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Legalisierte Sterbehilfe – moralische Sterbeverpflichtung?

lainake;Sozcke6x2 hat die Diskussion gestartet


Zur Zeit ist das Thema in aller Munde: Wenn absehbar ist, dass die Erkrankung des Patienten auf jeden Fall zum Tode führt, solle die aktive Sterbehilfe durch Ärzte legalisiert werden.

Ich möchte hier nicht die tausendste Diskussionsrunde eröffnen, ob man sich angesichts einer schrecklichen und todbringenden Erkrankungen das Leben nehmen soll, ob mit oder ohne Hilfe.

Meine Frage ist eine andere:

Wenn es nun verstärkt zu solchen Suiziden kommt, was macht das mit den Menschen, die tödlich erkrankt sind, aber noch an ihrem Leben hängen?

Sie klammern sich an jeden Tag, an jede Aktivität, die ihnen noch möglich ist, jedes Gespräch.

Gleichzeitig sehen sie, wie ihre Familie mit ihnen leidet. Der oft monatelange Kampf mit dem Tod setzt nicht nur dem Sterbenden zu. Angehörige pflegen den Sterbenden, geben ihren Job dafür auf. Kinder sehen zu, wie Mama oder Papa nur noch Schatten ihrer selbst sind.

Was denkt ihr, wie groß ist der von der Gesellschaft ausgehende moralische Druck, "dem ganzen ein schnelles Ende" zu machen? Um niemanden zur Last zu fallen, der Familie nicht auf der Tasche zu liegen, den Angehörigen nicht den schrecklichen Anblick (Geruch) etc zuzumuten.

Vergesst nicht, wir leben in einer Zeit, in der Eltern behinderter Kinder sich fragen lassen müssen, warum sie nicht abgetrieben hätten, sie hätten es doch vorher gewusst. "Da gibt es doch Möglichkeiten"

Denkt ihr nicht, die gleiche Gesellschaft sagt auch dem Sterbenden "los, mach Schluss, wir ertragen dein Leiden nicht"?

Antworten
Efhemalig;er NButze(r (%#46R719x3)


Wenn es nun verstärkt zu solchen Suiziden kommt, was macht das mit den Menschen, die tödlich erkrankt sind, aber noch an ihrem Leben hängen?

Was genau hat Suizid nun mit aktiver Sterbehilfe zu tun?

RAistsridin_v}om_ySüdxen


Soweit ich weiß, ist das Szenario, das Du ansprichst, der Hauptgrund dafür, dass aktive Sterbehilfe derzeit in Deutschland nicht legal ist.

Die Leute, die einem schwerkranken, sich Tag für Tag mit Schmerzen herumquälenden Menschen den Tod nicht erleichtern mögen, wenn er es selbst will, dürften in der Minderheit sein. Aber eben, man muss fragen, was man mit einer Legalisierung möglicherweise auslösen könnte.

Ich halte das für ein leider sehr realistisches Szenario. Nicht nur, dass sich Todkranke selbst verpflichtet fühlen könnten, der Sterbehilfe zuzustimmen – es könnten auch Angehörige, die keine Lust haben, den Menschen zu pflegen, diesbezüglich beharrlich auf ihn einwirken.

Deshalb ist die Sterbehilfe eben ein schwieriges Thema, und ich glaube, es wird auch in Zukunft keine Lösung geben, die allen Seiten gerecht wird.

gKp5X6


Ich halte das für ein leider sehr realistisches Szenario

ich auch.

J2an7x4


Das sind aber zwei Paar Schuhe..

Eine unheilbare, auf jeden Fall zum Tode führende Krankheit bedeutet nicht unbedingt auch ein starkes Leiden. Für die option "Sterbehilfe" muss ja zusätzlich noch die Bedingung "... und das Leben ist nur noch Schmerz und eine einzige Qual" erfüllt sein.

Insofern ist es sicherlich erheblich davon abhängig, wie groß die Lebensmotivation des Betroffenen Patienten ist.

