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Meine Mutter stirbt

m;ad_;bunxny


Vielen Dank euch beiden.

Ich war am Samstag bei ihr, erst Mal nur für 2 Stunden, mehr wäre so schnell wohl zu viel gewesen. Es war schwer, aber ich bin jetzt doch froh, dass ich da war. Zwar hat sie zu Anfang doch wieder nur gesagt, dass es alles nicht so schlimm war und ich nur einfach zu sensibel bin, gegen Ende des Besuchs hat sie dann aber sehr geweint und gesagt, dass ihr alles sehr leid tut. Und ich habe ihr dann gesagt, dass ich ihr nichts nachtrage. Ich habe ihr auch versprochen, noch ein paar Mal zu kommen... wie lange es noch geht, kann wohl niemand genau sagen. Vielleicht sind es nur noch 2 Wochen, vielleicht auch noch 6 Monate.

Mein Vater hat mich irgendwann abgeholt und meine Mutter hat dann wieder geweint und ihn umarmt und sich bei ihm auch noch entschuldigt... es war so seltsam, meine Eltern so zu sehen, die vor 14 Jahren in bitterem Hass auseinander gegangen sind.

Ich kann auch nicht genau sagen, was ich fühle. Ich bin traurig und habe auch Angst, aber ich habe es akzeptiert, dass es bald so ist. Ich glaube, am schlimmsten für mich ist der Gedanke, dass sie furchtbare Angst hat...vielleicht auch, weil da eigene (Todes-)Ängste wach werden, ich weiß es nicht.

Jedenfalls ist mir klar, dass ich noch eine Weile brauchen werde, um alles verarbeitet zu haben, aber ich bin trotzdem froh, dass sie nicht stirbt und wir davor böse aufeinander waren und keine Chance mehr hatten, uns auszusprechen.

AHlexan>draxT


Hallo

Mein Vater ist neulich auch verstorben. Und auch ihm war es enorm wichtig sich für gewisse Sachen noch zu entschuldigen. Dinge die ihm auf dem Herzen lagen wollte er nochmals besprechen. Ich bin froh, dass ich in an seinem letzten Abend noch im Spital besucht habe. Ich vermisse ihn sehr – obwohl wir nie eine intensive Beziehung hatten – und bin froh, dass ich mir die Zeit genommen habe ihm zuzuhören und gewisse Dinge die in der Kindheit schief liefen zu verzeihen. Er konnte in Ruhe gehen. Es ist wirklich gut, dass Du mit Deiner Mutter nochmals Kontakt aufgenommen hast. Besuch sie weiterhin....Du gibst ihr unheimlich viel damit und machst ihr das "Gehen" ein wenig leichter. Ich weiss, dass es viel Kraft braucht....aber die hast Du.

Gruss

Alexandra

m4ad_b3unxny


Ich bin so ein Idiot!!!

Ich habe es wirklich versucht und GEGLAUBT, dass sie wirklich um eine Versöhnung bemüht und daran interessiert ist....

und jetzt merke ich, es war alles eine Farce. Es ging nur darum, mich weich zu kochen, damit ich auf mein Erbe verzichte. Und sollte ich nicht freiwillig verzichten, ja dann wird sie schon Mittel und Wege finden, damit ich nix kriege.

Ja, das ist meine Mutter. Es ist so bitter und ich weiß gar nicht, womit ich das eigentlich verdient habe. Ich fahre 160km, mehrmals, höre mir den ganzen Tag an wie schlecht es ihr geht, übergehe die Tatsache, dass sie mich nicht EINMAL fragt, wie es mir denn geht...

und dann dieser Hammer. Ihr armer, armer Mann muss ja das Haus verkaufen, wenn ich mein Erbe verlange. Das ist alles soooo schlimm, da kann ich doch nicht so gemein sein!

Sie hingegen hat es seit ich Abitur gemacht habe und ausgezogen bin, nicht einen Tag lang interessiert, wie ich lebe, musste mir anhören "Pech, wer kein Geld hat, kann nicht studieren", musste hinnehmen, dass sie meine Ausbildungsversicherung (die noch während der Ehe mit meinem Vater abgeschlossen wurde) genommen und in das HAus mit ihrem neuen Mann gesteckt hat, nicht einen Cent habe ich je von ihr bekommen und auch niemals etwas verlangt, und jetzt das.

Ist sowas normal? Hat das noch was mit Mutterliebe zu tun? Ich fühle mich einfach nur verarscht.

:°(

mXistgebxaut


Dann zieh jetzt deine Konsequenzen daraus.

g4agg#aguggxu


Wow. Habe gerade deine Geschichte gelesen. Das ist ganz schön hart. Ich wüsste nicht, wie ich an deiner Stelle reagieren würde.

Du tust mir sehr leid, vor allem weil du dachtest, dass sie es wirklich bereut. Wahnsinn wie man kurz vor seinem Tod noch sowas machen kann.

:-(

mLad_?bunxny


@ mistgebaut:

Und welche Konsequenzen wären das...

ich finde das gerade alles andere als einfach.

