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Kondolieren unter Arbeitskollegen

Alias 689215


Du schreibst von "damals". Wie lange ist es denn her? Und wie lange warst du in der Firma?

Das ist zwar kein großes Geheimnis, auch wenn ich es nicht unbedingt im Detail preisgeben möchte.

Aber auch an dich die Frage: Welche Rolle spielt das in diesem Zusammenhang?

Die Frage, wie lange es her ist, spielt meiner Ansicht nach deshalb keine Rolle, weil das Kondolieren per Karte an sich nichts Neues ist.

Und die Frage, wie lange ich damals schon in der Firma war auch nicht, weil die Art des Kondolierens doch nicht davon abhängen darf, wie lange ein Kollege schon dabei ist.

Und wie werden üblicherweise andere Anlässe gewürdigt?

Karten und Sammelaktionen gibt es bei uns normalerweise nur bei runden Geburtstagen, Verabschiedungen und evtl. wenn es bei einem Kollegen oder einer Kollegin Nachwuchs gegeben hat.

Bei Todesfällen ist das zumindest für mich etwas ganz Neues.

Früher hab ich davon jedenfalls nie etwas mitbekommen, zumindest nicht in unserer Abteilung.

Wer ergreift bei Anlässen üblicherweise die Initiative bei einer Aktion?

Da gibt es nicht die oder den Eine/n, sondern das macht jede/r irgendwann mal.

Sie geben Geld für ein Teammitglied der gleichen Berufsgruppe. Aber sie geben nichts für eine Putzfrau oder einen Azubi obwohl beide ebenfalls den ganzen Tag bei uns anwesend sind.

Ein solches "Klassendenken" finde ich auch absolut daneben. :|N :(v

S3hojYo


Aber mich würde einfach interessieren, wann und wo die Sache mit der Karte ihren Ursprung hat und warum man da erst jetzt draufgekommen ist, dies auch im Kollegenkreis zu machen.

Na, irgendwer hatte die Idee und hat es gemacht, und seitdem ist es eben üblich – das ist doch eine ganz normale Entwicklung. Und Du schriebst, bisher sei es um "entferntere" Kolleginnen in einer anderen Abteilung gegangen – gibt es da womöglich neue Kollegen, die diese Idee mitgebracht haben könnten? Oder einen neuen Chef oder so? Jedenfalls hat irgendwer damit angefangen, ob alter oder neuer Kollege, und es hat sich etabliert. Wenn etwas etabliert ist und dann bei Dir damit gebrochen würde, dann würde ich das auch als kränkend empfinden, zumindest als seltsam. Falls Dein Vater vor wenigen Monaten verstorben ist, kann ich ein etwas eigenartiges Gefühl nachvollziehen, wobei ich halt denke, irgendwann ist so ein Brauch das erste Mal da, und davor war er es nicht, und es wäre sehr eigenartig gewesen, wenn dann Monate nach einem Todesfall jemand ankäme und eine Karte nachreicht.

Vielleicht eine Entschuldigung und die Einsicht, daß das damals bei mir eigentlich auch angebracht gewesen wäre.

Ich komme nicht umhin, das zumindest als sehr seltsam zu empfinden. Eine Entschuldigung?

Alias 689215


Doch ich finde, dass es einen Unterschied gibt. Mit dem Partner lebt man zusammen und mit Kindern hat man sowieso eine spezielle Bindung.

Deswegen kann man aber trotzdem nicht pauschal sagen, daß dieser oder jene Trauerfall schlimmer oder weniger schlimm ist.

Ich würde das für sehr anmaßend halten.

Wenn man im Kollegenkreis per Karte kondoliert, dann sollte es jedenfalls keine Rolle spielen dürfen, ob nun ein Elternteil, der Partner oder ein Kind verstorben ist.

Das mit dem Geld kann man meinetwegen noch etwas differenzierter betrachten und auch die persönliche Situation und evtl. auch die Position des Trauernden in der Firma miteinbeziehen, aber zumindest eine Karte sollte es in jedem Fall geben.

Dass du das unbedingt ansprechen willst, finde ich befremdlich.

Ich finde es legitim, das anzusprechen.

Denn es ist für mich nicht einzusehen, warum bei Trauerfällen im Kollegenkreis mit zweierlei Maß gemessen werden soll.

Zumindest nicht, was die Karte betrifft.

Rehelxia


Eben wegen dem "Klassendenken" die Frage, wie lange du damals schon in der Firma warst.

Und auch die Frage, wie lange es her ist, spielt schon eine Rolle.

