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Meine Oma fehlt mir manchmal so sehr

F'rom!Hexll hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen

Ich dachte, ich wäre schon darüber hinweg, aber es lässt mir einfach keine Ruhe. Darum schreibe ich diese Zeilen nieder.

Meine Oma ist vor bald drei Monaten nach einjähriger, schwerer Krankheit im lokalen Krankenhaus verstorben. Sie wurde 86 Jahre und 4 Monate alt.

Die ganze Leidensgeschichte begann irgendwann im Herbst 2012. Rapider Gewichtsverlust und ein fürchterlicher Juckreiz am ganzen Körper leiteten den Niedergang ein. Dazu kam grosse Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Tachykardie und eine bakterielle Infektion des rechten Beins. Am 3. Juni 2013 überwies sie unser Hausarzt endlich ins Krankenhaus für eine gründliche Untersuchung. Diese dauerte fast zwei Wochen. Dann wurde sie mit Non-Hodgkin-Lymphom (niedrigmalign) diagnostiziert. Unheilbar und nur palliativ behandelbar.

Die erste Chemotherapie fand bereits Ende Juni 2013 statt. Am Wochenende des 13./14. Juli 2013 fielen ihr die Haare komplett aus und sie war fortan Perückenträgerin. Trotz der schweren, unheilbaren Krankheit hat sie den Lebenswillen nie verloren. Mit stoischer Ruhe liess sie die zahlreichen Behandlungen und Chemotherapien über sich ergehen – zunächst.

Ende Juli/Anfang August 2013 verschlechterte sich ihr Zustand jedoch zusehends, so dass die erneute Hospitalisation am 8. August 2013 unumgänglich wurde. Meine Oma musste einen ganzen Monat im Krankenhaus bleiben. Die bakterielle Infektion des rechten Beins war zeitweise so schwerwiegend, dass die Amputation desselben zur Diskussion stand. Lieber wolle sie sterben, als das zu erdulden, sagte sie damals. Sie lege ihr Schicksal allerdings in Gottes Hände. Das waren sehr bewegende Worte. :°(

Am 9. September 2013 begann für meine Oma ein neues Kapitel, sie konnte vom Krankenhaus in ein Alters- und Pflegeheim übersiedeln. Sie war sehr traurig und hat manchmal geweint. Verständlich. Meine Eltern, mein Grossvater und manchmal auch ich gingen so oft es ging zu Besuch. Sie baute jedoch mit jedem Tag mehr ab. Körperlich und geistig. Es war einfach zuviel für sie. Am 29. Oktober 2013 hatte sie die letzte Chemotherapie erhalten. Das wäre es gewesen für sie. Meine Oma hatte genug. Sie wollte nicht mehr. Am 1./2. und 3. November 2013 war ich jeden Tag zu Besuch bei ihr. Sie war abweisend, abwesend und an nichts Irdischem mehr interessiert. Welcher Tag denn heute sei, wollte ich von ihr wissen. "Das weiss ich nicht und es interessiert mich auch nicht", war ihre Antwort. Ich war so sauer, dass sie einfach vor sich hinvegetieren muss. Das ist doch kein Leben mehr, dachte ich mir. Ich haderte mit dem Schicksal. Ich sollte nicht wissen, dass binnen nur 5 Tagen alles vorbei sein sollte...

Am 7. November 2013 kam meine Oma erneut ins Krankenhaus. Ihr Zustand hatte sich binnen nur einer Stunde rapide verschlechtert. Am Morgen war noch alles einigermassen im Rahmen. Sie war fast nicht mehr weckbar und öffnete ihre Augen nicht mehr. Diagnose Lungenentzündung und septischer Schock (progressives Multiorganversagen). Im Krankenhaus wurde alles getan, um ihr zu helfen. Die Blutanalysen zeigten jedoch, dass alles zu spät ist. Im Labor konnte KEIN EINZIGES weisses Blutkörperchen mehr gefunden werden (vgl. den Normwert 3.800-10.500/µl :-o ). Sie erhielt daraufhin eine massive Dosis Blutbestandteile. Es griff nicht mehr. Sie glitt zunehmend in einen tiefen Schlaf.

Am 8. November 2013 um 11:35 Uhr ist sie friedlich und ohne Kampf eingeschlafen.

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Sie fehlt mir manchmal so sehr. Ich habe unzählige Stunden mit meinen Grosseltern verbracht. Wir haben zusammen Karten gespielt, gelacht, geredet. Diese Zeit ist unwiederbringlich vorbei. Sie ist tot. Daran nage ich heute noch. Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange damit zu kämpfen habe. :-(

Antworten
EIhemalsiger lNuHtzerq c(#24223P0)


:)*

Heute ist der zweite Todestag von meinem Dad. Ich kann nur gut nachempfinden.

Wir haben viele gemeinsame Samstage verbracht, während meine Mum auf Arbeit war.... gemeinsam gefrühstückt, anschließend Kniffel gespielt und Flohmärkte besucht.....

EZhemaliger XNutizer (#D50271x1)


Ich vermisse meine Oma auch noch nach 7 Jahren. Ich habe inzwischen nicht mehr das Bedürfnis sie anzurufen oder spontan auf einen Besuch bei ihr vorbei zu gehen, aber trotzdem denke ich an sie, möchte mit ihr reden, Kuchen essen oder sie über ihre Serien im Fernsehen schimpfen hören. Manchmal vermisse ich sie stark, an vielen Tagen gar nicht, aber oft frage ich mich was sie wohl als Ratschlag geben würde für bestimmte Situationen in meinem Leben. :)-

Lass dir Zeit mit deinem Schmerz. Das vergeht nicht von heute auf morgen :)*

Hkanxa21


Ich vermisse meine vor einem Jahr verstorbene Oma und ein paar Monate darauf verstorbenen Onkel (ihren Sohn) immer noch sehr. Ich hatte keine schöne Kindheit, doch die Ferien verbrachte ich oft bei denen und die Zeit war einfach wunderbar. :°(

S-chliftzHauge6x7


Deine Großmutter hat gespürt, es geht zu Ende. Sie wollte auch nicht mehr.

Was sie sicherlich nicht wollen würde ist, dass Du ihr Leid jetzt mehr aufwiegst als den Frieden, den sie jetzt hat.

Jeden Moment, wo etwas Positives in Dein Leben fällt, könntest Du sagen: Omi, das hätte Dir auch Freude gemacht. Da hättest Du jetzt auch gerne mit mir geteilt.

Wenn Du an ihr Leid denkst: sie hat das alles mit viel Tapferkeit ertragen, Du aber ergehst Dich in ihrem Leid und infizizierst dadurch in Deinem Gehirn stets neue Synapsen, eine Schallplatte mit Sprung, deshalb kommst Du aus der Trauer nicht heraus.

Man weiß heute um Gedanken, und welche Gehirnareale dabei aktiviert werden.

Erst wenn Du diese quälenden Gedanken durch neue ersetzt, wird auch im Gehirn eine Änderung stattfinden. Du kommst Dir elendig vor und mit jedem daran Denken nagt es wieder an Dir.

Das hört sich nüchtern und vielleicht sogar herzlos an. Ist es aber nicht. Den Frieden, den die Oma gefunden hat, selbst zu verstehen, die Freuden des Lebens immer noch gedanklich mit ihr zu teilen, das hilft.

Mein Lebenspartner ist bereits 8 Jahre tot, aber jeden schönen Moment teile ich ihm mit, oftmals habe ich das Gefühl, er freut sich mit mir, gelegentlich ist es so, als wenn ich den Hauch einer Berührung spüre.

In meinem Herzen ist er lebendig.

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