» »

Noch mal leben vor dem Tod

k-amickazxe hat die Diskussion gestartet


Hallo, ich war letzten Samstag auf der Ausstellung "Noch mal leben vor dem Tod". Kennt die jemand? Ein Fotograf und eine Journalistin haben Todkranke in Hospizen besucht und diese porträtiert – vor und nach deren Tod.

Hier ein link Wer keine Toten sehen möchte, sollte nicht draufklicken. Wer sich nicht sicher ist: Es sind ganz ruhige, friedliche Gesichter

[[http://www.noch-mal-leben.de/h/home.php?lang=de]]

Ich bin hingegangen, weil ich bei mir gemerkt habe, dass das Thema Tod mir unheimlich ist und ich es deshalb bisher vermieden habe, mir tote Menschen anzuschauen. Vor kurzem ist mein Opa gestorben, auch da bin ich nicht hingefahren, um "Abschied" zu nehmen, bis er abgeholt wurde. Meine Ausrede ist immer, dass ich den Verstorbenen lieber lebendig in Erinnerung behalten möchte. Aber vielleicht hätte es mir ja gutgetan, meinen Opa nochmal zu sehen, vielleicht wäre es wichtig für die Trauerarbeit gewesen. Keine Ahnung. Jetzt habe ich wenigstens viele Fotos von Toten gesehen und ihre Geschichte gelesen. Beruhigt hat mich, dass die Toten alle friedlich und ruhig aussahen, oft richtig sorglos. Trotzdem geht es mir nach – vor allem an den armen kleinen Jungen im Link muss ich immer wieder denken.

Von meinen Freunden wollte niemand mit mir zu der Ausstellung, ich bin alleine hin. Die meisten sagten, sie wollten sich damit nicht belasten, bzw. sie könnten es nicht, sie würden damit nicht klarkommen. Wie ist das bei euch? Würdet ihr so eine Ausstellung besuchen und wenn ja, aus welchen Beweggründen?

Antworten
Czlexanrnesxs


Also ich hatte mir mit 17 meine tote Oma in der Leichenhalle angesehen und ich wünschte, ich hätte es mir erspart. Bei mir hat es einen Schock ausgelöst und ich war für Wochen in einer Art Unwirklichkeitsgefühl. Mir ging es superelend. Meine Oma konnte ich an ihrem toten Gesicht nicht mehr herauserkennen, obwohl sie einen normalen Tod starb. Also die Entstellung war schon sehr anders, als auf deinen Bildern, die du hier gezeigt hast. Da waren die Toten bestimmt noch ganz frisch tot. Meine Oma war seit 5 Tagen tot.

kGamTikaxze


Meine Oma war seit 5 Tagen tot.

Im Februar ist eine Bekannte von mir gestorben, mit Anfang 30. Sie wurde im Ausland obduziert, sodass die Beerdigung erst 10 Tage nach ihrem Tod war. Man konnte sie noch anschauen. Ich habe es nicht gemacht (...weil ich sie lieber lebendig in Erinnerung behalten möchte...), ein guter Freund von mir allerdings schon. Er hat es bereut. Er meinte, sie habe gar nicht mehr wie sie selbst ausgesehen, im Nachhinein würde er das nie wieder machen.

Die Menschen in der Ausstellung wurden quasi unmittelbar nach ihrem Tod fotografiert, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich denke auch, dass sie u.a. deshalb so schön aussehen, weil die Bilder schwarz-weiß sind.

ENhemalliger+ Nutzer (#2v4223x0)


Ich habe mir die Bilder angesehen. Und ich würde diese Ausstellung auch besuchen.

Warum, ich weiß es nicht. Weil ich Respekt habe vor dem Thema, weil ich mich auch damit auseinandersetzen möchte. Weil ich nicht die Augen vor etwas verschließen möchte, was grundlegend zum Leben dazugehört......

Vielleicht weil ich in den Tod nicht mehr hineininterpretieren möchte, als man es eh schon tut. Vielleicht weil ich mich allgemein für dieses Thema geöffnet habe, als mein Paps dann als unheilbar galt und man wusste, es handle sich nur noch um Tage/Wochen.

Ich kann dir nicht genau sagen, warum ich diese Austellung besuchen würde. Ich kann nur sagen: Das Gefühl über den Tod zu sprechen und in kleinen Bruchteilen " zu verstehen was da passiert" finde ich nicht halb so beklemmend, wie gar nicht darüber zu reden. Bzw. sich damit auseinander zu setzen.

Ich hab immer das Gefühl: Wenn mich etwas beschäftigt, dann will ich es nicht beiseite schieben sondern ich konfrontiere mich dann selbst mit dem Thema.... zwinge mich, bis ich die Angst vor der Ungewissheit ablegen konnte.

Cylear?ness


Ich stimme da Kamikaze vollkommen zu.

Ich empfand die Bilder der Toten von dieser Ausstellung auch nicht als ein realistisches Bild eines Toten. Ich habe es auch wirklich sehr bereut, mir meine Oma in der Leichenhalle angeguckt zu haben.

