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Mein Kumpel hat sich umgebracht

Rvafa8x8 hat die Diskussion gestartet


Hallo, ich hoffe ihr könnt mich etwas aufbauen und mir sagen wie ich mit der Situation umgehen soll.

Ein Kumpel von mir hat sich letzte Woche umgebracht. Niemand weiß so richtig wieso. Er führte ein Leben, was sich sicherlich einige wünschen. Er hat sein Leben gelebt, man kann ihm eigentlich vergleichen wie Charlie Harper von Two and a half men. Er hatte einen guten Job, war Verkaufsleiter, dementsprechend hat er gut verdient - hatte eine große schöne Wohnung (die abbezahlt war), dazu 2 große schicke Autos, war kerngesund und er hatte Frauen ohne Ende. Das wichtigste waren ihm aber seine 2 Kinder, die sein ein und alles waren um so fraglicher ist das WARUM ist er diesen Weg gegangen.

Sein Problem waren immer wieder seine Frauengeschichten und sein Ego. Er war nie lang mit einer Frau zusammen, er war Anfang 40 und hat es immer wiedergeschafft junge Frauen rumzubekommen. Wenn er mal in einer festen Beziehung war hat er die Frauen dann auch noch betrogen. Doch eins konnte er nie verkraften, wenn eine Frau ihn betrogen hatte und ihn verlassen hat. Da war sein Ego stark gekränkt, so auch in den letzten Wochen. Wo er sich und seine Freundin getrennt hatten, mit dieser Frau wollte mein Kumpel hat werden und sie auch heiraten.

Er war von der Trennung wohl stark mitgenommen und er hat sich durch Alkohol, Tabletten in seiner Eigenen Wohnung erhängt, er hat nichtmal einen Abschiedsbrief hinterlassen. Deswegen war es wohl auch kein geplanter Selbstmord, sondern ich denke da ist irgendwas schief gelaufen, ich kann mir nicht vorstellen das er es soweit kommen lassen wollte.

Wir waren eigentlich nicht sonderlich gut befreudet, ich kenne ihn seit etwas 5 Jahren und haben zwischenzeitlich mal recht viel unternommen und sind am WE immer um die Häuser gezogen. Sonst haben wir uns meist im Jahr 3-4 mal paar Tage gesehen, weil wir ein gemeinsames Hobby hatten. Früher hat er mit mir und meiner Freundin oft telefoniert, doch er hat sich da meist nur gemeldet wenn er Probleme hatte. Doch sämtliche Ratschläge hat er nie angenommen, er hat immer wieder die gleichen Fehler gemacht. Außerdem wollte er immer im Mittelpunkt stehen und durch einige Vorfälle war er dann mit meinen anderen Kumpels zerstritten, deswegen habe ich dann auch etwas den Kontakt abgebrochen, habe mich sehr selten bei ihm gemeldet und selbst zu den Veranstaltungen zuletzt wo wir uns getroffen haben - habe ich mit ihm eher wenig geredet. Ich denke er hat auch gemerkt das ich immer auf Abstand gegangen bin. Er hat mich auch letztes Jahr noch zu seinem Runden Geburtstag eingeladen, wo ich ihm abgesagt habe weil ich leider keine Zeit hatte und damals auch nicht den Kontakt mehr wollte zu ihm, obwohl meine anderen Freunde wieder sich mit ihm ausgesöhnt haben. Ich habe ihn zuletzt immer wieder etwas belächelt weil er viel Mist gebaut hat umso mehr schmerzt es jetzt ihn verloren zu haben, mit dem Wissen das man die letzte Zeit kaum noch Kontakt hatte. Das letzte mal habe ich mit ihm auf FB geschrieben vor 3 Wochen und da habe ich am Ende mich noch nichteinmal verabschiedet ... .

