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Neffe verursacht tödlichen Unfall

bfelissOimax47 hat die Diskussion gestartet


Ich weiss gar nicht, wei ich anfangen soll.

Gestern hat mein Neffe (20) einen schweren Autounfall verursacht, bei dem sein bester Freund, ebenfalls 20, ums Leben gekommen ist.

Es war wohl so, dass er mit seinem Wagen (evtl. wegen überhöhter Geschwindigkeit) in einer Linkskurve die Kontrolle über den Wagen verloren hat.

Mein Neffe konnte sich noch schwer verletzt aus dem Wagen befreien, sein Freund war wohl auf der Stelle tot.

Die Polizei vermutet, dass noch ein weiterer Wagen mit in den Unfall verwickelt war, weil Zeugen gesehen haben, wie aus entgegengesetzter Richtung ein Wagen mit sehr großem Tempo herangerast kam.

Ob dieser Wagen meinen Neffen womöglich in der Kurve geschnitten hat, man weiss es nicht, da der Wagen flüchtig ist.

Mein Neffe kann sich nur noch daran erinnern, dass er sich "tierisch" erschrocken hat und danach hätte sich sein Auto auch schon überschlagen.

Mein Neffe weiss seit einer Stunde, dass sein Freund den Unfall nicht überlebt hat und er ist total zusammengebrochen. Er selber hat keine lebensbedrohlichen Verletzungen, steht aber unter einem schlimmen Schock. Mein Bruder hat einen Seelsorger, der spezialisiert ist auf Trauma, gebeten mit meinem Neffen zu sprechen.

So schlimm das ganze ist, mir tun die Eltern des gestorbenen Jungen so unendlich leid, trotzdem bin ich doch erleichtert, dass mein Neffe überlebt hat.

Aber ich bin sehr verunsichert und weiss nicht, wie ich mich in dieser Situation verhalten soll. Mein Bruder...die ganze Familie steht total unter Schock, ich will gerne helfen, weiss aber nicht wie.

Antworten
C1oHr=nelxia59


Das ist ja schrecklich! Laß dich mal drücken! :°_

Der Schock im Moment ist normal in so einer Horrorsituation, das muß jeder erst mal verdauen, und das braucht Zeit. Ich weiß nicht, ob das Gespräch mit einem Seelsorger für deinen Neffen im Moment schon viel Sinn macht, weil man meistens erst mal wie vor eine Wand gelaufen ist und alles an einem vorbeirauscht. Aber das ist von Mensch zu Mensch so unterschiedlich...

Auf jeden Fall kann ich euch allen nur raten, ebenfalls mit einem Seelsorger zu sprechen.

Was das Helfen angeht: Fahr hin, biete ihnen erstmal an, ihnen Dinge wie Essen machen oder ähnliches abzunehmen, dafür hat bestimmt im Moment keiner einen Kopf. Gar nicht groß fragen, weil denen vermutlich nicht viel einfällt, wenn du fragst, "wie kann ich helfen?", sondern loslegen. Es sollte am besten auch keiner von ihnen selber Auto fahren, bevor der schlimmste Schock verdaut ist, also z. B. Fahrdienst für die Familie. Solche Sachen. Das wird im Moment wahrscheinlich von ihnen kaum wahrgenommen, aber später werden sie dir dankbar sein.

bQelis$simxa47


Hallo cornelia59

habe gerade noch mal mit meinen Bruder gesprochen, mein Neffe verdrängt total, dass sein Freund nicht überlebt hat, er sagt nur immer, ihm geht es gut. Die Ärzte haben geraten ihn nicht alleine zu lassen, also ist wohl jetzt rund um die uhr jemand im Krankenhaus. Ich werde auch später hinfahren und versuchen einfach da zu sein. Für mich ist es beängstigent, dass ich so froh und erleichtert bin, dass mein Neffe (auch ohne großen Verletzungen) überlebt hat. Ist das Normal?

RRlmxmp


Für mich ist es beängstigent, dass ich so froh und erleichtert bin, dass mein Neffe (auch ohne großen Verletzungen) überlebt hat. Ist das Normal?

Natürlich ist das normal.

Man sollte sicherlich die 2 Gefühle trennen dürfen!