@ gaggaguggu:

Ich glaube, das schlimmste ist dieser Prozess des Begreifens, dass dieser Mensch tatsächlich die Mutter ist und man niemals eine haben wird, die einen liebt. Ich merke, wie ich in den letzten Tagen oft denke "wenn mich meine eigene Mutter schon nicht liebt, wieso sollte es dann jemand anders tun" und das macht mich so wütend. Und durch ihre Krankheit wird das noch schlimmer, weil ich weiß, dass ich auch die Chance nicht habe, dass es sich doch noch ändern wird, weil sie dann einfach tot ist.

Sie wirft mir stattdessen noch vor, es ginge MIR nur ums Geld und ich würde ja mein Leben überhaupt nicht umstellen (als ich ihr gesagt habe, dass ich im Januar für ein paar Tage Freunde in England besuchen werde), egal wie es ihr geht.

Ich kann wirklich nichts richtig machen.

Sie kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich mein Studium unterbreche, meine Arbeit hinschmeiße und mein eigenes Leben quasi auf "Pause" stelle, um rund um die Uhr für SIE da zu sein, die sich in den letzten 26 Jahren kein Stück dafür interessiert hat, wie es mir geht...

SHumpf(i2x3


Ich habe in etwa den gleichen "Beziehungsstatus" mit meinem Vater, gut, er liegt nicht im sterben (soweit ich weiß), aber wenn es doch mal soweit sein sollte, werde ich ihm mit Sicherheit nicht verzeihen, oder ihn gar nochmal sehen wollen.

Zu seiner Beerdigung werd ich gehen, aber nur um auf sein Grab zu spucken.

Wer sich nicht um sein Kind kümmert, es verstößt etc. hat kein Mitleid verdient!

Für manche scheint wirklich das Kind die Ursache für alle Probleme zu sein.

Meines achtens klingt das bei deiner Mutter, als wenn Sie nochmal schnell reinen ´Tisch machen möchte.

Was du jetzt tust, das musst du entscheiden, diese Entscheidung kann dir keiner abnehmen.

Ich (die betonung liegt auf Ich) würde nicht mehr hingehen.

Aber wie gesagt, das ist meine Meinung.

Iendiv.idualxist


@ mad_bunny

Und durch ihre Krankheit wird das noch schlimmer, weil ich weiß, dass ich auch die Chance nicht habe, dass es sich doch noch ändern wird, weil sie dann einfach tot ist

Ändern wird es sich nicht, aber du hast noch die Chance, ihr "die Meinung zu sagen", um sie mit einem besseren, aufgeräumteren Gefühl in deinem Herzen gehen lassen zu können. Falls du sie überhaupt noch mal sehen willst. Aber vielleicht wirst du dir nie verzeihen, wenn du es nicht tust, und wenigstens dieses eine Mal über deinen Schatten springst, die von ihr zugewiesene Rolle verlässt und "du selbst" bist.

Das mag sich nach landläufiger Meinung nicht mit der Vorstellung vom angemessenen Umgang mit Sterbenden vertragen. Andererseits: vielleicht gibt es nirgendwo mehr Scheinheiligkeit als da – ist das denn angemessen? Ist Ehrlichkeit denn nicht auch ein Wert? Und erfordern besonders schäbige, entwürdigende Umgangsformen nicht auch besondere Maßnahmen?

"Die Meinung sagen" – damit meine ich nicht billiges Beschimpfen oder "mit gleicher Münze zurückzahlen". Sondern all das Unausgesprochene, was dir auf der Seele liegt, was auch zwischen Euch steht, was du hier sehr verständlich zum Ausdruck gebracht hast, zur Sprache bringen. Ruhig, sachlich, aber inhaltlich schonungslos offen. Ich finde, deine Mutter hat ein "Anrecht" darauf, das zu wissen, bevor sie geht – egal, ob sie vordergründig will oder nicht. Und du wirst dich anschließend besser und "emanzipierter" und freier fühlen.

Es kann natürlich sein, dass sie dir ins Wort fällt, dich beschimpft, dir Vorwürfe macht, halsstarrig das alte und aus ihrer Sicht "bewährte" Rollenmuster bemüht, um dich klein zu machen. Oder es kann sein, dass dir selbst die Worte im Hals stecken bleiben. Auf beides solltest du vorbereitet sein. Ich glaube, ich würde ihr vorsorglich einen Brief schreiben, wo du in Ruhe alles aufschreibst, was du ihr sagen willst. Einerseits nur als Hilfe, die Gedanken zu ordnen und eine Vorlage als Stütze im Kopf zu haben, wenn du mit ihr redest. Andererseits, um ihn wirklich ausgedruckt in der Tasche zu haben. Falls sie ausfallend wird oder dir nicht zuhört, zückst du den Brief, drückst ihn ihr stumm in die Hand und gehst erhobenen Hauptes.

Ich finde, es sollte ein Treffen geben, bei dem nicht sie, sondern du Regie führst. Es könnte Dein symbolischer Neuanfang sein.

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