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Sterbeprozess bei beatmeten Menschen?

s\weet@or=angxe


@ Monika65

Das ist löblich und schön zu hören, dass dies in deinem Heim nicht so ist. Dass es anders geht, bestreite ich nicht. Allerdings scheint das heutzutage eher die Ausnahme zu sein, als die Regel.

Ich denke an solche Fälle aus de Ridders Buch:

»Frau K. gab schließlich dem Drängen des Hausarztes nach und stimmte der Anlage einer Sonde bei ihrem Vater zu. Eine gut gemeinte Entscheidung, die zwar ihr Gewissen und das des Arztes und des Heimpersonals beruhigte, jedoch weder ärztlich angezeigt war noch, was ebenso gravierend weil rechtswidrig, dem Willen des Kranken entsprach.

Dreimal täglich erhielt der alte Herr nun einen halben Liter flüssig-breiige Nahrung über die durch die Bauchdecke in den Magen führende Sonde gespritzt. Oft hustete er und lief blau an; manchmal musste die Sondennahrung aus Mund und Nase abgesaugt werden, einmal wurde Herr K. mit verstopfter Sonde in eine Klinik eingeliefert. Und immer wieder versuchte er, sich selbst die Sonde zu entfernen.«

--- Seite 75

:°(

LVisc?henswxelt


Also: Ja, er ist heimbeatmet. Seine Grunderkrankung ist eine Form von Muskelschwund. Dazu hat er cOPD und die Lunge hat sich letztes Jahr nicht mehr von einer Lungenentzündung erholt, so dass er seitdem beatmet wird. Die PEG-Sonde hat er, weil er wegen der Beatmung nicht essen kann und den künstlichen Darmausgang bekam er auch letztes Jahr nach dem ersten Verschluss. Für all diese lebensverlängernden Maßnahmen hat er sich selbst entschieden und diese auch unterschrieben vor den Operationen.

Er wird betreut 24-Stunden durch einen Intensivpflegedienst, was die Kasse zahlt.Alles liebe Leute, die aber kaum deutsch sprechen können.

Geistig war bisher völlig fit. Seit heute erkennt er die Pflegekraft nicht mehr.

Es ging mir nicht drum, aktive Sterbehilfe oder ähnliches zu leisten. Ich wollte nur wissen, ob jemand Erfahrung berichten kann, wie das Sterben bei all diesen lebensverlängernden Maßnahmen abläuft... Dass jeder Tod individuell ist, ist klar.

Sein Wunsch ist es, zu hause zu sterben, nicht im Krankenhaus oder Hospiz. Mehr sagt er dazu nicht, er will über den Tod nicht reden, da er leben will. Deshalb hat er keine Patientenverfügung und hat sich auch bewusst für all diese Maßnahmen entschieden.

Nur Fakt ist: Es geht bergab. Der Hausarzt war selbstverständlich da. Aber er kann nichts machen. Beruhigungsmittel bekommt er schon, Schmerzen hat er keine. Seine Bedürfnisse werden alle erfüllt. Er wird so oft umgelagert wie er es wünscht etc. Es ist wahrlich nicht so, dass nur über ihn gesprochen wird, statt mit ihm...

Können wir ein Palliativteam trotz dem eigentlichen Pflegedienst kommen lassen?

S1taph%.aurxeus


@ Lischenswelt

Können wir ein Palliativteam trotz dem eigentlichen Pflegedienst kommen lassen?

Schau mal hier-

[[http://www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de/]], unter der "Adress-Suchmaschine" kannst Du ambulante Palliativ/Hospiz-Dienste in Deiner Gegend finden. Ruf' an, lass Dich beraten.

M/oniika65


Ich glaube einem Buch weniger als Augenschein. Da werden Negativbeispiele herausgegriffen und zum Normalfall deklariert. Zum Beispiel verstopfen Sonden nur bei echt mieser "Wartung", und wenn das passiert, kann man es sofort beheben, das ist eher Arbeit für die Plegekräfte als ein Problem für die Person selbst. Sie werden gespült und fertig.

Oft hustete er und lief blau an; manchmal musste die Sondennahrung aus Mund und Nase abgesaugt werden, einmal wurde Herr K. mit verstopfter Sonde in eine Klinik eingeliefert.

Das kenne ich nicht. Bei ordentlicher, nicht zu tiefer Lagerung und angepasster Geschwindigkeit der Pumpe passiert es eher nicht. Oder der Patient war nicht wirklich geeignet, es gibt Ausschlusskriterien für Sondenernährung, das ist wenn dann aber ein ärztlicher Fehler. Aber mach das bitte nicht zum Normalfall.