E?hema&ligyer Nutze5r (#359873x)


Für mich ist es beängstigent, dass ich so froh und erleichtert bin, dass mein Neffe (auch ohne großen Verletzungen) überlebt hat. Ist das Normal?

natürlich ist das normal. stell dir mal vor, du wärst nicht froh und erleichtert, dass er überlebt hat. :°_

C[orne_l~iax59


Ja, ich denke schon, daß das normal ist. Man verdrängt erstmal alles andere als den Gedanken an die eigene Familie und daß sie mit einigermaßen heiler Haut davongekommen ist. Daß dein Neffe im Moment total im Schock ist und immer wiederholt, ihm geht´s gut, habe ich in anderen Fällen auch schon erlebt. Das ist der Schockzustand, im Moment dringt nichts zu ihm durch. Das kommt noch...

Es ist auch normal, daß man erstmal nicht weinen kann. Oder wie erstarrt ist. Oder äußerlich gar nichts zeigen kann. Das braucht alles Zeit, jeder reagiert anders, und nur wenigsten brechen weinend und schreiend zusammen. Deswegen trauern sie aber nicht weniger. Wenn einer dir weinend entgegenkommt, dann weißt du, denke ich, was du da tun mußt, oder? :°_

Und die hatte ich beim ersten Post noch vergessen: :)- Für euch alle, besonders aber für den Freund deines Neffen und seine Familie. Meine Gebete und mein Mitgefühl begleiten euch!

b:elis<simna47


Habe meinen Neffen und meine Familie besucht. Es geht ihnen allen wirklich schlecht.

Von der Polizei gibt es kaum Neuigkeiten, von dem gesuchten Fahrzeig fehlt weiterhin jede Spur.

Dafür geht das "Vorverurteilen" in der Bekanntschaft und Nachbarschaft los. Es ist wirklich unglaublich.

Freunde, mit denen man aufgewachsen ist und die man seit zig Jahren kennt, meinen jetzt plötzlich ein Urteil fällen zu können. Es ist schon klar: Mein Neffe der Todesfahrer!

Natürlich hat er den Unfall verursacht, aber solange doch die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind, solange sich mein Neffe auch nicht erinnern kann, was genau passiert ist, finde ich das sehr schlimm.

Da kommen dann so Sprüche "Ihr habt ja wenigstens euren Jungen noch!"

Als ob das irgendwein Trost wäre. Es war schlileßlich sein bester Freund, der zu Tode gekommen ist, das wird ihn ein Leben lang belasten. Er macht sich selber doch schon die schlimmsten Vorwürfe...warum kann man denn nicht auch ein bisschen Mitgefühl für den armen Jungen haben. Er ist gerade erst 20, wie soll er jemals damit fertig werden.

Und was ist, wenn es sich wirklich herausstellt, dass dieser andere Fahrer vielleicht den Unfall zu verantworten hat?

Was, wenn er ihm die Kurve geschnitten hat?

Was, wenn er ihn vielleicht sogar berührt hat?

Was, wenn wir niemals die Wahrheit über den Unfall erfahren werden? :°(

C1orMne*lixa59


Ach, weißt du, Bellissima47, das zeigt nur wieder mal, wie wenig sich viele Leute in so eine Situation einfühlen können. In dieser Lage könnt ihr ganz gut feststellen, wer wirklich ein guter Freund ist und wer nicht. Hart, aber wahr. Und was die Vorverurteilungen angeht: ich nehme an, diese Leute werden, wenn herauskommt, daß dein Neffe unschuldig an dem Unfall war, ziemlich dumm dastehen. Dazu vielleicht ein Satz aus der Bibel: "Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet!"

Wie geht es denn der anderen Familie? Machen die ihm Vorwürfe oder kommt da im Moment gar nichts? Ich könnte mir denken, daß jetzt das Autowrack untersucht wird und auch die Straße, um festzustellen, was sich da tatsächlich abgespielt hat. Es hat doch wohl auch Zeugen gegeben, die ein anderes Auto gesehen haben, dein Neffe hatte mit Sicherheit keinen Alkohol im Blut, sonst hätte er längst viel größeren Ärger mit der Polizei. Also, tragt die Puzzlestücke zusammen, vielleicht hat ja noch jemand das andere Auto gesehen und meldet sich erst mit Verspätung? Vielleicht wird sich auch der andere Fahrer von selber melden, wenn er feststellt, was er da angerichtet hat? Und vielleicht kehrt bei deinem Neffen bald die Erinnerung zurück? Das kommt durchaus vor! Manchmal kann man sogar mit Techniken wie Hypnose (ich meine nicht die Showversion, sondern das, was professionelle Psychologen machen) die Erinnerung zurückholen. Aber das ist alles noch zu früh.

