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Kondolieren unter Arbeitskollegen

Alias 689215


Aber wenn auch dein Gegenüber erst von dir Freundlichkeit erwartet, damit ihm Gerechtigkeit getan wird und erst dann bereit ist, dir auch freundlich gegenüberzutreten...wer fängt dann an? Wer muss den ersten Schritt Freundlichkeit tun?

Das ist doch ganz einfach.

Jeder gleichermaßen!

Angenommen, wir würden einen neuen Kollegen bekommen, dann würde ich diesem Kollegen erstmal völlig vorurteils- und wertungsfrei gegenübertreten. Und natürlich auch angemessen freundlich, wie man das halt üblicherweise macht.

Ich kenne ihn/sie noch nicht und kann daher auch keine grundsätzlich negative Einstellung zu ihm/ihr haben.

Nach ein paar Tagen, Wochen und Monaten lernt man die Persönlichkeit dieses Menschen dann immer mehr kennen und auch, wie er sich anderen und einem selbst gegenüber verhält.

Und dann würde ich mich eben einfach den Ergebnissen dieses Kennenlernprozesses anpassen.

Eigentlich eine ganz natürliche Entwicklung, wie ich finde.

Dann unfreundlich zu reagieren, nur weil es sich um einen Mensch Sorte Mufflon handelt, das wäre doch überhaupt nicht meiner eigenen Einstellung gegenüber gerecht.

Ich würde zu so einem Menschen deswegen auch nicht betont unfreundlich sein, aber dann halt eben auch "Mufflon".

Aber wer mir gegenüber unfreundlich ist, obwohl ich ihm dazu eigentlich keinen plausiblen Grund gebe (denn welche Klamotten ich trage, welches Auto ich fahre, welche Musik ich höre ect. kann ihm egal sein), der kann von mir auch keine Freundlichkeit erwarten.

l|a/bex/mi


Und dann würde ich mich eben einfach den Ergebnissen dieses Kennenlernprozesses anpassen.

Das heisst, du siehst dich selber immer in der passiven Rolle? Was ist, wenn du – ohne es zu merken – jemanden verletzt?

Alias 689215


Was ist, wenn du – ohne es zu merken – jemanden verletzt?

Kommt darauf auf wodurch.

Ist es, weil ich nur irgendwas anders sehe, mache ect.?

Naja, jedem kann man es nicht recht machen und wenn ich für diese Verletzung nichts kann, was soll ich dann tun?

War es jedoch durch eine unbedachte Handlung, Äußerung ect., dann wäre ich froh, wenn mich diese Person das direkt oder indirekt wissen lassen würde, damit ich entsprechend handeln und mich ggf. dafür entschuldigen und die Sache aus der Welt schaffen könnte.

lXa/beY/mxi


Ist es, weil ich nur irgendwas anders sehe, mache ect.?

Naja, jedem kann man es nicht recht machen und wenn ich für diese Verletzung nichts kann, was soll ich dann tun?

So ziemlich jeder sieht deine Situation (ausbleibende Kondolenz-Karte) anders als du...

m[alikBa82


So beschäftgt kann man doch gar nicht mit sich selbst sein, daß man, obwohl man von dem Trauerfall weiß, einem Kollegen nicht kondoliert, wenn man ihm mehrmals täglich über den Weg läuft und auch begrüßt ect.

Es soll auch Menschen geben, die sich mit persönlichem kondolieren "schwer tun" – als mein Vater vor 3,5 Jahren unerwartet mit 59 verstorben ist, hat ein Kollege mit eine Karte überrreicht, in der er unterschrieben hatte im Namen der Kollegschaft, ein paar haben mir zusätzlich persönlich ihr Mitgefühl ausgesprochen und wieder ein paar andere haben keinen Ton darüber verloren. Vielleicht sind es diejenigen, die in so einer Situation selbst auch lieber auf Beileidsbekundungen verzichten möchten. Keine Ahnung. Mein Vater war plötzlich nicht mehr da, im Grunde war es mir total egal.

Und wenn sie dir damals nicht kondoliert hätte?

Ja was wohl?

Dann hätte ich es natürlich auch "vergessen".

Warum sollte ich anderen etwas entgegenbringen, das sie nicht bereit sind, mir entgegenzubringen?