Ansonsten denke ich, dass auch der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe des kranken für die Angehörigen eine nicht unerhebliche seelische Belastung ist. Das nimmt sich doch unterm Strich nicht so viel.. klar, hinterher sagt man immer gerne "ist besser so für ihn/sie, er/sie muss nicht leiden", aber die Gefühle im Vorfeld sind dann ja doch in der Regel ein Stück weit dramatischer. Also ich denke nicht, dass da viel Druck entsteht. Aber ich mag auch naiv sein. Vermutlich gibt es da alle möglichen Varianten an Einzeifällen.

gdp56


"Sterbehilfe" muss ja zusätzlich noch die Bedingung "... und das Leben ist nur noch Schmerz und eine einzige Qual" erfüllt sein.

im Moment gibt es ja noch kein Gesetz dazu. Es ist wohl im Entstehen. Natürlich sollten wir abwarten wie es Formuliert wird. An anderer Stelle habe ich ja vehement meine Meinung zu Sterbehilfe bei Demenzkranken vertreten. Ich sehe keine große Gefahr bei Kranken, bei denen

"... und das Leben ist nur noch Schmerz und eine einzige Qual"

zutrift. Obwohl es sicher immer wieder die Situation geben wird, bei denen die Kranken auf die Möglichkeit des unterstützten Suizids hingewiesen werden. Das kann sicher als Druck empfunden werden.

Bei Demenz sehe ich eine große Gefahr wenn diese Krankheit auch als suizidfähig eingestuft wird. Da können sich schon Personen mit frischer Diagnose genötigt sehen zu handeln. Und das, obwohl sie Anfangs noch bei klarem Verstand und schmerzfrei sind.

E:loB6act


Das ist unerhört...Sterbeverpflichtung.

Wenn jemand das Sterben eines anderen nicht erträgt, ist es sein Problem, nicht das des Sterbenden. Wenn mir jemand auf den Geist geht, kann ich ihn auch nicht dazu verpflichten, sich den Garaus zu machen, damit es mir besser geht.

Sterbehilfe ist ja schon ein heikles Thema aber Sterbeverpflichtung ist regelrecht pervers.

Cgomfraxn


Man sollte betonen, dass es hier um aktive Sterbehilfe geht. Passive Sterbehilfe durch Unterlassen ist legal (vor allem, wenn der Betroffene dies in einer Patientenverfügung detailliert dargelegt hat, welche lebenserhaltenden Maßnahmen einzustellen sind).

Mein Hausarzt befürwortet übrigens auch die aktive Sterbehilfe. Ist aber durch die "christlich-abendländische" Kultur sowie die spezielle deutsche Geschichte ein sehr heißes politisches Eisen. Aber unter klaren und engen Bedingungen ist es nur human.

Dass man sich von seinem Umfeld als Kranker dazu drängen lässt, das glaube ich nicht. Und egal, wie mal eine legale aktive Sterbehilfe aussehen wird (sie wird ohnehin kommen): nur weil man nicht gut riecht, Arbeit und Kummer macht, wird niemals ein legaler Grund sein. Grundbedingung wird immer die Unheilbarkeit sowie eigenes Leiden und natürlich eine eigene Entscheidung sein.

aCnders'_als_a3ndeJrxe


Auch ich kann keine Lösung dieses Problems beisteuern.

Aber einen zusätzlichen Punkt. Wenn ich einmal todkrank sein sollte, möchte ich nicht, dass ein ganzer Tross von Kranken- und Pflegepersonal mich lange am Leben erhält, um mich finanziell "auszuweiden".

Das, was ich hinterlasse, gehört meinen Kindern und nicht Fremden, die mein Leid verlängern.

E8hemalfigeGr Nu~tzerg (#+4V67x193)


und nicht Fremden, die mein Leid verlängern

Wenns dich tröstet, das ausführende Pflegepersonal sieht ohnehin kaum was von dem Geld, was Bewohner einzahlen und verdienen recht schlecht. Wie sollen die dich finanziell ausweiden?

a/ndzers5_als_a%ndexre


@ Grognor

Naja, wenn es nicht das Personal ist (ich kenne das Klagelied), werden es unter anderem die teuren Medikamente und die Banken sein, die ihre Zinsen für die Baukredite der Kranken- und Pflegeheime wollen.