Aber für eine Erfahrung hatte es sich gelohnt, wenn man überhaupt vom Lohnen sprechen kann, wenn man nach einer Erfahrung traumatisiert ist,...aber: man sah irgendwie, dass da was raus war aus dem Körper. Ich meine jetzt nicht Wasser und Blut oder so, das ist ja auch raus, nein, ich meine, es sieht so aus, als läge da eine Hülle, eine pure Hülle, wo kein Mensch mehr drin ist. Es war so ein Gefühl: meine Oma ist aus der Hülle raus. Was soll ich hier noch in der Leichenhalle. Ich hatte mich von der Hülle auch nicht verabschiedet.

E*hemalig8erR NutzferY (#2p4223x0)


Phu, schwierig.....

Ich bin zur Schulzeit auf einem Internat gewesen. Ich kann mich noch erinnern, als ich 13 Jahre alt war ist aus meiner Gruppe auch einer gestorben. Die halbe Schule war auf der Beerdigung. Es ging alles respektvoll zu usw. Wir hatten auch die Möglichkeit, uns zu verabschieden. Aber dass ein Körper, der aus dem 2 Stock fällt und dabei tödich verunglückt etwas anderst aussieht, als man es gewohnt ist, hat man uns nicht gesagt.... Das hätte ich mir auch gerne erspart. Und andererseits denke ich mir wieder: Es wird schon gut so sein, dass ich es mir nicht erspart habe..... Ich weiß auch nicht warum. Einfach vom Gefühl her....

Als ich meinen Dad gesehen habe, sah er ganz normal aus. Wie wenn er eben schlafen würde. Dafür war ich dankbar. :)-

TwogmH6x4


Hallo!

"Der Tod gehört zum Leben..."

Vor 21 Jahren saß ich bei meinem Großvater am Sterbebett (er wollte nie allein sein wenn es zu Ende geht) und habe seine Hand gehalten bis es zu Ende war.

Es ist eine Erfahrung die prägt. Ich bekomme auch den Anblick nicht mehr aus dem Kopf, habe es zwar geschafft ihn, den Gedanken, zu "vergraben", jedoch kommt er immer wieder nach oben und stimmt mich sehr, sehr nachdenklich.

Ob ich mir die Ausstellung ansehen würde? Vielleicht, mit Sicherheit kann ich es nicht sagen.

Wünsche noch einen angenehmen Tag.

E+hBemali&ger N<utzer (:#242230x)


Ja, das prägt definitiv.

Wie alt warst du da Tom?

TgomxH64


Hallo!

27... und es ist echt sauschwer damit umzugehen...

k|leisner_dr}achcensterxn


Die meisten sagten, sie wollten sich damit nicht belasten, bzw. sie könnten es nicht, sie würden damit nicht klarkommen.

Das finde ich ehrlich gesagt unfassbar erschreckend!! Der Tod gehört zum Leben und jeder von uns ist sterblich.

Ein wirklich großes Problem unserer Gesellschaft ist, dass Krankheit und Tod einfach "ausgeblendet" werden und an die Stelle "Jugendwahn" und "alles ist machbar" getreten ist. Wenn dann jemand stirbt, ist natürlich immer jemand "schuld", sei es der Verstorbene selbst (der Lebenswandel! das gefährliche Hobby!) oder anderen (die unfähigen Ärzte, die falsche Arznei etc.pp).

Ich finde das wirklich schlimm, auch weil auf diesem Boden Ängste und Hypochondrie, aber auch Ausgrenzung hervorragend gedeihen können. Auch hilft es einem ein bisschen bewusster zu leben, wenn man sich klar macht, dass jederzeit alles vorbei sein kann.

Ich habe schon viele tote Menschen gesehen, schön anzusehende und weniger schön anzusehende und habe vielleicht deswegen so wenig Angst vor dem Tod, weil ich ihn als etwas zwar für die Zurückbleibenden trauriges, ganz natürliches ansehe.

EqhemaTlige_r Nutxzer (>#242230)


Ja, das kann ich nachvollziehen.... :°_

Ich hatte anfangs, kurz nachdem mein Vater verstorben ist, immer das Bild meines kranken Vaters vor Augen. Es ging ein paar Monate, bis ich ihn als gesund in Erinnerung behalten konnte. Ich musste mit Müh und Not die gesunden Zeiten wieder ins Gedächtnis rufen und mir einprägen, damit ich anfangs irgendwie damit klar kam. Erst ein Jahr später (also anfang diesen Jahres) kam dann nochmal so ein gewaltiger Trauereinbruch..... :|N

t]aGrghe


als mein vater vor 2 jahren während einer Op verstarb, wollte ich(27) ihn auch unbedinngt sehen, sonst hätte ich es nicht geglaubt. Mein jüngerer Bruder war mit, obwohl ich sagte er soll es lieber lassen, er war damals gerade 18. Der Anblick war für mich wirklich, wie wenn er schlafen würde, nur dass seine Haut eben heller war. Mein einziger Fehler war, dass ich ihn berührt habe... :( ich wollte ihn einfach nochmal "spüren" und da bin ich dann zusammen gebrochen, mein "kleiner" bruder probierte mich noch zu beruhigen doch das war für 15 min nicht mehr möglich, bis eine Krankenschwester kam. Dieses Gefühl, bin ich Wochen nicht los geworden und auch heute noch kann ich mich erinnern als wie wenns gestern gewesen wäre...