Dazu fällt mir nur folgende Situation ein (tatsächlich so gewesen):

Kollege A fragt Kollege B nach dem Tod unseres Altmeisters, ob er denn auch zur Beerdigung von Herrn XY mitkommen würde? Daraufhin antwortet Kollege B: Nein, Herr XY kommt ja auch mal nicht zu meiner Beerdigung! ":/ :=o :-o :-X

HBasepnre3ich


War es jedoch durch eine unbedachte Handlung, Äußerung ect., dann wäre ich froh, wenn mich diese Person das direkt oder indirekt wissen lassen würde, damit ich entsprechend handeln und mich ggf. dafür entschuldigen und die Sache aus der Welt schaffen könnte.

Merkst Du eigentlich nicht was Du da sagst? :-/ :-/ :-/ :|N :|N

Genau das tust Du eben nicht!

H@aesen0reixch


Da fällt mir ein, ich war mal auf einer Beerdigung, wo auch jemand zugegen war, der auf den Verstorbenen nicht gut zu sprechen war - und dieser hat für den Verstorbenen KEINE Kerze angezündet - obwohl dies als eine letzte Geste der Anwesenden für den Verstorbenen vorgesehen war - ich habe dieses Verhalten als unerträglich - gerade für die trauernden Angehörigen empfunden..............ich hab mich ernsthaft gefragt, warum er überhaupt erst zur Beerdigung gekommen ist......... :-( :-( :|N :|N :|N

E2llZa7x1


@ Alias

Können wir hier, als Dir real völlig unbekannte Menschen, Deine Verbitterung, Deine Angst vor Ungerechtigkeit, vielleicht auch Deine Trauer, abmildern, indem wir Dir – einfach so, ohne dass Du uns je eine Vorleistung dazu gegeben hast – nachträglich und von Herzen zum Verlust Deines Vaters unser aufrichtiges Mitgefühl ausdrücken?

:)- -> für Deinen verstorbenen Vater und zum Zeichen der Anteilnahme für Dich.

E=hemalicger Nutzaer a(#1496187)


Gute Sache, das.

Ich hab mich gerade in Deine Situation hineingedacht, ...215, und ich sage Dir auch, völlig unabhängig von Sympathie oder Unsympathie, dass es mir leid für Dich tut, dass Du Deinen Vater verloren hast.

CNranxk1


Auch ich, der es ja bereits wie auch andere hier schon schrieben, drücke Dir ganz ehrlich und auch aufrichtig noch einmal nachträglich mein Beileid für den Verlust Deines Vaters aus und das völlig unabhängig davon, was ich nun über Dich denke, da dies nämlich nichts mit dem Tod Deines Vaters zu tu hat!

S+hojxo


Ich komme mir albern vor, wenn ich jetzt artig pädagogisch wertvoll herumkondoliere, darum tu ich es nicht. Dass es immer noch wehtut, auch nach mehr als fünf, aber weniger als zehn Jahren, verstehe ich aber sehr gut. Ich habe meinen Vater vor vierzehn Jahren verloren, eine unglaubliche Zeit und ein halbes Leben. Er war lange krank, und er ist jetzt schon länger tot, als ich ihn überhaupt gesund an meiner Seite haben durfte. Und trotzdem fühlt es sich manchmal an, als hätte ich gerade erst begriffen, dass er krank ist, und als hätte ich gerade erst erfahren müssen, dass alles Hoffen auf ein Wunder fruchtlos geblieben und er gestorben ist, obwohl wir ihn so geliebt haben und es nicht sein darf und so beschissen unfair ist. Ich kann Deinen Wunsch, dass Menschen zueinander fair sein sollen, gut nachvollziehen – mir geht es so mit Gewaltverbrechen, ich kann nie wirklich glauben, dass Menschen andere Menschen wirklich schwer verletzen oder gar töten und damit eigenhändig den Schmerz in die Welt bringen, dem wir doch ohnehin oft genug und entsetzlich genug ausgesetzt sind, dem wir so abgefuckt hilflos gegenüberstehen. Ich finde es manchmal schwer, der Welt zu verzeihen, dass sie so ist, wie sie ist. Sie ist es eben, aber dass alles Schöne auch so widerwärtige Schattenseiten hat, das finde ich ganz kindlich und zornig nicht in Ordnung. Tief in mir, wo ich nicht versuche, abgeklärt und klug und einsichtig zu sein, da finde ich es einfach nicht in Ordnung.