Ob ihr jemals die Wahrheit erfahren werdet... ich kann es nicht sagen. Ich hoffe es für euch. Und ich rate euch, dafür zu beten. Es bringt wirklich was, glaub es mir einfach.

bSeliossi;ma47


Hallo Cornelia59

Nein, mein Neffe hatte keinen Alkohol getrunken, auch Drogen waren nicht im Spiel, und da es keine Bremsspur gibt ist auch gar nicht sicher, ob und wenn ja wie schnell er gefahren ist.

Eigentlich war er ein ansonsten ein besonnener Fahrer. Ich war gestern noch mit meinem Bruder bei der Polizei und die Beamten meinten auch, mein Neffe sei kein Täter, in dieser Sache gäbe es nur Opfer.

Es tut mir so weh, meinen Bruder und die ganze Familie so leiden zu sehen.

Mein Bruder ist zu der anderen Familie hingefahren, sie haben ihn nicht hereingelassen. :°(

Ich kann es verstehen, sie sind auch gefangen in ihrem Schmerz, aber die beiden waren die besten Freunde...

Am Samstag ist die Beerdigung und mein Bruder überlegt, ob er hingehen kann oder nicht. Mein Neffe liegt ja noch im KH, kann also sowieso nicht hin.

Die Polizeipsychologin hatt gemeint, solange mein Bruder nicht mit den Hinterbliebenen gesprochen hat, wäre es keine gute Idee.

Ich hätte auch Angst, dass es zu wirklich schrecklichen Szenen auf dem Friedhof oder in der Kirche kommt.

Helfen würde sicherlich, wenn die genaue Ursache geklärt werden könnte, aber ich glaub nicht daran, dass das andere Fahrzeug noch ermittelt werden kann.

EwmilixeA


Mein Bruder ist zu der anderen Familie hingefahren, sie haben ihn nicht hereingelassen.

Wow, Respekt! Das finde ich wirklich großartig, so einen schweren Schritt zu tun. Wurde denn mit ihm geredet oder wurde er komplett ignoriert. Ich weiß auch nicht, ob es so eine gute Idee ist, wenn er zu der Beerdigung geht. Vielleicht geht er lieber am nächsten Tag oder so hin und legt Blumen oder einen Kranz dazu...

b%elissNimxa47


Hallo EmilieA,

der jüngere Bruder kam zur Tür und meinte nur, es wäre jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.

Das war schon am Sonntag, wenige Stunden nach dem schrecklichen Unfall, das ganze Haus war voll mit Verwandten, vielleicht haben sie ihm deshalb nicht hineingelassen.

Mein Bruder möchte heute nachmittag noch mal hinfahren.

a9.fCish


Schreckliche Situation. Nur Opfer, das trifft es. Dein Bruder tut gut daran, mit der anderen Familie in Kontakt zu treten. Sie sollten wirklich miteinander sprechen.. auch, wenn es natürlich denkbar schwierig ist. Wenn sich da aber unausgesprochene Gefühle hochschaukeln, kann es noch häßlicher werden. :-( Ich kenne einen ähnlichen Fall, da musste am Ende das Straßenkreuz des Fahrers wieder entfernt werden – immer wieder haben Angehörige des Beifahrers es mit "Mörder" u.ä. beschmiert. Ich weiß nicht, ob es irgendeine Möglichkeit gibt, einen Mittelsmann heranzuziehen? Einen Seelsorger vielleicht? Jemand, der mit der Familie des Verstorbenen sprechen kann und nicht unmittelbar selber betroffen ist.

EgmiuliexA


Mein Bruder möchte heute nachmittag noch mal hinfahren.

Je nachdem, wie ihm dort begegnet wird, kann er ja entscheiden, ob er zur Beerdigung möchte. Vielleicht kann er ja auch direkt fragen, ob es ihnen Recht wäre.

Das ist auf jeden Fall eine schwierige Situation für alle Beteiligten. Es ist schön, dass dein Neffe überlegt hat und ganz viel Mitgefühl für die Familie seines Freundes.

EGmixlieA


dass dein Neffe überlegt

überlebt

bCeli=ss~imax47


Mein Bruder und seine Familie sind in psychologischer Betreuung. Auch ein Seelsorger, der spezialisiert ist auf solche Trauma wurde hinzugezogen.

Inwieweit das auf die andere Familie zutrifft kann ich nicht sagen.

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