Nun ist sogar rausgekommen das er ein 3. Kind hat, dies jahrelang wusste, sich auch um das Kind gekümmert hat, Unterhalt bezahlt hat - doch seine Familie und selbst seine besten Freunde wussten nicht um die Existenz des 3. Kindes. Ihm war es angeblich zu peinlich, damals eine 18 Jährige geschwängert zu haben. Das Kind ist nun schon 6. Irgendwie ist das ein Beispiel das man ihn viel zu schlecht kannte um ihn wirklich als Kumpel zu bezeichnen, doch das ganze nimmt mich ziemlich stark mit, weil ich mir schon einige Vorwürfe mache.

Ich weiß nun nicht wie ich mich zu Verhalten habe, seine Beisetzung findet in 3 Wochen statt, seine Familie wünscht sich eigentlich eine Beisetzung im engsten Kreis. Meine anderen Freunde möchten trotzdem hingehen, sie kannten ihn auch viel länger und besser als ich. Ich weiß nicht ob ich hingehen soll, sicherlich hätte mein Kumpel sich das gewünscht, doch ich kenne nicht wirklich seine Familie und weiß nicht wie ich mit ihr umgehen soll. Ich werde sicherlich eine Trauerkarte schreiben, doch soll ich auf die Beisetzung gehen ? Ich werde wahrscheinlich nichtmal Urlaub bekommen, deswegen könnte ich nur krank machen um zur Beisetzung zu gehen, aber eigentlich habe ich eh schon ein Problem mit Urnenbeisetzungen und weiß nicht ob es besser wäre wenn ich mich in aller Ruhe vor seinen Grab verabschieden soll.

Was würdet ihr machen an meiner Stelle ?

Antworten
A^lexaBndrxaT


Hallo

Ich kann Dir nur sagen was ich tun würde: Akzeptieren, dass die Familie eine Beisetzung im engen Familienkreis wünscht. Abschied nehmen kannst Du auch später am Grab mal. Auch Deine Kollegen sollten den Wunsch der Familie akzeptieren.

Trotzdem möchte ich Dir mein Beileid aussprechen – auch wenn Du nicht ein Angehöriger bist. Wenn ein Mensch geht – egal wie nahe er einem stand – hinterlässt er einen nachdenklich. Umso mehr wenn er freiwillig aus dem Leben schied und ohne Abschiedsworte.

Gruss

Alexandra

RNafa;8x8


Meine Kumpels standen ihn früher immer recht nahe, und sie haben viel erlebt mit ihm - für sie kommt es nicht in Frage nicht zu seiner Beisetzung zu gehen. Angeblich hat auch seine letzte Freundin gesagt das seine Freunde ruhig kommen dürfen um sich von ihn zu verabschieden, aber seine Eltern wünschen sich es halt eher im engsten Kreis. Und zum engsten Kreis, auch zum engsten Freundeskreis kann ich mich ja zuletzt nicht mehr zählen.

LKetxlie


Erstmal mein Beileid! :-(

Ansonsten würde ich sagen, dass Du das tun solltest, was Dein Kumpel sich in diesem Falle wünscht, nämlich, dass Du hingehst. Was die Familiemitglieder denken ist egal. Mir ist nicht bekannt, dass man jemanden verbieten kann, auf eine Beerdigung zu gehen.

Ansonsten, wegen der Beweggründe des Selbstmordes: das kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Er war gesund, er hatte es sehr gut. Anscheinend kann es manche Menschen so sehr mitnehmen, wenn sie verlassen werden, dass sie solche Kurzschlußreaktionen bekommen. Es gibt auch Menschen, die keinerlei Schmerz aushalten können. Verlassen zu werden ist eigentlich ein normaler Schmerz, den jeder kennt, der wieder vorbei geht. Aber für Deinen Kumpel war das wohl schon zuviel. Anders kann ich mir das nicht erklären. :-(