Diesen Schmerz hast Du auch erlebt, es geht Dir seit Jahren nach, und ich wünschte, das hättest Du nicht erleben müssen. Ich wünschte, Dein Vater wäre noch da.

CQhoupqette!_Finnxian


Der Faden wird irgendwie nur immer schlimmer und trauriger. Mich macht es ehrlich betroffen, dass jemand so viel Groll gegen die Welt hat und so denkt und lebt wie der TE.

H^asenrexich


Auch ich möchte mich Ella71 anschließen und Dir sagen, dass es mir für Dich von Herzen leid tut, dass Du so früh Deinen Vater verlieren musstest.

:)- :)*

Alias 689215


Ich verstehe zwar nicht ganz, warum sich manche nun plötzlich veranlasst sehen, mir nachträglich zu kondolieren.

Darauf wollte ich auch gewiss nicht hinaus, denn sonst hätte ich ein anderes Thema gewählt.

Aber trotzdem danke!

Diesen Schmerz hast Du auch erlebt, es geht Dir seit Jahren nach, und ich wünschte, das hättest Du nicht erleben müssen. Ich wünschte, Dein Vater wäre noch da.

Na dann verstehen wir uns ja zumindest teilweise.

Ja, das wünschte ich mir auch.

Obwohl mir sicher klar war, daß niemand ewig lebt und daher auch meine Eltern normalerweise irgendwann mal vor mir gehen müssen, war der Tod meines Vater für mich doch ein ziemlicher Schock, weil noch viel zu früh.

Neben der Tatsache, daß ich zu beiden Elternteilen immer ein sehr gutes Verhältnis hatte und ihn daher auch einfach als Menschen sehr wertschätzte, war ich damals auch noch an einem Punkt, wo ich mein Leben noch nicht ganz da hatte, wo ich es haben wollte.

Und ich hätte meinen Vater gerne noch oft etwas gefragt und über Vieles mit ihm geredet.

So hoffe ich nun, daß mir zumindest meine Mutter noch so lange wie möglich erhalten bleibt und sich auch weiterhin bestmöglicher Gesundheit erfreut.

Mich macht es ehrlich betroffen, dass jemand so viel Groll gegen die Welt hat und so denkt und lebt wie der TE.

Deine Betroffenheit in allen Ehren, aber sie ist mehr als unbegründet.

Ich friste nicht so ein trauriges Dasein, wie du es dir vielleicht vorstellst.

Mir geht es soweit ganz gut und ich genieße auch mein Leben.

Und ich verstehe nicht, wie du darauf kommst, daß ich so einen tiefen Groll hegen würde, nur weil ich manche Dinge vielleicht anders sehe als du, weil ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe und weil ich nach dem Motto lebe "Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus".

SIhojxo


Und ich hätte meinen Vater gerne noch oft etwas gefragt und über Vieles mit ihm geredet.

Ja, das kenne ich auch. Und gerade zwischen 20 und 30 tut sich noch mal so viel, da wird man erst wirklich erwachsen, finde ich. Wenn man seine Eltern vorher verliert, findet man nie heraus, wie man ihnen als Erwachsener gegenübersteht. Das empfinde ich als wirklich gewaltigen Verlust, der auch in dem Sinne nicht wiedergutzumachen ist. Das ist, als ob ein Teil der eigenen Biographie fehlt. Jajaja, andere Leute verlieren vor ihrem zweiten Lebensjahr sieben Elternteile und elf Großeltern, es geht immer noch schlimmer und blablabla, aber es ist einfach ein tiefer, tiefer Einschnitt ins Leben. Für mich sind Krankheit und Tod meines Vaters so tief prägend gewesen, dass ich ein ganz anderer Mensch bin, als ich es wäre, wenn er noch leben würde. Muss man nicht drüber klagen, aber ist eben so.

Neben der Tatsache, daß ich zu beiden Elternteilen immer ein sehr gutes Verhältnis hatte und ihn daher auch einfach als Menschen sehr wertschätzte, war ich damals auch noch an einem Punkt, wo ich mein Leben noch nicht ganz da hatte, wo ich es haben wollte.

Quasi noch nicht gefühlt "richtig erwachsen", oder? Oder interpretiere ich da jetzt das rein, was ich empfunden habe? Ich hab mich noch unfertig gefühlt, und auf einmal war er nicht mehr da, und ich habe ihn auf einer bestimmten Ebene nicht kennenlernen können.

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