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Organspende ohne Narkose?

lqinkeSxocke62 hat die Diskussion gestartet


Meine Schwester ist vor 5 Jahren an einer Hirnblutung gestorben. Die Organentnahme haben wir abgelehnt, weil wir davon ausgingen, dass sie es vermutlich nicht gewollt hätte. Wir, ihre Familie, waren dabei, als die Beatmung abgstellt wurde.

Es waren schrecklich lange 18 Minuten, in denen ein kerngesundes Herz sich quälte, weil es keinen Sauerstoff mehr bekam. Dann war meine Schwester tot. Nicht nur hirntot.

Im Nachhinein überkamen mich Zweifel. War es richtig, sie nicht zur Organspende zuzulassen?

Ihr Körper war noch so gesund, wollte leben. Ihr Herz wollte leben. Wir haben ihm den Saft abgedreht.

Aber gleichzeitig überkamen mich auch andere Zweifel.

Warum werden Organspendern in der Schweiz Organe unter Narkose entnommen, wenn die Ärzteschaft sich doch so hundertprozentig sicher ist, dass hirntot=tot ist?

Warum heißt es, dass das in Deutschland "aus Kostengründen" nicht gemacht würde?

Ein Hirntoter wehrt sich nicht mehr. Aber spürt er wirklich nichts? Oder ist unsere Medizin einfach noch nicht so weit, erkennen zu können, wieviel Leben da tatsächlich noch vorhanden ist?

Wieso kommt es immer wieder so Reaktionen bei der Organentnahme, die bei Hirntoten nicht mehr zu erwarten wären?

Welche Meinung habt ihr dazu?

Ist hirntot wirklich tot? Dürfen wir tatsächlich Organe ohne Narkose entnehmen?

Antworten
Hlase+nr8eiCch


Hallo linkeSocke62,

im Nachhinein noch meine herzliche Anteilnahme!

So ein Verlust ist schon schlimm genug, aber dann noch in einer solchen Situation mit der Frage nach Organentnahme belastet zu werden ist meiner Ansich nach äußerst pietätlos.

Ich habe schon seit einigen Jahren Kontakt mit Betroffenen, die in ähnlichen Situationen mit dieser Frage belastet wurden und die im Unfallschock eine Organentnahme zugelassen haben - und die ebenfalls ihre Entscheidung im Nachhinein bereuen - weil sie unter falschen Voraussetzungen eine Entscheidung getroffen haben, zu der sie in dieser Situation gar nicht fähig waren - und vor allem auch, weil ihnen wichtige Fakten, die für eine Entscheidungsfindung unerlässlich wichtig sind, vorenthalten wurden.

Diese Betroffenen haben auch eine Web-Seite, wo sie ihre traumatischen Erfahrungen öffentlich gemacht haben. Hier kannst Du Dich eingehend über all die Fragen informieren, die Dich bewegen:

[[http://www.initiative-kao.de]]

Auch eine andere Web-Seite kann Dir über all die Fragen, die sonst von einseitiger Werbung verschlungen werden, beantworten:

[[http://transplantation-information.de]]

Du schreibst, dass Ihr eine Organentnahme abgelehnt habt, weil sie es wahrscheinlich nicht gewollt hätte. - Weißt Du, die Entscheidung über Organentnahme ist eine Entscheidung, die NUR derjenige SELBST treffen kann - und ich finde es unmenschlich, Angehörige in einer für sie selbst aussichtslosen Situation damit zu belangen. - Vielleicht findest Du ja eines Tages Deinen Frieden darüber, vor dem Hintergrund, dass Ihr aller Wahrscheinlichkeit nach dem Willen Deiner Schwester entsprochen habt.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen viel viel Kraft - und auch, dass Du zu Deinem inneren Frieden findest, weil Ihr Deine Schwester dieser Tortur nicht ausgesetzt habt - und sie es auch nicht gewollt hätte.

Liebe Grüße und viel Kraft.

:)* :)* :)* :)- :)- :)- :)* :)* :)*

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