Viel Kraft für die Bewältigung wünsche ich Dir! :)* :)*

AYlexa}nxdraT


Auch wenn seine letzte Freundin sagt, dass man kommen solle. Es sind die Eltern welche – wenn keine anderen Anweisungen vorliegen – Entscheidungsgewalt haben. Es ist die Trauerfamilie... und bitte akzeptiert deren Entscheidung. Wir müssen auch am Montag die Mutter meines Lebenspartners beerdigen. Und ich sehe wie wichtig es den Angehörigen ist, dass man ihre Wünsche in Sachen Beerdigung akzeptiert. Ich käme nie auf die Idee hintenrum Leute einzuladen wie es eben die Freundin Deines Kumpels macht. Das ist ein No-Go. Kirche ev. ja – aber leise und hinten. Ansonsten... lasst die Leute trauern und verabschiedet euch später. Diese Leute haben unerwartet ein Kind, einen Bruder oder sonst ein Familienmitglied verloren... da brauchen sie keinen Bulk an ihnen unbekannten Leuten vor Ort.

LhadyySue


Letlie:

Ansonsten, wegen der Beweggründe des Selbstmordes: das kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Er war gesund, er hatte es sehr gut. Anscheinend kann es manche Menschen so sehr mitnehmen, wenn sie verlassen werden, dass sie solche Kurzschlußreaktionen bekommen. Es gibt auch Menschen, die keinerlei Schmerz aushalten können. Verlassen zu werden ist eigentlich ein normaler Schmerz, den jeder kennt, der wieder vorbei geht. Aber für Deinen Kumpel war das wohl schon zuviel. Anders kann ich mir das nicht erklären

Ich vermute eher, dieser Mann war ein "armes Menschenkind ".

Auf der verzweifelten Suche um seiner selbst willen geliebt zu werden, ohne seelischen Halt, ich vermute, er war in seinem Inneren todunglücklich bis hin zu depressiv u es wußte bisher niemand.

Natürlich hat er nach aussen ein ganz anderes Bild abgeliefert, seine Traurigkeit damit gut übertünscht.

Eine solche Entwicklung hat nicht selten seine Anfänge in der Kindheit.

Das die letzte Frau ihn verlassen hat, war möglicherweise bei ihm der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat u diese Reaktion ausgelöst – aber es war sicher nicht nur die Trennung alleine – das glaube ich nicht.

Wie auch immer – ein Selbstmord ist sehr traurig – mein Beileid gilt den Eltern u seinen Kindern.

Raffa88

weiß nicht ob es besser wäre wenn ich mich in aller Ruhe vor seinen Grab verabschieden soll.

Wenn es Dir damit (und dabei) besser geht, dann mach das, fände ich völlig ok.

L/etlWile


Ich fände es sehr mies, jemandem zu verbieten auf eine Beerdigung zu gehen. Jeder hat das Recht, sich zu verabschieden. Und der Wille des Toten, wen er gerne dabei hätte, steht über allem. Er hat da das absolute Sagen. So sehe ich das jedenfalls.

geelb unxd gut


Ich finde AlexandraT hat vollkommen recht!

Ich fände es sehr mies, jemandem zu verbieten auf eine Beerdigung zu gehen.

es geht hier nicht um "verbieten", sondern um Respekt der Trauerfamilie gegenüber.

Jeder hat das Recht, sich zu verabschieden.

das muss aber nicht zwingend während der offiziellen Beerdigung sein. Man kann auch später ans Grab gehen.

Und der Wille des Toten, wen er gerne dabei hätte, steht über allem. Er hat da das absolute Sagen. So sehe ich das jedenfalls.

ich sehe das so:

eine Beerdigung ist eine Veranstaltung für die Lebenden, um sich von dem Toten verabschieden zu können. Die nächsten Verwandten (die ja auch oft die wichtigste Rolle im Leben des Verstorbenen spielen) haben da eben vorrang.

Alles andere finde ich enorm egoistisch.

LPadySSuxe


Und der Wille des Toten, wen er gerne dabei hätte, steht über allem. Er hat da das absolute Sagen

Ein klares NEIN.

Der Tote ist nicht mehr da.

Wenn sich alle Erben bzw die HInterbliebenen einig sind, können sie sehr wohl auch anderes entscheiden.

Die HInterbliebenen können, müssen sich aber nicht zwingend dem Willen eines Toten beugen.

