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Die Zeit heilt keine Wunden, sie gewöhnt nur an den Schmerz

a`nnliesmocpkinagjaxy hat die Diskussion gestartet


Liebe Med1ler,

auch wenn ich nach über 7 Jahren nicht mehr in der akuten Trauerphase bin, habe ich doch manchmal das dringende Bedürfnis mir Dinge von der Seele zu schreiben. Die Meiste Zeit komme ich klar – ich lebe mein Leben und würde mich sogar als relativ glücklich bezeichnen wieder, aber es gibt Momente, in denen vermisse ich den Menschen, der mir immer am Meisten bedeutet hat und der mir viel zu früh genommen wurde: meine Mama.

Sie war der liebevollste, fürsorglichste Mensch den ich kannte, immer gut gelaunt und so warmherzig, dass meine Freunde noch heute oft weinen, wenn wir über sie reden, weil sie meine Mama genauso gerne hatten. Jeder war gerne bei mir Zuhause, weil Mama lustig und verrückt war und bei uns immer was los.

Heute ist es ruhig geworden hier Zuhause. Papa war noch nie ein großer Redner und hat auch nicht mehr viel Zeit für mich übrig, seit er eine neue Frau hat. Seine Freizeit gehört ihr, dabei würde ich mir doch so sehr wünschen, auch mal wieder etwas mit jemandem zu unternehmen, der zu meiner Familie gehört. Wenn ich das anspreche, bekomme ich meist ein abfälliges : "Mein Gott du bist erwachsen, da muss ich ja nun wirklich nicht mehr hinter dir herlaufen" zu hören. Müssen Eltern so sein, nur weil man keine 5 mehr ist? Ich finde es schade. Meine Freunde die noch beide Elternteile besitzen, sehen die auch regelmäßig und machen Sachen mit ihnen, ich leider nicht. Es ist schade, aber ich habe aufgehört deshalb traurig zu sein. Es gab Zeiten, da habe ich meinen Vater dafür gehasst, dass er nicht war, wie meine Mutter. Ich habe so sehr jemanden vermisst, der mich in den Arm nimmt und einfach mal festhält. Aber auch das findet mein Vater kindisch, immerhin bin ich erwachsen. Für mich hat das allerdings reichlich wenig damit zu tun, sondern einfach mit herzlichkeit. Auch die besitzt er leider nicht.

Heute, als ich mit meinen besten Freundinnen unterwegs war und nebenbei mir meiner Schwester geredet habe, ist mir schlagartig bewusst geworden : niemand von meinen besten Freunden kennt meine Mutter. Auch meine Schwester nicht, denn sie trat in mein Leben in dem Jahr, als Mama starb ( wir sind beide adoptiert worden und kennen uns erst seit 7 Jahren ). Es war ein bedrückendes Gefühl für mich, daran erinnert zu werden, dass ein Mensch, der immer noch so ein großer Teil von mir ist, immer mehr in Vergessenheit geraden wird. Je mehr Zeit verstreicht, desto weniger Leute wird es in meinem Leben geben, die meine Mutter kannten. Und auch meine Mutter wird nie die wichtigen Menschen kennen lernen, die neu dazu gekommen sind. Ich bin wirklich glücklich mit meinen Freunden und meinem ganzen Umfeld, nachdem ich Jahre eher ein Eigenbrödler war nach Mamas Tod, und es ist traurig zu wissen, dass ich so etwas mit dem wichtigsten Menschen für mich nicht mehr teilen kann.

Nach so vielen Jahren sind es die Kleinen Dinge, die einen wieder daran erinnern, dass etwas fehlt. An die Großen hat man sich gewöhnt: die fehlende Person Zuhause, niemanden mehr den man anruft, mit dem man Geburtstage feiert oder Weihnachten. Nächste Woche werde ich wieder einen Geburtstag meiner Mama ohne sie feiern, ohne Blumen zu kaufen, ohne ein Geschenk. Noch immer laufe ich oft durch Geschäfte und denke: Oh! Das hätte ich der Mama kaufen können. Es tut weh, an Weihnachten Geschenke zu holen und keines mehr für sie dabei zu haben, obwohl ich ihre Geschenke immer am Liebsten gekauft habe, weil wir die gleichen Sachen mochten. Es tut weh über Kinder nachzudenken und zu wissen, dass sie auf die beste Oma der Welt verzichten müssen und nie wissen werden, was für ein wunderbarer Mensch sie war. Ich gehe meinen Weg und lebe mein Leben, aber ich würde es so viel lieber mit ihr teilen, als alles alleine bestreiten zu müssen. Natürlich liebe ich meinen Papa aber er ist eben nicht sie – er ist ruhig, wenig liebevoll, interessiert sich nicht wirklich für mein Leben und lebt eigentlich nur für seine Freundin. Ich weiß, dass ich ihm sehr wichtig bin, aber ich wünschte, er würde es auch mal zeigen.

