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Mama ist nicht mehr da und ich kann nichts fühlen

eGnacmoeradxa hat die Diskussion gestartet


Meine Mama ist vor 2 Monaten verstorben und ich kann nicht weinen, bin wie versteinert.

Kurz die "Geschichte": An einem Abend machen wir noch aus, dass wir am kommenden Wochenende Essen gehen und am nächsten Tag bekomme ich die Mitteilung, dass sie ins Krankenhaus musste. Dort habe ich von der Ärztin erfahren, dass sie eine schwere Sepsis hat und die Chancen auf Heilung sehr gering sind. Da keine Patientenverfügung vorhanden, musste ich (alleine) entscheiden, wie im Notfall behandelt werden soll (künstliche Beatmung usw.).

Es wurde mir mitgeteilt, dass sie noch Stunden, Tage oder auch Wochen leben kann. 60 Stunden später war es nach schweren Kampf dann so weit. Ich habe versucht sie so gut wie nur möglich zu begleiten, zu beruhigen und einfach nur da zu sein (war bis auf ein paar Stunden die ganz Zeit bei ihr). Wir konnten uns nicht mehr unterhalten aber ich denke, dass sie gespürt hat, dass ich bei ihr war.

Mein Vater ist vor 10 Jahren verstorben. Auch das war sehr schlimm, aber damals hatte ich noch meine Mutter und war in einer Beziehung. Wir haben das gemeinsam durchgestanden, gemeinsam geweint und uns gemeinsam erinnert.

Jetzt ist da niemand mehr.

Natürlich habe ich Freunde, aber die ersetzen nicht die Familie. Außerdem möchte ich sie mit dem Thema nicht überstrapazieren.

Ich habe in der ganzen Zeit (Klinik, Tod, Beerdigung usw.) keine einzige Träne vergossen, obwohl ich sonst so richtig nah am Wasser gebaut bin. 2 Tage nach der Beerdigung habe ich wieder gearbeitet.

Ich habe einen heftigen Druck in mir (keine Ahnung, wie ich das anders beschreiben kann) und esse so gut wie nichts. Ich bin unkonzentriert und wenn ich morgens aufwache habe ich "Herzrasen". Ich bin unruhig aber auch unmotiviert.

Wegen einer schweren Erkältung (incl. Fieber) bin ich nun zu Hause. D.h. ich habe keinerlei Ablenkung und dennoch spüre ich nichts, obwohl ich mir die Bilder aus dem Krankenhaus und auch Erinnerungen bewusst hervor hole.

Genau diese "Emotionslosigkeit" macht mir Angst. Ich war das erste Mal dabei, als ein Mensch verstorben ist. Nicht irgendein Mensch, sondern der wichtigste Mensch in meinem Leben und ich empfinde nichts. Ich kenne die Trauerphasen und vermutlich ist es eine Art Selbstschutz aber irgendwann muss ich doch wieder "normal" in den Alltag kommen.

Antworten
C)orneTlixa59


Laß dich erstmal drücken! :°_

Zwei Monate nach so einem Trauerfall sind gar nichts. Die Verarbeitung fängt gerade erst an. Ich glaube, daß du im Moment alles in dir aufgestaut hast, und daß es irgendwann ausbrechen wird. Irgendwann werden die Tränen kommen, wahrscheinlich ausgelöst von einem kleinen, für andere ganz unbedeutenden Ereignis. Bei mir war es ähnlich nach dem Tod meines Vaters. Ich habe wochenlang nicht weinen können. Dann, so ca. 3 Monate danach habe ich eine Sendung gesehen, in der es um die Auflösung des Haushalts von Verstorbenen ging, die Wohnungen wurden von Möbelpackern ausgeräumt. Einer dieser Möbelpacker nahm einen Schrank auseinander, nur mit ein paar Tritten und Handgriffen. Der Schrank fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus, und ich brach vor dem Fernseher in Tränen aus. Ich habe dann ziemlich lange geweint, und später ist mir klar geworden, daß da der ganze aufgestaute Druck rausgekommen ist.

Gibt es in deiner Umgebung eine Selbsthilfegruppe für Trauerarbeit? Wenn du nichts findest, frag mal deinen Hausarzt. Geistliche wissen auch gerne mal, wo es solche Gruppen gibt. Such dir jemanden, mit dem du darüber reden kannst.

Und geh mal davon aus, daß du mindestens ein Jahr brauchst, und daß das danach noch lange nicht gegessen ist. Es wird besser werden, aber die Trauer geht niemals ganz weg.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft, um damit fertigzuwerden! :)* :)-

Emhema0liger zNutzer (#1491x87)


Ich rate dir, mit Freund/Freundin genau über dieses Thema "Unfähigkeit zu trauern" zu reden. Das hilft, einen Anfang zu finden, diese Blockaden zu lösen.

Wenn du das nicht kannst, versuche es mit professioneller Hilfe. Ich denke, dass sich diese "Versteinerungen" sonst eventuell zu verfestigen beginnen.

Vielleicht musst du nur einen Anstoß bekommen.

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