» »

Kondolieren unter Arbeitskollegen

Alias 689215 hat die Diskussion gestartet


Bei mir in der Firma hat es sich in letzter Zeit eingebürgert, trauernden Kollegen mit einer Karte zu kondolieren und auch für sie zu sammeln.

Davon kann man jetzt halten was man will (ich finde, es müßte nicht unbedingt sein).

Aber wenn es gemacht wird, dann muß es auch konsequent bei allen gemacht werden.

Als nämlich vor schon etwas längerer Zeit mein Vater verstorben ist, hat man mir sicher auch die Anteilnahme zum Ausdruck gebracht, aber eine Karte habe ich nicht bekommen und gesammelt wurde da auch nicht.

Nun sind bei manchen Kolleginnen die Ehemänner verstorben und da wird aber jetzt plötzlich mit Karten kondoliert und auch gesammelt.

Diese Kolleginnen sind aus anderen Abteilungen, weshalb ich davon nicht direkt berührt war.

Aber vermutlich wird es bei einer unmittelbaren Kollegin, deren Ehemann kürzlich verstorben ist, nun auch so gemacht.

Einerseits möchte ich mich zwar nicht ausgrenzen, aber andererseits überlege ich mir schon, ob ich mich daran jetzt beteiligen soll oder nicht.

Denn normalerweise sollte ein einfaches, persönliches Kondolieren doch ausreichen.

Aber wenn es mit Karte und einer Sammelaktion gemacht wird, dann hätte ich mir das damals bei mir auch erwartet.

Es geht mir nicht ums Geld, aber ums Prinzip und um den Gedanken dahinter.

Es soll ja Leute geben, die die Ansicht vertreten, daß der Tod eines Elternteils nicht so schwerwiegend wie der eines Partners ist, aber diese Meinung teile ich in keinster Weise, weil man das so pauschal nicht sagen kann.

Denn jede Trauer ist individuell und als Außenstehender hat man sich nicht anzumaßen, hierüber zu urteilen bzw. die Schwere der Trauer pauschal in irgendwelche Kategorien einzuteilen.

Als mein Vater starb, war ich auch noch relativ jung und mein Vater ebenfalls noch nicht sehr alt.

Ich hätte ihn gerne noch länger gehabt und das war für mich daher schon sehr hart und bestimmt nicht weniger schwerwiegend.

Also zumindest beim Tod naher Familienangehöriger wie Eltern, Partner oder Kinder sollte hier kein Unterschied gemacht werden.

Und das würde ich, falls ich darauf angesprochen werde, auch gerne mal zur Sprache bringen.

Wie würdet ihr euch da an meiner Stelle fühlen und wie würdet ihr euch verhalten?

Antworten
RNhelxia


Es ist immer schlimm, wenn ein geliebter Mensch stirbt.

Allerdings gebe ich demjenigen Geld in die Karte, der auch für die Beerdigung bzw. auch für das Grab zuständig ist. Und das ist für mich vorrangig der Partner.

Wenn jemand noch im Arbeitsleben steht, kann man davon ausgehen, dass der verstorbene Partner noch jünger war. Sprich, durch den Tod fällt auch ein Einkommen weg und die Witwe /der Witwer bekommt evtl. zunächst auch finanzielle Probleme. Da wird dann eher Geld eingesammelt, als für jemandem, dessen Elternteil gestorben ist. Emotional sind alle Todesfälle gleich schlimm.

Ich kann mir schon vorstellen, das in den Kondolenzkarten, die deine Mutter bekommen hat, auch Geld beigelegt war.

Wichtig ist doch, das die Trauer ebenso zur Kenntnis genommen und entsprechend auch Rücksicht genommen wird. Es wäre natürlich ebenso angemessen gewesen, dir ebenfalls mit einer Karte zu kondolieren.

VAevodMkyxne


Wie würdet ihr euch da an meiner Stelle fühlen und wie würdet ihr euch verhalten?

Ich kann verstehen, dass du dir diese Form der Anteilnahme damals auch gewünscht hättest, aber ich würde versuchen, die Entscheidung, ob und wie ich kondoliere, nicht davon abhängig zu machen.

Einerseits möchte ich mich zwar nicht ausgrenzen, aber andererseits überlege ich mir schon, ob ich mich daran jetzt beteiligen soll oder nicht.

Denn normalerweise sollte ein einfaches, persönliches Kondolieren doch ausreichen.

Wenn du dieser Meinung bist, dann darfst du sie natürlich auch vertreten. Dann würde ich aber nicht ins Feld führen, dass du dir eine Sammelaktion und Karte von allen zusammen eigentlich auch gewünscht hättest. Das wirkt sonst nämlich so, als würdest du dich jetzt nicht aus Überzeugung, sondern aus Trotz enthalten und das fände ich in dem Zusammenhang offen gestanden schon befremdlich. Vor allem weil du damit womöglich jemanden strafst, der gar nichts dafür kann, weil es in deinem Fall eben noch nicht üblich war, zu sammeln. Ich würde auch bedenken, dass die Betroffenen wahrscheinlich gerade andere Sorgen haben und mich deshalb zurückhalten, also nicht die Ego-Schiene fahren, sondern einfach meinen Namen darunter setzen und etwas beisteuern, weil ich meine Mitmenschen nicht unnötig verletzen wollte.

Vielleicht ließe sich zu einem späteren Zeitpunkt mal thematisieren, dass du dir damals ähnliche Anteilnahme gewünscht hättest. Denn ich kann wie gesagt schon verstehen, dass du dir eine ähnliche Form der Anteilnahme gewünscht hättest und es tut mir leid, dass sie dir damals nicht entgegen gebracht wurde :°_

m-nexf


Und vor etwas längerer Zeit als dein Vater starb wurde das auch schon so gehandhabt?

Wussten alle bescheid?

Aber wenn es mit Karte und einer Sammelaktion gemacht wird, dann hätte ich mir das damals bei mir auch erwartet.

Es geht mir nicht ums Geld, aber ums Prinzip und um den Gedanken dahinter.

Geld oder Prinzipien, egal: Wenn du nicht aufrichtig kondolieren kannst/willst, sondern nur wenn andere Voraussetzungen erfüllt sind, fänd ichs nicht ehrlich. Daher würde ich es lassen. Wenn kondolieren, dann ohne wenn und aber.

S\hoxjo


Vor allem weil du damit womöglich jemanden strafst, der gar nichts dafür kann, weil es in deinem Fall eben noch nicht üblich war, zu sammeln.

Wichtiger Punkt. Wenn Dein Vater vor längerer Zeit verstorben ist und es sich erst in letzter Zeit eingebürgert hat, dass per Karte kondoliert und gesammelt wird, dann war es damals also noch nicht üblich?

Es geht mir nicht ums Geld, aber ums Prinzip und um den Gedanken dahinter.

Wenn es ums Prinzip geht, dann würde ich danach gehen, was ich mir selbst von Kollegen in so einem Fall wünschen würde, und es dann so handhaben. Ohne darauf zu schauen, wie es bei mir selbst war.
Hast Du Dich denn damals beim Tod Deines Vaters nicht richtig wahrgenommen gefühlt?

V/evo`dxkyne


Wenn es ums Prinzip geht, dann würde ich danach gehen, was ich mir selbst von Kollegen in so einem Fall wünschen würde, und es dann so handhaben.

:)z

Alias 689215


Sprich, durch den Tod fällt auch ein Einkommen weg und die Witwe /der Witwer bekommt evtl. zunächst auch finanzielle Probleme.

Das mag sein, aber durch die paar Euro, die bei so einer Sammlung zusammenkommen, fängt man das ja nicht auf.

Das hat allenfalls symbolischen Charakter, denn allein schon die Bestattung kostet ein Vielfaches von dem, was da so im Kollegenkreis zusammengeworfen wird.

Und es ist ja auch nicht üblich, den Kollegen die Bestattung zu finanzieren.

Ich kann mir schon vorstellen, das in den Kondolenzkarten, die deine Mutter bekommen hat, auch Geld beigelegt war.

Nur sehr begrenzt bzw. in den meisten Fällen gar nicht.

Es wäre natürlich ebenso angemessen gewesen, dir ebenfalls mit einer Karte zu kondolieren.

Richtig, und nur darum geht es mir.

Nicht primär ums Geld, sondern um den Gedanken, der dahintersteckt.

Warum ist damals bei mir niemand auf die Idee gekommen, zumindest gemeinschaftlich mit einer Karte zu kondolieren?

Ich hab mir damals natürlich nichts dabei gedacht, weil ich davon ausgegangen bin, daß einfach nur persönlich kondoliert wird.

Und meinen Schmerz hätte das sicher auch nicht mehr abgemildert, wenn ich zusätzlich noch eine Karte bekommen hätte.

Aber aus heutiger Sicht, wo ich das mit diesen Karten nun so mitbekomme, trifft mich das schon ein wenig, daß der Tod meines Vaters den Kollegen (und es sind immer noch weitgehend dieselben) damals keine Karte wert war.

Und sollte ich nun um eine Unterschrift und Spende gebeten werden, dann möchte ich das eigentlich schon mal zur Sprache bringen.

Natürlich möchte ich das ohne dem Beisein der aktuell trauernden Kollegin machen, aber das hätte ich von den anderen schon gerne gewußt, warum das bei mir damals anders gehandhabt wurde.

Alias 689215


Wenn du nicht aufrichtig kondolieren kannst/willst, sondern nur wenn andere Voraussetzungen erfüllt sind, fänd ichs nicht ehrlich.

Natürlich kann ich es, aber dennoch darf ich es doch unschön finden, daß das bei mir damals nicht so gemacht wurde.

Wichtiger Punkt. Wenn Dein Vater vor längerer Zeit verstorben ist und es sich erst in letzter Zeit eingebürgert hat, dass per Karte kondoliert und gesammelt wird, dann war es damals also noch nicht üblich?

Hätte ich heute komplett andere Kollegen als damals, dann würde ich ja noch nicht einmal was sagen.

Dann machen es die Neuen halt so und die anderen haben es damals nicht so gemacht.

Aber es sind heute exakt dieselben Kolleginnen und Kollegen wie damals.

Somit hätten sie, wenn sie das Kondolieren per Karte als angebracht empfinden, dies doch damals auch schon tun müssen, oder nicht?

m/ar\ysjuxe


Irgendwann fängt halt irgendwer damit an...dann ist es so.das heißt doch nicht das deine Trauer damit weniger ernst genommen wurde.

Was heißt "vor längerer Zeit"?

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht warum du das thematisieren möchtest.mach mit wenn du dahinter stehst,oder bleib beim persönlichen kondulieren.

Was erwartest du dir von der Sache? Es werden betretene Blicke kommen und niemand wird es dir recht erklären können.ausser vielleicht..."da war das einfach noch nicht so" ... Eben weil irgendwer eben erst irgendwann damit anfing.

Vielleicht ging jemand damit an,weil er/sie es sich selbst gewünscht hätte.

fWlowserlxi


Es braucht ja nicht unbedingt neue Kollegen um einen neuen "Brauch" einzuführen. Vielleicht hatte ein Kollege einfach die Idee, dass man das ab sofort so machen könnte. Haben damals andere eine Karte bekommen, nur du nicht?

Alias 689215


Was heißt "vor längerer Zeit"?

Inwiefern spielt der genaue Zeitpunkt in diesem Zusammenhang für dich eine Rolle?

Was erwartest du dir von der Sache?

Vielleicht eine Entschuldigung und die Einsicht, daß das damals bei mir eigentlich auch angebracht gewesen wäre.

Dann würde ich mit dieser Sache auch abschließen können.

Aber mich würde einfach mal interessieren, was ich da zur Antwort bekomme, wenn ich die Kollegen damit konfrontiere.

"da war das einfach noch nicht so"

Das wäre jedoch keine besonders tolle Antwort.

RuheVliga


Natürlich können Kollegen keine Beerdigung finanzieren. Ich wollte damit nur sagen, wie ich z.B. kondolieren würde oder warum ich dieser Person Geld beilegen würde oder eben nicht.

Du schreibst von "damals". Wie lange ist es denn her? Und wie lange warst du in der Firma?

Und wie werden üblicherweise andere Anlässe gewürdigt?

Wer ergreift bei Anlässen üblicherweise die Initiative bei einer Aktion?

Es gibt manchmal auch ganz merkwürdige, ungeschriebene Regeln.

In meinem Betrieb gibt es verschiedene Abteilungen, mit unterschiedlicher Teamgrösse.

Meist ist es ein Mitglied eines kleinen Teams, der dann Initiative zeigt und auch mal abteilungsübergreifend agiert.

In grossen Teams geht verschiedenes unter.

Auch haben bei uns manche Kollegen merkwürdige ansichten. Sie geben Geld für ein Teammitglied der gleichen Berufsgruppe. Aber sie geben nichts für eine Putzfrau oder einen Azubi obwohl beide ebenfalls den ganzen Tag bei uns anwesend sind. Deshalb auch meine Frage, wie lange du schon in der Firma warst.

Aber ich vermute auch, das es "damals" einfach noch nicht üblich war, bzw. Auch niemand die Initiative ergriffen hat. Das kann sich einfach geändert haben. Deshalb solltest du dich jetzt nicht ausgegrenzt fühlen.

Alias 689215


Haben damals andere eine Karte bekommen, nur du nicht?

Es gab damals keinen vergleichbaren Fall und seitdem gab es im unmittelbaren Kollegenkreis auch keinen Todesfall eines nahen Angehörigen mehr.

Denn wenn ich mitbekommen hätte, daß andere Kollegen damals in vergleichbaren Fällen ebenfalls keine Karte bekommen hätten, dann hätte ich mir auch nichts weiter dabei gedacht.

Aber mich würde einfach interessieren, wann und wo die Sache mit der Karte ihren Ursprung hat und warum man da erst jetzt draufgekommen ist, dies auch im Kollegenkreis zu machen.

Denn ganz allgemein ist das Kondolieren per Karte ja nichts Neues.

m>arysuBe


Würden wir von Jahren sprechen,fänd ich es äußerst seltsam.

Was wäre denn eine passende Antwort? Ich verstehe es so,als möchtest du nun einfach ne Entschuldigung.

Aus welchem Grund? Es war damals nicht so.fertig.man hat dich in deiner Trauer nicht ignoriert.man hat dir nur keine Karte mit (oder ohne) Geld überreicht.inwiefern hätte es geholfen? Gar nicht...

Wichtig ist doch Anteilnahme,nicht die Form.

g{atro


Also zumindest beim Tod naher Familienangehöriger wie Eltern, Partner oder Kinder sollte hier kein Unterschied gemacht werden.

Doch ich finde, dass es einen Unterschied gibt. Mit dem Partner lebt man zusammen und mit Kindern hat man sowieso eine spezielle Bindung. Wobei das bei jüngeren Kindern noch mal viel tragischer ist. Wenn da jemand verstirbt ist das schon etwas anderes als wenn die Eltern sterben, auch wenn es emotional ebenso schlimm sein kann.

Insofern finde ich es nachvollziehbar, wenn der Kollegin eine finanzielle Aufmerksamkeit zukommen soll. Schließlich fällt ein Einkommen weg, Wohnung/Haus, Lebenssituation muss ggfs. neu geordnet werden. Bei einem verstorbenen Elternteil erschließt sich mir diese Geste dagegen nicht.

Dass du das unbedingt ansprechen willst, finde ich befremdlich.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Abschied und Trauer oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Gedenken


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH