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Kondolieren unter Arbeitskollegen

Alias 689215


Quasi noch nicht gefühlt "richtig erwachsen", oder? Oder interpretiere ich da jetzt das rein, was ich empfunden habe? Ich hab mich noch unfertig gefühlt, und auf einmal war er nicht mehr da, und ich habe ihn auf einer bestimmten Ebene nicht kennenlernen können.

Ich war zwar schon Ende 20, aber hatte noch keine eigene Familie, noch keine Kinder ect. und daher auch noch eine stärkere Bindung an das Elternhaus.

Hätte z.B. noch gerne gehabt, daß er Opa geworden wäre und seine Enkelkinder hätte aufwachsen sehen können.

Aber nicht nur alleine deswegen tat es besonders weh, sondern weil er einfach ein herzensguter Mensch war, selbst auch viel durchmachen mußte und zugleich so viel für mich getan hat.

Da hätte ich mir für ihn einfach noch ein längeres Leben mit noch vielen freudigen Erlebnissen gewünscht.

SWhojxo


Ja. Bis auf das Alter kann ich das alles so unterschreiben, er hat in dem Sinne das Erwachsenwerden seiner beiden Kinder auch nicht miterlebt. Er fehlt einfach. Immer noch. Und ich glaube inzwischen, das wird sich auch nicht mehr ändern. Er fehlt einfach. An den meisten Tagen wird es mir kaum bewusst, weil sie randvoll sind und ich nicht daran denke, an manchen Tagen trifft es mich immer noch so heftig, als wäre es ganz frisch. Klar, es hat sich auch verändert, der Schmerz hat sich verändert, mein Umgang damit auch, aber es geht nicht weg. Muss es ja auch nicht. Aber ich sehe schon vor mir, wie ich, wenn ich so alt werde, irgendwann mit 80 noch weine, weil vor 60 Jahren mein Vater gestorben ist, und schwupps, bin ich wieder ein Kind, das seinen Vater vermisst.

Na, immerhin hatten wir Väter, die man vermisst, wenn sie fort sind. Ist ja auch nicht immer so.

Alias 689215


Ja. Bis auf das Alter kann ich das alles so unterschreiben, er hat in dem Sinne das Erwachsenwerden seiner beiden Kinder auch nicht miterlebt.

Wie alt warst du denn, als du deinen Vater verloren hast?

Lebt deine Mutter wenigstens noch?

SzhojHo


Dreizehn, als er krank wurde, einundzwanzig, als er gestorben ist. Ja, meine Mutter ist noch da und großartig, wir verstehen uns prima und sehen uns oft. Es geht mir schrecklich gut. Ich hätte ihn halt gern dabei, das ist alles.
Viele Freunde von mir haben ihre Väter auch früh verloren. Eine Freundin sagte mal ziemlich bösartig: "Väter. Entweder scheiße oder tot, eins von beidem ist immer." Ich freu mich immer riesig, wenn ich jemanden kennenlerne, dessen Vater noch lebt UND prima ist. ;-D

Alias 689215


Tut mir auch leid für dich! :)*

V.a. ihn so lange noch krank sehen zu müssen, war bestimmt auch nicht einfach.

Vielen Todesfällen geht zwar eine Krankheit voraus (wenn man mal von Unfällen absieht), aber meiner hatte wenigstens keinen langen Leidensweg zu gehen.

Wenn jemand mehr oder weniger plötzlich und unerwartet verstirbt, dann ist zwar das Schockerlebnis größer, aber ich bezweifle, daß es viel besser ist, einen lieben Menschen lange Zeit krank sehen zu müssen und vielleicht sogar zu wissen, daß er nicht mehr gesund wird.

Also zu wissen, er oder sie wird an dieser Krankheit sterben, aber man weiß nur nicht wann.

Das stelle ich mir auch sehr quälend vor, weil man so ohnmächtig ist und die verbleibende Zeit zwar noch irgendwie nutzen möchte, aber es eben krankheitsbedingt doch nicht mehr so geht.

Oder wenn ein lieber Mensch zu einem Pflegefall wird ect.

Krankheit und Tod naher Angehöriger sind einfach schlimme Schicksale, mit denen man aber leider irgendwie klarkommen muß.

S,hfojxo


Wenn jemand mehr oder weniger plötzlich und unerwartet verstirbt, dann ist zwar das Schockerlebnis größer, aber ich bezweifle, daß es viel besser ist, einen lieben Menschen lange Zeit krank sehen zu müssen und vielleicht sogar zu wissen, daß er nicht mehr gesund wird.

Ist beides auf seine ganz eigene Art entsetzlich. Wer behauptet, eins von beidem sei besser, kann vermutlich auch sagen, ob Pest angenehmer ist oder Cholera. Grundsätzlich ist natürlich ein schneller Tod insofern "besser", als der Betroffene selbst nicht so lange leidet, aber für die Angehörigen finde ich beides fürchterlich. Wir hatten nach Beginn seiner Erkrankung noch viele Momente miteinander, die es so nicht gegeben hätte, viele Gespräche und gemeinsame oder geteilte Gedanken, die im Alltag gar nicht aufgekommen wären, das gibt es in der Form nicht, wenn jemand plötzlich verstirbt. Dafür muss man nicht zusehen, wie jemand, den man liebt, derart auseinandergenommen wird und verfällt. Na, wie gesagt – Pest und Cholera. Aber lieber so einen Vater gehabt und ihn verloren haben, als nichts gehabt zu haben und nichts zu verlieren.

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