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Reaktionen des Umfeldes auf den Trauerfall

Hiolabixene


Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich aber nur eine falsche Reaktion – nämlich die gar nichts zu tun/zu sagen und womöglich noch dem Betroffenen auszuweichen. Ich finde es gar nicht schlimm seine Überforderung/Unsicherheit dem Betroffenen gegenüber klar zum Ausdruck zu bringen. Ich habe einige Situationen erlebt, in denen es so war – dennoch war die gute Absicht dahinter erkennbar und letztenendes zählt für mich nur das.

:)^ :)z Sehe ich auch so, auch wenn das alles vielleicht ein wenig blöd rüberkommt, besser so als gar nichts.

Jloxri


Als meine Eltern damals kurz hinter einander starben, habe ich meinen Chef gebeten, die allerengsten Kollegen zu informieren, aber gleich darauf hinzuweisen, dass ich auf keinen Fall angesprochen werden möchte und dass es über den engsten Kreis hinaus auch nicht weitergetragen wird.

Ich bin sehr dankbar, dass er und die entsprechenden Kollegen sich daran gehalten haben, denn so konnte ich das Tempo selbst bestimmen. Irgendwann war ich dann in der Lage, von mir aus auf das Thema zu kommen und mir die Leute selbst auszusuchen, mit denen ich darüber spreche.

Innerhalb der engsten Familie (Geschwister) haben wir oft geredet, oft geweint und oft geschwiegen. Mal war der eine stärker, mal der andere.

Innerhalb der weiteren Familie war auch kein Problem. Der eine hat nicht darüber gesprochen und es war okay. Der andere hat gesprochen und wir haben zusammen geweint und auch das war okay.

Im Freundeskreis war es auch. Meine beste Freundin hat mir mit ihrer sehr offenen Art, alles anzusprechen, geholfen, mich zu öffnen und mich von ihr trösten zu lassen. Die anderen haben mich stumm in den Arm genommen und mir so gezeigt, dass sie bei mir sind.

Alles in allem konnte ich immer für mich selbst bestimmen, wie und wo ich meine Trauer zeigen wollte/konnte.

Ansonsten kann ich nur bestätigen, was die anderen schon gesagt haben. Meist wissen die Menschen nicht, wie sie damit umgehen sollen, vor allem wenn sie vielleicht selbst noch keinen direkten Verlust erleben mussten. Dann ist mir aber auch lieber, sie sagen gar nichts, als dass sie die üblichen Floskeln (Mein Beileid) gepaart mit einem aufgesetzt traurigen Blick und der Erwartung auf Tränen, loslassen – insbesondere nicht, wenn sie nicht zu meinem näheren Umfeld gehören.

a6.fi0sxh


Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich aber nur eine falsche Reaktion – nämlich die gar nichts zu tun/zu sagen und womöglich noch dem Betroffenen auszuweichen. Ich finde es gar nicht schlimm seine Überforderung/Unsicherheit dem Betroffenen gegenüber klar zum Ausdruck zu bringen. Ich habe einige Situationen erlebt, in denen es so war – dennoch war die gute Absicht dahinter erkennbar und letztenendes zählt für mich nur das.

Ich habe diese Situationen als zusätzliche Belastung empfunden. Nun musste ich auch noch das schlechte Gewissen meiner Mitmenschen beruhigen und ihnen versichern, dass ihr Verhalten schon richtig ankommt, blabla – kam es nicht. Es kam an, wie es war: hilflos, unsicher und nicht hilfreich. (Wobei ich nicht davon ausgehe, dass es hilfreiches Verhalten wirklich gegeben hätte. Durch manches muss man einfach so durch)

Von guten Absichten konnte ich mir nichts kaufen. Ich wollte in Ruhe gelassen werden, außer, jemand hätte die Heilung für meine Trauer gehabt. Gibts natürlich nicht. Deshalb: Ruhe bitte.

Genau aus dieser Erfahrung heraus bin ich Trauernden gegenüber sehr hilflos und mach denselben ungelenken Scheiß wie die anderen damals. Oder gehe ihnen aus dem Weg, ja.

c~laireet


In der Situation bin ich auch gerade. meine Mutter. ich weiss noch nicht ob ich es fertigbringe etwas dazu zu schreiben

Von den Reaktionen in meinen Umfeld bin ich aber nicht enttäuscht. Bei den wirklich wichtigen Leuten wußte ich sowieso, dass ich auf sie zählen kann. Bei anderen war ich dankbar, dass sie nur kurz kondoliert haben und das Gespräch dann zur Tagesordnung überging.

Dass die Leute sich nicht melden würde ich ihnen nicht negativ auslegen. Sie können nicht wissen wie du drauf bist, ob du Kontakt möchtest oder in Ruhe gelassen werden willst. Sie wissen nicht was sie sagen sollen. Das weiß man selber ja kaum.

HDolavbijene


clairet

:°_

stchokoTmufBfi)n8x9


Also als mein Opi und meine Omi gestorben sind (da lagen ein paar Jahre dazwischen) war ich natürlich sehr traurig. Ich hatte Freunde, die mich in den Arm genommen haben und Leute, denen ich zwar angesehen habe, dass es ihnen leid tut, aber dienicht direkt reagiert haben. Ich habe es ihnen nicht übel genommen, weil ich selbst weiß wie schwer es ist einzuschätzen, was der andere will.

Ich bin ehrlich gesagt eine, die dann liebe nicht mehr drauf angesprochen werden möchte und einfach wieder Normalität will.