Meine liebste Mama, ich will dass du weißt, dass ich zurecht komme. Es geht mir besser als früher, ich esse wieder richtig, habe keine Panikattacken mehr und gehe wieder unter Leute. Du musst dir keine Sorgen mehr um mich machen, denn ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin. Ich habe viel gelernt seit du weg musstest und bin eigenständig geworden, vielleicht sogar mehr, als wenn du noch da wärst. Aber auch wenn ich lache und lächle und immer gut gelaunt bin heisst das nicht, dass ich dich vergessen habe. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissern, weil ich nur noch so selten um dich weine :°( dann denke ich, du wärst vielleicht traurig, weil ich dich so schnell vergessen habe. Aber das stimmt nicht. Ich weiß nur, dass du mich immer viel lieber lachen gesehen hast und es ist oft einfacher zu lachen, als sich die Blöße zu geben zu weinen.

Ich liebe dich x:) und ich weiß, dass du auf mich aufpasst. Es vergeht kein Abend, an dem ich ins Bett gehe, ohne dir nicht gute Nacht gesagt zu haben und kein Morgen, an dem ich nicht wünschte, du würdest kommen und mich noch ein mal wecken, wie du es früher getan hast. Ich wünschte, du würdest mir noch einmal Brote machen, mich noch einmal verabschieden. Dann wäre es in Ordnung, wenn du nicht mehr da sein würdest, sobald ich nach Hause käme. Wir hatten keinen Abschied. Auf einmal warst du nicht mehr da, direkt vor meinen Augen. Aus dem Nichts, von einer Minute auf die Andere. Als ich dich im Krankenhaus besucht habe, da warst du schon nicht mehr meine Mama und auch wenn alle versucht haben die Sache zu beschönigen wusste ich schon da, dass du fort warst. Ich habe dich so angebettelt Mama, bei mir zu bleiben, aber du musstest wohl gehen. Ich hatte nur 17 Jahre mit dir, was viel zu kurz für uns war, aber es waren die allerbesten Jahre die ich mir vorstellen konnte. Ich wurde als Baby weggeben und kam zu dir – das Beste was mir je passiert ist. Und ich bin Gott oder wem auch immer Dankbar für jede einzelne Sekunde mit dir. Und eines habe ich gelernt : the greatest thing you'll ever learn is just to love and be loved in return <3

Danke für alle, die das gelesen haben <3 ich hatte das dringende Bedürfnis, es mir von der Seele zu schreiben :°(

Antworten
B>E9NxAOH


Aus Deinen Zeilen spricht so viel Liebe. Deine Mutter wird nie vergessen werden, weil Du sie nie vergisst. Und das ist wichtig.

Vielleicht gibt's ja wirklich was "danach". Dann wird sie es sicher spüren, wie sehr Du sie liebst.

Dir alles Gute @:)

B9uchAlixngf88


Ich weiß grad nichts weiter dazu zu sagen, aber dein Text hat mich ganz tief berührt und ich musste sofort an meine Großeltern denken. :°_ :)_

A(JNExVS


Wow. So rührenden Worte. Tod sind nur die vergessenen. Deine Mama lebt in deinem Herzen weiter! Was gibt es schöneres als auch nach dem Tod unendlich geliebt zu werden. Mich haben deine Zeilen sehr berührt und ich bin mir sicher dass sie - auf welchem weg auch immer bei deiner geliebten Mama ankommen. :)* ganz viel Kraft @:)

ajnnGies;mocJkingxjay


Danke fürs Lesen :)* ich war wirklich immer ein furchtbares Mamakind und immer mit meiner Mama zusammen, also fehlt sie noch immer sehr, aber nach all den Jahren, in denen ich traurig war, habe ich fast vergessen, wie viele schöne Jahre wir zusammen hatten und ich bin froh, dass ich heute wieder an sie denken kann und lächle, statt zu weinen :)

wJe7ltrexise


Das hast du schön geschrieben. :°( Deine Mama muss ein ganz toller Mensch gewesen sein und ein klitzekleines Bißchen haben wir sie durch deinen Beitrag nun auch kennenlernen dürfen. Behalte sie fest in deinem Herzen.

s-ori2x567


Hallo anniesmockingjay...

Vielleicht konnte Dein Vater nicht anders. Meine konnte das auch nie zeigen. Einen Tag, bevor er sich umgebracht hat, konnten wir uns mal umarmen. Einmal...

In seinem Abschiedsbrief fand er kein einziges Wort, das an mich gerichtet war.

Wo ich doch der einzige war, nachdem mein Bruder mit 39 Jahren gestorben ist.

Aber vielleicht konnte er nicht anders, wer weiß...

:)* :)*

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