FNunk/el*st#eixn


Nein, ich kannte das Projekt nicht. Ich finde es sehr bewegend und faszinierend, auf welche Weise die Autoren zeigen wollen, dass Leben und Tod untrennbar miteinander verbunden sind.

Einen Verstorbenen zu sehen, kann, glaube ich, beides sein: aufwühlend und, da es einem die Unabänderlichkeit der Geschehnisse bewusst macht, sehr schmerzhaft, aber vielleicht auch auf gewisse Art beruhigend, tröstlich, versöhnlich – man weiß, dass derjenige fort ist und kann (oder eher: muss) anfangen, damit zu leben.

Ich habe auch jemanden beim Sterben begleitet und danach noch einige Stunden mit demjenigen verbracht. Obwohl es sicherlich die schmerzvollste Erfahrung meines Lebens war, hat es mir merkwürdigerweise auch gut getan, da gewesen zu sein. Noch ein letztes Mal alles ansehen und anfassen. Bemerken und spüren, dass er anders aussieht und sich anders anfühlt tut unfassbar, unfassbar weh, macht aber erst richtig begreiflich, was man eigentlich nicht wahrhaben will.

Meinem Verstorbenen habe ich auch eine Haarsträhne abgeschnitten, um etwas von ihm zu behalten. Lange, lange Zeit wagte ich nicht, jemandem davon zu erzählen, weil ich mich dafür schämte. Irgendwann hatte ich aber Gelegenheit mich mit einer Trauerbegleiterin zu unterhalten, die mir erzählte, dass sie viele, viele Menschen (- interessanterweise vor allem Kinder -) kennt, die ein Foto (oder eine Haarsträhne, einen Fingernagel,...) von ihrem verstorbenen Angehörigen aufgehoben haben und es sich immer wieder ansehen. So selten und abwegig scheint das Bedürfnis danach also nicht zu sein. Die Trauerbegleiterin erklärte es mit dem Bedürfnis nach Gewissheit. Gewissheit, dass der Verstorbene wirklich da gewesen ist und Teil des eigenen Lebens war. Gewissheit, dass er nicht zu sehr leiden musste (- viele Tote haben einen entspannten Ausdruck in ihrem Gesicht) und zuletzt auch Gewissheit, dass er tatsächlich tot ist und nicht mehr wieder kommen wird. Vor allem letzteres ist ein wesentlicher Punkt im Trauerprozess.

J)acck?y78


Hallo zusammen @:) @:)

Ich arbeite seit 15 Jahren in der Pflege und habe dadurch schon sehr viele Verstorbene gesehen und auch viele von ihnen beim sterben begleitet, bis sie wirklich ihren letzten atemzug getan haben. für mich auch nach sovielen jahren immer wieder eine erfahrung, die mich sehr bewegt, da ich persönlich es immer schlimm finde, wenn alte kranke menschen den letzten weg ganz alleine gehen müssen und niemand da ist. gibt natürlich auch menschen, die diesen weg alleine gehen wollen.

auch in meiner familie habe ich schon einige verstorbene gesehen. habe meine oma kurz vor und unmittelbar nach ihrem tod gesehen. sie sah friedlich und entspannt aus. habe sie mir einige tage später nochmal beim bestatter angesehen. sie sah zwar nicht entstellt oder schlimm aus, aber eben auch nicht mehr wie meine oma. deshalb kann ich nur jedem raten, sich von seinen verstorbenen angehörigen direkt nach dem tod zu verabschieden, wenn das eben möglich ist, und nicht erst ein paar tage später, da sie dann doch sehr fremd aussehen und das nicht jeder so einfach wegstecken kann.

ich kann nur jedem raten, sich mit dem thema tod & sterben auseinander zu setzen, auch mal versuchen mit den angehörigen darüber zu reden, was man für vorstellungen hat, ob bestimmte rituale durchgeführt werden sollen (bestimmte musik, pfarrer, sterbebegleitung -wer?, welches beerdigungsinstitut usw...) man sollte das alles früh genug abklären, denn es kann eben jeden treffen zu jeder zeit u man sollte sich früh genug damit auseinander setzen denn der tod gehört dazu :)- :)- :)-

Jwacxky78


was die ausstellung betrifft, finde ich sehr gut, daß es sowas gibt!

scheint zumindest sinnvoller zu sein als sowas wie "körperwelten". dort waren wir damals mit unserem ausbildungskurs. rückblickend würde ich aber sagen, daß diese ausstellung hier das thema sterben und tod wohl würdevoller behandelt als die ausstellungen von "körperwelten".

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Abschied und Trauer oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Gedenken


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH