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Schon jetzt habe ich Angst vor morgen

LDic~ht9x3 hat die Diskussion gestartet


Hallo.

Gestern ist meine Mutter gestorben. Dabei hat alles so harmlos angefangen und niemand hat damit gerechnet, dass es so enden würde. Am 15.01.2013 bekam sie Abend schlecht Luft. Eigentlich nichts ungewöhnliches, da sie Asthma hatte und auch Raucherin war. Am späten Abend ging es ihr so schlecht, dass mein Bruder sie ins Krankenhaus gebracht hat. Am nächsten Morgen dachte ich, dass sie wieder nach Hause kommen würde und alles okay wäre. So war es schon einmal. Aber sie kam nicht nach Hause. Ehrlich gesagt möchte ich garnicht mehr darüber nachdenken was bei ihr alles versagt hat und was genau mit ihr passiert ist. Am 16.01.2013 hat der Arzt angerufen und meinte, dass sie die Nacht nicht überleben wird und wir alle hinkommen sollten um uns zu verabschieden. Obwohl ich ausdrücklich gesagt habe, dass ich mich verabschieden möchte, wurde ich nicht mitgenommen. Ich konnte mich so also auch garnicht verabschieden. Es erscheint mir alles so unwirklich. Meine Geschwister sind zum größen Teil schon aus dem Haus und mein Vater hat sich gestern endgültig aufgegeben, glaube ich. Da ich die einzige im Haus bin, die sich mit den Geräten (Waschmaschine, Ofen ect.) auskennt, muss ich jetzt den ganzen Haushalt übernehmen. Das Problem dabei ist nur, dass ich sehr depressiv bin und an einer sozialen Phobie leide. Ich verlasse das Haus also ziemlich selten. Ich schaffe es nur mit Mühe mich um mich selbst zu kümmern, wie soll ich da den ganzen Haushalt bewältigen und meinem Vater eine Stütze sein? Ich bin mir nicht sicher wie ich das schaffen soll. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich nie ein wirklich gutes Verhältnis zu meinen Eltern, habe mich aber zwei Monate vor dem Tod meiner Mutter mit ihr versöhnt (worüber ich jetzt sehr sehr froh bin). Ich dachte nicht, dass ich so um sie weinen würde, wie ich es seit gestern tue. Jedes Zimmer erinnert an sie. Der Stuhl, auf dem keiner mehr sitzen wird, die Kleidung, die keiner mehr tragen wird und die ganzen traurigen Gesichter, die sie vermissen. Am liebsten würde ich auf der Stelle ganz schnell ganz weit weg rennen wollen. Weg von den Leuten hier. Weg von den Erinnerungen. Weg von der Trauer. Weg von mir selbst. Ich weiss einfach nicht wie es weitergehen soll. Der erste Tag danach hatte es für mich schon in sich , wie soll ich da die Beerdigung überstehen oder überhaupt mein Leben weiterleben? Ich weiss, ihr Leben ist zu Ende, meins aber nicht. Aber ich fühle mich so leer. Ich bin jetzt 19 Jahre alt und fühle mich jetzt wie ein kleines, allein gelassenes Kind. Ich weiss nicht wie lange ich das aushalten kann. Hier in meiner Familie reden wir nur so am Rande über den Tod meiner Mutter. Mein Vater gibt sich stark. Gestern habe ich ihn trotzdem zum ersten Mal in meinem Leben weinen gesehen. Ich habe Angst davor, dass es ihm ab jetzt jeden Tag immer schlechter geht und er plötzlich auch nicht mehr da ist. Ich möchte mein bestes geben und stark sein für die ganzen Menschen um mich herum, aber ich kann das nicht. Ich muss schon meine Depression und die Angst verstecken und immer wieder jedem vorspielen, dass es mir gut geht. Für mich scheint mit dem Tod meiner Mutter alles zu Ende zu gehen. Eigentlich wollte ich in absehbarer Zeit mit meinem Freund in eine gemeinsame Wohnung ziehen, aber das scheint mir jetzt in weiter Ferne. Ich kann meinen Vater nicht im Stich lassen. Er hat doch sonst niemanden mehr in diesem Haus. Ich habe Angst vor morgen. Angst vor der Zukunft. Ich kann nicht mehr schlafen und nicht mehr essen. Ich kann meine Gedanken nicht abstellen. Ich muss immer wieder über sie nachdenken. Über die schönen Zeiten, die wir hatten und dann kann ich nur noch weinen. Ich weiss nicht, ob ich meiner großen Schwester, die schon ausgezogen ist, sagen soll, dass ich mit dem Haushalt überfordert bin. Ich meine, sie hat auch eine eigene Familie (Mann+3 kleine Kinder + 2 Hunde) und steckt auch mitten in der Trauer. Sie verlangt von mir, dass ich auf meinen Vater aufpassen soll und für ihn da sein soll, aber wer ist für mich da? Ich will versuchen mein bestes zu geben. Ein Versagen kann ich mir nicht erlauben. Aber was ist, wenn das alles mich irgendwann überrollt und alles untergeht? Es fing gerade an gut zu laufen und dann passiert so etwas. Ich kann ihre Stimme nicht vergessen. Ihre Scherze, ihr Gesicht, ihre ganze Art. Sie fehlt. Wenn ich morgens aufstehe werde ich nie wieder ihr "Guten Morgen" hören. Ich vermisse die Gespräche mit ihr und ich würde alles dafür geben sie noch einmal in die Arme nehmen zu können. An dem Abend, an dem sie ins Krankenhaus kam, meinte sie zu mir "Die geben mir nur ein bisschen Sauerstoff. Dann geht es mir besser" und jetzt kommt sie garnicht mehr. Diese Sätze verfolgen mich und treiben mich fast in den Wahnsinn. Hätte ich gewusst wie das enden wird, hätte ich sie nicht weg gelassen oder wäre zumindest mitgekommen. Ich fühl mich innerlich so zerstört und leer. Wie soll ich das alles nur auf die Reihe bekommen? Wäre es unverschämt, wenn ich meine große Schwester um Hilfe bitte? Ich fühl mich so verdammt allein und ein kleines Stück bin ich auch wütend auf meine Mutter, dass sie uns alle einfach so allein gelassen hat.

Antworten
PLiMDa+0509


Stop.....du brauchst Hilfe.

Du bist nicht für deinen Vater verantwortlich und du hast noch Geschwister. Du bist auch ein Mensch, mit eigenen Bedürfnissen und die hören mit dem heutigen Tag nicht auf. Du bist jung und hast das ganze Leben noch vor dir.

Hast du einen Therapeuten wegen deinen Ängsten und deiner Depression? Falls nicht, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt schnell bei einem Psychiater vorstellig zu werden. Lass dir bitte helfen.

Der Tod von deiner Mutter ist schlimm. Ich zünde ein Kerzchen für sie an :)- Aber gib dich nicht auf oder geh in eine Aufopferungsrolle. Gerade wenn man psychisch schon angeschlagen ist, dann kann sowas noch viel mehr mit runter reissen.

Halt an deinen Plänen (Wohnung mit deinem Freund) fest. Du bist nicht für deinen Vater verantwortlich. Er hat seine Frau verloren....ja, aber du auch deine Mutter.

tyimdwertraur9ige8x9


erstmal eine kerze für deine mama :)-

hört sich wirklich traurig an, was passiert ist, was du schreibst. aber irgendwie finde ich hörst dich auch stark an. so viel wie du aushalten musst, so viel druck.

Was meinst du genau mit "Versagen"?

Wie geht dein Freund mit deiner Situation um? Ist er dir eine Stütze?

Ich denke auch, dass es sicher gut und richtig ist, sich Hilfe zu suchen wegen der sozialen Phobie und der Depression. Du kannst ja erstmal zu deinem Hausarzt, der kann dir dann bestimmt weitere Möglichkeiten aufzeige.

Du bist nicht für deinen Vater verantwortlich, er hat sich auch schwer klar, aber kannst nicht für ihn verantwortlich sein. Wie ist denn dein Verhältnis zu deiner Schwester? Ihr zu erzählen wie es dir geht und dass du Probleme mit dem Haushalt hast, kannst du finde ich auf jeden Fall machen. Ihr könnt reden, und kann sie ja irgendwie weiterhelfen. Ihr seid Schwester, und die halten in der Regel zusammen, zu zweit ist es auch leichter als allein.

Fühl dich von mir gedrückt :°_

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