Grüsse

Winnie2004

SVetYzxen6


Danke Winnie2004, das sind sehr schöne Worte von dir an mich.

Oma, ich habe heute morgen um 4 in der Dämmerung [[http://www.youtube.com/watch?v=P-kS8tNAvJM Largo von Händel]] für dich gespielt.

Und im Auto auf dem Weg zur Arbeit habe ich laut [[http://www.youtube.com/watch?v=9kP8IRXBymE Ain't no mountain high enough]] gehört und mitgesungen.

Die Felder sind schon ganz hoch und ein goldener Schimmer reicht bis an die Wälder und Hügelkuppen.

Eine schöne Erde haben wir!

SnetzeZn6


Oh Oma, ich hoffe ich habe dich genug geliebt. Ich hätte es dir öfters sagen sollen.

ShetzmeQn6


Mama hat einen weiteren Krebs. Sie hat nun zwei Krebse. Dein Kind hat Krebs. Meine Mutter. Wo bist du? Ich hoffe, du weißt, dass du trotzdem gehen durftest. Wir schaffen das schon.

S:etz%en6


Ich möchte jetzt auf der Stelle eine krakelige Geburtstagskarte von dir bekommen. Und ich möchte 50 Euro von dir bekommen und dir einen Bedankemichbrief schreiben in dem steht, dass ich das Geld spare, dabei mache ich das gar nicht.

S^etzenx6


Ich habe das Geld immer rausgehauen, Oma. Seit Jahren schon. Und auch nicht immer für gesunde Sachen. Ich hoffe, du verzeihst. Mama hat gesagt, dass du mal das Haushaltsgeld von Opa heimlich gespart hast um dir eine Perlenkette zu kaufen. Ich glaube du verzeihst mir also, dass ich mein Geburtstagsgeld in den letzten Jahren für Kippen und Parties rausgehauen habe.

Eine Perlenkette wäre nichts für mich gewesen, das weißt du doch.

fcragnuxrso


Sie wird dich verstehen, ganz bestimmt. @:)

S\et,zen6


Oma, ich habe heute alle Dinge gesammelt, die ich von dir geerbt habe.

Ein Bild von dir in einem silbernen Rahmen und die kleinen Keramikkatzen, die du immer so mochtest. Katzen haben uns immer verbunden.

Ich weiß noch, wie wir im Winter in Emaillebottichen Milch erhitzt haben für deine Draußenkatzen, die du wegen Opa nie mit reinnehmen durftest. Er hasste Katzen. Aber ich weiß auch, dass er sie dir nie verboten hätte. Sonst hätte er auch nicht an dem alten Esstisch die Beine abgesägt und ihn tiefergelegt. Er hat ihn draußen auf die Terrasse gestellt und gesagt: "So, ein Katzentisch." Er tat so, als habe er den Tisch einfach nur weiterverwerten wollen, aber ich glaube, er wollte dir auch eine Freude machen. Ich weiß noch, wie wir die Milch dann rausgebracht haben und wie aus allen Ecken und Enden die Katzen aus der Dunkelheit hervorgeschossen kamen.

Und dann standen wir draußen, du und ich, und die Katzen haben geschlabbert.

Drinnen war es warm vom Kachelofen, der das ganze große Haus wärmte. Trotzdem zog ich eine andere Wärme vor: Die Küchenwärme aus dem Herd, den du immer schürtest. Während Opa im Wohnzimmer am Kachelofen saß und las, saß ich bei dir in der Küche, wo du herumwerkeltest. Es war eine andere Wärme, vielleicht war es deine. Und der kleine Schwarzweissfernseher lief und ich machte die Rätsel aus der Fernsehzeitschrift "Gong", während du das Abendbrot vorbereitetest.

Die Keramikkätzchen standen in der Vitrine in der Küche. Immer wenn ich schon fertig mit essen war, holtest du sie heraus und ich durfte damit am Tisch spielen, denn es galt die Regel, dass wir alle sitzen bleiben, bis alle mit Essen fertig waren. Bei Opa hat das immer gedauert. 6 Teller Linsensuppe, das weiß ich noch.

Diese Kätzchen habe ich jetzt geerbt. Und dazu dein kleines Schlüsselbrett, an dem immer dein Schlüssel samt blauem Anhänger hing.

Heute habe ich ein Regalfach im Wohnzimmer leergeräumt und dein Bild dorthin gestellt. Die Kätzchen dazu und an die Wand des Faches habe ich das kleine Schlüsselbrett gehängt mit dem Anhänger daran.

Du bist hier bei mir und das ist ein sehr schönes Gefühl.

SMetz}en6


Und ich bin gar nicht so traurig, sondern heute sogar ziemlich fröhlich.

Es ist Sommer, ich trage einen Rock und ein hellgrünes T-Shirt, das hätte dir bestimmt gefallen.

Ich habe dich lieb.

Saectzexn6


Oma, komm jetzt her und spiel Rummycup mit mir!

SEetz#en(6


Jetzt.

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