Das gilt auch sogar für ein Testament, so wurde es mir beim Nachlassgericht selbst gesagt.

U!rsixna


Ich hatte eine Beerdigung im engsten Familienkreis, wenn da noch andere Leute aufgetaucht wären, dann hätte ich das völlig respektlos gegenüber der Familie gefunden. Jeder trauert anders, gerade nach einem Suizid, deshalb soll man die "Anweisungen" der Familie befolgen.

Falls sich jemand verabschieden möchte, dann steht der Friedhof nach der Abdankung und nachdem die Familie weg ist allen offen.

Rafa du schreibst, es war wohl kein geplanter Tod weil ein Abschiedsbrief fehlte; noch lange nicht jeder der sich selber umbringt hinterlässt einen Abschiedsbrief.

SnilvLerPexarl


Zunächst einmal mein Beileid! :°_

Wenn es einen Urnenbeisetzung ist, findet dann einig Tage vorher die Trauerfeier statt oder unmittelbar vor der Urnenbeisetzung?

Denn in der Regel wird es oft so gehandhabt, dass bei einer Urnenbeisetzung im engsten Kreis einige Tage vorher die öffentliche Trauerfeier stattfindet. Sollte das so sein, würde ich den Wunsch der Familie definitiv respektieren.

Würde ich aber wohl auch so tun. Man kann zwar niemandem verbieten zu kommen, da ein Friedhof ein öffentliches Gelände ist, dennoch würde ich den Wunsch der Familie respektieren.

Zu seinen Beweggründen kann man wohl nur Vermutungen anstellen. Oftmals ist es aber so, dass verzweifelte Menschen unter Tabletten- und Alkoholeinfluß zu Kurzschlußreaktionen neigen, weshalb dann meistens auch kein Abschiedsbrief gefunden wird.

Rgafha88


Rafa du schreibst, es war wohl kein geplanter Tod weil ein Abschiedsbrief fehlte; noch lange nicht jeder der sich selber umbringt hinterlässt einen Abschiedsbrief

So kann es nicht geplant sein, er liebte seine Kinder überalles und hätte sicherlich nochmal einen Brief hinterlassen - auch wo genauer der Nachlass geklärt würde, außerdem wissen seine Eltern nichtmal von der Existenz ihres 3.Enkels ... . Ich vermute er stand sehr stark unter Drogen, wollte dabei seine Grenzen sehen und hat sie überschritten. Ich denke es gibt auch schnellere, angenehmere Varianten aus dem leben zu scheiden als er es getan hat.

LGetlixe


Was sind das nur für "Trauernde", ein enger Familienkreis, der sich egoistischerweise nur allein am Grab sehen will, obwohl er weiß, dass der, der beerdigt wird, das gar nicht so wollte, es nicht in seinem Sinne ist.

AileVxandxraT


Was sind das nur für "Trauernde", ein enger Familienkreis, der sich egoistischerweise nur allein am Grab sehen will, obwohl er weiß, dass der, der beerdigt wird, das gar nicht so wollte, es nicht in seinem Sinne ist.

Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Hast Du schon mal einen Elternteil verloren oder sonst jemanden der Dir nahe stand? Ich hätte bei meinem Vater keine "Kollegen" oder sowas da haben wollen.

Kinder gehören übrigens zu den nahen Verwandten... dies nur mal so nebenbei.

Woher sollen die Angehörigen wissen was der Verstorbene wollte? Hat er es schriftlich hinterlassen oder vor seinem Tod mit geteilt? Wir wissen es nicht. Aber ich finde es anmassend die Hinterbliebenen als Egoisten zu bezeichnen. Komm mal ne Spur runter und bringe den Hinterbliebenen etwas mehr Respekt entgegen bitte.

R,afa8G8


Ich denke auch so, es geht jetzt um die Hinterbliebenen und nicht um die Bekannten und Freunde vom Verstorbenen.

Ich werde mich wohl allein nach der Beisetzung von ihm verabschieden ;(.

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