Als der Vater einer Freundin gestorben war, wusste ich gar nicht, was ich tun soll...ich war total überfordert und konnte mich nicht zu einer dämlichen Floskel oder dergleichen durchringen, weil es mir so bedeutungslos erschien. Ich habe sie nicht gemieden, aber habe versucht (weil ich das ja so bevorzuge) normal zu reden...über andere Themen. Irgendwann ist sie total aus der Haut gefahren und hat gemeint: "Du hast villeicht Probleme!" Ich hab mich wahnsinnig vor den Kopf gestoßen gefühlt. Dann hatte sie mir Vorwürfe gemacht, ich könne mich nicht in ihre Lage versetzen. Und ja, das konnte ich auch nicht, weil ich nicht weiß wie es ist wenn ein Elternteil stirbt und ich will es auch nicht wissen.

Irgendwann hat es mich, so hart es auch klingt, einfach nur noch genervt. Sie hat über nichts anderes geredet, hat jeden in ihrer Umgebung mit runtergezogen. Hat einem ständig unter die Nase gerieben, wie taktlos man sei. Hat aber auch nie gesagt, was man besser machen soll. Nach ein paar Monaten hatte sich das dann gegeben und wir sind nach wie vor befreundet, aber es war schon hart. Es hat mir für sie wahnsinnig leid getan, aber ich wusste nicht was ich machen soll. Ich habe mich geweigert nur noch über dieses eine Thema zu reden, weil andere Menschen eben auch noch ein Leben haben... :-|

a^.fixsh


Dann hatte sie mir Vorwürfe gemacht, ich könne mich nicht in ihre Lage versetzen. Und ja, das konnte ich auch nicht, weil ich nicht weiß wie es ist wenn ein Elternteil stirbt und ich will es auch nicht wissen.

Ich habs erlebt und weiß es immer noch nicht. Ich komme ziemlich ins Schwitzen, wenn ich spüre, dass von mir eine besondere Expertise in dem Thema erwartet wird.

Und ich weiß jetzt z.B. ganz akut nicht, wie und ob ich auf clairets Beitrag reagieren soll.

MrartieRncxhen


Und ich weiß jetzt z.B. ganz akut nicht, wie und ob ich auf clairets Beitrag reagieren soll.

Geht mir genau so.

Ich weiß außerdem gar nicht mehr, wie es bei mir war und was ich gut fand und was ich blöd fand. Keine Ahnung. Hab ich nicht mehr im Kopf. Is weg.

Hpolabixene


Ich denke letztendlich kommt es auch immer auf den Trauernden an. Jeder ist anders. Da kann man dann nur versuchen das richtige zu tun. :-/

FtragSen=de9x1


Hallo *:),

mein bester Freund nahm sich 2010 ziemlich grausam das Leben. Für mich war das einfach schrecklich, und ich habe es lange verdrängt, was mein größter Fehler war. Nach einem Zusammenbruch und einem Suizidversuch meinerseits wurde mir klar, dass es so nicht weiter gehen kann; ich versuchte, "Verbündete" zu finden, mit denen ich reden konnte. Diese gab es zwar am Anfang – Freunde hörten mir zu – doch sie waren sehr schnell damit überfordert und ich sollte nicht mehr darüber reden.

Meine Eltern haben es mit einem Nicken zur Kenntnis genommen, das Thema jedoch sofort – im wahrsten Sinne – totgeschwiegen.

Nun bin ich alleine mit dem Mist, und es hat sich eine schwere Depression daraus entwickelt. Aber ich möchte damit niemandem mehr zur Last fallen. Also vegetiere ich vor mich hin, könnte auf Familienfeiern regelmäßig ausrasten wenn mich Verwandte provokativ jedes Mal aufs Neue fragen warum ich so faul sei (keine Arbeit etc.) und habe keine Lust und vor allem auch keine Kraft, ihnen zum gefühlt 998732498234. Mal zu erklären, dass ich aus psychischen Gründen (und weil ich scheinbar nur von gefühlskalten, ignoranten Idioten umgeben bin) nicht arbeiten KANN.

Nun gut, ich hab mir das jetzt von der Seele geschrieben, es wird vermutlich sowieso niemand lesen weil das schon ein alter Thread ist, aber es geht mir jetzt ein kleines bisschen besser. "Besser"? Die Einsamkeit ist natürlich geblieben...

Jgoh+anvnax84


Fragende, lass dich mal virtuell in den Arm nehmen. :)_

Mein bester Freund nahm sich 2002 das Leben.

Ich bin auch durch die Hölle gegangen, trotz Unterstützung aus meiner Familie und meinem Freundeskreis.

Letztendlich ist sogar meine Beziehung daran zerbrochen.

Mir hat eine Gesprächstherapie sehr geholfen.

Und auch wenn es nicht so aussieht, der Schmerz wird weniger und irgendwann überwiegen schöne Erinnerungen.

Es wird immer wieder Momente geben, in denen du um ihn weinst und die musst du dir auch nehmen.

Aber es wird besser, versprochen. :)_

C$ougxar71


Hallo fragende 91

Auch wenn schon etwas länger her ist und ich dich ja garnicht kenne, so kann ich Dich doch irgendwie recht gut verstehen. Das tut mir ehrlich Leid für Deinen Freund und Dich, besonders deshalb, weil Du wohl offensichtlich keinerlei Unterstützung in den für Dich schlimmsten Stunden hattest.

Ich selber finde es auch immer sher schade, dass viele Menschen mit dem Thema Tod solche argen Schwierigkeiten haben, dass sie es lieber gänzlich bleiben lassen,darüber zu sprechen.

Die Angehörigen und Hinterbliebenen sind dann leider auf sich alleine gestellt. :)*

C!oug3arx71


Auch von mir mal eine dicke Umarmung an Fragende und Joanna :)_ :)_ :)_ :°_ :°_

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