Aber die Antwort hast du ja jetzt schon mehrfach bekommen, hat sich wohl überschnitten.

"Damals" einfach nicht üblich, inzwischen schon.

Gräme dich nicht darüber. Es ändert die Situation von damals nicht.

Und ob du dich heute an einer Sammelaktion beteiligst oder nicht, musst du nach deinem Gefühl entscheiden. Vor allem, ob du den betroffenen Kollegen wertschätzt oder nicht.

Alias 689215


Ich komme nicht umhin, das zumindest als sehr seltsam zu empfinden. Eine Entschuldigung?

Ja natürlich!

Ich hätte jedenfalls ein schlechtes Gefühl dabei, einen Kollegen um eine Geldspende zu bitten und ihn auf einer Karte unterschreiben zu lassen, wenn das für ihn nicht so gemacht wurde, als er selbst einen gravierenden Trauerfall hatte.

SPhoj'o


Aber auch an dich die Frage: Welche Rolle spielt das in diesem Zusammenhang?

Wenn es schon lange her ist, ein Jahr, zwei, was sich für einen Trauernden selbst sehr kurz anfühlt, nicht aber für einen Außenstehenden, dann wird die Frage, wie damals kondoliert wurde und ob es eine Ungerechtigkeit darstellt, dass man bei Dir keine Karte überreicht hat, einfach nicht so im Bewusstsein der Kollegen existieren. Es ist nicht mehr sehr präsent für sie. Hast Du alle Daten drauf, ohne einen Kalender zu bemühen – wann sind Kinder Deiner Kollegen geboren worden, wann jemand in ihrer Familie verstorben, wann haben sie Geburtstag? Trägst Du Dir Todesfälle im Kollegenkreis in den Kalender ein, merkst Du Dir die Umstände, das Datum, kannst Du die Daten ohne nachzuschlagen zukünftig langfristig abrufen? Das ist es, was Du – eine gewisse Zeit seit dem Tod Deines Vaters vorausgesetzt – verlangst, wenn Du sagst, sie sollten sich entschuldigen. Dass sie es in Zusammenhang setzen, dass sie ein Versäumnis empfinden.

Nach Deiner Logik, die in diesem Fall eine Entschuldigung erfordert, dürfte man Bräuche niemals ändern beziehungsweise ausweiten oder verbessern, ohne sich im Nachhinein bei allen zu entschuldigen, die jemals mit der vorhergehenden Variante konfrontiert wurden.

Für mich bleibt nach wie vor die Frage: Fühlst Du Dich, als wäre der Tod Deines Vaters von anderen als Nebensächlichkeit empfunden worden? Hast Du noch viel mit der Verarbeitung zu tun? Oder fühlst Du Dich eventuell im Kollegenkreis nicht gut aufgehoben und wertgeschätzt? Ich empfinde die Forderung einer Entschuldigung als ein bisschen bizarr und kann sie nicht nachvollziehen, daher frage ich mich, welche Gefühle da eventuell tatsächlich hinterstehen.

m=arysxue


Stünde ein Kollege vor mir und würde laaaange danach , nach einer Entschuldigung verlangen...ich fänds mehr als seltsam und verstehe nicht warum du es brauchst um abzuschließen. Es gab keinen vergleichbaren Fall,schreibst du.warum also machst du dich heiß?

Wäre nun die selbe Situation beim Kollegen und es gäbe ne Karte,ja dann würde es mir evtl noch einleuchten,würdest du dir ein Kommentar nicht verkneifen können.aber das jetzt... Finde ich nicht gut und verstehe es absolut nicht.eine Entschuldigung bringt dir absolut nichts.

Sqhwojo


Ich finde es legitim, das anzusprechen.

Denn es ist für mich nicht einzusehen, warum bei Trauerfällen im Kollegenkreis mit zweierlei Maß gemessen werden soll.

Zumindest nicht, was die Karte betrifft.

Findet das Kondolieren zur selben Zeit einmal mit Karte statt, einmal ohne, ist es zweierlei Maß. Mit zeitlichem Abstand, möglicherweise immensem, ist es etwas anderes. Verstehst Du das nicht?

Sfhoxjo


Stünde ein Kollege vor mir und würde laaaange danach , nach einer Entschuldigung verlangen...ich fänds mehr als seltsam

Ich auch. Richtig unangenehm. Wäre mir unheimlich, der Kollege.

gMat%o


Wenn man im Kollegenkreis per Karte kondoliert, dann sollte es jedenfalls keine Rolle spielen dürfen, ob nun ein Elternteil, der Partner oder ein Kind verstorben ist.

Natürlich spielt es eine Rolle. Die Frage ist, wo man die Grenze ziehen sollte. Was ist mit Großeltern, Geschwistern, Tanten, Onkeln... Da kann ein Trauerfall noch viel schlimmer sein. Sollte man also bei jedem Trauerfall mit Karte kondolieren?

Cmleo 0Edwar,ds vv. }Davonp>oorxt


Hö, also ich glaube ich kann das auch nicht nachvollziehen wo das Problem ist und wieso du eine Entschuldigung willst.

Da kam halt irgendjemand auf die Idee und gut ist, möglicherweise auch jemand, der der Kollegin nahe steht oder so.

Mh, dass es dir emotional mit dem Tod deines Vaters sehr schlimm ging und die Trauer sicher so schlimm ist wie der Verlust eines Partners (das Kind nehme ich raus, weil ich einfach nicht glaube dass irgendein Verlust schlimmer als das des eigenen Kindes sein kann. Es ist schlicht das allerschlimmste an Verlusten natürlich ist das jetzt auf die Leute bezogen die Kinder haben)) will ich gar nicht bestreiten, aber es ist mehr oder weniger normal dass die Eltern versterben. Trauriger Lauf der Dinge. Da finde ich eine Kondolenzkarte der Kollegschaft sogar als befremdlich, irgendwie.

Glaube ich würde sogar nicht nett reagieren, wenn eine Kollegin eine Entschuldigung erwarten würde in dem Fall.

Wie gesagt, auf persönlicher und emotionaler Ebene will ich gar nicht bestreiten wie schlimm der Verlust eines Elternteils sein kann, aber die Kollegen haben damit mehr oder weniger nichts zu tun.

Und wenn der Partner verstirbt (in jüngeren Jahren), dann ist das einfach etwas anderes. Er war ein Teil der Kollegin, offiziell die andere Hälfte.

Der Vergleich ist vielleicht etwas geschmacklos, aber man lädt auf Partys mehr oder weniger automatisch den Partner mit ein, aber wenn die Eltern mitkämen... dann wäre das befremdlich.

Ein Ehe- bzw. Liebespaar gehört zusammen und verbringen ihr Leben zusammen (mehr oder weniger), die Eltern sind für die "Aufzucht" zuständig. Und das sage ich, wo mir meine Mutter viel mehr bedeutet als es ein Partner tun kann. Ich würde mehr trauern um meine Mutter als um einen Partner.

Alias 689215


Eben wegen dem "Klassendenken" die Frage, wie lange du damals schon in der Firma warst.

Und auch die Frage, wie lange es her ist, spielt schon eine Rolle.

Ok, wie lange ich in der Firma war, mag eine Rolle spielen, wenn man dieses "Klassendenken" zugrunde legt.

Aber sowas gibt es zumindest bei uns in der Abteilung nicht und hat es auch damals nicht gegeben.

Wie lange es jedoch her ist, spielt für mich deshalb keine Rolle, weil das Kondolieren per Karte (also jetzt ganz allgemein betrachtet) doch schon immer üblich war.

Somit hätte auch damals jemand schon auf die Idee kommen können bzw. es wäre zumindest nicht ganz abwegig gewesen.

Hast Du alle Daten drauf, ohne einen Kalender zu bemühen – wann sind Kinder Deiner Kollegen geboren worden, wann jemand in ihrer Familie verstorben, wann haben sie Geburtstag?

Ja, eigentlich hab ich diese Daten schon drauf.

Todesfälle gab es wie gesagt keine seitdem und die Geburtstage ihrer Kinder weiß ich zwar nicht auf den Tag genau, aber zumindest auf das Jahr kann ich es eingrenzen.

Und die Geburtstage der Kollegen selbst weiß ich alle auf den Tag genau, aber das wissen wir untereinander fast alle voneinander.

Nach Deiner Logik, die in diesem Fall eine Entschuldigung erfordert, dürfte man Bräuche niemals ändern beziehungsweise ausweiten oder verbessern, ohne sich im Nachhinein bei allen zu entschuldigen, die jemals mit der vorhergehenden Variante konfrontiert wurden.

Also wenn man es genau nimmt, dann ist es ja auch so.

Würdest du dich nicht gekränkt und benachteiligt fühlen, wenn man plötzlich anderen etwas zugesteht, das man dir früher in gleicher Situation nicht zugestanden hat?

Fühlst Du Dich, als wäre der Tod Deines Vaters von anderen als Nebensächlichkeit empfunden worden?

Nein, keineswegs.

Aber jetzt rückblickend empfinde ich es nicht ausreichend gewürdigt, wenn man nun den ganzen Tamtam mit Karte macht, aber es damals bei mir nicht gemacht hat.

Hast Du noch viel mit der Verarbeitung zu tun?

Ein geliebter Mensch fehlt immer, aber verarbeitet habe ich es eigentlich schon.

Wobei, wann kann man sagen, daß man es verarbeitet hat?

Es wird immer wieder Situationen geben, die alte Wunden aufreissen.

Und das ist z.B. auch so eine.

Wenn auch nicht sehr gravierend, aber ein kleiner Stich ist es schon.

Oder fühlst Du Dich eventuell im Kollegenkreis nicht gut aufgehoben und wertgeschätzt?

Auch das muß ich verneinen.

Es mag sicher nicht jeder jeden gleich gern (wie in jeder Firma), aber jeder respektiert den anderen und jeder hat sich bisher auch immer beteiligt, wenn für einen Kollegen gesammelt wurde ect.

Alias 689215


eine Entschuldigung bringt dir absolut nichts.

Aber zumindest die Einsicht sollte vorhanden sein, daß man es damals bei mir auch so hätte machen sollen.

Natürlich spielt es eine Rolle. Die Frage ist, wo man die Grenze ziehen sollte. Was ist mit Großeltern, Geschwistern, Tanten, Onkeln... Da kann ein Trauerfall noch viel schlimmer sein. Sollte man also bei jedem Trauerfall mit Karte kondolieren?

Entweder immer oder gar nicht.

Aber es geht einfach nicht, daß man nur bestimmte Trauerfälle mit einer Karte würdigt und andere nicht.

Zumindest sollte man bei direkten Angehörigen (also Eltern, Partner und Kinder) keinen Unterschied machen.

Und je nach dem, wie gut man den Kollegen und sein Verhältnis zu der verstorbenen Person kennt und wie schwer seine Trauer wiegt, kann man auch durchaus bei Tod von weiter entfernten Angehörigen mit einer Karte kondolieren, wenn das in der Firma generell so üblich ist.

Wie gesagt, auf persönlicher und emotionaler Ebene will ich gar nicht bestreiten wie schlimm der Verlust eines Elternteils sein kann, aber die Kollegen haben damit mehr oder weniger nichts zu tun.

Und wieviel mehr hab ich damit zu tun, wenn der Partner eines Kollegen verstirbt?

Den kannte ich persönlich genausowenig wie die Kollegen meinen Vater kannten.

Und wenn der Partner verstirbt (in jüngeren Jahren), dann ist das einfach etwas anderes.

Nunja, mein Vater war bei seinem Tod auch noch nicht wirklich alt. Also zu jung zum Sterben waren sowohl er als auch der Mann meiner Kollegin.

C`leo E1dward.s v. ]Dbavonpoort


Und wieviel mehr hab ich damit zu tun, wenn der Partner eines Kollegen verstirbt?

Den kannte ich persönlich genausowenig wie die Kollegen meinen Vater kannten.

Deswegen brachte ich ja den Vergleich mit der Party. Mit dem Partner der Kollegin hast du zwar nichts zu tun, indirekt aber schon, weil der Partner ein Teil ist von ihr. Die andere Hälfte eben. Für andere gehört ein Paar halt zusammen.

Nunja, mein Vater war bei seinem Tod auch noch nicht wirklich alt. Also zu jung zum Sterben waren sowohl er als auch der Mann meiner Kollegin.

Glaube ich gerne, aber normalerweise sterben die Eltern ja vorher und das Ehepaar bleibt zusammen. (Gut, ich weiß selber dass nicht wenige Paare einen Altersunterschied haben, wo ein Partner älter als die Eltern sind.)

C=leo Ed|waIrds v. Dav\onpoxort


Gato schrieb es ja, mit dem Grenzen ziehen.

Es ist mehr oder weniger eine offizielle Sache, soziale Umgangsform, Etikette. Das darf man nicht persönlich nehmen, so gemein und unschön das klingt. Wenn der Kollege seinen Partner verliert, dann gehört die Kondolenzkarte zu einer offiziellen Sache die man einfach macht. Eine Karte beim Verlust des Elternteils ist eine persönliche Sache, es ist nicht üblich für die Kollegen dort offiziell eine Kondolenzkarte zu überreichen.

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