Allerdings scheint das heutzutage eher die Ausnahme zu sein, als die Regel.

In Pflegeheimen der großen Verbände wage ich das zu bezweifeln, einen gewissen Einblick habe ich da schon. Jedes Heim unterliegt regelmäßigen Prüfungen des MDKs. Bewertungen, die im Internet veröffentlicht werden. Teilweise große Transparenz bei der Doku.

Ssunhfloweyr_x73


Die PEG-Sonde hat er, weil er wegen der Beatmung nicht essen kann

Genau darauf wollte ich bzgl. der PEG-Kritik auch hinweisen: Ein beatmeter Patient. Lungenerkrankung, Zunehmende Schwäche. Muskelerkrankung. Wie groß ist da die Gefahr, dass er sich verschluckt und das Essen in der Lunge landet, mangels Reflexen etc.?

Vielleicht wirklich mal denken und den Einzelfall reflektieren, statt pauschal zu kritisieren.

@ Lischenswelt:

Es scheint wirklich bergab zu gehen – und so traurig es ist, ist es fast allen zu wünschen, dass es nicht mehr lange dauert.

Evtl. sollte aber (wenn es noch geht) für die JETZIGE Entwicklung besprochen werden, was er noch wünscht...

MBonikQa65


Ich wollte nur wissen, ob jemand Erfahrung berichten kann, wie das Sterben bei all diesen lebensverlängernden Maßnahmen abläuft...

Das kann dir niemand genau sagen, nicht der erfahrenste Arzt. Aus eigener Anschauung kann ich dir aber sagen, dass es leichtes und schweres Sterben gibt und das kommt sowohl bei lebensverlängerten Maßnahmen vor und auch da, wo nicht viel gemacht wir. Ich kannte eine Frau, die wirklich lange Sondennahrung erhielt auf Wunsch der Angehörigen, der Mann vegetierte lange vor sich hin, aber sein eigentliches Sterben kam plötzlich und friedlich. Andere quälen sich sichtbar, denn auch ohne Nahrung stirbt es sich nicht immer "schnell", der Körper kann trotz Auszehrung erstaunlich lange aushalten. Und ob es jemand als subjektiv qualvoll erlebt oder nicht, ist auch verschieden und nicht immer leicht zu beurteilen. Ein großes Problem ist auch die Flüssigkeitszufuhr, soll man ja oder nein, manche haben quälenden Durst ander nicht.. Sterben ist einfahc nicht schön, man kann es drehen und wenden wie man will.

L(iqsc~heNnswe\lt


@ Staph.Aureus:

Danke @:)

@ Sunflower:

Traurig ist es trotzdem, auch wenn für ihn die Quälerei aufhört :°(

@ Monika65:

Er hatte immer große Angst davor zu sterben. Er rief uns oft an, dass er glaubt, dass er stirbt, aber es waren Panikattacken. Das hat er momentan nicht, deshalb glauben wir, dass es aufgrund seines schlechten Zustandes tatsächlich ernst ist :-(

M*oanikax65


Lischenswelt

Das hat er momentan nicht, deshalb glauben wir, dass es aufgrund seines schlechten Zustandes tatsächlich ernst ist

Ja, das ist deutlich.

Was das Palliativteam anbelangt, wenn er keine Schmerzen hat, sehe ich den Sinn nicht so richtig. Oder was meint ihr, warum?

L@isAchen/swelxt


Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung was ein Palliativteam sonst noch macht... Wie gesagt, unsere Pflegekräfte können kaum deutsch. Die versorgen ihn, können aber nicht sagen, was warum so ist wie es gerade ist. Wir fühlen uns momentan etwas allein gelassen. Seine Frau weint nur, mein Freund ist überfordert und ich habe mit sterbenden Menschen auch keine Erfahrung :/ Ich wünsche mir, dass jemand da ist, der sie Situation kennt, richtig einschätzt und uns sagt warum was gerade passiert und dass alles vielleicht so seine Richtigkeit hat... also verstehst du was ich meine oder ist es zu konfus geschrieben?

SEunfloPwer_&73


Aber genau für DIESE Verunsicherung ist ein Palliativteam richtig. Es geht halt nicht nur um schmerzfrei oder nicht, sondern erfahrene Begleitung, wenn aus Pflege Sterbebegleitung wird.

MPongikya65


Nein, ich verstehe das sogar sehr gut. Es macht euch Angst. Es gibt ja Palliativversorgung auch zu Hause, müsst ihr euch mal informieren. Vielleicht einfach nur ergänzend, jemand, der einmal am Tag kommt, nachschaut, Fragen beantwortet.

s6weetoErange


Ich glaube einem Buch weniger als Augenschein. Da werden Negativbeispiele herausgegriffen und zum Normalfall deklariert.

*seufz* %-| Es würde jetzt hier zu weit führen und vom eigentlichen Thema abkommen, deshalb nur soviel:

Schau dich doch um: der Kostendruck macht vor Krankenhäusern und Altenheimen nicht halt. Glaubst du ernsthaft das bleibt nicht ohne Auswirkungen? Kannst du ernsthaft ausschließen, dass manche Heime oder Krankenhäuser eben... sagen wir mal... "kreativ" werden und Kosten senken zu Lasten des Patienten? Viele Fälle in der Vergangenheit haben gezeigt dass eben doch vieles im Argen liegt.

Die Negativbeispiele hab ich herausgegriffen aus einer Fülle im Buch. Wieso auch nicht? Natürlich kannst du jetzt sagen, naja, das ist ja "nur" ein Buch. Das ist aber ein Totschlagargument. Der Autor ist Arzt mit über 30(!) Jahren Praxiserfahrung; diese Fälle hat er so erlebt bzw hat sie mitbekommen.

Ich will hier gewiss keine Schwarzmalerei betreiben. Wenn das in deinem Umfeld anders ist, dann freut es mich. Aber wir dürfen auch nicht so tun, als ob alles wunderbar wäre und es keine Verbesserung gibt.

Ich kenne z.B. einen Fall aus meinem näheren Umfeld wo der Wille des Patienten komplett ignoriert wurde.

SnunflDo]wer_7x3


Ich bin die Letzte, die den Kostendruck im Gesundheitssystem NICHT kritisiert. Ist mein tägliches Brot. Ich will auch nicht leugnen, dass es Probleme gibt. Aber HIER sprangen einen die Pro-Argumente doch an.

s:wee3torxange


@ Lischenswelt

Wie gesagt, unsere Pflegekräfte können kaum deutsch.

Tja...

Die versorgen ihn, können aber nicht sagen, was warum so ist wie es gerade ist.

Siehe meinen vorigen Text.

Weil sie vermutlich selbst nicht darauf vorbereitet sind.

Wir fühlen uns momentan etwas allein gelassen.

Das kann ich gut nachvollziehen.

Seine Frau weint nur, mein Freund ist überfordert und ich habe mit sterbenden Menschen auch keine Erfahrung :/

Wer hat diese Erfahrung schon? Das geht/ging mir auch nicht anders.

Ich habe den Eindruck, dass in der heutigen Zeit Sterben und Tod verdrängt wird, aber nicht wirklich integriert. Früher konnten/durften Sterbende im Kreise der Familie sterben. Es wurde Totenwache gehalten und sich um Trauernde gekümmert. Man hat es gemeinsam durchgestanden. Es wurde sich intensiver damit auseinander gesetzt. Klar, es war auch allgegenwärtig und konnte jederzeit passieren.

Heutzutage sind die medizinischen Errungenschaften groß und mit ihnen die Erwartungen. Passiert das unausweichliche, soll der Tod möglichst geräuschlos vollzogen werden, möglichst unsichtbar um die Lebenden nicht damit zu "belästigen".

Aber zurück zum Thema.

Es ist eigentlich ganz einfach und braucht nicht viel: Nehmt intensiv Abschied von eurem geliebten Menschen. Nehmt euch Zeit mit ihm und für ihn. Sprecht mit ihm wenn er das noch kann und will. Haltet seine Hand, seid für ihn da wenn er stirbt.

Das macht es nicht einfacher. Aber nichts ist so tragisch und unmenschlich, wie in einem kalten, sterilen Zimmer zu sterben ohne seine geliebten Menschen.

Ich wünsche mir, dass jemand da ist, der die Situation kennt, richtig einschätzt und uns sagt warum was gerade passiert und dass alles vielleicht so seine Richtigkeit hat...

Aus der Ferne kann man das schlecht beurteilen.

Wünsche euch Kraft :)* :)*

LG,

b`eetcle(ju[ice21


Ja auf jeden fall do ein team einschalten oder um rat fragen.. dafür sind die da.

ich arbeite eng mit verschiedenen zusammen. . Die kümmern sich auch psychosozial nicht nur medizinisch und das geht unabhängig vom pflegedienst.. im besten fall hand in hand...

Das bei euch alle kaum deutsch sprechen ist schade.. kenne ich so nicht..

zum Thema peg sag ich nichts. . Meine Patienten haben alle eine und keiner quält sich deswegen. .im Gegenteil die wären ohne alle tot.

Es sei denn nun kommt die Diskussion ob das nicht per se besser wäre. . Beatmet bleibt oft nix anderes... oder mit stenosen oder ohne saug und schluckreflex..

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