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Mein Papa wird bald sterben, und wir müssen es ihm sagen

KgarlV(alexntin


Hallo faith47,

sehr schwer, was euch der vertraute Hausarzt da hinterlassen hat. Ich kann gut verstehen, dass du völlig am Ende bist, und wünsche dir viel Kraft für die kommenden Wochen.

Mir ist aber etwas anderes aufgefallen: Deine Überschrift lautet

"wir müssen es ihm sagen."

jedoch scheint deine Mutter ganz anderer Meinung zu sein...!

Das scheint mir der wichtigste Punkt zu sein: Dass ihr als Nächststehende euch nicht einig seid, was jetzt für ihn gut wäre.

Es gibt viele gute Gründe, einem Todkranken zu sagen, wie es um ihn steht und welche Perspektive er hat. Für nächste Angehörige ist das allerdings eine Zumutung, denn sie haben ja selbst damit zu kämpfen, dass sie den Sterbenden nicht gehen lassen können, also die bittere Wahrheit gar nicht aussprechen können, ohne dass für sie selbst eine Welt zusammenbricht.

Diesen Widerstand höre ich bei deiner Mutter heraus, und ich kann das gut verstehen. Wenn der Arzt nicht in der Lage sein sollte, das zu tun, was er als Arzt tun muss, dann solltet ihr für die Aufklärung jemand anderen finden, einen sehr engen Freund deines Vaters, einen Seelsorger, jedenfalls jemanden, der ein bisschen mehr Abstand hat als ihr selbst.

Ihr solltet es aber nicht selbst machen, und schon gar nicht "müsst" ihr...!!

Das Palliativteam zuzuziehen finde ich sehr gut. Ihr werdet es brauchen können, nicht nur für den Vater, sondern auch für euch selbst.

Ihr müsst unterscheiden: Es gibt seine Kränkung/Traurigkeit/Verzweiflung, dass sein Leben nun bald zu Ende gehen wird. Und eure Kränkung/Traurigkeit/Verzweiflung, dass ihr euer Leben ohne ihn leben müsst. Beides ist aber nicht das Gleiche!

Möglicherweise kommt dein Vater an einen Punkt, wo er dieses Leben loslassen möchte, um sterben zu können. Stell dir vor, er kann das nicht zeigen, weil er sich verpflichtet fühlt, euch die Möglichkeit des Gesundwerdens vorzuspielen...! (Während ihr längst wisst, dass es diese Möglichkeit nicht geben wird – was er aber nicht weiß...)

Ich finde ein solches Versteckspiel aus gegenseitiger Rücksichtnahme gar nicht gut, weil es ein wirkliches, bewusstes Abschiednehmen blockiert. Aber deine Mutter müsste schon über ihre Verlassenheitsängste hinauswachsen, um deinem Vater einen Abschied in Ehrlichkeit zu ermöglichen. Also versucht euch zu verständigen, was für deinen Vater jetzt wirklich das beste ist.

sfchruankrxr


hey faith47,

traurige nachrichten, nimmt selbst einen mit, der eigentlich dich/euch nicht kennt.

du solltest dir selbst einmal die frage stellen, wie es für dich wäre, wenn personen, die dir nahe stehen es wissen und du es aber nicht gesagt bekommst. ich denke einmal, das du es auch wissen möchtest.

auch wenn es hart klingt und kalt rüber kommt via text: sag es deinem vater. er hat es verdient, es zu wissen.

Jdan7x4


Ich habe gerade einen ähnlichen Fall in der Familie.

Wo ich wirklich denke "meine Güte" ist die Formulierung "der Arzt". So eine Krankheit gehört nicht in die Hände des Hausarztes!!!! Der Patient muss in einem guten Krankenhaus auf der Krebsstation erstmal gründlich untersucht werden! Vorher macht die ganze Diagnose-Feststellung doch gar keinen Sinn. Und wenn er schon von "ein paar Metastasen" weiss, wird er eine solche Untersuchung sicherlich auch sinnvoll finden.

fQa9itZh47


Jan und auch an alle anderen mein Dank für eure Antworten. Wir fahren nächste Woche Samstag, so mein Papa es noch schafft, für eine Woche in den Urlaub. Er freut sich so unglaublich auf diesen Urlaub, Wir haben ihn schon so lange geplant und mein Sohn kommt mit. Er möchte diesen Urlaub um jeden preis antreten.

Dann am Montag darauf, wenn wir wiederkommen, hat er einen Termin in der Onkologie in dem KH in der nächst größeren Stadt. Vor dem Urlaub werden wir es ihm nicht sagen, damit er diesen noch einigermaßen genießen kann.

Er hat so stakre Schmerzen.

Meine Mama verzweifelt fast, weil sie nicht weiß, wie sie danach hier alleine weiterleben soll. Sie bekommt noch nicht mal alleine den PC gestartet und dabei ist sie erst 48. Mein Papa hat immer alles geregelt, geplant, in die hand genommen und auf einmal muss sie alles alleine machen.

Wie kann ich sie denn nur trösten?

-kvietn[amesxin-


faith was du beschreibst geht ganz vielen Witwen so. Meiner Mutter wird es eines Tages auch so ergehen, sie ist erst 53, sie kann weder Geld vom Automaten abheben, noch weiss sie sonstwiewas Bescheid in Alltag. Mehr als normal Einkaufen kann sie quasi nicht.

Da wird man nachher ins kalte Wasser geworfen. Ich finde du solltest sie unterstützen danach, ihr zeigen wie etwas geht, sie begleiten, es aber nicht für sie machen, sondern mit ihr zusammen, damit sie weiss wie was wo funktioniert. Das muss halt gelernt werden und ist auch keine Schande. Es gibt reichlich Frauen die so da stehen. Nur gibt es kaum jemand zu.

OvraLnge>Canyxon


War dein Vater bisher schon im Krankenhaus oder wie kommt der Hausarzt zu der Diagnose?

Keine leichte Situation in der du steckst, jedoch schließe ich mich der Mehrheit an.....es ist nicht eure Aufgabe, eurem Vater die Diagnose mitzuteilen. Sehr wohl aber die Aufgabe des Arztes. Ich als Patient würde mich um meine letzten Tage betrogen fühlen, wenn das vor mir verheimlicht wird, es die ganze Familie aber bereits weiß.

Ccrank~1


Diese Situation ist äusserst tragisch und sehr sehr unglücklich verlaufen. Man kann jetzt noch so viel darüber debattieren, dass jedem Patienten, dem solch ein schweres Schicksal erleidet, auch und natürlich sofort und als erster überhaupt, diese Nachricht erhält, aber das ändert ja nun leider auch nichts mehr.

Ich finde allerdings auch, dass es ein Fehler ist, nun noch weiterhin, Deinem Vater im unklaren zu lassen. Jeder hat große Angst, aber diese Angst wird ja nicht weniger, wenn man noch länger schweigt!

Er sollte es tatsächlich schnellstmöglich erfahren, da ihr dann auch noch gemeinsam als Familie, dieses schlimme Leid offen gegenüber teilen könnt und auch müsst.

Leicht ist was anderes, ich weiß, aber weiter zu schweigen, aus Angst, ist hier nun völlig fehl am Platz und gegenüber Deinem Vater auch sehr unfair, auch wenn ihr alle es gut meint.

Ich würde mit Ihm zum Arzt ins KH ,dort wo die Diagnose gestellt wurde und meinem Vater dann vom behandelnden Arzt direkt aufklären lassen, damit er endlich Bescheid weiß, aber auch, damit Euch etwas unerträgliche Last abgenommen wird, was dieses Thema jedenfalls betrifft.

Da es manchmal in solchen Fällen recht schnell gehen kann, würdet Ihr Euch später sicher Vorwürfe machen, was aber niemanden mehr etwas bringt.

Die Wahrheit allerdings, birgt auch die Möglichkeit, sich endlich noch einmal offen über alles zu unterhalten, was einem (jedem) in der Familie noch wichtig ist, um auch selber irgendwann mal den eigenen Frieden finden zu können.

So sehe ich das jedenfalls.

Alles Gute für Dich faith47 und auch für Deine ganze Familie *:) :°_

Das falsch ausgesprochene ,ist nicht selten ,ein nachsichziehender dunkler Schleier, ebenso, wie das unausgesprochene, obwohl es noch die Möglichkeit dazu gibt oder gab, was es fast noch schlimmer macht.

BQatexr W.


Vielleicht will der Vater es ja gar nicht wissen?

Oder aber er weiß längst, wie es um ihn steht?

:°_

CurHank1


Das mag ja sein, aber ändert leider nichts daran, dass die Ungewissheit, einen innerlich zerreissen kann, undzwar nicht nur dem Vater, sondern allgemein bei allen Beteiligten.

Ausgesprochene Worte sind Tatsachen, die einem nicht ewig nachhängen und verzweifeln lassen, da eben nur Worte an sich auch Reaktionen im allgemeinen für jeden einzelnen zulassen, ohne später immer wieder spekulieren zu müssen, was wäre wenn!

Nach dem Tod eines Menschen, gibt es immer wieder noch Jahre später Fragen, die nie mehr eine Antwort finden werden, was zusätzlich belastet. Ein plötzlicher unerwarteter Tod inpliziert das leider automatisch, aber ein bevorstehender Tod, gibt noch Möglichkeiten der Konsevation, was sehr hilfreich sein kann und auch meistens ist und das für Alle!

Wahrscheinlich ahnt oder weiß er es schon längst und tut sich auch schwer damit, weil er niemanden zusätzlich belasten möchte, ohne zu ahnen, dass das schweigen, nichts besser, sondern leider schlimmer macht.

Und wenn das dann beide Seiten so sehen, dann sind sie wie gelähmt und können nicht mehr rational erahnen, was sie in dieser Zeit verstreichen lassen, leider.

Awnti:goxne


Ich bin dafür, dem Kranken zu sagen, was er hat – aber nicht jeder Zeitpunkt ist ideal.

Wir fahren nächste Woche Samstag, so mein Papa es noch schafft, für eine Woche in den Urlaub. Er freut sich so unglaublich auf diesen Urlaub, Wir haben ihn schon so lange geplant und mein Sohn kommt mit. Er möchte diesen Urlaub um jeden preis antreten.

In diesem Fall könnte man für die Zeit bis und während des Urlaubs von einer Pankreasentzündung sprechen.

Danach würde ich es ihm aber sagen oder vom Hausarzt sagen lassen. Er hat ein Recht auf die Wahrheit und ein Recht darauf, seine "Angelegenheiten" selbst regeln zu können und ein Recht darauf, die letzte Zeit so zu gestalten, wie er es für richtig hält.

@:)

Ksapuzinxerkrsessex2


@ Faith47

Vielleicht solltet Ihr wegen der starken Schmerzen doch noch einmal wegen des Opiats überlegen? Dein Papa möchte es nicht, hast Du geschrieben? Kann es sein, dass es für ihn so etwas wie die endgültige Gewissheit wäre, dass er schwerstkrank ist und er es deshalb nicht möchte?

Vielleicht kann der Hausarzt da doch noch einmal mit ihm reden, dass er diese Schmerzen nicht aushalten muss?

fjaith4e7


Hallo und heute auch wieder vielen Dank für eure lieben Antworten.

Ich bin gestern Abend nach Hause gefahren, weil ich hier einige Dinge regeln muss und nochmal einen Tag für mich brauche. Mein Exmann und mein Sohn sind bei meinen Eltern und heute Abend fahre ich auch wieder hin. Mit Abstand betrachtet, wird mein Leben danach einfach weitergehen. Wenn ich hier zu Hause sitze, ist es so, wie immer. Ich wohne schon so viele Jahre weit weg von meiner Familie, dass ich es nicht anders gewohnt bin. Meine Mama tut mir so leid, sie ist danach ganz alleine dort.

Vietnamesin-du hast Recht. Meine Mama wird viele Dinge erlernen müssen. Ich schätze sie allerdings so ein, dass sie vor sich hin vegetieren wird. Sie ist keine Kämpfernatur, sie erträgt schlimme Dinge nicht.

Ich sehe es grudsätzlich auch so wie die meisten hier. Mein Papa muss die Wahrheit erfahren. Nicht nur, damit wir alles nötige regeln können, sondern vor allem auch, damit wir gemeinsam trauern können. Dieses Versteckspiel, was wir in den letzten Tagen betrieben haben, ist kaum auszuhalten. Wie soll man denn lachen, wenn man nur weinen und verzweifeln möchte?

Meine Mama und ich haben deshalb beschlossen, nun am Samstag gemeinsam in den Urlaub zu fahren und ihm nach dieser Woche, die Wahrheit zu sagen bzw. wir werden es nicht selbst machen. Ich habe mit der onkologischen Abteilung in dem Krankenhaus Kontakt aufgenommen, die meinen Papa betreuen werden und mir wurde gesagt, dass sie dort mit uns gemeinsam meinen Papa aufklären werden.

Und ganz ehrlich, ich könnte das auch nicht. Meinen lieben Papi in die Augen zu sehen und ihm sein Todesurteil zu überbringen.

Warum muss sowas nur uns pasieren? Mein Papa ist so ein lieber, herzensguter Mensch. Immer hat er überall mit angepackt, hat sich nie beklagt, war immer für alle da. Er hat das einfach nicht verdient :°(

Kapuzinerkresse...ich habe vom Hausarzt ein starkes Morphium-Präparat mitbekommen. Mein papa hat am Wochenende eine Tablette davon genommen. Er sagt, dass er den ganzen Tag davon benebelt war und das nicht nochmal möchte. Nun ist sein Hausarzt auch genau in dieser Woche im Urlaub und am Samstag fahren wir ja schon.

Weiß denn zufällig jemand, was ich noch alles rezeptfrei besorgen könnte, falls es meinem papa schlechter geht? Ist mit Übelkeit oder Erbrechen zu rechnen? Ich hab solche Angst.

E+hemali1ger Nu|tzer( (k#467193)


die meinen Papa betreuen werden und mir wurde gesagt, dass sie dort mit uns gemeinsam meinen Papa aufklären werden.

Super. Das ist sooo wichtig. Wo erfolgt die Aufklärung? Bei euch Zuhause oder auf der zuständigen Abteilung?

ich habe vom Hausarzt ein starkes Morphium-Präparat mitbekommen. Mein papa hat am Wochenende eine Tablette davon genommen

Kannst du das vielleicht genauer schildern? Hat er gewusst, was er da nimmt?

f?aitxh47


Tilidin heißt das, ich habe gerade mal gegoogelt, es ist sogar ein Opiat.

Ja, mein papa wusste das. Und er sagte wohl auch bevor er das eingenommen hat zu meiner Mama, dass dies wohl sein Ende bedeutet, wenn er soetwas nehmen muss :°(

Ich rufe gleich mal bei der psychoonkologischen Betreuung in dem KH an und frage nach, wo diese Aufklärung stattfinden wird.

Ewhemaligerr Nutzerv (#4x67193)


a, mein papa wusste das. Und er sagte wohl auch bevor er das eingenommen hat zu meiner Mama, dass dies wohl sein Ende bedeutet, wenn er soetwas nehmen muss

Ja, weil dein Vater zwar eine Erkrankung hat, die nurmehr eine palliative Versorgung zulässt, aber trotzdem ein mündiger und erwachsener Mensch ist. Deswegen find ich es persönlich furchtbar, jemanden Medikamente zu verschreiben, ohne ihn über seine Erkrankung aufzuklären.

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