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Noch mal leben vor dem Tod

aKgnexs


Geht es bei "Körperwelten" um Sterben und Tod?

R^ene0ssaxnce


Wenn die Seele (auch wenn manche darüber lachen) den Körper verlassen hat, ist das deutlich zu spüren und bald auch zu sehen.

In Kulturen, für die der Tod etwas Normales ist, öffnen die Zurückbleibenden das Fenster, um dieser entfliehenden Seele das Tor zu ihrem Ursprung frei zu machen. Nein, schön ist der Tod nicht, aber es ist etwas Ehrfürchtiges um ihm, das selbst Leute anrührt, die vor wenig Respekt haben.

Ein oder zwei Tage nach dem Tod wirkt der nun leere Körper genau so: Wie ein leeres Gefäß, eher wie eine Statue als aus Fleisch und Blut. Das ist ja auch ganz plausibel, denn er ist ja nun auch "leer", ohne den Lebensfunken.

Ich halte es für sehr wichtig, sich im Leben mit dem Tod zu befassen.

J/ack7y7x8


naja kann man sehen wie man will. es wurde damals immer so dargestellt aber mittlerweile denke ich nicht. in meinen augen ist es nur eine zur schau stellung von toten präparierten körpern, nichts anderes.

aNgn'es


Ich dachte, es geht darum, Otto Normalverbraucher etwas Anatomie lernt?

J$ackby7x8


@ agnes

da magst du recht haben. mag für den einen oder anderen auch sehr nützlich und interessant sein, aber ich persönlich finde es rückblickend betrachtet für mich selbst eben würdelos. auch wenn die verstorbenen vor ihrem ableben ihr einverständnis zur ausstellung gegeben haben sollen, finde ich selbst es eher erschreckend, mir einen präparierten körper einer schwangeren verstorbenen mit fötus im bauch anzusehen. aber gut, über dieses thema kann man natürlich streiten.

das muß jeder für sich selbst entscheiden. nochmal würde ich mir diese ausstellung nicht anschauen sondern eher diese ausstellung hier vorziehen.

Bmrom4bee"rküchlxein


Sehr schwieriges Thema ...

Mein vater starb vor knapp 8 Jahren und es ist noch immer unwirklich für mich. Er starb damals auf Montage in einer 500 km entfernten Stadt. Nach 3 Tagen wurde er in unsere Heimatstadt überführt und dort hätten wir die Chance gehabt, ihn noch einmal zu sehen. Die Angestellten des Beerdigungsinstituts haben uns jedoch abgeraten. Grund war, das mein Vater wohl sehr viele blaue Flecken und gebrochene Rippen von den Wiederbelebungsmaßnahmen hatte und das wohl kein so schöner Anblick gewesen wäre. Wie – meine Mutter und ich – haben es dann auch gelassen und im nachhinein bereue ich es sehr, denn ich rutschte dadurch in eine Angststörung. Angststörung deshalb, weil ich ihn nicht tod gesehen habe und daraufhin nicht mehr glauben konnte das er wirklich tod ist. Ich wusste nur von erzählungen seiner Arbeitskollegen wie es passiert ist und sie sagten mir auch das der Notarzt ihn nach einer halben Stunde für tod erklärt hat. Sie sagten mir auch das sie ihn tod gesehen haben – aber ich habe ihn eben nicht mit eigenen Augen gesehen. Also fing ich an mir einzureden, das man mir den tod nur vorgetäuscht hatte – aus was für einen grund auch immer. Völlig kranke Gedankengänge und das war dann für mich auch nur mit einer Therapie zu lösen die ich gott sei Dank erfolgreich für mich abschließen konnte. Das kuriose ist, das ich selbst in der Trauerbegleitung eines Hospitz arbeite und nie Probleme mit dem Tod hatte ... nur eben was enge Angehörige betrifft.

Deswegen:

Würdet ihr so eine Ausstellung besuchen und wenn ja, aus welchen Beweggründen?

Ja würde ich aus oben genannten Grund.

EMhem+aligeru Nut%zerb (#43y14x99)


Horrorvibe, du meintest auf Seite 1, dass du dich oftmals zwingst, dass du dich mit einem Thema konfrontierst, um besser damit umgehen zu können und die Ungewissheit abzulegen. Ich möchte dich fragen, ob du in dieser Hinsicht schon etwas erreicht hast, auch wenns nur ein Bruchteil ist und du vl. minimal weniger ungewiss bist oder ob du dich irgendwie damit "anfreunden" konntest... und wenn ja, wie?

s{noVwtwitch


Meine Eltern sind letztes Jahr gestorben. Ich habe bei Beiden über Monate bzw. Jahre beim sterben begleitet. Beide starben ohne, dass von uns jemand dabei war in einem Pflegeheim. Meine Mutter starb um 06.45 Uhr und um 07.10 Uhr war ich bei ihr. Sie hatte den Mund weit offen, genau wie die Augen, sie sah alles andere als friedlich aus. Aber sie war schwerst krebskrank. Das Fenster war offen und man hatte ihr ein Handtuch unter den Mund geschoben, damit der zu ging. Ich konnte sie nicht alleine lassen, bis sie im Sarg lag. Hatte das Gefühl sie ist da und hat Angst. Es dauert bis 11 Uhr bis sie abgeholt wurde und den Geruch habe ich bis heute in der Nase. Und diese grauen, gebrochenen Augen werde ich auch nie vergessen. Es war schrecklich.

Mein Vater starb 3 Monate später abends um 22.45 Uhr und ich war um 23.20 Uhr bei ihm. Davor war ich noch bis nach 20.00 Uhr bei ihm gewesen, er war nicht mehr bei Bewusstsein, ich hatte ihm stundenlang vorgelesen und als ich ging, habe ich ihm gesagt, er soll und darf los lassen und meine Großeltern und meine Mutter von mir grüßen. Er lag so unendlich friedlich da. Mund und Augen geschlossen und ich habe ihm die Hand gehalten. Das hat mich total glücklich gestimmt, trotz der Trauer, er war 83, krank und wollte zu seinen Eltern. Und genau so sah er auch aus. Zufrieden, dass er gehen durfte. Der Bestatter kam erst am nächsten Tag um 14 Uhr. Eine sehr lange Zeit. Ich war morgens wieder früh bei meinem Vater und er roch überhaupt nicht. Ich musste alles ausräumen und habe die ganz Zeit mit ihm geredet, als wäre er noch da und ich hatte ein gutes Gefühl dabei.

Als meine Oma starb war ich 10 und mein Vater hatte mich mit in die Leichenhalle genommen, den Anblick habe ich bis heute nicht vergessen. Es war eines der schlimmsten Dinge, die ich je erlebt habe. Jahrelang Albträume und Angst. Das war nicht mehr meine Oma, obwohl sie auch eines natürlichen Todes starb.

In so eine Ausstellung würde ich gerne gehen, einfach weil mich der Tod beschäftigt und interessiert. Das sind keine Menschen die mir nahe standen und die ich lebend kannte. Was nicht meinen Respekt mindert, aber es ist einfach etwas anderes, es verbindet mich nichts mit ihnen. Der Tod gehört zu uns, wie das Leben, aber ihn bei einem Familienmitglied erleben ist etwas völlig anderes, als drüber zu reden. Vorbereiten oder Abschied nehmen hört sich schön an, ist aber nicht wirklich möglich.

J(ackAy78


@ snowwitch

das mit deinen eltern tut mir sehr leid :)- :)* :)- :)*

innerhalb von 3 monaten beide elternteile zu verlieren ist sehr schlimm, auch wenn sie beide krank und auch schon älter waren.

du hast recht, man kann sich auf sowas nicht vorbereiten, egal wie lange der mensch krank ist u man bescheid weiß, wenn ein nahestehender mensch dann verstirbt, dann ist das schlimm.

ich wußte es bei meiner oma auch vorher und dachte ich sei gut darauf vorbereitet (sie ist 92 geworden). ihr tod ist 13 jahre her und ich leide noch heute darunter u es vergeht kein tag, an dem ich nicht an sie denken muß. was mir am meisten zu schaffen macht, ich war den ganzen tag bei ihr im kh, und 1 stunde bevor sie verstarb, bin ich nach hause gefahren. ich war nicht bei ihr als es soweit war, obwohl ich das immer wollte, aber ich konnte es damals noch nicht einschätzen, daß es soweit war :°(

ich wünsche dir weiterhin viel kraft :)* :)* :)*

sOnoww2itc<h


@ Jacky78

danke @:)