Im Bekanntenkreis werden gerade von Staats wegen die finanziellen Verhältnisse der Kinder geprüft, um die pflegebedürftige Mutter zu unterstützen. Die Rente reicht nicht.

Von daher kann ich die Problematik "Sterbeverpflichtung" nachvollziehen, aber nicht lösen. Wie sinnvoll ist das jahrelange Dahindämmern im Pflegeheim, wenn nicht mal die eigenen Kinder erkannt werden?

l0inkeSoCckex62


ich halte es auch für ein recht realistisches Szenario. Versteht mich nicht falsch. Das Recht auf den selbstbestimmten Suizid, ob mit oder ohne Hilfe, will ich niemandem absprechen.

Ich mach mir nur Gedanken, ob die ganze Sache nicht tatsächlich zum Selbstläufer wird. Ich will mal nen anderen Aspekt einbringen: ich weiß von Kollegen, die Angehörige im Ausland haben, z.B. auf den Philippinen, dass es da manchmal Krankheiten gibt, bei den alten Eltern z.B., die durchaus therapierbar sind. Aber das kostet ne Menge Geld. Da steht dann die Familie vor der Frage: finanzieren wir Opa die Herz OP oder kann unser Kind studieren? Und ich weiß, dass manch alter und kranker Mensch dann von sich aus die Notbremse zieht um nicht zur Belastung zu werden. Dies könnte – in abgeschwächter Form – auch bei uns Realität werden.

Man will den Angehörigen nicht zur Last fallen, man will ihnen nicht auf der Tasche liegen, man will seinen Enkelkindern nicht den eigenen Anblick zumuten, wenn man, abgemagert auf 40 kg und mit deutlichen Zeichen des Verfalls, im Bett liegt.

In Sachen Medizin hat sich bei uns häufiger gezeigt, dass das, was machbar ist (Abtreibung behinderter Föten, Begradigung von Nasen, Anlegen von Segelohren, Brustvergrößerungen) auch irgendwann zum gesellschaftlich erwarteten Standard wird.

Das lange Leiden hat auch bei uns teilweise finanzielle Einbußen innerhalb der Familie zur Folge, z.B., weil jemand seinen Job an den Nagel hängt um den Partner zu pflegen oder ihm einfach in seinen letzten Monaten beizustehen.

Ich habe einfach die Befürchtung, dass manch einer, der vielleicht doch noch, trotz seiner tatsächlich schweren Erkrankung, ein Stück weit am Leben hängt, aber sich verpflichtet fühlt, es eher zu beenden.

aqnders_ails_|andexre


Bisher haben wir über alte und kranke Menschen diskutiert.

Wie steht es denn mit denen, die sich vor einen Zug werfen und anderen zumuten, ihren Matsch wieder einzusammeln? Die Frage gehört doch auch zu dem angeschnittenen Thema.

EDhemZalig6er N3utwz7er 0(#467x193)


Find generell, dass Sterbehilfe ein wirklich großer Begriff ist. Da gibts soviele Abstufungen. Am wichtigsten find ich da den Unterschied zwischen Aktiver Sterbehilfe und Assistiertem Suizid.

Bei zweiterem führt die todbringende Handlung immer noch der Patient selbst durch.

b7eetdlejuaice2x1


was hat denn ein suizid (der so auch in meinen augen sehr egoistisch ist) mit sterbeverpflichtung und aktiver sterbehilfe zu tun?

Ich glaube nicht, dass es jemals dazu kommt, das man sich aussuchen kann ob die Oma nun noch 1 jahr pflegeheim kostet oder man ihr doch lieber ne Pille zum sterben gibt.

Das wirds so nicht geben.... nicht mit unserer Vorgeschichte.

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