ich denke auch ununterbrochen an sie und hoffe, dass das noch besser wird. Einfach ist es nicht. Aber ich kann dich beruhigen, die meisten Menschen wollen alleine sterben. Meine Eltern waren zusammen in einem Zimmer und meine Mutter hat wirklich gewartet, bis mein Vater mit der Pflegerin draussen war. Ich wäre auch gerne bei meinem Vater geblieben, aber ich habe auch noch eine Tochter und die konnte ich nicht die ganze Nacht alleine lassen. Beruhigt hat mich wirklich, dass er so friedlich aussah. Und ich bin mir sicher, wir sehen uns irgendwann wieder. Auch wenn viele nicht daran glauben, aber ich bin der festen Überzeugung.

Ich schicke dir auch ein paar :)* :)* behalte deine Oma in Erinnerung

JDavcky7x8


danke @:) @:)

Und ich bin mir sicher, wir sehen uns irgendwann wieder. Auch wenn viele nicht daran glauben, aber ich bin der festen Überzeugung.

das glaube ich auch, auch wenn ich ansonsten nicht gläubig bin aber der gedanke macht es für mich erträglicher und gibt mir doch hoffnung.

k;am.ikaxze


kleiner_drachenstern

Ein wirklich großes Problem unserer Gesellschaft ist, dass Krankheit und Tod einfach "ausgeblendet" werden und an die Stelle "Jugendwahn" und "alles ist machbar" getreten ist.

Ich glaube, die meisten haben einfach Angst und möchten mit der eigenen Sterblichkeit bzw. mit der ihrer Lieben nicht konfrontiert werden. Als ich jünger war, war es zumindest bei mir so. Jetzt habe ich immer noch Schiss, bin aber mehr und mehr bereit, mich zu öffnen und mich mit dem Tod auseinanderzusetzen.

Wenn dann jemand stirbt, ist natürlich immer jemand "schuld", sei es der Verstorbene selbst (der Lebenswandel! das gefährliche Hobby!) oder anderen (die unfähigen Ärzte, die falsche Arznei etc.pp).

Natürlich. Jeder will einen "plausiblen Grund" finden, weshalb ihm selbst das auf gar keinen Fall passieren kann.

Funkelstein

Ich habe auch jemanden beim Sterben begleitet und danach noch einige Stunden mit demjenigen verbracht. Obwohl es sicherlich die schmerzvollste Erfahrung meines Lebens war, hat es mir merkwürdigerweise auch gut getan, da gewesen zu sein.

Genau das meinte meine Mutter auch. Als mein Opa am frühen Morgen starb, sind meine Eltern sofort zu meiner Oma gefahren. Über den Tag kamen immer mehr Familienmitgleider und Nachbarn. Es wurde geweint, gelacht, gegessen und getrunken. Mein toter Opa lag in demselben Raum in seinem Bett, davor stand eine Bank, vor der immer jemand saß.

Ich glaube, ich hätte da auch hin sollen, im Nachhinein.


Vielen Dank für eure Berichte und Meinungen, ich habe alle mit sehr großem Interesse gelesen. :)*

kMamikqazxe


snowwitch

Du hast ganz schön viel mitgemacht. Bist Du ein Einzelkind?

sSnowBwitxch


@ kamikaze,

nein, ich habe noch 2 Schwestern, aber keinerlei Kontakt mehr zu ihnen. Dabei war der mal richtig gut, aber man kennt das ja, wenns ums Erben geht. ;-) Meine Tochter und ich reden täglich über meine Eltern und lachen auch viel über sie, auch wenns nie einfach mit ihnen war

g.p5x6


ich kann nur jedem raten, sich mit dem thema tod & sterben auseinander zu setzen,

dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Wir haben meinen Schwiegervater beim Sterben begleitet. Gestorben ist er, als er kurz alleine war. Dies hört man oft. Wir haben Totenwache gehalten und Erinnerungen an ihn ausgetauscht. Seinen Unterkiefer haben wir nicht hochgebunden. Der hat sich über 6 Stunden selbst geschlossen. Wir hatten ihn noch 2 Tage im Haus aufgebahrt und uns mehrfach verabschiedet. Alle waren sich einig das es intensive und sehr schöne Tage waren. Der Abschied ist leichter gefallen.

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